Klammes Tierheim lehnt Geldspende von Jägern ab

Ein Schützenverein sammelt für einen Tierschutzhof. Der braucht die Kohle dringend, lehnt die Spende aber ab: Von Jägern will man nichts annehmen. Die ideologische Verblödung in Deutschland kennt keine Grenzen mehr.

picture alliance / CHROMORANGE | Michael Bihlmayer

Wenn Sie zu ertrinken drohen, dann greifen Sie nach jedem Rettungsring, der Ihnen zugeworfen wird. Sie tun das, ohne zu fragen, wer den Ring geworfen hat. So dürfte das jeder durchschnittlich vernunftbegabte Mensch sehen.

Silke Fraune sieht es anders. Die Wissenschaftliche Angestellte der Universität Vechta ist Vorsitzende des Tierschutzvereins Diepholz in Niedersachsen. Der betreibt seit 1991 den Tierschutzhof Dickel, nach eigenen Angaben letzte Zuflucht für Fund- und Abgabetiere aus den meisten Städten und Gemeinden der Landkreise Diepholz und Vechta.

Wie praktisch alle Tierschutzvereine, so sind sie auch in Diepholz chronisch klamm. Und wie praktisch alle Tierschutzvereine, so sind sie auch in Diepholz ständig auf der Suche nach frischem Geld.

„Der Tierschutzhof Dickel finanziert sich zu großen Teilen durch Spenden. Wir sind für jede noch so kleine Geld- oder Sachspende dankbar, denn nur mit Ihrer Hilfe können wir alle unsere Schützlinge ausreichend versorgen.“

So steht es auf der Internetseite des Tierschutzhofes.

Im selben Landkreis gibt es seit 2019 auch das Schießsportzentrum „Treffpunkt Rehden“. Dort trainieren nicht nur die vielen Sportschützen der Gegend, es werden auch Jagdkurse angeboten. Das nördliche Bundesland ist eine Hochburg des Waidwerks: Mehr als 60.000 Jäger gibt es hier – bei 8,2 Millionen Einwohnern. Statistisch kommt also ein Jäger auf 137 Bürger. Zum Vergleich: In Bayern liegt das Verhältnis nur bei 1:160, in Nordrhein-Westfalen sogar nur bei 1:180.

Nun begab es sich, dass der „Treffpunkt Rehden“ einen Schießwettbewerb für den guten Zweck veranstaltete. Bei der Spendenaktion kamen 1.225 Euro von 79 Teilnehmern zusammen. Das Schießsportzentrum rundete den Betrag auf 1.500 Euro auf.

Doch als man dem Tierschutzhof Dickel, der ja immer Geld braucht, das Geld übergeben wollte, lehnte der Hof ab: Von Jägern wolle man nichts annehmen. Vereinsvorsitzende Silke Fraune beschied die verdutzten Spender kühl, es gebe „Aspekte an der Jagd“, die sie als Tierschützerin nicht gut finde. Sie stehe der Jagd skeptisch gegenüber.

Ob das die Tiere, denen auf dem Hof mit der Spende hätte geholfen werden können, wohl auch so sehen?

Die Entscheidung wird von den anderen Mitgliedern des – übrigens ausschließlich aus Frauen bestehenden – Tierschutzvereinsvorstands mitgetragen. Im Internet gibt es auch ein paar positive Stimmen: „Da hat ein Tierheim echt Rückgrat bewiesen“, lautet ein Post.

Die meisten Reaktionen lassen sich allerdings so zusammenfassen: heftiges Kopfschütteln. Ein Kommentar fasst viele andere zusammen:

„Dann sollen die auch nicht mehr um Spenden betteln. Wer Spenden ablehnt, braucht sie auch nicht.“

In unserer Gesellschaft gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten, den eigenen Status zu verbessern. Erstens: Man ist in irgendeiner Hinsicht kompetent und kann zum Beispiel gut kochen oder singen oder zeichnen. Wenn man etwas gut kann, wird es honoriert – nicht unbedingt finanziell, aber sozial.

Die andere Möglichkeit besteht darin, tugendhaft zu sein. Dann kann man vielleicht nicht gut kochen und nicht gut singen und nicht gut zeichnen – aber man gilt als weise oder gütig. Auch das wird honoriert, wiederum nicht finanziell, aber sozial.

Mit dem Aufkommen der sogenannten Sozialen Medien haben Menschen nun jedoch entdeckt, dass sie einfach behaupten können, tugendhaft zu sein – ohne jeden Beweis, ohne jeden Beleg. Man heftet einfach alle möglichen Fahnen und Symbole an die eigene Biografie bei Instagram oder bei X oder bei Facebook (Ukraine, Palästina, …).

Das eröffnet gleichzeitig eine neue, eine dritte Möglichkeit zum Aufpumpen des eigenen sozialen Status: Man erhöht sich selbst, indem man andere Menschen herabsetzt: Seht nur, was der da gesagt hat. Seht nur, was der da getan hat. Der da ist schlecht, deshalb bin ich gut.

Das ist zwar aussagenlogisch irre, aber so funktioniert das heute.

Daher kommt der Begriff „Virtue Signalling“: von den englischen Wörtern für „Tugend“ und für „Signalisieren“. Man beschuldigt jemanden, nicht tugendhaft zu sein – und signalisiert dadurch, wie tugendhaft man selbst doch ist.

Dabei kommt es gar nicht mehr darauf an, ob man selbst etwas Gutes tut – es kommt allein darauf an, dass man das vermeintlich Schlechte ablehnt, das ein anderer tut. Es kommt nicht darauf an, dass man Spendengeld einsammelt, um Tieren in Not zu helfen – es kommt allein darauf an, Spendengeld abzulehnen, das von Leuten kommt, die man nicht mag.

Wenn Sie das für erbärmlich halten, dann haben Sie völlig recht.

Das Schießsportzentrum „Treffpunkt Rehden“ hat das einzig Richtige getan: Es hat sein Geld genommen und ist zu einem anderen guten Zweck weitergezogen. Das Tierheim Lindern, nur eine halbe Stunde entfernt, hat sich über die Spende sehr gefreut.

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Kommentare ( 4 )

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Mermaid
21 Minuten her

Man kann immer wieder feststellen, daß bei manchen das Brett vor dem Kopf aus Teak ist. Will sagen, daß sich vermeintlich selbst so sehr über den Dingen Stehende mal kräftig ins Knie schießen können! Die Dummheit schlägt aber bei jedem irgendwann zu. Ohne Ausnahme. Als Jäger würde ich diese Dame einladen und ihr zeigen, wie steinig der Weg zu einer waidgerechten Jagd für einen angehenden Jäger ist und wie sehr die Jägerschaft selbst um die Einhaltung der Deutschen Jagdgerechtigkeit bemüht ist. Zum Schluß die Frage: kommt es für die Annahme einer Spende überhaupt darauf an, ob sie einem Vorstandsmitglied „gefällt“?… Mehr

Rico
41 Minuten her

Ähnliches war doch damals im Ahrtal – die wollten keine Hilde von AfD-nahen Spendern.
Zum Tierheim: Sollen sie halt bankrott gehen – haben sie sich ja offensichtlich auch redlich verdient.

Ulrich
45 Minuten her

„Wissenschaftliche Angestellte der Universität Vechta“ Lassen Sie uns raten: sicher nicht im MINT-Bereich der Uni. Upps, Gugel weiß Bescheid: kein MINT an dieser Uni.

Malte
55 Minuten her

Früher hieß es: „Ich kann nicht kochen, backen oder putzen, aber guck‘ mal, wie ich da lieg!“
Heute: „Ich kann nicht kochen, … und werde mich auch nicht hingeben, aber … ich bin total antifa.“