Die Luftsauger von Kiel

Weil die Kommunalpolitiker unter Kiels OB Ulf Kämpfer (SPD) nichts mehr fürchten als ihre Genossen von der DUH, kamen sie auf die Idee, eine mobile Absaugunganlage an den Theodor Heuss Ring zu stellen. Die soll die Stickoxide aus der Luft absaugen und saubere Werte melden. Staubsauger ein – Fahrverbot weg.

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Symbolbild

Gut, hier in der Ecke hält sich Ralf Stegner auf, jener SPD-Mann, der durch – sagen wir einmal – mitunter eigenwillige Gedanken auffällt. Aber dass es in Kiel so ausarten muss, das kann sich außerhalb kaum jemand vorstellen. Dort ist am Theodor Heuss Ring, einer vielbefahrenen Umgehungsstraße Kiels, die Hölle los. Denn dort steht eine Luftmessstation und stellt mit schöner Regelmäßigkeit Werte fest, bei denen die Kieler reihenweise vorzeitig tot umfallen müssten. Das machen sie bisher beobachtbar nicht.

Doch jetzt müssen auch in Kiel die Messwerte irgendwie runter, sonst drohen Fahrverbote. Die Behörden heckten deshalb einen großartigen Plan aus: Alle Fahrzeuge sollen vor der Messstelle auf die linke Spur fahren. Damit fahren Sie ein paar Meter weiter entfernt an der Luftmessstation vorbei. Der richtige Gedanke der Kieler: Dort ist die Konzentration der tödlichen Gase schon wieder so gering, dass kein Grenzwert überschritten wird. Es muss kein Fahrverbot verhängt werden.

Soweit so gut.

Doch offenbar fürchten die Kommunalpolitiker unter Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) nichts mehr als ihre Genossen von der DUH. So kamen sie auf die Idee, eine mobile Absaugunganlage an den Theodor Heuss Ring zu stellen. Die soll die Stickoxide aus der Luft absaugen und saubere Werte melden. Staubsauger ein – Fahrverbot weg. So die Ideen, die in Kiel derzeit geboren werden.

In einer großen Absaugunganlage soll ein Filtersystem eingebaut sein, dass das macht, was auch die Natur tut: NOx unschädlich machen. Die Technik sei noch in der Erprobungsphase, weder ist die Produktion gesichert, noch sei die Wirksamkeit nachgewiesen, sagt Kiels Oberbürgermeister Kämpfer. Dennoch könnte sie bereits im Februar testweise eingesetzt werden.

Die Grenzwerte in Kiel betrugen im Durchschnitt des vergangenen Jahres 60 µg/Kubikmeter Luft, 2017 waren es 56 und davor wiederum 65 µg/Kubikmeter Luft gewesen. Der europäische Grenzwert wurde auf niedrige 40 µg/Kubikmeter festgelegt.

Das bedeutet: Die Absauganlage soll einen Anteil an NO2 von 0,00000008 an 1.000 Liter Luft herausfiltern, wenn wir das Gewicht der Luft mit idealen 1,3 kg pro Kubikmeter ansetzen. Der natürliche Anteil an NO2 kann bis zu 10 Mikrogramm pro Kubikmeter erreichen. Jeder Gasherd erzeugt beim Kochen einer Portion Spaghetti 1.200 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft, also deutlich mehr als draußen an der Messstelle herrschen.

Gegen Kiel wirken die Bürger von Schilda wie clevere, ausgefuchste Leute. Sie trugen in Körben das Licht von außen in ihr Rathaus hinein. Das hatten sie schön neu gebaut, dabei allerdings die Fenster vergessen einzubauen.


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Kommentare ( 75 )

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Stegner ist kein Luftsauger – das ist nicht fair.
Er ist eher eine Art sauertöpfischer Durchlauferhitzer für falsche Konzepte.
Steck was falsches rein und was so richtig falsches kommt wieder raus.
Mr. 10Prozent wird er gerne genannt…

Kennen wir die Dämlichkeit von Behördenentscheidung nicht jährlich aus dem immer wieder erscheinenden Schwarzbuch der Steuerverschwendung nicht ? Nuneben ein solcher Narrenstreich ! Was Solls‘ s ? Diesen Blödsinn bezahlt halt wieder der Bürger !

Da kann man nur noch😂😂😂……oder 🇩🇪😩😫😩😫

Porsche hat da auch Erfahrung: Die haben vor 36 Jahren in den 911 SC einen kleinen Kompressor eingebaut, der Luft in die Auspuffanlage einblies, um den kalifornischen Gesetzen zu genügen und so auch dort dieses tolle Auto gefahren werden durfte.

Staubsauger dürfen gemäß EU Verordnung doch nur noch 900 Watt Leistung haben,
ob das reicht für die Reinigung der Luft, oder dürfen da mehrere Sauger in Reihe
geschaltet werden? Fragen über Fragen.

Der Gesslerhut!
Auch dieses Unrechtsregime wird sein Ende finden, soviel steht fest!
Wie gut, dass es das Internetarchiv gibt!

„Alle Fahrzeuge sollen vor der Messstelle auf die linke Spur fahren. Damit fahren Sie ein paar Meter weiter entfernt an der Luftmessstation vorbei.“ …gut, sicher hätte man auch einfach nur die Messstation versetzen können anstatt den gesamten Verkehr umzuleiten, aber Politik u. Denken waren bekanntlich schon immer unvereinbar.

Warum Luft absaugen und nicht über ein Unterirdisches Rohrsystem Luft aus dem Umland/Wald in die Kreuzung rein blasen?

Kann ich mich dem Kieler Stadtrat als Berater andienen? Die Pläne dazu hätte ich schon in der Schublade.

Berater? Beraterstellen sind alle durch Parteisoldaten in der Vererbungslehre über Generationen besetzt und vergben.

Auf der anderen Seite freut man sich in Kiel, dass jedes Jahr mehr und immer größere Kreuzfahrtschiffe den Hafen anlaufen…

Ich bin auch für mehr artgerechten Verkehr durch Nachen im Urlaubs und Transportgewerbe