IW-Studie: Leistungsträger sind die fiskalischen Packesel der Republik

Um die Defizite im Sozialstaat zu finanzieren, werden die Beitrags- und Steuerzahler immer mehr geschröpft. Dabei läuft die Umverteilungsmaschine längst auf Hochtouren, wie die Studie belegt. Danach bekommen Arbeitslose und Geringverdiener übers Leben im Schnitt mehr Leistungen, als sie einzahlen, während Gutverdiener um einiges mehr einzahlen, als sie rausbekommen.

picture alliance / imageBROKER | Jan Tepass

Wie gerecht ist Deutschland? Eine Frage mit maximalem politischem Konfliktpotenzial – sie bildet geradezu den Kern des demokratischen Ringens in einer Gesellschaft, die sich zunehmend vom Leistungsprinzip entfernt hat. Nun, da auch die Ökonomie in der Folge schwerer politischer Fehlsteuerungen sichtbar ins Wanken gerät, werden Verteilungskonflikte zur routinierten Debatte in Berlin.

Die aktuelle Diskussion um die Ausweitung der Erbschaftssteuer auf mittelständisches Betriebsvermögen, steigende Bemessungsgrundlagen in der Sozialversicherung und immer neue Ökoabgaben wie eine weiter steigende CO₂-Steuer offenbaren uns zweierlei: Die Debatte läuft bereits heiß, und die Politik reagiert auf die veritable Haushaltskrise, indem diejenigen stärker zur Kasse gebeten werden, die traditionell den Laden am Laufen halten.

Die Steuerstatistik zeigt ein differenzierteres Bild als oft behauptet. Laut den aktuellsten Daten des Statistischen Bundesamtes trugen die obersten zehn Prozent der Einkommensteuerzahler im Jahr 2021 rund 60 Prozent des gesamten Einkommensteueraufkommens, obwohl sie nur etwa 39 Prozent des Einkommens erzielten. Im Gegensatz dazu zahlten die unteren 50 Prozent, die etwa 16 Prozent des Gesamteinkommens erzielten, lediglich sechs Prozent der Einkommensteuer. Diese Zahlen verdeutlichen eindrücklich, wie stark Teile der oberen Einkommensgruppen bereits heute zur Finanzierung des Staates beitragen, ohne dass dieses Faktum die politischen Diskussionen über weitere Belastungen auch nur annähernd tangieren würde.

Neue Cluster-Studie

In einer aktuellen Studie, die der Bild-Redaktion exklusiv vorliegt, ermittelte das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln anschaulich die Lebenszeit-Netto-Bilanzen für vier Einkommenscluster: Geringverdiener, Normalverdiener, Besserverdiener und Gutverdiener.

Beginnen wir mit den Geringverdienern, definiert in der Studie als Singles mit einem monatlichen Haushaltsbruttoeinkommen von bis zu 2.500 Euro, Paare bis 3.750 Euro und Familien bis 5.250 Euro. Über die gesamte Lebenszeit hinweg, unter Berücksichtigung des aktuellen Steuerrechts und der sozialstaatlichen Zuwendungen, ergibt sich für diese Gruppe ein durchschnittlicher Transfer-Überschuss im Individualfalle von 780.000 Euro. Sie sind damit die größten Netto-Empfänger in der Republik. Bei den Normalverdienern, deren Familieneinkommen zwischen 5.251 und 7.560 Euro liegt, schrumpft dieser Überschuss auf 550.000 Euro.

Negativ wird der Saldo bei den sogenannten Besserverdienern. Dazu zählen Familieneinkommen zwischen 7.561 und 11.130 Euro beziehungsweise Singles mit 3.601 bis 5.300 Euro. Sie zahlen über ihre Lebensarbeitszeit hinweg Steuern und Sozialabgaben in Höhe von rund 930.000 Euro, während sie im Durchschnitt 890.000 Euro an Gegenleistungen durch staatliche Einrichtungen erhalten. Unterm Strich verbleiben 40.000 Euro, die diese Gruppe an den Staat überträgt.

Dramatisch wird die Belastung bei den Gutverdienern, definiert für Singles ab 5.300 Euro, Paare ab 7.950 Euro und Familien ab 11.130 Euro. Sie leisten im Durchschnitt rund 2 Millionen Euro an Abgaben, beziehen aber lediglich 720.000 Euro an Leistungen. Unterm Strich verbleibt ein Transfer von 1,28 Millionen Euro in den Staatsapparat, eine gigantische Summe, die über die Lebensarbeitszeit hinweg vor allem von Leistungsträgern – meist in Industrie, Ingenieurwesen und Akademikerberufen in der Wirtschaft – bereitgestellt wird, um einen zunehmend dysfunktionalen Staatsapparat am Leben zu halten.

Feindbild Leistungsträger
CDU-Wirtschaftsrat: Zahnbehandlung nur noch für Selbstzahler?
Sollten Gerechtigkeitsdebatten nicht hier beginnen? Welchen Schaden richtet eine Politik an, die aus reinem Unwillen zur Reformarbeit und aus Machtkalkül der längst überfälligen Neuordnung des deutschen Sozialwesens ausweicht, während sie gleichzeitig die Leistungsträger belastet, die das Land zunehmend verlassen?

Vielleicht sollte man die Damen und Herren Sozialstaatsingenieure eindringlich daran erinnern, dass die deutsche Wirtschaft seit Jahren schrumpft und durch die ungezügelte Migration das Bruttoinlandsprodukt auf eine größere Zahl von Köpfen verteilt wird. Deutschland verarmt, der Sozialstaat müsste an die neuen ökonomischen Gegebenheiten angepasst werden, sollte er nicht die letzten Reste von Motivation buchstäblich in Luft auflösen. Dass der Bundeskanzler da die Menschen zu mehr Arbeit auffordert und den hohen Krankenstand kritisiert, ist vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen eine Unverschämtheit.

Die Deindustrialisierung Deutschlands geht Hand in Hand mit der Emigration Hunderttausender gut ausgebildeter junger Fachkräfte, die andernorts hohe Einkommen erzielen und andere Gesellschaften mit ihrer Leistung bereichern werden. Deutschland ist zu einem Staat geworden, der sich nicht von seinem moralistischen Maximalanspruch trennen kann: ein Weltsozialamt für alle anbieten zu wollen, dessen wachsende Defizite mit buchstäblich mit der Lebenszeit und -energie der schrumpfenden Mittelschicht gefüllt werden.

Moralinsaure Scheindebatte

Die deutsche Sozialstaatsdebatte wird medial regelmäßig entschärft, indem sie in einen vermeintlich ideologischen Zielkonflikt überführt wird. Leistungsgerechtigkeit, so heißt es dann, stehe in einem Spannungsverhältnis zur Verteilungsgerechtigkeit – ein Gegensatz, der sich angeblich nicht auflösen lasse und den am Ende ohnehin jeder individuell für sich selbst aushandeln könne, ohne dabei einen ethischen Gesichtsverlust zu riskieren.

Die Lage der Nation
Wer arbeitet, ist der Dumme – wer noch mehr arbeitet, ist dümmer
Diese Rahmung dient jedoch weniger der Aufklärung als der systematischen Zerstreuung des Debattenhintergrunds. In Wahrheit werden Gerechtigkeitsdebatten in der Krisenrepublik Deutschland gezielt angestoßen, um zweierlei zu erreichen: zum einen, um vom politischen Versagen der letzten Jahre abzulenken, zum anderen, um Zeit und Ressourcen zu gewinnen, damit die eingeschlagene Transformation unserer Gesellschaft in eine grün-militärische Kommandowirtschaft möglichst geräuschlos und ohne größere Kritik in die Zukunft fortgeschrieben werden kann. Steuergeld ist das Schmiermittel dieses Mechanismus, der dazu führt, dass der Staatsapparat Jahr für Jahr reicher ausgestattet wird und zunehmend intransparent und verschwenderisch mit öffentlichem Geld verfährt.

Es geht dabei nicht primär um Moral, sondern um Macht – um den Erhalt politischen Einflusses, um institutionelle Selbstbehauptung und in nicht wenigen Fällen auch um eine ideologisch-intellektuelle Verirrung. Dass diese Politik dabei ihre eigene materielle und gesellschaftliche Existenzgrundlage zerstört, indem sie die gewerbliche Mittelschicht systematisch ausblutet und damit das Fundament von Wertschöpfung, sozialem Aufstieg und demokratischer Stabilität untergräbt, ist ein Argument, das in diesen Kreisen nicht mehr verfängt. Man ist taub gegenüber rationalen Einwänden und blind für die kulturellen und sozialen Folgekosten einer Politik, die Berlin und Brüssel in einem fatalen Zusammenspiel über den Kontinent gebracht hat.

Dass der deutsche Sozialstaat inzwischen über 31 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verspeist und eine wuchernde parasitäre Bürokratie wie ein fataler Dynamo in seinem Inneren rotiert und immer weiter ausgreift, wird dabei ebenso wenig offen diskutiert. Diese Bürokratie fungiert als Vorfeldorganisation der Politik, als Auffangbecken gescheiterter Politikerkarrieren und als Machtbasis eines Apparats, der sich zunehmend repressiv gegen den Souverän in Stellung bringt. Die kulturellen Verwerfungen dieser Entwicklung, die Erosion von Leistungsbereitschaft, Verantwortungsethos und gesellschaftlichem Vertrauen, werden systematisch ausgeblendet – nicht aus Unwissen, sondern aus politischem Kalkül.

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Kommentare ( 7 )

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OJ
17 Minuten her

Modellrechnung:
Im theoretischen Modell würde der Staat durch die durchschnittliche Beschäftigung aller Geflüchteten netto etwa 121 Milliarden Euro pro Jahr mehr zur Verfügung haben. Dieser Betrag setzt sich zusammen aus den Mehreinnahmen von ~102,4 Mrd. € und den eingesparten Ausgaben von ~18,6 Mrd. €.

Delegro
1 Stunde her

Und just diese beiden Gruppen, die das gesamte System überhaupt noch am Laufen halten, denken immer massiver über einen Wegzug aus Deutschland nach oder sind bereits weg. Es sind unsere TOP-Kräfte die man im Ausland gerne nimmt, da eine hohe Qualifikation vorhanden ist und der Leistungswille ganz sicher auch vorhanden ist. Und dann fliegt unseren Versagern in der Regierung der ganze linkssozialistische, gärige Haufen mit Anlauf um die Ohren! Gut so. Sie haben es keinen Deut besser verdient. Leider werden viele von diesen Versagern die ersten sein, die das Land auf leisen Sohlen verlassen. Die Kohle dafür hat man sich… Mehr

NochNicht2022
1 Stunde her

Kein Mitleid: Diese „Packesel“ wählen, eben als 68er-„Esel“, seit Jahrzehnten CDU/CSU/SPD/FDP/Grüne. Und das auch noch im Alter von 70+. „Leistung“ – meistens nur eine ego-zentrische Befriedigung – hat nämlich mit Verstand wenig zu tun, sie wird regelmäßig durch ihre empfangene 1968er-Hirnwäsche übersteuert … Recht geschieht ihnen!

Juergen P. Schneider
1 Stunde her

Die guten und nachvollziehbaren Argumente des Autors verfangen nicht beim links-grünen Bankrott-Kartell und seinen medialen Büchsenspannern. Das liegt einfach daran, dass man eine Politik, die immer wieder gewählt wird, nicht unbedingt ändern muss, weil man ja die Mandate und die Versorgung durch Wiederwahl sicher hat. Es geht der politischen Pseudoelite um kurzfristigen Machterhalt und nicht um das langfristige Wohl der Bürgermehrheit. Wer dies einmal verstanden hat, den wundert an der desaströsen Politik nichts mehr. Die Probleme liegen ja nicht allein bei denen, die diese verhängnisvolle Politik betreiben, sondern vor allem bei denen, die diese Politik immer wieder wählen. Es ist… Mehr

Michael Palusch
1 Stunde her

Was lernen wir aus dieser Studie? Leistungsträger ist der, der viel verdient! Leistungsträger ist also NICHT der Handwerker Leistungsträger ist also NICHT der Busfahrer und der Lockführer Leistungsträger ist also NICHT die Krankenschwester und die Reinigungskraft im Krankenhaus Leistungsträger ist also NICHT der Müllkutscher und der Beschäftigte im Klärwerk Leistungsträger ist also NICHT der Produktionsarbeiter im mittelständischen Betrieb Leistungsträger ist also auch NICHT der, der für volle Regale im Supermarkt sorgt Leistungsträger IST der Politiker Leistungsträger IST der Beamte Leistungsträger IST der festangestellte Journalist im ÖRR Leistungsträger IST der Anwalt, der Notar, der Apotheker Leistungsträger IST der Verwaltungsangestellte Leistungsträger IST… Mehr

Eick
2 Stunden her

Dieses Land braucht erst wieder den totalen Zusammenbruch – wie anno 1945 – um zu merken, dass man irgendwann, irgendwo KOMPLETT falsch abgebogen ist. Ich mache es mal ganz einfach, um nicht zu sehr in Details zu gehen, die die Leser hier bei TE sowieso alle kennen: DIE POLITIK DER LETZTEN 20 JAHRE MUSS KOMPLETT RÜCKABGEWICKELT WERDEN. So einfach ist das. Nichts von dieser Politik der letzten 20 Jahre war zu irgendeinem nennenswerten Vorteil der einheimischen Bevölkerung . N I C H T S !! Immer mehr Menschen merken das in D. Und es gibt nur zwei Möglichkeiten (meiner Meinung… Mehr

Last edited 1 Stunde her by Eick
jsdb
2 Stunden her

… darum gehen wir!!