Die deutsche Wirtschaft lässt sich ökonomisch strangulieren und ideologisch von politischen linken Pressure Groups für Boykotte einspannen. Die negativen Folgen von Energiepolitik, Regulierung und Inflation will man in Form von höheren Preisen nun an diejenigen weiterreichen, die man gerne erziehen, aber meistens nicht mehr direkt erreichen will: die Kunden.
Politisch-willfährig, ideologisch dem Zeitgeist treu verpflichtet, hat sich ein erheblicher Teil der deutschen Wirtschaft mit Haut und Haar einem gefährlichen Neokorporatismus unterworfen. Parteien geben moralische Grundlinien vor – Unternehmer, Manager und Gewerkschaften folgen ihnen wie die Lemminge. Bestenfalls herrscht betroffenes Schweigen. Dabei scheint es auch keine Rolle zu spielen, wie schlecht der Geschäftsverlauf sich darstellt: Der ewige Kampf gegen das CO2 muss weitergeführt werden. Genderfragen und Diversity-Unfug sickern immer tiefer ein in Management-Entscheidungen.
Vorläufiger Höhepunkt der deutschen Kuriositätensammlung war die Zensur- und Boykottkampagne von Campact. Campact hatte die Wirtschaft dazu aufgerufen, ihre über YouTube ausgespielte Werbung auf „Hetzkanälen“ zu sperren bzw. allem, was man als rotrotgrüne Kampagnenbude darunter subsummiert. Auch Angebote freier Medien wie Tichys Einblick, Nius oder Apollo News sind davon betroffen. Es nimmt angesichts des politischen Klimas im Lande nicht Wunder, dass sich eine Vielzahl bekannter Unternehmen der Kampagne dieser linksradikalen Gruppe völlig unkritisch ergeben und sie antizipiert hat. Dass ein wachsender Teil der Kundschaft diese Entscheidung kritisch sieht, spielte keine Rolle. Es bettet sich so warm und weich im Habitat der Chefzensoren der Medienrepublik Deutschland. Viele Unternehmen erreichen potentielle Kunden ohnehin nicht mehr, da man sie bereits auf zu vielen Wegen und Kanälen aussiebt. Und ein anderer Teil weicht längst auf eine wachsende Zahl teils deutlich günstigerer Produkte chinesischer Hersteller aus wie zB. Haier, Midea, TCL, Xiaomi, BYD etc..
Bekannte Namen wie Aldi Süd, Edeka, die Drogeriemarktkette dm sowie Procter & Gamble hatten sich im vorauseilenden Gehorsam der Kampagne gebeugt – der Fischzug der Linksradikalen war erfolgreich. Sie machten es ihnen aber auch denkbar leicht. Eine Kultur des feigen Schweigens und Wegsehens angesichts der erheblichen gesellschaftlichen Verwerfungen, von der Migrationskrise bis hin zur Zerstörung der deutschen Industrie, hat sich in Deutschland etabliert. Streit und Debatte sind selten geworden. Die Linke rechnet längst fest mit der kritiklosen Unterwerfung der Wirtschaft unter ihre ideologische Programmatik.
In den Chefetagen dieser Firmen kommt wohl niemandem mehr in den Sinn, dass sich eine wachsende Zahl der Kundschaft möglicherweise auf der anderen Seite des politischen Meinungsspektrums wiederfinden könnte. Dass ihre Kunden auf klassische Familienpolitik pochen, Grenzkontrollen und eine Normalisierung der Migrationspolitik ebenso fordern wie eine Rückkehr zur sozialen Marktwirtschaft, was mit dem Ende von Klimaregulierung und energiepolitischem Sozialismus einherginge, scheint ebenfalls unmöglich.
Peinlich nun, dass ausgerechnet auch Unternehmen dieser Branchen unter den Folgen jener Politik leiden, die sie mit Verve verteidigen, zumal nicht wenige von ihnen mit Subventionen an die Kandare genommen wurden.
Ihre Preise müssen sie auf breiter Front erhöhen, die Edekas, die dms und vor allen Dingen die Hersteller dauerhafter Konsumgüter wie zum Beispiel LG Electronics – erst kürzlich dabei, ihre Werbe-Sperrlisten im Sinne von Campact zu überprüfen bzw. anzupassen. Laut der Simon-Kucher Business-Health-Studie, über die das Handelsblatt berichtete, haben bereits 75 Prozent der deutschen Hersteller langlebiger Konsumgüter wie Möbel, Haushaltsgeräte oder Unterhaltungselektronik ihre Preise erhöht, weitere 67 Prozent planen die nächste Runde an Preiserhöhungen. Jeder vierte Hersteller kalkuliert dabei mit Steigerungen von mehr als fünf Prozent.
Der Inflationsdruck in den Betrieben ist real. Er baut sich zunächst schleichend, dann schneller auf. Über die hohen regulatorischen Hürden der EU-Politik, über höhere Klimaabgaben und CO2-Kosten steigen die internen Kosten ebenso wie im Zuge des energiepolitischen Solotanzes Deutschlands, seines Atomausstiegs und der Kosten des Ausbaus volatiler Flatterenergien. Hinzu treten geopolitische Schocks, die Lieferketten und Transportkosten zusätzlich belasten. Was sich daraus ergibt, ist kein vorübergehender Preisschub, sondern struktureller Kostendruck.
Wie unangenehm, diesen Kostendruck nun an die Kundschaft weitergeben zu müssen, nachdem man zuvor bei jeder sch bietenden Gelegenheit als moralischer Dompteur wie ein Erziehungsberechtigter auftrat. Man möchte ihnen zurufen: Schuster, bleib bei deinen Leisten, die Lage im Land ist angesichts steigender Arbeitslosigkeit und Inflation für die Bürger schlimm genug, auf edukative Interventionen aus der Wirtschaft können wir getrost verzichten. Kann sich ein Land im wirtschaftlichen Sinkflug eine Managerkaste moralinsaurer Aktivisten überhaupt leisten?
Eine rhetorische Frage. Deutschland benötigt dringend eine neue Gründerzeit. Es bräuchte mutige Männer und Frauen, die trotz der toxischen Gemengelage, der turmhohen Energiepreise und der feindseligen politischen Stimmung gegenüber Unternehmern das Wagnis einer Existenzgründung eingehen. Es hat dem Land nicht gutgetan, dass es dem links-grünen Juste Milieu gelungen ist, den Parteiapparat zu kapern und die wirtschaftliche Elite im Land zum Schweigen zu bringen.
Echter demokratischer Streit müsste her. Der Graben zwischen den Interessen der Unternehmer des Mittelstands und den Verfechtern politischer Ideologien kann nur im offenen Streit sichtbar werden. Nur so könnte klar werden, wo die Konfliktlinien verlaufen, was alles falsch gelaufen ist während der grün-sozialistischen Ära, die nun in einer gigantischen letzten Fiesta aus schuldenfinanziertem Militarismus verglüht. Es bräuchte eine Unternehmerelite, die den Bundeskanzler inhaltlich stellte und das Versagen seines Militär-Keynesianismus mit intellektueller Tiefenschärfe anprangerte.
Doch es herrscht Schweigen, wie auch im Falle der toten Debatte um die Klimapolitik der EU. Sie lastet ebenso auf den Margen wie die Folgen des Feldzugs gegen die deutsche Kernkraft. Die Betriebe lassen diese Politik klaglos über sich ergehen – wird es eng, muss es der Steuerzahler richten, der sich möglicherweise angesichts der Campact-Kampagne mit Schaudern von diesen Betrieben und der Politik, die sie unterstützen, abgewandt hat.
Aus dieser Richtung weht der Wind der Inflation, des Margenverlusts, der Arbeitslosigkeit und der Destruktion der deutschen Ökonomie. Eben dieser Richtung müsste sich der Protest der deutschen Wirtschaftselite zuwenden, sofern noch Interesse an einem substanziellen Beitrag zur Debattenkultur im Land bestehen sollte.



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Man sollte zwischen Unternemern und Managern unterscheiden. Ein Vorstandsvorsitzender Manager ist auch nur ein Angestellter – von denen braucht man nichts erwarten.
Befremdlich ist allerdings das ergebene Schweigen der Unternehmer, derer, die jeden Tag ihr eigenes Geld riskieren.
Und damit keiner aufmuckt, gibts Subventionen satt. Und da muß man doch dabei sein…