Saarland: Alle Großprojekte zur Wasserstoffproduktion gestoppt

Vom grünen Zukunftsversprechen bleibt nur heiße Luft übrig. Alle großen Wasserstoffprojekte im Saarland sind gescheitert. Zu teuer, zu wenig Nachfrage, zu viel Wunschdenken. Die Realität zerlegt die nächste Energiewende-Fantasie. Gegen die Physik kann keine Ideologie gewinnen.

picture alliance / Eibner-Pressefoto | Eibner-Pressefoto/Gerald Oelze-de Stoppany

Jetzt ist die nächste grüne Blase geplatzt: Das Saarland wird kein Zentrum einer neuen Wasserstoff-Wirtschaft. Noch vor wenigen Jahren galt das kleine Bundesland als möglicher Vorreiter der deutschen Wasserstoffwirtschaft. Mehrere Großprojekte sollten den Strukturwandel der Industrieregion absichern, Stahlwerke „dekarbonisieren“ und zehntausende Tonnen „grünen“ Wasserstoff liefern. Heute ist von diesen Plänen nichts mehr übrig. Alle größeren Wasserstoffprojekte im Saarland sind gescheitert oder auf unbestimmte Zeit gestoppt.

Betroffen sind drei Vorhaben in Perl, Saarlouis und Völklingen, die zusammen jährlich mehrere zehntausend Tonnen Wasserstoff liefern sollten. Das geht aus Recherchen der Saarbrücker Zeitung hervor.

Luftnummer Wasserstoff
RWE steigt aus Wasserstoffprojekt aus
Bereits im September 2025 hatte Steag Iqony das Projekt „Hydro Hub Fenne“ in Völklingen aufgegeben. Geplant war dort ein Elektrolyseur mit einer Jahresproduktion von rund 8.400 Tonnen. Als Begründung nannte das Unternehmen vor allem die hohen Strompreise in Deutschland – ein zentrales Problem für die extrem energieintensive Elektrolyse.

Nun ist klar: Auch die beiden anderen Leuchtturmprojekte werden nicht realisiert. Der Energiekonzern RWE zieht sich aus seinen Plänen für Saarlouis zurück. Vorgesehen war dort, nahe der Dillinger Hütte, ein Elektrolyseur mit einer Leistung von 200 bis 400 Megawatt – genug für bis zu 50.000 Tonnen Wasserstoff pro Jahr. Ebenfalls aufgegeben wurde das Vorhaben des französischen Unternehmens Lhyve, das in Perl eine 70-Megawatt-Anlage mit rund 11.000 Tonnen Jahresproduktion errichten wollte.

Als Gründe nennen die Unternehmen vor allem wirtschaftliche Faktoren. Steag Iqony verweist auf die hohen Strompreise in Deutschland. RWE erklärte, das Projekt sei nach einem deutlich reduzierten Wasserstoffbedarf der Stahlindustrie nicht mehr wirtschaftlich gewesen. Statt ursprünglich geplanter 50.000 Tonnen schloss die Stahl-Holding-Saar einen Liefervertrag über lediglich 6.000 Tonnen mit Verso Energy ab.

Die politisch ausgerufenen Zielmengen stehen in keinem stabilen Verhältnis zur realen Nachfrage der Industrie – und schon gar nicht zu den Kosten. Grüner Wasserstoff bleibt teuer, solange Strompreise hoch, Netzentgelte belastend und regulatorische Vorgaben komplex sind. Investitionen rechnen sich unter diesen Bedingungen kaum.

Das saarländische Wirtschaftsministerium verweist auf strukturelle Standortnachteile. Frankreich profitiere von deutlich niedrigeren Strompreisen und günstigeren regulatorischen Rahmenbedingungen. Der saarländische Wirtschaftsminister Jürgen Barke forderte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche in einem Schreiben auf, sich auf Bundes- und EU-Ebene für bessere Bedingungen für die Wasserstoffwirtschaft einzusetzen.

Damit wird es im Saarland auf absehbare Zeit keine relevante Wasserstoffproduktion geben. Die nächste Wasserstoffblase ist damit geplatzt. Die sogenannte „Wasserstoffwirtschaft“ scheiterte immer dann, wo wirtschaftliche Realität auf politisches Wunschdenken trifft. Oder anders ausgedrückt: Die Physik weist die sogenannte „Energiewende“ regelmäßig in ihre Schranken.

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Kommentare ( 23 )

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Zum alten Fritz
1 Stunde her

Wieviel Mio an Steuergeldern haben die Seite gewechselt? Wenn Konzerne bei der irrigen Politik mitspielen geht es doch nur um das abfassen von Geld. Das es nicht funktioniert wissen die Techniker und Ökonomen dort genauso.

Edwin Rosenstiel
1 Stunde her

Schade, daß man die Hirnfürze der Kartellparteien nicht zur Energiegewinnung nutzen kann, weil sie ohne reale Substanz sind (da gibt jeder Rülpser einer Kuh mehr her…). Damit wären nämlich alle Energieprobleme locker gelöst!
Das konnte aber jeder, der nicht nur die Baumschule bei Lehrer Ast besucht hatte, oder selbst finanziellen Profit daraus zog, schon vor Jahren absehen.
Wieviele Millionen wurden aus Dummheit, Gier und bösem Willen vernichtet? Wird uns keiner verraten, geschweige denn, in welchen Taschen sie gelandet sind.

Axel Fachtan
1 Stunde her

Nach Stalingrad erklärten die Nazis, sie hätten noch Wunderwaffen in Reserve. Nach der Nordstreamsprengung und dem Atomaus und erklärten Graichen und Habeck, sie hätten noch Wasserstoff, LNG und andere Wunderwaffen in Reserve. Nach der Vernichtung von Dresden im Februar 1945 wurde es schon etwas stiller. Nach der Sprengung von Hamburg Moorburg, Grafenrheinfeld, Gundremmingen und der dreifachen Sprengung der Druschbapipeline durch die Ukraine meinen Merz, Söder, Aiwanger, von der Leyen, Merkel, Klingbeil und andere immer noch, die vollständige Vernichtung Deutschlands sei Fake News. Dabei war doch Klingbeil dieselbe Antifa, die heute die Stromleitungen vernichtet. Energiepolitische Rückzugsgefechte. Die Amis haben erneut gegen… Mehr

Gernoht
2 Stunden her

Ja, ja, der grüne Wasserstoff. Zu dumm auch, daß die Physik immer gewinnt. Den Rest gibt dann die Ökonomie. Satz und Sieg!

Dr. Meersteiner
2 Stunden her

Der Weg ins grüne Paradies ist doch schwieriger als gedacht.
Wann wachen die ÖRR geschädigten Schlafschafe auf?

Ohanse
2 Stunden her

Auf die Realität ist Verlaß. Kann man von der Politik nicht behaupten.

F.Peter
2 Stunden her

Wie hieß doch noch der Slogan des Saarlandes: Großes beginnt im Kleinen. Das gilt wohl auch für große Flops – wie SVolt u.a. aus der letzten Zeit!

Tom Engel
2 Stunden her

War von Anfang an klar.

Waehler 21
2 Stunden her

Leider kann man ihrem Artikel nicht entnehmen was uns das gekostet hat, und noch kosten wird,

Talleyrand
2 Stunden her

Es mag ja sein, dass die Wasserstofftechnik hinsichtlich der Lagerung und des Transports im vergangenen halben Jahrhunderts Fortschritte gemacht hat, Knallgasgemische in sehr weiten Konzentrationsgrenzen dürften das aber wenig beeindrucken. Und so habe ich alter Chemiker davor immer noch einen gehörigen Respekt, unterstützt durch die unvergessenen Bilder der Knallgaseruption im havarierten Block des KKW Fukushima, bei der das Dach des Gebäudes beeindruckend hoch in die Luft flog. Das war Wasserstoff / Luft plus Funke in Aktion. Wenn mir heute jemand weismachen will, alte Gasleitungen zu und in Wohngebäuden wasserstofffähig gemacht zu haben, mißtraue ich dem und halte mich in sicherer… Mehr