Friedrich Merz will „die Sprache der Machtpolitik lernen“

Friedrich Merz hält im Bundestag eine Regierungserklärung zur Außenpolitik. Er beschwört zum x-ten Mal, wie notwendig deutsche Stärke und wirtschaftliche Erholung wären – doch seine eigenen Sätze verraten die Wahrheit dahinter.

picture alliance / Andreas Gora | Andreas Gora
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Berlin, 29.01.2026

Journalisten lernen schon in Praktika, dass sie Passivsätze vermeiden sollen. Talentierte Journalisten verinnerlichen das schon spätestens ab ihrem dritten Beitrag: Mit Passivsätzen drückt sich der Autor. Er nennt nicht beim Namen, wer handelt. Also kann er die Handlung gar nicht scharf und präzise beschreiben, Entscheidendes muss im Nebel bleiben. Gute Journalisten vermeiden daher Passivsätze.

Der Bundeskanzler gibt im Bundestag eine Regierungserklärung zur Außenpolitik ab. Friedrich Merz (CDU) sagt: „Wir lassen es nicht zu, dass dieser Einsatz heute verächtlich gemacht wird und herabgewürdigt wird.“ Ein Passivsatz. Was und vor allem wen der Kanzler meint, wird nur im Kontext deutlich: Er antwortet auf den Präsidenten der USA, auf Donald Trump, der jüngst über die Bundeswehr spottete, ihre Soldaten hätten sich in Afghanistan nur im sicheren Hintergrund gehalten.

In der literarischen Welt von Harry Potter meiden die Zauberer, den Namen des Oberschurken Lord Voldemort auszusprechen. Sie behelfen sich mit „Du weißt schon, wer“ oder „Der, dessen Namen nicht genannt werden darf“. Die Autorin JK Rowling verspottet damit die Feigheit der Mehrheit und lässt ihr Alter Ego Albus Dumbledore vor den Folgen dieser Feigheit warnen: „Angst vor einem Namen steigert nur die Angst vor der Sache selbst.“

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Friedrich Merz spricht über den Präsidenten Donald Trump, der aktuell die Weltpolitik durchschüttelt, wie es seit Jahrzehnten kein einzelner Politiker mehr getan hat. Merz spricht im Passiv, nennt Trump nicht beim Namen. Der Kanzler hat Angst. Wer Passivsätze nutzt, ist feige oder überfordert – meist hängt beides zusammen. Eigentlich will Merz die Regierungserklärung nutzen, um außenpolitische Stärke zu demonstrieren. Doch seine Sprache verrät den Kanzler.

Was Merz nicht davon abhält, die Backen aufzublasen. „In dieser Welt weht ein rauer Wind“, baut der Kanzler eine Welt auf, in der er wie ein Westernheld aka John Wayne oder Clint Eastwood wirken soll. Um dann Stärke zu demonstrieren: „Wir müssen selbst die Sprache der Machtpolitik lernen.“ Das klingt hart und entschlossen. Das soll hart und entschlossen klingen. Doch Merz’ feige Passivsätze gegenüber Donald Trump entlarven ihn. Wäre der Kanzler eine Figur im Western, dann nicht die Hauptrolle – sondern die des Fuzzy Malone, des brabbelnden Alten, der als lustiger Pausenclown zwischen den Actionszenen auftritt.

Die Feigheit des Friedrich Merz gegenüber Donald Trump ist kein Mysterium. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat außerhalb des Bundestages die Zusammenhänge klar benannt: Deutschland ist abhängig von den USA. Technologisch, militärisch und geheimdienstlich. Deswegen fordert Söder, Drohgebärden gegen die USA müssten aufhören. Etwa die Forderung eines Boykotts der Weltmeisterschaft im Fußball, die im Sommer in Nordamerika stattfindet. Söder hat verstanden, dass jeder, der nur tönt, aber keine Action liefert, nur davon träumt, John Wayne zu sein – aber in Wirklichkeit Fuzzy Malone ist.

So ist Merz’ Regierungserklärung eine Mischung aus blumigen, nichts sagenden Sätzen wie: „Wir haben etwas erleben können vom Glück der Selbstachtung.“ Oder leeren und stets wiederholten Versprechen wie: „Wir müssen unsere Wirtschaft wieder wettbewerbsfähig machen.“ Spannend ist Merz nur dann, wenn seine Sprache ihn verrät. Versehentlich. Wie eben zum Beispiel in dem Satz: „Wir müssen unsere Wirtschaft wieder wettbewerbsfähig machen.“

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Die SPD-Vorsitzende Bärbel Bas hat diese Woche gesagt, Arbeit müsse sich in Deutschland wieder lohnen. Damit haben der Kanzler und seine Arbeitsministerin fast gleichzeitig zugegeben, dass die deutsche Wirtschaft nicht wettbewerbsfähig ist und sich Arbeiten in Deutschland nicht lohnt. Was wiederum ein wichtiger Grund dafür ist, dass die deutsche Wirtschaft nicht mehr wettbewerbsfähig ist.

Warum ist das überhaupt bemerkenswert? Medien wie TE berichten fast täglich über die fehlende Wettbewerbsfähigkeit, analysieren die Gründe und dokumentieren die entsprechenden Zahlen. Doch solche Medien benachteiligt die schwarz-rote Regierung systematisch in ihrem Wettbewerb mit regierungsfreundlichen Medien. Sie übt zusammen mit der EU gesetzlichen Druck auf Google, Facebook und Co aus, solchen Analysen keine Reichweite zu geben. Einzelne Christ- und Sozialdemokraten reden öffentlich über ein Verbot solcher Medien. Als private Staatsmänner im Staatsfernsehen.

Merz und Bas wollen nicht, dass einer kritischen Mehrheit in Deutschland bewusst wird, dass die deutsche Wirtschaft nicht wettbewerbsfähig ist und sich Arbeiten hierzulande nicht lohnt. Deswegen kleiden sie die Wahrheit in blumige, nichts sagende Sätze – flüchten sich ins Passiv. Doch so sehr sie um sie herumtanzen. Merz und Bas kriegen sie nicht unter Kontrolle. Die Wahrheit bricht sich ihre Bahn. Vor allem in der Realität, aber sogar in den Sätzen des Kanzlers und seiner Arbeitsministerin.

Ebenfalls verbieten wollen Sozial- und Christdemokraten die AfD. Die größte Oppositionspartei. Sie benennt die Wahrheit im Bundestag. In Aktivsätzen. Belegbar durch Zahlen. Merz spricht (wieder einmal) davon, dass die deutsche Wirtschaft wieder stärker werden müsse. Doch die Wahrheit ist: „Ein Pleite-Tsunami fegt ungebremst über unser Land“, wie die AfD-Vorsitzende Alice Weidel in ihrer Erwiderung der Regierungserklärung sagt. Es komme zu Ketten-Insolvenzen, weil die Zahlungsfähigkeit des einen Unternehmens das andere Unternehmen um Geld bringt, was wiederum das in die Zahlungsunfähigkeit treibt, was … und so weiter.

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Weidel entlarvt Merz’ Worte, als das, was sie sind: schwere Monumente, gebaut auf tönernen Füßen. Etwa, wenn der Kanzler sich selbst für vermeintliche Steuersenkungen lobt. Die Wahrheit sei: Die Bundesregierung habe im vergangenen Jahr die CO2-Steuer im vergangenen Jahr um rund 20 Prozent erhöht – in diesem Jahr schon wieder. Aktuell fordert die SPD ganz offen, die Erbschaftssteuer so zu gestalten, dass es zu einer mittelstandsfeindlichen Erhöhung komme. Es ist nachzuvollziehen, dass Sozial- und Christdemokraten die AfD verbieten wollen. Etwas anderes haben sie den Aktivsätzen der Opposition nicht entgegenzubringen.

Merz will die Sprache der Macht sprechen. Nach außen gelingt ihm das nicht. Da steht er für „Klamauk“ (Weidel) wie das Entsenden von 13 Soldaten nach Grönland, um sie nach anderthalb Tagen wieder zurückzuziehen. Da muss er deutsche Soldaten beleidigen lassen und hat dann nicht mal den Mut, in seiner Replik den Beleidigenden auch nur beim Namen zu nennen. Außerhalb Deutschlands will Merz die Sprache der Macht sprechen, aber es reicht beim Kanzler nur zum Pfeifen im Walde. Die Rolle des John Wayne überfordert ihn, die des Fuzzy Malone passt.

Die Sprache der Macht kann Merz nur in Deutschland sprechen. Wenn seine Parteifreunde kritische Medien verbieten wollen. Wenn sein Koalitionspartner Parteien verbieten will, die Wahrheiten noch in aktiven Sätzen benennen. Merz will eine Welt, in der er eine Sprache der Macht spricht, die auch als solche verstanden wird. Das wird aber eine sehr kleine Welt sein. Die sich nur rund um den Berliner Spreebogen durchsetzen lässt, im Funkhaus des NDR und auf dem Mainzer Lerchenberg.

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Kommentare ( 41 )

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MeHere
27 Minuten her

Friedrich Merz ist wohl der traurigste Vollversager, der in diesem Land jemals einen Posten angenommen hat, für den er nie annähernd geeignet war … Ich hätte kein Problem damit wenn er und sein Buddy Meimer sich morgen für immer von der Politik verabschieden …

Dundee
32 Minuten her

„Gute Journalisten vermeiden daher Passivsätze.“ Na, dann nehmen wir mal den ersten Satz, die Überschrift „Friedrich Merz will „die Sprache der Machtpolitik lernen““. Das ist ein Passivsatz. Etwas zu wollen ist nur passiv. Denn nur etwas zu tun ist aktiv. Der Name Friedrich Merz ist ein Synonym für Passivität. So wird allein aus der Überschrift schon ein doppelter Passivsatz. Ein weitaus besserer Artikel wäre es geworden, wenn gewisse Aktiva endlich mal beim Namen genannt würden. Denn an diesen, stets unerwähnt bleibenden Aktiva geht Deutschland zusehends aber sicher zugrunde. Seit einem Vierteljahrhundert. Schritt für Schritt, nach dem Puls, den dieses Aktiva… Mehr

Last edited 26 Minuten her by Dundee
moorwald
43 Minuten her

Es gibt einen einfachen Weg, sich aus der übergroßen Abhängigkeit von den USA zu befreien: ein Auskommen mit Rußland zu suchen. Das hat mit Schaukelpoiitik nichts zu tun.
Amerika orientiert sich zunehmend weg von Europa, das gerade im Ukrainekonflikt seine Bedeutungslosigkeit schmerzhaft erfahren muß.
Manche Regierungen haben bereits begriffen, daß von „Brüssel“ nichts Gutes zu erwarten ist. Nationale (nicht nationalisitsche) Interessen zu verfolgen, ist da am aussichtsreichsten.

Klaus D
51 Minuten her

Deutschland……wir sollten uns doch nichts vormachen – Deutschland haben fertig! Selbst was die AfD fordert (politisch will) geht bei weitem noch nicht weit genug um das deutschland-boot vor dem versinken zu retten. Wer vermögen hat sollte so schnell wi emöglich das land verlassen oder zumindest sein vermögen in sicherheit bringen. Nix gegen frau Weidel aber sie weiß schon warum sie in der schweiz lebt – ja ja sie hat auch einen wohnsitz in deutschland gemeldet. Aber wer wie frau Weidel weiß wo deutschland steht (die ist ja nicht doof) wäre ja dumm das nicht zu tun! Was viele nicht verstehen… Mehr

Axel Fachtan
57 Minuten her

Wer nix hat, wird nicht gehört. Deutschland hat keine wirtschaftlichen Erfolge mehr. Deutschland hat keine Armee, die einem modernen konventionellen Drohnenkrieg gewachsen hat. Deutschland hat nicht die Fähigkeit, den USA die zentrale Energieversorgung wegzusprengen und deren Wirtschaft dauerhaft und wirkungsmächtig zu zerstören. Rohstoffe die zukunftsfähig machen und die andere brauchen hat Deutschland nicht. Eine sichere und bezahlbare Energieversorgung auch nicht. Die Fähigkeit, Venezuela zu beherrschen und uns das dortige Öl zu Nutze zu machen, haben wir auch nicht. Die Fähigkeit, die EU von der vollständigen Zerstörung Deutschlands abzubringen, haben wir auch nicht. Obwohl in Brüssel eine Sprengmeisterin der Union sitzt… Mehr

Spyderco
1 Stunde her

Merz kann sich nicht entscheiden,ob er Kanzler der ,,Ukreine“oder ,,Europa“s sein will.🤡🥳🙈

Last edited 1 Stunde her by Spyderco
Waehler 21
1 Stunde her

F.Merz spricht nicht zu Trump, er spricht zu seiner Wählerblase, die ihm noch etwas glaubt oder seine Lügen erträgt. Er will ums Verrecken, im wahrsten Sinne des Wortes, den Krieg mit Russland am Köcheln halten; koste es der Bevölkerung was es wolle. Da kam ihm die Grönlandoffensive von Trump zu passe. Um ihn indirekt als das Böse zu benennen. Kursänderungen der USA können nur von innen erfolgen und nicht durch Maulhelden aus irgendwo erzwungen werden. Aber zu der Aussage von Trump, die deutschen Soldaten hätten sich zurückgehalten, möchte ich bemerken, dass Deutschland nur involviert wurde, um das zu erwartende Chaos… Mehr

Last edited 1 Stunde her by Waehler 21
November Man
1 Stunde her

„Was Fritzchen nicht lernt, lernt Fritz nimmermehr.“
Ein alter Spruch – und trotzdem aktueller denn je.

yeager
1 Stunde her

Warum redet Merz überhaupt über Trump? Es ist ja nicht so, dass Deutschland irgendeinen großen Einfluss auf die U.S.-Politik nehmen könnte, die wirtschaftliche Stärke die dazu nötig wäre wurde von den Blockparteien ruiniert, militärisch ist Deutschland nicht mal ein Papiertiger (und vielleicht ist das auch ganz gut so). Merz bewegt sich auf dem Spielfeld das Trump gestaltet nach Spielregeln die Trump vorgibt. Genauso wie über Trump könnte Merz auch über’s Wetter reden: Es sind Umstände auf die er keinen Einfluss hat. Merz will ja auch gar keine Reaktion von Trump auf seine Rede, da geht es nicht um Außenpolitik, es… Mehr

Martin Mueller
21 Minuten her
Antworten an  yeager

Merz sagte die Tage, dass die USA wirtschaftliche Probleme haben. Die USA hatten im 3. Quartal 4,3% Wachstum, Im vierten über 3%.

Merz sollte schau, was Trump macht, denn er hat bisher nichts vorzuweisen.

andreas donath
1 Stunde her

Dieser Mensch ist so schrecklich, so bar jeder Empathie und jeden Interesses an Deutschland und den Deutschen, dass ich mir sein Geschwätz nicht mehr anhören will, auch gar nicht kann, weil ich mir damit nur für Stunden die Laune verderbe. Was der sagt, interessiert mich schlicht und einfach nicht. Schade, dass ich vor 15 Jahren wegen Merkel aus der CDU ausgetreten bin, schade aber nur deshalb, weil ich es folgerichtig heute nicht mehr tun kann. Denn ein Merz wäre wirklich der perfekte Austrittsgrund.