Wegen hoher Energiekosten: BASF verkleinert sich in Europa

Deutschlands und Europas größter Chemie-Konzern BASF will weniger europäisch und dafür chinesischer werden. Die europäische Gaskrise, gepaart mit strengeren Industrievorschriften in der EU, zwinge das Unternehmen, die Kosten in der Region „so schnell wie möglich und auch dauerhaft“ zu senken.

IMAGO / Jan Huebner
BASF-Werk in Schwarzheide, 30.04.2022

Der Chemie-Konzern BASF wird sich in Europa „dauerhaft“ verkleinern. Grund: Die hohen Energiekosten machen den gesamten Kontinent immer weniger wettbewerbsfähig. Das kündigte BASF-Vorstandschef Martin Brudermüller am Mittwoch an. Erst einen Monat vor dieser Ankündigung hat der nach Umsatz größte Chemiekonzern der Welt mit Zentrale in Ludwigshafen den ersten Teil einer neuen 10-Milliarden-Euro-Fabrik für Kunststofftechnik in China eröffnet. „Der europäische Chemiemarkt wächst seit etwa einem Jahrzehnt nur noch schwach [und] der deutliche Anstieg der Erdgas- und Strompreise im Laufe dieses Jahres setzt die chemischen Wertschöpfungsketten unter Druck“, sagte Brudermüller laut Financial Times. Er hatte zu Anfang des Ukraine-Krieges davor gewarnt, dass ein Embargo für russisches Gas Deutschland in die größte Krise seit dem Zweiten Weltkrieg stürzen werde.

Der Hersteller von petrochemischen Grundstoffen, Düngemitteln und Klebstoffen hat in den ersten neun Monaten des Jahres 2022 an seinen europäischen Standorten 2,2 Milliarden Euro mehr für Erdgas ausgegeben als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Brudermüller sagte, die europäische Gaskrise, gepaart mit strengeren Industrievorschriften in der EU, zwinge das Unternehmen, die Kosten in der Region „so schnell wie möglich und auch dauerhaft“ zu senken. Das sei notwendig, um „unsere mittel- und langfristige Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland und Europa zu sichern“.

Kurzfristig läuft aber offenbar alles wie geplant: BASF hat seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr von 86 bis 89 Milliarden Euro und das Ergebnis vor Sondereinflüssen von 6,8 bis 7,2 Milliarden Euro bekräftigt. Der Umsatz stieg im dritten Quartal sogar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 12 Prozent, was nach Angaben des Unternehmens hauptsächlich auf höhere Preise zurückzuführen war.

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Kommentare ( 54 )

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Endlich Frei
1 Monat her

….verkleinert sich eben auf Bullerbü-Größe. „Europa“ möchte eben „Bullerbü“ sein. Und das heißt im internationalen Haifischbecken eben ein gefundenes Fressen.

Dr. Heisenberg
1 Monat her

Die Verlagerung von BASF nach China ist sehr gefæhrlich. Was ist wenn der Westen neu China sanktioniert? Was ist wenn die westlichen Unternehmen CH verlassen müssen wie bisher Russland?

Alexis de Tocqueville
1 Monat her
Antworten an  Dr. Heisenberg

Dann verlassen sie stattdessen eben Deutschland.
Sobald die neuen Produktionsstätten in China auf- und die in Deutschland abgebaut sind… Also sagen wir so, in fünf Jahren vor die Entscheidung gestellt, wird dann eben hier das Geschlossen Schild ans Tor gehängt.

Donostia
1 Monat her

Ja so würde ich das als BASF auch machen. Wenn die Produktion hier nicht erwünscht oder nicht mehr bezahlbar ist, dann wird halt woanders produziert. Günstiger und selbstverständlich umweltschädlicher wenn die Standards in anderen Ländern das zulassen. Damit die Bilanz stimmt, muss nicht unbedingt hier produziert werden und den ganzen Ärger mit Umweltfanatikern erspart man sich auch noch. Doppelwumms sozusagen für BASF. Doppeldown für die Beschäftigten und die Umwelt.

Last edited 1 Monat her by Donostia
oHenri
1 Monat her
Antworten an  Donostia

Doppeldown für die Beschäftigten und die Umwelt.“
Na die Beschäftigten haben ja genau das gewählt … und wen sie dann nicht mehr beschäftigt sind, wer weiss, vielleicht finden die Deppen dann ja Zeit zum Nachdenken … wie und warum alles so kam, wie es kam ….

Franjo
1 Monat her

Was ausser massiven Wohlstandsverlusten bringt eigentlich das ganze Umweltgeschwafel wenn die Firmen ihre Abgase dann woanders ablassen, kann mir das einer der Grünen mal sagen?

Der Winzer
1 Monat her

Das sind doch gute Nachrichten für Herrn Habeck und Herrn Müller.
Dann wird in Ludwigshafen ja jetzt richtig viel Gas „gespart“.
Danke Robert !

Last edited 1 Monat her by Der Winzer
ersieesmussweg
1 Monat her

Global agierende Konzerne wie die Badische Anilin und Sofafabrik stören sich nicht an der hiesigen Politik. Sie spielen oberflächlich mit aber sind gedanklich auf der ganzen Welt zu Hause.
Diese Anlage in China ist nicht die einzige BASF-Anlage außerhalb Europas. Geplant wurde die schon vor ein paar Jahren.

Alrik
1 Monat her
Antworten an  ersieesmussweg

Der Ausstieg aus Kohle, Atomkraft und Gas wurde ja auch schon seit Jahren in Deutschland propagiert. Soll BASF trotzdem so dumm sein nicht im billigeren Ausland zu investieren?

oHenri
1 Monat her

Die Unternehmen wissen das – und werden auf mittlere Sicht ein Gleichgewicht von Investition und Cashback suchen.
Aber auch das kommt immer noch günstiger als das Verweilen in einem Land, in welchem die Menschen schon lange technologiefeindlich und seit neuerem offensichtlich wahnsinnig geworden sind.

Robert Tiel
1 Monat her

Ausgerechnet China.
Wenn die erst einmal das ganze KnowHow haben, ist Schluss mit BASF.
Man ehrt seinen Meister, indem man ihn perfekt kopiert ….

Til
1 Monat her

Ich verstehe, dass der Standort Deutschland für eine energieintensive Produktion nicht mehr wettbewerbsfähig ist. Eine Verlagerung nach China birgt jedoch enorme Risiken. Die USA sehen ihren imperialen Status bedroht und scheuen keinen Wirtschaftskrieg. Spätestens wenn China das abtrünnige Taiwan gewaltsam „zurück ins Reich“ holt, wird sich Deutschland den US-Sanktionen anschließen und die chinesischen Standorte deutscher Unternehmen müssten dann vermutlich ihre Produktion einstellen.

Thorsten
1 Monat her
Antworten an  Til

China schaut sich den Ukraine-Konflikt sicherlich sorgsam an und macht entsprechende Pläne.
Der Westen sollte aufpassen nicht der Dumme zu sein. Ohne chinesische Produkte gibt es noch eine Inflationswelle.

werner2k
1 Monat her

Xi hat deutlich gemacht, dass er die VRC auf die technologische Überhohlspur bringen will. Solange ausländische Investoren in die wesentlichen Sektoren investieren und sich nicht in die Politik einmischen, dürfen sie Gewinne machen und diese lukrieren.
Chinesen denken langfristig – die von ihnen implizit angenommene Verstaatlichung dürfte in der EU eher Realität werden als anderswo.
Die Verlagerung kann auch andere asiatische Länder als Ziel haben. Vietnam, Indien, etc. bieten ebenfalls sichere Energie, billige Arbeitskräfte und wenig Ideologischen Einfluß beim Verdienen.