Deutsche Unternehmen investieren – in China

5,6 Milliarden Euro investierten deutsche Firmen im ersten Halbjahr in China. Auch Forschungskapazitäten wandern zunehmend ins Ausland. Deutschland droht, nicht nur Fabriken, sondern seine industrielle Zukunft zu verlieren.

Besucherin der Eröffnungszeremonie des drittgrößten BASF-Werks in Zhanjiang, China, am 26.03.2026.

Deutsche Firmen investieren wieder – allein im ersten Halbjahr 5,6 Milliarden Euro. Allerdings in der Volksrepublik China. Dies geht aus einer Auswertung von Bundesbank-Daten durch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hervor. Dieser Betrag liege, wie Reuters berichtet, rund ein Drittel über dem des Vorjahreszeitraums. Deutschen Unternehmen bleibe kaum eine andere Wahl, sagt IW-Experte Jürgen Matthes, als weiter in China zu investieren. Das Land sei ein wichtiger Absatzmarkt.

Aufschlussreich ist die Finanzierung. Die Unternehmen verwenden zunehmend Gewinne aus ihrem chinesischen Geschäft für den weiteren Ausbau vor Ort. 2025 wurden dort 7,8 Milliarden Euro reinvestiert; im Jahresdurchschnitt 2017 bis 2024 waren es 5,4 Milliarden. Zugleich ziehen andere Firmen Kapital ab: Bei Beteiligungen überstiegen Verkäufe und Auflösungen die Neuinvestitionen 2025 um 1,6 Milliarden Euro.

Auch Maschinenbauer bauen ihre Forschung im Ausland aus. So verstärken deutsche Unternehmen ihr Engagement in China. Für deutsche Konzerne kann das betriebswirtschaftlich sinnvoll sein. Für Arbeitsplätze und Wertschöpfung in Deutschland birgt es erhebliche Risiken. So droht Deutschland im Standortwettbewerb auch bei der Entwicklung neuer Produkte an Boden zu verlieren.

Nach einer VDMA-Umfrage unter 400 Mitgliedsfirmen betreiben bereits 43 Prozent Forschung und Entwicklung außerhalb Deutschlands. Von diesen Unternehmen wollen 69 Prozent ihre Forschungsaktivitäten im Ausland ausbauen. Rund vier von zehn international forschenden Firmen erwarten, dass ihr Auslandsanteil innerhalb von fünf Jahren um etwa zehn Prozentpunkte steigt. Weitere knapp 40 Prozent rechnen mit einem noch stärkeren Zuwachs. Besonders China und Indien gewinnen an Bedeutung.

VDMA-Vizehauptgeschäftsführer Hartmut Rauen nennt dies „ein klares Alarmsignal für den Industriestandort Deutschland“. Die Branche beschäftigt rund 190.000 Ingenieure und entwickelt Maschinen und Verfahren, auf denen wiederum andere Wirtschaftszweige aufbauen. Rauen fordert: „Wer den Industriestandort und Hightech hierzulande sichern will, muss jetzt die Voraussetzungen für Investitionen und Innovationen schaffen.“

Allerdings bedeutet mehr Forschung im Ausland nicht automatisch weniger Forschung im Inland. Für 2026 erwarten 39 Prozent der befragten Firmen steigende Forschungsaufwendungen in Deutschland, 43 Prozent unveränderte. Das Warnsignal liegt im wachsenden Auslandsgewicht: Neue Entwicklungskapazitäten entstehen zunehmend andernorts. Damit stellt sich die Frage, wo künftig aus Ideen marktfähige Produkte und industrielle Arbeitsplätze werden.

Die beiden Erhebungen zeigen ein strategisches Risiko: Deutsche Unternehmen wachsen international, während der deutsche Standort an Bedeutung verliert. Wenn neben Fabriken auch Entwicklungsabteilungen anderswo wachsen, geht es um die industrielle Substanz von morgen.

Matthes erklärt den Expansionsdruck mit Chinas Bedeutung als Absatzmarkt, staatlichen Subventionen und einer unterbewerteten Währung. Wer gegen chinesische Anbieter bestehen wolle, produziere deshalb stärker unter denselben Bedingungen. Seine Warnung: „Für Deutschland heißt das: Produktion und Arbeitsplätze wandern nach China ab.“

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