Inzidenz, „Long Covid“, Mutanten – die Corona-Mythen

Den Lockdown-Hardlinern gehen die harten Argumente aus. Neue Studien und Analysen von Fachleuten entlarven gängige Behauptungen als Mythen.

IMAGO / ZUMA Wire

Die Corona-Politik hat ein Zahlenproblem. Denn sofern präzise Zahlen vorliegen, wirkt die Gefahr beherrschbar. Die auf Basis dieser Zahlen naheliegenden Maßnahmen wären ganz andere als jene, die tatsächlich getroffen werden.

Nehmen wir etwa die Altersverteilung der Corona-Toten: Es sind ungefähr so viele Menschen über 90 Jahren an oder mit Corona gestorben, wie unter 80-Jährige, und es gibt bislang 17 gemeldete Corona-Tote unter 20 Jahren in Deutschland. Die Altersheime zu schützen, müsste demnach eigentlich eine viel höhere Priorität bekommen – während Diskussionen über Ausgangssperren und Schulschließungen sich eigentlich erübrigen würden.

Die Zahl der an oder mit Corona Verstorbenen ist auf weiterhin niedrigem Niveau, die Infektionen in den Hochrisikogruppen scheinen gebrochen. In der ersten Märzwoche gab es insgesamt in Deutschland laut Statistischem Bundesamt eine im Vergleich zu den Vorjahren um 14 Prozent niedrigere Sterblichkeit.

Neue Studien, die in „The Lancet Public Health“ bzw. „The Lancet Infectious Diseases“ veröffentlicht wurden, belegen, dass die angeblich so gefährliche Corona-Mutante gar nicht tödlicher als der Wildtyp ist.

Allein die 7-Tage-Inzidenz steigt – vermutlich aber zu einem wesentlichen Teil ausgelöst durch den massenhaften Einsatz von Schnelltests (wie TE hier analysierte). Auch die Bild greift das Thema jetzt auf und zitiert den Infektiologen Peter Kremsner mit dem Schluss: „Die vielen Schnelltests verzerren die offiziell angegebene 7-Tage-Inzidenz für Tübingen um 25 bis 50 Prozent nach oben. Je mehr getestet wird, desto mehr wird die offiziell berichtete Inzidenz hinauf getrieben.“

Den Lockdown-Hardlinern schwimmen also argumentativ die Felle davon. Vielleicht ist das ein Grund dafür, dass nun so oft von etwas die Rede ist, dass man statistisch kaum erheben kann: „Long Covid“. Karl Lauterbach warnte in fast jeder Talkshow seit Monaten, dass das eine weit unterschätzte Gefahr sei. Fälle vom seltenen Fatigue-Syndrom wurden geschildert, der Spiegel titelt noch diese Woche „Long Covid: Wenn die Krankheit bleibt“.

Eine großangelegte Studie hat Long Covid nun systematisch untersucht. Die in Nature Medicine veröffentliche Analyse, an der britische, amerikanische und französische Wissenschaftler u.a. vom King’s Kollege London und der Harvard Medical School mitwirkten, untersuchte die über eine App gemeldeten Symptome von 4.182 Corona-Fällen. Das Ergebnis: Etwa 13 Prozent der Infizierten haben nach über 28 Tagen noch Symptome, 4,5 Prozent nach über 8 Wochen und lediglich 2,3 Prozent nach über 3 Monaten. Eine andere bisher nur als Pre-Print veröffentlichte Studie, ebenfalls von Wissenschaftlern u.a. der Harvard Universität, kommt zu ähnlichen Zahlen. Und: Bei anderen viralen Erkrankungen würden Langzeitfolgen nahezu genauso oft auftreten. Der Schluss liegt hier nahe, dass die Wahrscheinlichkeit derartiger längerfristigen Symptome bei Covid-19 nicht wesentlich höher ist als bei der herkömmlichen Grippe, HMPV oder RSV.

Auch bei der Zahl der absoluten Corona-Toten lässt sich in keiner Form ein Anstieg bei jüngeren Menschen feststellen. Lauterbachs Aussage nach der, der Durchschnitt der auf den Intensivstationen liegenden Patienten bei 47 bis 48 liege und „die Hälfte von denen“ sterbe, lässt sich insofern nicht validieren.

Die Bundesregierung stützt sich argumentativ auf müde Pferde und verweigert auch jeden Versuch einer allgemeinen Gefahrenabschätzung, die nach einem Jahr ja durchaus möglich wäre. Stattdessen scheint man bemüht, mit einzelnen Schreckensnachrichten den Panik-Tunnel geschlossen zu halten. Der Eindruck verfestigt sich: Die ewige Krise scheint manchen in der Politik zu gefallen.

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Kommentare ( 93 )

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humerd
7 Monate her

Impfen in einem Impfzentrum in einer mittelgroßen, bayerischen Stadt ist ein Erlebnis. Abgesehen von der online Registrierung, klappte die Terminvergabe dann doch. Erst bei der Terminbestätigung wird einem der Impfstoff angezeigt, so dass ich den ersten Termin wieder stornieren musste, weil AZ. Aber dann gings für BionTec. Auszufüllen ist ein 2-seitiger „Impfbogen zur Minahme bei Erstimpfung“ und zu unterschreiben ist ein 3-seitiges „Aufklärungsmerkblatt“, beide Formulare sind ausgedruckt mitzubringen. Heute also auf ins Impfzentrum, das in einer großen Mehrzweckhalle untergebracht ist. Wenigstens ein großer Parkplatz ist vorhanden und alles ist gut ausgeschildert. Noch auf dem Weg zum Eingang kommt mir die… Mehr

Last edited 7 Monate her by humerd
StefanB
7 Monate her

Die Grippe heißt jetzt „Corona“ und Frühjahrsmüdigkeit „Long-Covid-Syndrom“. Willkommen im linksgrünen Neusprech.

Dr M
7 Monate her
Antworten an  StefanB

@ StefanB Hier eine gute Beschreibung Ihrer Frühjahrsmüdigkeit:
Lancet 2021 Jan 16;397(10270):220-232. doi: 10.1016/S0140-6736(20)32656-8. Epub 2021 Jan 8.

Mausi
7 Monate her

Die Altersheime zu schützen ist durch. Jeder der möchte, ist geimpft! Und ich kann nur immer wieder betonen, die Alten leiden unter Entzug. Das bestätigt auch das Personal. Und wenn Besuche schon immer deprimierend waren, so sind sie es jetzt erst recht. Ich sehe dort Vereinsamung auf die Spitze getrieben. Über die Köpfe der Alten hinweg. Angemasste Entscheidung ausgetragen auf dem Rücken der Schwachen. Möglichkeiten schaffen ja, aber das hier nein.

Kassandra
7 Monate her
Antworten an  Mausi

Trotz Impfung aller ist bei uns eine Person als „positiv“ aufgefallen. Danach gibt es wieder Zimmerarrest für alle und Besuchsverbot.
Mache sich ein jeder selbst Gedanken über den Erfolg dieser Impfung! Weshalb auch nach der Impfung getestet wird – wer kann das schon wissen?
Weshalb wird nicht stattdessen, wenn schon so viel Geld ausgegeben wird, endlich nach SARS-CoV-2 spezialisierten T-Effektor-Gedächtniszellen gesucht und Menschen mit solchen endlich mit dem ganzen Hokuspokus in Ruhe gelassen? https://www.lungenaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/article/t-zellen-spielen-wichtige-rolle-fuer-die-abwehr-von-coronaviren/

Dr M
7 Monate her

Ich hoffe doch sehr, dass es sich bei der im Artikel erwähnten Nat Med Publikation nicht um die von Wan et al handelt. Sonst könnte man dem Autor doch glatt eine stark vereinfachte Darstellung der Daten unter Nichtberücksichtigung der Schweregrade der persistierenden Symptome vorwerfen.

Haerter
7 Monate her

Mehr Tests gleich höhere Inzidenz? Wie kommt man darauf? Da müsste man ja denken können und wollen. Man kann es auf eine kurze Formel bringen: Kein PCR-Test>keine Pandemie. Übrigens, hat Drosten schon auf die Fragen des Gerichts geantwortet?

Anti-Merkel
7 Monate her
Antworten an  Haerter

Sogar die Hersteller der PCR-Tests geben zu, dass sie 0,5% falsch-positive haben (also gibt es wahrscheinlich eher mehr als 0,5% falsch-positive).
Wenn man also 100000 Menschen testet, die alle gesund sind – davon aber 0,5% falsch-positive – kommt man auf eine Inzidenz von 10000*0,5% = 500

HeHeWi
7 Monate her

·      Dass die sog. Inzidenzzahlen völlig übertrieben sind wird ignoriert.
·      Dass PCR-Test mit CT-Werten > 30 unzuverlässig sind wird ignoriert.
·      Dass Lockdowns kontraproduktiv sind wird ignoriert.
·      Schweden, Florida etc. werden ignoriert.
·      Dass es keine Übersterblichkeit gibt wird ignoriert.
·      Dass das Land den Bach runtergeht wird ignoriert.
·      Das Grundgesetz wird ignoriert.
 
Fazit: Dieses Land wird von Ignoranten regiert!

horrex
7 Monate her
Antworten an  HeHeWi

Genauer:
Von Ignoranten die MIT Corona ihr „Macht-Süppchen“ kochen
um ganz nach Mutti Merkels SED-Vorstellungen
das Land an grün nur verkleidete – im Kern aber ROTE – zu übergeben.

Beobachterin
7 Monate her

Bis heute weiß man nichts über die Ursachen diffusen Infektionsgeschehens. Auch höre ich nichts über die Entwicklung von Medikamenten oder die Wirksamkeit bereits vorhandener Medikamente. Nach mehr als einem Jahr werden immer noch Zahlen veröffentlich, die nicht belastbar sind. Wir wissen nicht wie viele Menschen AN bzw. MIT dem Virus verstorben ist. Alles was der Regierung dazu einfällt ist destruktiv. Wir leben bereits seit Monaten im Lockdown, Millionen sind schon geimpft. Hat das was geändert? – Wir leben aber auch in Zeiten künstlicher Intelligenz, die jetzt schon so ausgereift ist, dass diffuse Ausbrüche prognostiziert und auf konkrete Ursachen zurückgeführt werden… Mehr

Last edited 7 Monate her by Beobachterin
Kassandra
7 Monate her
Antworten an  Beobachterin

Schweizer haben eine Liste sowohl mit Möglichkeiten zur Prophylaxe wie auch zur Behandlung erarbeitet, die mit dem eigenen Hausarzt an die eigene Befindlichkeit anzupassen ist. https://swprs.org/zur-behandlung-von-covid-19/
Bei uns hingegen hört man nichts darüber, was helfen würde, die Abwehrkräfte zu steigern wie auch was als Behandlung inzwischen sehr wohl möglich ist. Wie sich Politiker, Ärzte und MSM-Journalisten derart zu einer Front zu Lasten der Bürger zusammenschließen können, ist vollkommen unverständlich.
Und dass seit Beginn der „Pandemie“ insgesamt vollkommen unwissenschaftlich vorgegangen wird haben Sie bereits umfassend beschrieben. Vielleicht ragen die Heinsberg-Studie wie die Arbeiten von Prof. Püschel und einiger anderen Anständigen heraus.

LarsL
7 Monate her

Interessant wäre der Vergleich mit einer Kontrollgruppe. In meinem Bekanntenkreis haben die meisten Leute im letzten Jahr:

  • weniger Sport gemacht
  • mehr Alkohol konsumiert
  • mehr geraucht
  • weniger gesprochen
  • weniger von fast allem was gesund ist…

Ich bin fest davon überzeugt, daß man dort ähnliche Effekte finden wird, wie sie häufig dem „Long Covid“-Gedöns zugeschrieben werden.

TomSchwarzenbek
7 Monate her

Das ist doch alles nur noch irre ! Heutiger Bericht in der Hannoverschen:
Lauterbach warnt vor neuer Corona-Mutante: „Katastrophe bahnt sich an“
Es ist alles nur noch irre………

Anti-Merkel
7 Monate her
Antworten an  TomSchwarzenbek

Lauterbach hat recht. Es bahnt sich tatsächlich eine Katastrophe an. Sie nennt sich „Infektionsschutzgesetz“.

Hannibal ante portas
7 Monate her

Jetzt mal im Ernst: was macht eigentlich das RKI den ganzen Tag? Ich als treudoofer Bürger ging in meiner bodenlosen Naivität doch tatsächlich davon aus, dass jetzt alle Mitarbeiter in ganz Deutschland ausschwärmen und umfangreiche und belastbare Studien zum Pandemiegeschehen erarbeiten. Ausgewiesene Koryphäen wie Herrn Professor Wieler sollte man doch nicht durch das Vorlesen lassen von „hintrapierten“ Zahlen von seiner entscheidenden Arbeit abhalten. Die obligatorische ernste Mine und der wöchentliche Hinweis auf die jetzt schwierigste Phase könnte hier durchaus ein versierter Praktikant abliefern ( oder gleich aus der Konserve). Hier passt einiges nicht zusammen.