Volk? Wir sind das … ja was eigentlich? – Eine logische Schlussvolkerung

Kommt das Wort Volk wieder auf den Index?

Merkwürdigerweise scheint heute die ebenso simple wie erfolgversprechende Idee vakant, die besagt, das eine Gruppe Gleichgesinnter die Zusammensetzung der Wahl ist, eine gemeinsame Idee auszubauen und voranzubringen. Warum aber soll, was vom Sportverein bis zu den Gewerkschaften funktioniert, auf einmal für eine größere Ordnung, für Volk und Nation, keine Gültigkeit mehr haben? Es gilt zu ergründen, warum Volk neuerdings wieder an den Begriff Rasse gekettet wird, wo man doch annehmen konnte, dass dieses düstere Duett ein für alle Mal ausgespielt hätte.

Vernunftfeinde im SPIEGEL 

So schreibt beispielsweise Georg Diez in der aktuellen Ausgabe seiner wöchentlichen SPON Kolumne über angebliche „Vernunftfeinde“, die das Klima Europas prägen würden, die anti-emanzipatorisch wären „und für eine Art Ständegesellschaft (stehen); sie wären „organisiert nach den archaischen Wahnprinzipien von Volk und Rasse.“

Volk ist also heute eines von zwei archaischen Wahnprinzipien? Die Wahndetektive haben also wieder einmal getagt, um über einen Wahnentscheid zu beraten. Und natürlich auch, um den Abgasskandal von WahnWagen zu diskutieren. Im Grunde ist es doch das erste Anzeichen des Irre-Seins, alle anderen für Irre zu erklären. Das ist vergleichbar mit dem Witz vom Geisterfahrer auf der Autobahn. Oder mit dem, wo sich einer für Napoleon hält, aber bei der Entlassungsprüfung der Irrenärzte, ob er als geheilt entlassen werden kann und nach dem Namen gefragt wird, brav mit Echtnamen antwortet und sich später im Borchardt vor Lachen schüttelt, dass diese Zivilisten auf ihn reingefallen sind. Natürlich: es gehört dazu, dass er sich selber für gesund hält.

Und das alles ist Teil des Wahnsystems Spiegel, dieses Magazins, das nur dauernd irgendwelche Titel über die gestörten Deutschen machen, da sie sich selbst ja offenbar nicht mehr für deutsch halten, sondern für Bewohner einer fernen Galaxie, die jetzt mit dem neuen Starwars-Film in Full-3-D vor unsere Augen treten. Zuletzt war da dieser schwarzrotgelbe Spiegel-Titel, bei dem die Worte „verstört“ und „deutsch“ ins Auge sprangen. Ja, sie hassen mittlerweile ihre Leser. Man will unter sich bleiben. Vor allem hassen sie Deutsche. Wahrscheinlich ist der elitäre Diez-Wahn nur denkbar in dieser merkwürdigen Spiegel-Galaxis, die sich immer weiter entfernt in die Tiefe des Universums. Man interviewt zwar noch Normalos für den Titel, aber streckenweise sind das Verhöre, als ginge es um eine zweite Entnazifizierung, aber diesmal eine RICHTIGE. Der Kioskverkauf liegt bald unter 200.000, also noch unterm Stern.

Sie können es nicht. Sie sind gut- bis bestbezahlte Treibhaus-Bewohner, und der Kolumnist gibt den Maulhelden der Truppe. Der Phänotyp des Spiegel-Redakteurs, arrogant und gesalbt mit dem Zeug, das die Kurpfuscher im Wilden Westen vom Planwagen vertrieben haben: ein Zauberzeug, das „Letzte Erleuchtung“ heißt. Wahrscheinlich hört er Stimmen. Wahrscheinlich ist ihm ein Engel erschienen wie dem Mohammed oder diesem Smith, dem Gründer der Mormonen. Ja, wahrscheinlich gründet er demnächst eine Religion.

Man möchte mal wissen, was die Polen sagen, wenn sie hören, das sie kein Volk sind. Oder die Franzosen. Oder die Engländer! Die würden diesen Napoleon sofort wieder in die betreute Verbannung wegschließen und die Leute gewaltig zusammenscheissen, die ihn rausgelassen haben.

Also was für ein Quatsch ist das eigentlich? Nein, Korrektur, es ist ja kein Quatsch, es ist eine absichtsvolle Indetermination einer bis dato gesellschaftsverbindlichen Begrifflichkeit. Als Reaktion eines behaupteten Missbrauches der Vokabel „Volk“ in „Wir sind das Volk“ durch die Pegida-Jünger? Möglicherweise auch das.

Bloß kein Volk

Damit ist es dann aber automatisch die Abkehr eines Verständnisses von Volk, wie sie diese vielgelobte friedlichvolle deutsche Revolution für sich besetzt hatte: Ein Volksaufstand, der Ende 1989 nicht nur die territoriale Wiedervereinigung von West- und Mitteldeutschland erzwingen sollte, sondern die Zusammenführung von durch zwei politische Systeme und eine Mauer voneinander getrennte Teile eines gemeinsamen Volkes im Sinn hatte. Ja, es ist wohl so, nach einer aktuellen Lesart wäre die deutsche Wiedervereinigung heute ein rassistischer Akt gewesen – nämlich basierend auf einem Verständnis des Begriffes „Volk“ von vor 1945.

„Volk“ ist eine seltsame Vokabel. „Volksvertreter“ und „Volkspartei“ sind zunächst noch positiv besetzte Begriffe ebenso wie „Volks-PC“, „Volks-Handy“ und „Volks-Internet-Flat“ von BILD Zeitung und Aldi. Hier taugt der Begriff Volk um Begehrlichkeiten zu wecken. Auch Begriffe wie „Volksbegehren“ usw. sind tendenziell positiv, wenn auch linkspolitisch besetzt.

Wikipedia definiert nun allerdings „Volk“ als eine Gruppe Menschen, die „aufgrund bestimmter kultureller Gemeinsamkeiten und zahlreicher verwandtschaftlicher Beziehungen miteinander verbunden sind.“ „Volk“ steht hier also unwidersprochen als Begriff für Menschen mit kulturellen Gemeinsamkeiten und verwandtschaftlichen Beziehungen. Also doch Volk? Und Rasse?

Die Folgen der dauerhaften Massen-Migration
Integration: Gefangen im „Ethnic-Interest-Cycle“
Könnte man annehmen, denn Wikipedia erklärt weiter, Volk sei das populäre Synonym für Ethnie. Diese kulturell-ethnische Definition entspräche dann ja der aktuellen Definition von Volk, wie es uns beispielsweise genannter Spiegel-Autor präsentiert. Gut, seine Motivation dahinter ist klar. Sie speist sich aus der Sorge, eine Mehrheit der Individuen dieses Volkes würden aus ihrem Dasein einen Chauvinismus begründen. Also einen aggressiven Nationalismus wünschen, gespeist aus dem Überlegenheitsgefühl der eigenen Gruppe.

Nun ist es allerdings häufig genau diese Hoffnung auf eine Überlegenheit „unserer Gruppe“, die Deutschland für Migranten heute so anziehend macht. Die – würde man annehmen wollen, dass es Einwanderern nicht ausschließlich um den finanziellen, sondern auch um einen politischen und kulturellen Mehrwert geht – den Wunsch erzeugt hat, Teil dieser Gruppe, ergo Teil dieses Volkes zu werden. Integration meint ja auch genau das: Die Einbindung von bisher Außenstehenden ins deutsche Volk.

Deutschland als Gewerkschaft?

Der Vater der westdeutschen Nachkriegs-SPD, Kurt Schumacher, erklärte im Wahlkampf 1949 „Entweder wird es uns gelingen, Deutschlands Wirtschaft sozialistisch zu machen, oder wir werden aufhören, ein deutsches Volk zu sein.“ Was aus heutiger Sicht politisch grotesk klingt, drehten die Grünen unter Schützenhilfe der SPD in NRW noch einmal um ein paar Windungen weiter: Der Kollege Schumacher hätte sich wahrscheinlich im Grabe umgedreht, als man 2013 im Landtag forderte, doch den ministerialen Eid dahingehend zu streichen, das man seine Kraft nicht mehr „dem Wohle des deutschen Volkes“ widmen, sondern künftig auf das Wohl aller Menschen anstoßen sollte. Aber warum nicht gleich – tri tra trullala – zum Wohle aller Menschen auf der Welt? Denn das wäre ja die logische Schlussentvolkerung.

Und das wäre dann so, als würden sich die eingangs erwähnten Gewerkschaften nicht mehr nur um ihre Klientel kümmern, sondern gleich um jeden, der im oder irgendwo in der Nähe des Betriebes irgendwie tätig ist. Macht man aber nicht. Oder wenn, dann nur bedingt. Vertreten werden Mitglieder der Gewerkschaften. Und genau das macht diese Gruppe so stark. Und das sorgt dafür, dass beispielsweise die Mitarbeiter der Automobilindustrie zu den bestbezahlten der Welt gehören. Übrigens – um das auch noch zu erwähnen – ohne, dass das die hohe Konkurrenzfähigkeit der Produkte auf dem Weltmarkt beeinträchtigen würde. Dafür braucht es schon so etwas wie den jüngsten Abgasskandal, der ja ohne Zutun der Belegschaft oder der Gewerkschaftsgenossen in den Vorstandsetagen des Konzerns ausgeknobelt wurde.

Ein Volk, organisiert wie eine Gewerkschaft? Und die ganze Welt jener Großkonzern, dem gegenüber man moderat seine Interessen vertritt? Vielleicht ist das sogar der sympathischere, der weniger kontaminierter Gedanke. Wenn nun aber die Regierung alles andere ist als das Pendant zur Gewerkschaftsspitze, dann muss sie wohl ausgetauscht bzw. neu instruiert werden. Und was diese Regierung dann zu tun hätte, formuliert Wikipedia wiederum glänzend: „Eine Gewerkschaft ist eine Vereinigung von (…) Beschäftigten zur Vertretung ihrer wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Interessen.“

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