Licht in den ‚Darkroom der Respektlosigkeit’ bringen

Wird durch einen rigorosen Individualismus die Respekt-Verweigerung zum Mainstream, weil sich immer mehr Zeitgenossen an dem orientieren, was ihrem Ego entspricht bzw. gezielt Vorteile verschafft, dann wird damit die Basis jeder Demokratie zerstört.

imago images / Christian Spicker

Immer häufiger stellen Gerichte die Freiheit der Kunst oder die so genannte freie Meinungsäußerung über die Menschenwürde, ob in Satire-Formaten, provozierenden Kunst-Aktionen oder wenn Politiker voller Häme und Hass mit Wort-Gülle überschüttet werden. Der Rechtssprechungs-Rahmen des Bundesverfassungsgerichts zur „erlaubten Meinungsäußerung“ wurde jedenfalls von Jahr zu Jahr immer größer und hat somit der eigentlich verbotenen Schmähkritik der Weg bereitet.

Wie ist diese unwürdige und rüde Entwicklung zu erklären?

Ein respektvoller Umgang scheint jedenfalls von zu vielen Zeitgenossen außer Acht gelassen zu werden. Ob gegenüber staatlichen Einrichtungen, gesellschaftlichen Funktionsträgern, mehr oder weniger in der Öffentlichkeit stehenden Personen, dem Eigentum Anderer oder gegenüber unserer Mitwelt. Ein wertschätzender Umgang bleibt so auf der Strecke. Da hilft auch kein Fremdschämen. Viele ältere Bürger sehnen die „gute alte Zeit“ herbei, in der Höflichkeit und Achtung noch selbstverständlich war. Wie ist dieser rüde Umgangsstil zu erklären? War früher alles besser?

Nun, wer zurück blickt, wird sicher einige Anhaltpunkte dafür finden. Aber unter kritischen Vorzeichen ist darauf hinzuweisen, dass vor ca. 70 Jahren auch noch der Rohrstock bei unerwünschtem Verhalten eingesetzt wurde. Ob Lehrkräfte oder Eltern, damit verschafften sich die Handelnden jedoch keinen echten Respekt, sondern sie verbreiteten Furcht. Allerdings hatten die Leute zu dieser Zeit mehr Respekt vor Lehrern, dem Polizisten, den Eltern, generell den Erwachsenen. Und es gab auch noch einen breiten Konsens grundlegender Anstands-Regeln.

Aber in der Folge der 68er-Studenten-Revolte, welche beispielsweise mit Rufen: „Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren“ in die Öffentlichkeit drang, geriet alles Bisherige so auf den Prüfstand, dass zu viel Wichtiges dabei überrannt oder bekämpft wurde. In der Folgezeit mussten sich staatliche Institutionen dagegen verwahren, nicht ständig attackiert oder lächerlich gemacht zu werden. Das hat eine breite Respektlosigkeit ausgelöst. So wurden auch Höflichkeitsregeln oder andere wichtige, das soziale Miteinander fördernde Verhaltensweisen über Bord geworfen. „Respektiere nur dich selbst“ wurde zum Leitmotiv eines sich stark ausbreitenden Individualismus. Ob in Kitas, Schulen, Ausbildungs-Einrichtungen, im Berufsleben oder im öffentlichen Bereich, immer häufiger stoßen wir auf das Phänomen eines gravierenden Respekt-Mangels.

Der Respekt vor staatlichen Institutionen geriet „außer Mode“?

Der Staat wurden nur dann akzeptiert und genutzt, wenn es um das Durchsetzen eigener Vorteile ging – zum Beispiel das Recht auf freie Meinungsäußerung, den Anspruch auf Sozialleistungen oder nach Straftaten auf einen Pflichtverteidiger. So wurden Gerichte zu Schaubühnen provokanten Widerstandes, Richter, Polizisten und Soldaten wurden lächerlich gemacht oder angegriffen, Leistungsträger diffamiert oder ermordet. Aus dem Bundeskanzler wurde Herr X, aus Uni-Professoren wurden Herr oder Frau Y, Polizisten wurden als Bullen und Soldaten als Mörder tituliert. Autoritäten wurden bekämpft oder außer Funktion zu setzen versucht.

So brachten die Umbrüche der 68ziger Studentenbewegung unter positivem Vorzeichen zum Beispiel eine deutliche Zäsur zur braunen Vergangenheit, die dringend notwendig war. Aber durch das Aushebeln und Bekämpfen wichtiger Umgangsregel und die Diffamierung so genannter Sekundärtugenden wurde ein durch Wertschätzung und Verantwortung geprägtes soziales Miteinander massiv torpediert. Das zeigte auch in der Kindererziehung Wirkung. Eine Folge war und ist, dass Eltern, viele Lehrkräfte und andere Erwachsene sich dem Zeitgeist-Diktat unterwarfen und Vieles daransetzten, nicht mehr als Respektperson wahrgenommen zu werden. Lehrkräfte ließen sich duzen, Väter und Mütter biederten sich ihren Kindern als Kumpel oder Freundin an. Konsequentes Verhalten wurde gescheut und auf Konflikte oder wichtige Positionsverdeutlichungen mit Wegknicken reagiert. Dieses atypische Verhalten der eigentlich erwachsen sein sollenden Generation gegenüber der Jüngeren löste einerseits einen breiten gesellschaftlichen Infantilisierungs-Prozess aus und öffnete andererseits der Respektlosigkeit Tür und Tor.

Der kollektive Schrei nach „Ich-Ich-Ich“

Die häufig vorgenommen Zuschreibung der so genannten Millennials als „Generation Ich-Ich-Ich“ verdeutlicht, sofern sie zutrifft, dass die Eltern und Älteren diese Wesensmerkmale in diese hinein gelegt und gefördert haben müssen. Schließlich entwickelt sich eine starke Ich-Bezogenheit bzw. ein exzessiver Narzissmus keinesfalls aus dem Nichts! Insofern scheinen viele Zeitgenossen – mehr oder weniger – vom Virus der Ich-Bezogenheit infiziert.

Ichbezogene konzentrieren sich ständig darauf, ihr brüchiges Selbstwertgefühl zu kompensieren. Ob durch eine Konzentration auf den Eigennutz, eine starke Überschätzung eigener Fähigkeiten oder einer kritiklose Überzeugung der persönlichen Großartigkeit. So wird ein zwar unrealistisches, aber sehr konfliktträchtiges Selbstbild verfestigt. Die Phantasien drehen sich um Macht, Einfluss, Glanz, Schönheit oder Reichtum, kurz um einen möglichst leichten Super-Erfolg.

Eine häufig genutzte Strategie der schnellen ‚Ich-Aufwertung’ wird in Abwertungs-, Bekämpfungs- oder Zerstörungs-Handlungen gesucht. Dieses Verhalten äußert sich im Ignorieren von Ämtern, Funktionen, erbrachten Leistungen oder dem Eigentum Anderer. So soll durch gezielte Respekt-Verweigerungen im Schnellverfahren das eigene schwache Selbstwertgefühl gepuscht werden. Konkret: Ein instabiles Ich plustert sich auf, um so optisch an Größe zu gewinnen. Fällt das Umfeld auf diese Ich-Inszenierung herein, wird der Boden dafür bereitet, dass demonstrativ Macht ausgeübt und untertäniger Respekt eingefordert wird.

Bei Gegenwind oder deutlichen Stoppmarkierungen werden viele verbale Attacken oder sprachliche Entgleisungen mit dem Recht der freien Meinungsäußerung zu legitimieren gesucht. Aber was hat ein Konglomerat aus Häme, Schwachsinn, Falschbehauptungen oder verbalen Angriffen mit dem im Grundgesetz zugestanden Recht der freien Meinungsäußerung zu gemeinsam? Denn bei solchen Selbstrechtfertigungs-Versuchen wird meist ausgeblendet, dass alle in der Folge von Artikel 1 aufgeführten Rechte dem Grundrecht der Unantastbarkeit der Menschen-Würde ungeordnet sind.

Aufgewachsen in Treibhäusern der Respektlosigkeit

Basis eines respektvollen Verhaltens ist eine angemessene Selbsteinschätzung, konkret: Sich nicht als Mittelpunkt der Welt, sondern als Teil einer Solidargemeinschaft zu sehen. Damit ist verbunden, dem persönlichen und gesellschaftlichen Umfeld aktiv Respekt entgegen zu bringen. Somit sind Kinder und Jugendliche zur Wertschätzung vor dem Sein anderer Lebewesen, Sachgütern und tragenden Institutionen zu erziehen. Damit ist unabdingbar verbunden, Kindern und Jugendlichen ebenfalls in angemessener Weise Respekt und Wertschätzung entgegen zu bringen. Das erfordert in der Regel eine zufrieden stellende Beziehungszeit. Viele im bürgerlichen Spektrum agierenden Vereine und Gruppierungen sind hier als kraftvolle positive Bewegung zu sehen, weil so anständiges Verhalten und höfliche Umgangsformen gelebt und eingefordert werden.

Wenn jedoch Gutes zur Beliebigkeit verkommt und Negatives ohne Konsequenz bleibt, dann wird die Respektlosigkeit zur Verhaltensnorm. Jedes Hinwegsehen über Rücksichtslosigkeiten oder Gewalt im Alltag, ob es sich dabei um lautstarke Telefonate in der Öffentlichkeit, rüdes Verhalten, sprachliche Entgleisungen, um Sachbeschädigungen durch ‚Graffiti-Chaoten’ oder willkürliches Zerstören handelt: Wer über respektloses Verhalten hinweg sieht, verstärkt den Vorgang. Die subtile Botschaft aus dem Umfeld lautet dann: ‚Jeder macht halt seins. Es gibt keine verbindlichen Regeln.’ Das ist auch ein Nährboden für die um sich greifende Randale-Lust, ob nun Frauen, älteren oder gehandicapten Menschen angepöbelt oder öffentliche Gebäuden oder fremde Sachgüter attackiert werden. Immer zeigen die Täter null Respekt vor der Würde oder dem Eigentum Anderer. Eine Folge des Aufwachsens in Treibhäusern der Respektlosigkeit.

Drei Alltags-Beispiele: Ein dreijähriger Junge tritt seinem Vater beim Abholen vom Kindergarten vors Schienbein. Doch der reagiert nicht und sagt der kritisch beobachtenden Erzieherin nur: „Der meint das nicht so …“ Eine Mutter wird innerhalb einer Rüge wegen mangelhaft erbrachter Hausaufgaben von ihrer 10jährigen Tochter wie folgt angegangen. „Von dir alten Fotze lasse mir nichts mehr sagen!“ Die Reaktion der Mutter mir gegenüber: „Sie war halt sauer und weiß sicher gar nicht, was sie da gesagt hat.“ Hier ein besonders eklatantes Beispiel von fehlendem Respekt in der Öffentlichkeit: Da fordert ein Busfahrer einen circa Zwölfjährigen auf, für eine gehbehinderte alte Frau Platz zu machen. Doch dieser reagiert mit: „Für so ein Friedhofsgemüse stehe ich doch nicht auf!“ Dank der konsequenten Reaktion des Busfahrers erhielt der Schüler ein deutliches Stopp im doppelten Sinne. Der Fahrer hielt auf offener Strecke an und wies den Zwölfjährigen mit den Worten aus dem Bus: „Ein solch ungebührliches Verhalten ist ein klarer Verstoß gegen die Beförderungsbedingungen!“

Respekt als Basis der (Über)-Lebensfähigkeit einer Gesellschaft

Respektlosigkeit führt letztlich zu einer Erosion der grundlegenden Voraussetzungen eines friedlichen Zusammenwirkens. Der österreichische Professor Robert Pfaller äußerte dazu in der taz: „Demokratie beruht auf dem Prinzip, dass alle sich um das kümmern, was alle angeht.“ Dieser Dienst am Gemeinwohl benötigt starke Persönlichkeiten, welche auch Entscheidungen, die den eigenen Wünschen widersprechen können, aktiv mittragen. Basis einer solchen Grundhaltung ist, nicht, ständig auf eigene Vorteile fixiert zu sein. Statt dessen scheinen wir immer mehr auf eine Welt zuzusteuern, in der Eigennutz bzw. Partikularinteressen vor das Gemeinwohl gesetzt werden. Dies führt weg von einer demokratisch verfassten Gesellschaft hin zu politischen Strukturen wie Oligarchie, einer Wiedergeburt des Feudalismus und letztlich zum Totalitarismus.

Ohne Respekt – ob gegenüber staatlichen oder sonstigen Institutionen, Lebewesen, Sachgütern oder der Leistung anderer Menschen – ist kein friedvolles bzw. solidarischen Miteinander möglich. Demnach unterminiert jede Form von Respektlosigkeit die Menschwürde und die Stabilität einer Gesellschaft. Wenn jedoch innerhalb eines rigorosen Individualismus die Respekt-Verweigerung zum Mainstream mutiert, weil sich immer mehr Zeitgenossen an dem orientieren, was ihrem kranken Ego entspricht bzw. ihnen gezielt Vorteile verschafft, dann wird damit die Basis jeder Demokratie zerstört.

Auch wenn ein vor wenigen Wochen herbeigeführtes Beschimpfungs-Urteil des Landgerichts Berlin, hier bezogen auf eine recht bekannte Bundespolitikerin, die Respektlosigkeit hoffähig machte, weil Äußerungen wie: „Stück Scheiße“, „Drecksau“, „Sondermüll“, „Pädophilen-Trulla“ oder „Drecks Fotze“ als hinnehmbare Meinungsäußerung dargestellt wurden und „keine Diffamierung der Person der Antragstellerin und damit keine Beleidigungen“ darstellen würden, es gibt einen Hoffnungsschimmer.

So hat eine Anwaltskanzlei die drei zuständigen Richter wegen Rechtsbeugung angezeigt, was – so ist zu hoffen – einen Umdenkprozess auslösen könnte. Denn wenn sich daraufhin das Bundesverfassungsgericht mit diesem Fall beschäftigt, könnte den Richtern bei der Klärung ja ein Licht aufgehen und durch eine Neubewertung der Frage, was unter Schmähung oder grobe Verunglimpfung bzw. unter dem Verfassungs-Auftrag: „Die Würde des Menschen ist unantastbar zu verstehen ist, Licht in den bundesdeutschen ‚Darkroom der Respektlosigkeit’ bringen.

Wird das Urteil des Landgerichts jedoch nicht kassiert, sollten Gerichte bald Ihre Prozesse in Stallungen durchführen und statt in Robe im schmutz-abweisenden Overall erscheinen, um das räumlich Ambiente dem stinkenden Denk- und Sprachniveau besser anzupassen?


Dr. Albert Wunsch ist  Erziehungswissenschaftler, Hochschullehrer und Autor.

Anzeige
Unterstützung
oder

Kommentare ( 15 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Andere bringen wir ungekürzt.
Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

----

15 Kommentare auf "Licht in den ‚Darkroom der Respektlosigkeit’ bringen"

Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung

P.S. Als Reaktion auf die Zumutungen unserer Politik ist Vulgärsprache im Internet ohnehin nur das Mittel der hilflos Wutschnaubenden und Entrechteten. Zielführender wären allemal klare Forderungen, auf unübersehbaren, wiederholten Demos vor die Tore der Macht getragen. Die Bauern machen es vor…

Ich kann Hern Wunsch nur beipflichten: Vulgärsprache und Respektlosigkeit haben nichts mit Meinungsfreiheit sondern mit Erziehung zu tun. Erziehung im häuslichen Umfeld durch Vorbild, Liebe, Regeln und Konsequenz. Wo diese Festigung fehlt, werden Kinder umso leichter anfällig für derbere Vorbilder, die in Schule und social media oft genug das Sagen haben. Es sei denn, sie treffen auf Pädagogen, die neben der Lehrstoffvermittlung an ihre Multikultischüler den Ehrgeiz entwickeln, am Konzept der guten Kinderstube eisern festzuhalten, so dass ihre Zöglinge später keine Probleme haben werden, ihre Meinung frei von verbalen und aktionistischen Scheusslichkeiten deutlich an den Mann/die Frau zu bringen.

Hatespeech-Paragraphen, Ermächtigung der AA-Stiftung, Correctiv, immer schärfere Zensur in den Foren der MSM, Hexenjagden gegen Dissidenten – und der Autor moniert außer Kontrolle geratene Freiheit der Meinungsäußerung??

Das angesprochene Urteil mit den Meinungsaustausch auf „Fäkalien-Niveau“ handelte ob eines Meinungsaustausches, wo Fru Künast (Grüne) wohl mehr oder weniger bewußt Pädophilie realitiiverte und Kritik abprallen ließ.

Die Onöine-Diskussion fanf auf diesem Niveau statt, und dann sind wohl Worte wie „Pädophilen-Trulla“ oder „Drecks Fotze“ nicht zu weit hergeholt…

Ich sehe das mittlerweile sehr viel liberaler. Gut, man mag darüber diskutieren, ob 10-jährige das Wort „Fotze“ sagen sollten, aber damals war es bei mir auf der Grundschule in den 80er Jahren modern das Wort „Hurensohn“ gegen die Eltern zu sagen. Wenn mein Sohn mir solche Wörter um die Ohren wirft, dann frage ich ihn, ob ich ihn auch so nennen soll. Bei mir tut er es dann nicht mehr. Kinder saugen neue Begriffe auf um sie dann anzuwenden, und wenn dann auch noch Erwachsene deswegen ausflippen – um so besser. Die Frage ist doch eher, woher denn ein Kind… Mehr
Die beschriebenen Entwicklungen werden eher noch zunehmen. Mit der Massenmigration und damit einhergehenden Spaltung der Gesellschaft wird die „Kohäsion“ weiter abnehmen (das laute Telefonieren in der Öffentlichkeit kenne ich besonders von bestimmten Personenkreisen). Außerdem hat die Differenzierung der individuellen Präferenzen im Konsum begonnen und setzt sich nun in allen Lebensbereichen fort. Man sieht es schon an der Zusammensetzung des Bundestages, 6-7 Parteien statt 3-4 wie vor 30 Jahren. Jeder schwimmt in seiner Meinungsblase, lästige Störer werden geblockt. Dadurch werden Schubladen kreiert, in die man sich früher oder später einordnen muss. Dazu kommt noch die „Identity Politics“, die eine Opfer-Pyramide anhand… Mehr
H. Wunsch, der einzige Fehler den ich an Ihrem Beitrag hier entdecken kann, ist das Fragezeichen am letzten Satz. Da wäre ein Ausrufezeichen angebrachter gewesen 😉 Vor gut 40 Jahren hat meine Frau eine Ausbildung zur Erzieherin gemacht und dann bald ihre ersten Erfahrungen mit dem „neuen Trend“ in einem Kindergarten machen dürfen. Zu dieser Zeit, nahm die Entwicklung zu dem von Ihnen beschriebenen gesellschaftlichen Zustand bereits Fahrt auf. Wir haben damals viel über Politik und Gesellschaft diskutiert und uns war zu diesem Zeitpunkt schon klar, dass sich daraus ein Sprengsatz für das Zusammenleben entwickeln würde. In den folgenden Jahren… Mehr
Sie haben einige entscheidende Dinge vergessen, was z. B. persönliche Beleidigungen angeht. Renate Künast mag ein prominentes und aktuelles Beispiel sein, aber das Urteil in ihrem Fall reiht sich ein in eine ganze Reihe vorheriger Urteile, die nicht so einen Wirbel verursachten bzw. eher wohlwollend aufgenommen wurden, weil es sich bei den Beleidigten nicht um Angehörige des schwarzrotgrünen Blocks handelte. Drei Beispiele dazu: – Da war 2016 oder 2017 eine ältere Dame, die von einem jungen Araber als „H*re“ beschimpft wurde, weil sie ihm nicht schnell genug dem Weg auf „seinem“ Bürgersteig freigemacht hatte. Sie erwiderte ihm „Was willst du… Mehr

Der Darkroom der Respektlosigkeit ist das Bundeskanzleramt, nicht das Internet oder die Gesellschaft.

Ja, die Entscheidung der 27. Zivilkammer des Berliner Landgerichts (27 AR 17/19, bei Juris) ist bizarr und leidet nicht nur im Ergebnis, sondern auch in der Begründung an manchen Schwächen. Es ist übrigens die gleiche Kammer, die es österreichischen Medien verboten hat, den Namen eines Hauptdrahtziehers in der Ibiza-Affäre, nämlich des schon wegen Rauschgiftdelikten in Erscheinung getretenen Detektiven Julian H. alias „Julian Thaler“, zu nennen, weil die Gefahr bestünde, er sei dann Repressalien ausgesetzt (27 O 199/19): auch so eine bizarre Begründung. In Sachen Künast hat das Gericht die Äußerungen – auch die üblen – zwar nachvollziehbarer Weise nicht als… Mehr