Bund erzielt Milliardengewinn: Von Privatisierung ist keine Rede mehr

Der Bund kassiert einen Milliardengewinn aus seinen Beteiligungen. Das freut den Finanzminister und zahlreiche Medien im Land. Die Ineffizienzen, die die Staatswirtschaft erzeugt, werden verschwiegen. Dabei lässt sich das ganze Elend am Beispiel der Deutschen Bahn anschaulich nachvollziehen.

picture alliance/dpa | Michael Kappeler

Gute Nachrichten für den Finanzminister: Wie das Handelsblatt berichtete, summierten sich die Gewinne der Staatsbeteiligungen des Bundes im vergangenen Jahr auf 1,1 Milliarden Euro. Das freut auch den unbescholtenen Steuerzahler und den braven Staatsbürger. Die Zahl könnte den Eindruck erwecken, die Bundesregierung sei nicht nur ideologisch-moralisch ein unverrückbarer Monolith. Nein, fast könnte man meinen, sie sei auch als Unternehmer weise und kompetent sowie als Sachverwalter des Steuergeldes ein seriöser Treuhänder.

Zu den größten Beteiligungen des deutschen Staates zählen neben der Deutschen Bahn beispielsweise die KfW mit einer Bilanzsumme von über einer halben Billion Euro, die Commerzbank, an der der Bund noch immer rund zwölf Prozent hält, sowie die Deutsche Telekom mit einem Anteil von etwa 30 Prozent.

Dieses Netzwerk staatlicher Unternehmensbeteiligungen erstreckt sich über die gesamte Bundesrepublik. Es reicht tief in sämtliche Wertschöpfungsketten hinein. Der Staat ist allgegenwärtig.

Diese Entwicklung ist kein Zufall. Mit dem Aufstieg des Ökosozialismus ist ein regelrechter Expansionseifer staatlicher Aktivitäten verbunden. Vor allem der Eingriff in die Energieerzeugung, die zunehmende Zentralisierung der Entscheidungen und die Verstaatlichung implizieren, dass Staatsakteure im Grunde immer mit an Bord sind – und wenn sie nur auf der Energierechnung ihren Fingerabdruck hinterlassen.

Es lastet auf unserer Ökonomie wie Blei, dass es Politik und Medien gelungen ist, die ideologische Vorherrschaft mithilfe des Klimakomplexes zu etablieren. Dass das Handelsblatt im Falle der Bundesbeteiligungen den positiven Effekt hervorhebt, den beispielsweise die Beteiligung an der Deutschen Telekom begründe, passt in die allgemeine ideologische Grundausstattung dieses Landes.

Dass das Handelsblatt die „positiven“ Effekte dieser Beteiligungen hervorhebt, ist symptomatisch: Der Staat wird zunehmend als stabilisierender Anker einer angeblich strategischen Infrastruktur dargestellt. Dieses Narrativ zieht sich durch viele Bereiche: von der Telekom bis zu Energie- und Versorgungsnetzen. Staatliche Beteiligung oder vollständige Eigentümerschaft gelten als Vorteil, weil der Staat sich angeblich günstiger refinanzieren könne als die Privatwirtschaft. Die niedrigeren Gebühren erscheinen wiederum als vorteilhaft für den Verbraucher. Tatsächlich aber verdrängt unterbleiben privatwirtschaftliche Investitionen, der Wettbewerb wird geschwächt, Ineffizienzen im Gesamtsystem verfestigen sich.

Zu den durchaus strittigen Bereichen staatlicher Intervention zählt der staatliche Auftrag zur Reservehaltung fundamentaler Rohstoffe wie Erdöl oder Gas. Und ausgerechnet in diesem Bereich, in dem staatliche Präsenz tatsächlich eine gewisse Daseinsberechtigung hätte, versagt der Staat auf besonders frappierende Weise, wie die niedrigen Gasstände am Ende des kalten Winters gezeigt haben. Anhänger Ludwig von Mises‘ dürfte das kaum überraschen.

Der Bund als Unternehmer ist ein chronischer Versager. Im vergangenen Jahr verbuchte die Deutsche Bahn einen operativen Verlust von 1,777 Milliarden Euro – und das trotz massiver staatlicher Beihilfen, also Geld, das letztlich vom Steuerzahler aufgebracht werden muss. Und nicht nur der Verlust ist beispielhaft, auch die Zustände beim Katastrophenbetrieb Bahn zeigen, wie sich Staatswirtschaft in der Praxis auswirkt: Chronische Verspätungen, mangelhafter Service, dystopisch anmutende Hygieneeinrichtungen und geschlossene Bistros prägen das Bild. Kaum ein Unternehmen steht für staatliche Fehlanreize so emblematisch wie die Deutsche Bahn.

Im Fall der Bundesbank, einer klassischen staatlichen Institution, ist dieser Verlust zwar nicht unmittelbar haushaltswirksam. Gleichwohl ist der ausgewiesene Fehlbetrag von 8,6 Milliarden Euro im vergangenen Jahr ein bemerkenswerter Hinweis auf die strukturellen Spannungen und Nebenwirkungen moderner Geldpolitik im Rahmen des Fiat-Geldsystems.

Dies sind nur zwei der bekannteren Beispiele verlustträchtiger Staatsbeteiligungen, über die im politisch-medialen Raum gewöhnlich nur ungern gesprochen wird. Umso erstaunlicher, dass der Bund dennoch insgesamt einen Milliardengewinn verzeichnet haben will.

In Deutschland hat sich eine Staatswirtschaft breitgemacht, in die jährlich über 320 Milliarden Euro an Subventionen hineingepumpt werden. Kann man hier bereits von einer parastaatlichen Ökonomie, von einem Sozialismus unter der sichtbaren Oberfläche sprechen? Die Subventionen allein machen bereits rund sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Kapital, das Deutschland für seinen Wiederaufstieg fehlen wird.

Im Falle der Klimapolitik wird diese Grundhaltung besonders deutlich. Steuergeld wird zweckentfremdet, um Wirtschaftsstrukturen zu stabilisieren, die unter marktwirtschaftlichen Bedingungen niemals Bestand hätten. Politik und Ideologie verdrängen die Ratio. Bürokratie wächst notwendigerweise – und mit ihr wächst auch der Einfluss des Parteienstaats. Kapital fließt nicht mehr dorthin, wo es die höchste Produktivität erzielt, sondern in eben jene Taschen, die von den Dirigenten des Ökosozialismus und inzwischen auch der Rüstungslobby auserwählt werden.

Das Fatale dabei: Es bleibt nicht bei der direkten Umverteilung. Eine wachsende Zahl von Unternehmen wird vom Subventionsgift erfasst – unmittelbar als Empfänger staatlicher Hilfen oder mittelbar als Zulieferer einer zunehmend staatsabhängigen Wirtschaft. Sie orientieren sich an Förderrichtlinien statt an Innovation. Der Wettbewerb erlahmt, Endverbraucher erhalten schlechtere Produkte und zahlen höhere Preise.

In Deutschland ist dies inzwischen gelebte Tagespolitik. Forderungen nach Privatisierung und einem Rückzug des Staates werden von Politik, Parteien und weiten Teilen des Medienapparates kategorisch zurückgewiesen. Stattdessen ist reflexartig vom „Verkauf des Tafelsilbers“ oder vom angeblichen „Ausverkauf öffentlichen Eigentums“ die Rede.

Öffentliches Eigentum – so etwas gab es nie und wird es auch niemals geben. Das ist sozialistische Prosa, eine rhetorische Verbrämung der Entmachtung des Bürgers. Es gibt Privateigentum oder Staatswirtschaft, eine Grauzone existiert schlichtweg nicht. Sozialismus ist auch in der ökologistischen Form, in der er sich gegenwärtig bahnbricht, eine Form der Diktatur. Basta. Dies sollte man auch der jungen Generation wieder deutlicher vor Augen führen, bevor sie den Verheißungen von Gemeinwirtschaft, Staatsbetrieben und einem immer weiter expandierenden Staatsapparat erliegt.

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Kommentare ( 18 )

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18 Comments
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maps
16 Tage her

Die Milliardenverluste in anderen Bereichen werden natürlich verschwiegen. Der böse Autofahrer muss die komplett kaputte und unfähige Bahn mitfinanzieren. Es ist ein linker Mafia-Staat und die CDU/CSU ist als Haupttäter dafür verantwortlich.

bfwied
16 Tage her

Der Staat als Unternehmer!!!! Als ob das irgendwo irgendwann jemals geklappt hätte. Es ist im Grunde nur ein simpler Machtkampf. Die Unbegabten und – teils – Pechmariechen rennen gegen die Begabten und Tätigen an, so ist das im Prinzip. Die Erstgenannten wollen einfach wegnehmen und bestimmen, die Letztgenannten wollen arbeiten und etwas zuwege bringen. Nach neuen Studien (Schweiz) spielt die Herkunft nur eine geringe Rolle für die Karriere (wie immer die aussieht), das ist das, was man, wenn man genauer beobachtet, schon lange weiß. Derzeit streichen die Unbegabten immer noch ihren Gewinn aus dem Feldzug ein und wollen wie immer… Mehr

Retlapsneklow
16 Tage her

Auch ein privawirtschaftliches Gas-Speicherunternehmen hätte „versagt“, wenn der Staat den Bezug von Gas aus Russland verbietet.

Mich ärgern allzu einfache, schlecht durchdachte Überlegungen. Sie wirken auf ungute Art propagandistisch und kosten Glaubwürdigkeit im Ganzen. Man kann ja nicht alles hinterfragen, wo weitere Fallen sind.

Unglaeubiger
16 Tage her

Da werden die Steuergeldsubventionen vorne und hinten reingeschoben und dann bringen die Beteiligungen Gewinn????? Genau mein Humor – verars….. kann ich mich selber!

Emanreztuneb
16 Tage her

Ja, der Staat ist ein schlechter Unternehmer. Aber die deutsche Bahn ist ein schlechtes Beispiel. Die Idee, dass man mit der deutschen Bahn einen Gewinn erzielen könnte, ist absurd und hat zu Unterinvestitionen und zum heutigen desolaten Zustand geführt. Man wird mit Regionalbahnen und -expressen, die jede Stunde in die Pampa fahren, nie Gewinn erzielen. Muss man aber auch nicht. Dafür würde ich tatsächlich gerne Steuern zahlen, so lange die Bahn dann auch top ist. Wir brauchen besser Manager in Staatsunternehmen und der Politik.

beccon
14 Tage her
Antworten an  Emanreztuneb

Naja – Unterinvestitionen ist relativ. Es wurden schon teure Neubauten errichtet – wie Stuttgart 21. Viele aufwendige Hochgeschwindigkeitsstrecken – auch teuer zu unterhalten. Trotzdem sind die Reisezeiten ein Witz. Es wäre – auch vom Standpunkt des Energieverbrauches viel zweckmäßiger gewesen, den Bahnreiseverkehr für Strecken bis ca 300 bis 500 Kilometer auszubauen und die großen Metropolen mit Flugzeugen zu verbinden. Stattdessen wäre das viele Geld in Güterkorridore, Containerlogistik und Dry Ports zur Anbindung der Industriegebiete besser angelegt gewesen. Aber so ist es, wenn Bürokraten statt Unternehmer planen.

hoho
16 Tage her

Es gab Zeiten, wo man auch Dinge verstaatlicht um unteren anderen den krieg unter anderen gegen Russland zu führen. Wir sind nur noch nicht so weit aber Zensur, Propaganda, Kriegsvorbereitung, Verstaatlichung sind ähnlich oder täusche ich mich hier? Was es anders ist: die Bahn läuft nicht so ganz gut und statt eigene Infra auszubauen und pflegen wirft man Milliarden für das sehr problematische Regime in Ukraine. Man hat die schuldige Ethnien getauscht und ein Paar andere Unterschiede gibt es auch. Sonst aber kann man schon den Schlaf darüber verlieren.

Axel Fachtan
16 Tage her

Es gibt hier kein Tafelsilber mehr
sondern nur noch ein gigantisches Industriemuseum.
Die Völklinger Hütte ist nur der Anfang.
Bald sehen Wolfsburg Ingolstadt und Stuttgart auch so aus.

Axel Fachtan
16 Tage her

Jedes Nachbarland hat einen besseren Bahnverkehr als Deutschland.
Also sollen die Nachbarländer die Bahnverkehre in Deutschland übernehmen.
Als erstes übernehmen die Schweizer den Bahnverkehr in Baden-Württemberg und bringen den Stuttgartern bei, wie man Kabel richtig verlegt. Die sind Standort von Bosch und kriegen es hin, 1000 Kilometer falsche Kabel falsch zu verlegen. Deutsche Ingenieure taugen nicht mehr. Nur noch Ausschuss bei der Bauüberwachung der Deutschen Bahn.Da herrscht Facharbeitermangel. Den werden afghanische Ingenieure aber nicht schließen können. Die Schweiz kann das besser.

alter weisser Mann
16 Tage her
Antworten an  Axel Fachtan

Das mag sein, aber sind denn dort überall die Bahnen zur Gänze privat? Darum ging es doch hier.

beccon
14 Tage her
Antworten an  alter weisser Mann

Nein, die SBB ist eine Staatsbahn. Aber sie wird wie ein Unternehmen geführt. Der Kunde steht im Mittelpunkt. Das System ist auf maximale Einfachheit und Bequemlichkeit ausgelegt. Es gibt genug Plätze durch lange Bahnsteige und Züge mit oft 12 und mehr „Dostos“ und oft zwei Lokomotiven. Man zückt auf dem Weg zum Bahnhof das „Natel“ und öffnet die SBB-App – meines Erachtens die beste Mobilitätsapp der Welt. Ein einfaches Tarifsystem – man kann jeden Zug zu jeder Zeit benutzen macht die Benutzung einfach und sorgenfrei. Zug verpaßt – oder fällt aus (passiert auch) – kein Problem, der nächste kommt keine… Mehr

alter weisser Mann
16 Tage her

Ja, Staatsunternehmen können gut suboptimal sein, nur würde mich mal die Gegenrechnung interessieren.
Was würden z.B. eine vollständig private Bahn (hatten wir in Deutschland im Ganzen noch nie) und privater Nahverkehr bringen (Leistungen, Preise)?
Hätten wir mehr von einer Commerzbank ohne Staatsbeteiligung?

ThomasP1965
16 Tage her

Wieder einmal eine völlig abstruse Argumentation des Autors. So ist es völliger Unsinn alles zu privatisieren. Es ist ideologische Scheuklappe at its best. So ist es erwiesen, dass monopolartiges wie beispielsweise Abwasser / Wassernetze, Gasnetze, Stromnetze, Straßen,… zu privatisieren schlicht nichts bringt, da der Monopolist die Kosten für den/die Nutzer nicht etwa reduziert, sondern erwiesenermaßen erhöht – meist bei schlechterer Leistung. Es ist ideologischer Mumpitz solche Nicht-Märkte zu privatisieren. Man stützt hier meist nur Korruptionsstrukturen! Markt sollte dort sein, wo Markt möglich ist! In Bereichen, in denen echter Wettbewerb möglich ist und nicht nur eine Simulation desselben. Weiterhin muss der… Mehr

beccon
14 Tage her
Antworten an  ThomasP1965

Ein privates Monopol ist auch schlecht. Vgl. z.B. Microsoft. Allerdings ist das rechtlich immer noch eine Beziehung auf Augenhöhe. Dem Staat gegenüber ist man immer Untertan. Das macht das staatliche Monopol noch einen Zacken schärfer. Die Bahn ist das perfekte Beispiel. Sie kann ja die Kontrolle über das Schienennetz behalten, aber den ganzen Verkehr konkurrierenden Privatbetrieben überlassen (auch wenn die „privaten“ Betreiber dann auch nur erst einmal ausländische Staatsbahnen sind) Dann kann man die Unterhaltung einzelner Strecken an private Unternehmen ausschreiben – immer auf fünf Jahre und mit Transparenzverpflichtung. Problem ist: Der Fisch stinkt immer vom Kopf her. Mit einem… Mehr

Siggi
16 Tage her

only!!

Eine Standardumfrage bei Insa kostet ca. 12000.- Euro. Ein kleiner Spendenaufruf für die Finanzierung dieser Umfrage zu Sachsen-Anhalt würde das Geld doch sofort einspielen. Wenn Ihr das macht, gibt es von mir einen Tausender dazu. Damit könnte man diese perverse Aktion der Regierung ausbremsen. Siehe Nius. Danke, dass Ihr die Demokratie verteidigt.

Siggi
16 Tage her
Antworten an  Siggi

@Redaktion only!!

Warum wird das nicht beachtet. Das ist ein Vertrauensbruch!