Unternehmer auf der Flucht

Chinesische Großunternehmen beginnen, sich in den Mittelstand einzukaufen. Der ist nach Jahren der Groko-Politik mürbe und bereit, aufzugeben.

Müssen deutsche Arbeitnehmer bald chinesisch lernen? Chinesische Konzerne sind scharf auf deutsche Mittelständler. Gerade haben sie sich bei Manz in Reutlingen eingekauft; dort werden die Maschinen für Apple-Smartphones gebaut. Im Januar wurde Krauss-Maffei gelb; eine deutscheTraditionsmarke. (Der Bau der Leopardpanzer soll nach Frankreich gehen; schließlich wollen die Deutschen ja keine Waffen mehr.) Nichts ist vor den Chinesen sicher: Die Autoschlösser von Kiekert geknackt, die Betonpumpen von Putzmeister eingesackt, Bleche von ThyssemKrupp, Gabelstapler von Linde und kleine Autozulieferer, die kaum jemand kennt: alles eingekauft. Sie kaufen aber auch Müllverbrennungsanlagen in Niedersachsen und haben für die Autobahnraststätten von Tank&Rast mit geboten …

Flucht statt Strategie

 Das zeigt: Es geht nicht um Fabriken, die dann nach China verschwinden. Oft geht es  um Flucht! Der Euro ist schwach, europäische Unternehmen sind damit billige Beute. Wer jetzt nicht kauft, der kauft nimmermehr. Mit dem Kauf droht immer auch Know-how zu verschwinden. Es geht um langfristiges Wachstum in China, um die Modernisierung einer Wirtschaft, die von der Billig-Fabrik weg will und hin zu höherwertigen Produkte. Derzeit bietet ein chinesischer Staatskonzern um die Beherrschung beim Augsburger Roboter-Bauer Kuba, der mit seinen schlauen Viel-Armern die Fertigungsstraßen der Automobilbauer entvölkerte.
Nicht immer aber steckt ein Industrie-strategischer großer Plan dahinter. Je unsicherer die Wirtschaft in China wird, um so mehr fliehen reiche Chinesen mit ihren Milliarden nach Europa und in die USA: In der Schweiz haben sie den Chemiekonzern Syngenta und den Flughafenbetrieb Swissport gekauft, in Italien Pirelli (die Nackten mit den Reifen), in den USA Legendary Entertainment (Jurassic Park Batman, Godzilla), in Griechenland den Hafen von Piräus, in Spanien Anteile an Atlético Madrid.  Reiche Chinesen haben gelernt: Kapital ist ein scheues Reh. Es flieht vor dem Zugriff des Staates, der die Wirtschaft „retten“ will. Die aktuelle Debatte in der Volkskammer wirkt für sie eher bedrohlich und nicht wie die versprochene Rettung.

Entwurzelte Unternehmen

Bislang haben die Chinesen in Deutschland meist entwurzelte Unternehmen gekauft,  die von angelsächsischen Hedgefods abgewrackt und herumgereicht wurden; KraussMaffei zählt als Musterbeispiel dazu; die von Linde zu  „Kion“ verhunzten und dann abgestoßenen Gabelstapler ebenso. An Familienbetrieben haben sie sich die Zähne ausgebissen. Das ändert sich. Mittelständler sind nun doch bereit, ihre Fabriken dem Drachen in den Rachen zu werfen: Aus Angst vor der Erbschaftssteuer, die jetzt verschärft wird: Lieber jetzt an Chinesen verkauft als  an Wolfgang Schäuble verschenkt.
Denn während die Wirtschaft in Deutschland brummt, geht in den Chefbüros die Angst um: Wie kaum eine Regierung hört die schwarz-rote Koalition nur auf die Gewerkschaften und nimmt die Unternehmen in den Schwitzkasten: Um die Mindestlöhne zu kontrollieren, marschiert der Zoll in das Personalbüro ein. Werkverträge, Zeitarbeitsverträge, Lohngleichstellungsgesetz, Quotenregelung – mehr noch als höhere Kosten sind es die Bürokratisierung, Kontrolle, neue Räte, Betriebsräte und Gewerkschaften, die  die Chefs fürchten: Wenn es nach Andrea Nahles geht, sind die  Betriebe bald so bürokratisch wie die Gemeindeverwaltung. „Die große Koalition und mit ihr die CDU entwickelt sich in eine Richtung, die die Wirtschaft langfristig ernsthaft beschädigt“, zersägt beispielsweise  Niklaus Stihl (Motorsägen) zum 100. Geburtstag des Unternehmens die derzeitige Politik. “Deutschland wird auf Verschleiss gefahren“. Dazu die immer fragwürdigere Energieversorgung, drohende Sozialkosten und Sozialbeiträge auch für die Arbeitgeberanteile wegen der Flüchtlingspolitik.
Unternehmer wollen eben auch geliebt werden. Jetzt geht es nur noch um Flüchtlinge, nicht mehr um die Flucht der Unternehmer.
Dieser Beitrag erschien kürzer auch auf BildamSonntag
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