Im Gespräch mit Peter Hahne: „Populär wird mit Populist verwechselt“

Peter Hahne, ZDF-Urgestein: langjähriger Moderator der „heute“-Nachrichten, bis 2011 Leiter des Hauptstadtstudios, bis heute mit verschiedenen Gesprächssendungen auf dem Bildschirm. Ein Gespräch über Medien, Streitkultur und Kirche.

Achim Winter: Lieber Herr Hahne, ich kenne Sie ja schon, muss ich zugeben, seit ein paar Jahren …

Peter Hahne: … 100 Jahre ungefähr

… es gab da solche Begegnungen an den Bearbeitungsplätzen im ZDF- „heute-journal“, wo die kleinen Filme gemacht werden und wo dann Peter Hahne noch mal nach dem Rechten sah. Was aber keiner kennt: Peter Hahne privat.

Na, ich sage ja immer: Privat heißt privat, weil es privat ist. Also es muss bestimmte Dinge geben, die die Öffentlichkeit nicht zu interessieren haben. Denn wir sehen ja auf der anderen Seite, wie schnell Politiker sich versenken können, wenn sie im falschen Pool baden mit der falschen Frau oder, wie wir das jetzt erlebt haben, bei der Schleswig-Holstein Wahl, wenn dann der Spitzenkandidat sagt: „Also meine Frau, das funktioniert nicht mehr, denn die hat sich im Haushalt verloren“! Man muss sich dies Wort einmal vorstellen! Dann ist man versenkt. Also ehe ich mich verliere, bleibe ich lieber bei mir selbst.

Man erfährt also nicht, wie es denn ist abends bei Peter Hahne zu Hause, was er macht, wenn er Feierabend hat.

Handy aus, Laptop zugeklappt, Füße hoch, ZDF einschalten. Gut, dass wir inzwischen ein Krimisender mit angeschlossenen Nachrichten geworden sind … Für Krimifans wie mich allerbeste Entspannung. Im Ernst: Nach dem Trubel des Alltags mit vollem Kommunikationsstress kann ich prima allein sein. Blaise Pascal hatte recht: Wer nicht mehr allein auf seinem Zimmer sein kann, ist krank.

Twittersüchtig sind Sie auch nicht?

Nö, im Gegenteil: total abstinent. In dem Sinne ein Anti-Trump (lacht). Natürlich nutze ich die neuen Medien zur Recherche, ich bin ja nicht vom Mond. Aber ich drucke mir alles aus, ich brauche Papier. Wohl nicht nur ich: Denn das Aussterben von Zeitungen und Büchern lässt ja noch auf sich warten, was ja nicht zuletzt meine Auflagen beweisen.

Sie sind als besonders humorvoller Journalist aufgefallen. Wie haben die Leute das aufgefasst?

Die „Leute“, also die Zuschauer, nur positiv, die bezahlten Medienkritiker eher
abschätzig. Aber da ich von Ersteren finanziert werde, freue ich mich über diese Dienstleistung durch den eigenen Charakter, eine Prägung, die ich meinem Vater verdanke. In meinem Job wünsche ich den Zuschauern ja einen „Guten Abend“, um ihnen dann zu sagen, dass es eigentlich gar kein guter Abend ist. Man muss aber Katastrophen nicht auch noch mit einem Betro enheitstremolo samt Faltenstirn des Fünf-vor-zwölf-Journalismus unterstreichen. Und vor allem: kein belehrender Missionsjournalismus in den Nachrichten! Lieber noch eine gute Nachricht als positiven Ausklang. Etwas Versöhnliches zum Schluss.

„Lügenpresse“ ist ja ein neuer Begriff. Ist da was dran?

Der Begriff ist Quatsch, schlimmer als eine Lügen- ist jedoch eine Lückenpresse, die einfach Themen und Thesen unter den Tisch fallen lässt. Wenn dann Justizminister Maas mit Blick aufs Internet das damit begründet, dass der Konsument ja nicht mündig genug sei, dann ist das ein elitärer Hochmut.

Wie handhaben Sie selbst das in Ihrer Talkshow? Vermeiden Sie da auch bestimmte Themen?

Im Gegenteil: Ich habe gleich zu Beginn des Flüchtlingsstroms durch Merkels Grenzöffnung 2015 die meiner Einschätzung nach richtigen Leute zu den nötigen Fragen eingeladen. Da badeten sich andere noch in ihrem kritiklos-beweihräuchernden Gutmenschentum und nannten das Journalismus – „der sich mit keiner Sache gemein macht, auch nicht einer guten“, wie Hanns-Joachim Friedrichs mal gefordert hat. Aufgewacht sind die erst, als die Probleme nicht mehr zu leugnen waren und die AfD zu stark wurde. Ich hatte einen Landrat und eine einfache Polizistin aus der österreichischen Grenzregion, auch einen Kritiker wie den Islamismus­experten Ahmad Mansour: Kommen da wirklich nur Gutmenschen und Fach­arbeiter und echte Flüchtlinge? Fragen, die zu jener Zeit nahezu verboten waren.

Interview
Im Gespräch mit Peter Hahne: „Populär wird mit Populist verwechselt“
Hat sich die Medienlandschaft ver­ ändert ? Und wie?

Generell gilt: Was vor 15 Jahren noch normal war, gilt heute als rechtsext­rem, nachdem es zwischendurch als exotisch, spießbürgerlich oder erzkonservativ gebrandmarkt worden war. Ich bin doch nicht frauenfeindlich, wenn ich diesen Genderwahn als unwissenschaftlichen Unsinn ablehne, nicht Rassist, wenn ich ein Zigeunerschnitzel bestelle. Ich habe ja extra ein Buch dazu geschrieben: „Rettet das Zigeuner­schnitzel!“ Diese Gutmenschen­-Gleich­schaltung hat auch die Medien ergriffen. Bestimmte Talkgäste sind dann eben tabu, dabei liebe ich den krassen Schlagabtausch zum Beispiel zwischen Heinz Buschkowski und Claudia Roth oder Sarrazin versus Ströbele, wie ich ihn gemacht habe. Kollegenecho: „Wie, du lädst Sarrazin ein? Igittigitt!“ Dazu kommt der Konkurrenzdruck unter den Medien samt Redakteurs­-Entlassungs­welle, was oft die Recherche zugunsten von Schnelligkeit und Schlagzeile zu kurz kommen lässt.

Mir kommt das so vor, als sei da ein kollektiver Bußwille am Werk. Ich er­kläre mir das immer so – und das passt ja auch sehr gut zu ihrem Christsein –, dass viele Leute, die den Glauben und die Erlösungshoffnung durch Jesus Christus verloren haben, immer noch diese Schuld spüren und jetzt quasi Buße tun wollen, ohne Jesus Christus, indem sie eine allgemeine „Lieb­sein“­ Religion entwickeln …

Ihrer im doppelten Wortsinn treffen­den Analyse ist kaum mehr etwas hin­zuzufügen. Es ist ja auch der schwa­chen Möblierung des Oberstübchens geschuldet, Realitäten einfach auszu­blenden. „Lieb sein“ ist eben netter und unangestrengter als schonungslose Analyse. Ach, ich wünschte mir, man würde sich wenigstens in diesem Jubi­läumsjahr den Intellektuellen Martin Luther zum Beispiel nehmen, der sol­cher Gutmenschen­-Religion den Kampf ansagte, den sündigen Menschen vor der Richtergewalt Gottes kapitulieren ließ und ein Christsein jenseits von Illu­sionen einforderte. Wir brauchen keine wohlfeile Willkommenskultur, sondern eine demokratische Streitkultur! Die fehlt inzwischen sogar im Parlament.

Sie provozieren gern.

Klar doch, was soll einer, der die 68er­ Zeit an der Uni Heidelberg erlitten hat, auch anderes tun? Ich habe erlebt, wie namhafte Professoren vor dem Mob auf die Knie gingen. Seitdem habe ich kei­nen automatischen Respekt vor Thron und Altar, Titeln und Positionen, kei­nen! Wie manche Kollegen sich bekreu­zigen, wenn sie der Kanzlerin begegnen: lächerlich! Und der größte Witz dabei: Die will das auch gar nicht! Nur durch provozierende Zuspitzung gewinnt man Gehör. Doch hinter dem Slogan muss auch Substanz stecken, deshalb gehen viele „Experten“ in der Debatte unter.

Sind Sie ein Populist?

Auf jeden Fall kein Miesepeter und Me­ckerfritze. Im deutschen, himmelschrei­enden Bildungsnotstand wird ja schon populär mit Populist verwechselt – ge­nauso wie immer „rechts“ stigmatisiert wird, obwohl das ein regulärer parla­mentarischer Begriff  ist, statt korrekt „rechtsextremistisch“ zu sagen. Aber dazu reicht die Political Correctness na­türlich nicht. Wenn Sie Populismus als Gegenentwurf zum politisch Korrekten empfinden, dann bin ich gern und voller Überzeugung Ersteres. Ich bin schließ­lich ostwestfälischer Lutheraner: dem Volk aufs Maul schauen, ohne ihm nach dem Munde zu reden!

Noch mal zur Lügenpresse. Hat die, ich sage einmal, einseitig wirkende Berichterstattung Methode?

Ich habe dieses „No­-go­-Thema“ vor ein paar Wochen in meiner Sendung angepackt mit Gerhard Schröders Ex-­Regierungssprecher Heye und dem renommierten Medienwissenschaft­ler Bolz von der TU-­Berlin. Ein verba­ler Schlagabtausch mit intellektuellen Ohrfeigen! Ich stimme der Bolz­-These zu: Es gibt keine Lügen­, aber eine Lü­ckenpresse. Es werden einfach Dinge verschwiegen, weil hochmütige Journa­listen meinen, das Volk könne bestimm­te Nachrichten nicht richtig einordnen, würde eventuell sogar rassistisch da­durch. Köln ist ein Paradebeispiel für diesen Wahnsinn. Nachrichten und In­formation müssen so sein, dass bei den Bürgern nicht der leiseste Zweifel auf­kommt, da könnte etwas verschwiegen worden sein.

Woher kommt Ihre Widerstandskraft gegen Anfeindungen? Hat das mit Ihrem Glauben zu tun?

Ja, irgendwie muss sich das ja auswir­ken, wenn’s keine Gefühls-­ oder Wellnessreligion ist, zu der selbst Kirchen den Glauben pervertieren. Mich hat, wie schon gesagt, die 1968er­-Zeit ge­prägt – gegen diesen Tsunami sind heu­tige Anfeindungen laue Lüftchen. Mein Glaube gibt mir Gelassenheit – und Kraft, Schwächen und Fehler einzuge­stehen, denn nicht alle Kritik ist natür­lich unberechtigt.

Was passiert da in Ihrer Kirche?

Der Berliner Kirchentag Ende Mai war ja wieder ein Paradebeispiel: Bis auf die Obama­-Show mit Merkel hatte man ja den Eindruck, auf einem Grünen-­Par­teitag zu sein. Unter den rund 2500 Ver­anstaltungen gab es ja nichts, was es nicht gibt. Manches Allotria wirkte schon in der Themenformulierung wie Loriot. Das kann doch ein normaler Mensch nicht mehr ernst nehmen.

Nun erreichen Sie die Altersgrenze. Pläne für den Ruhestand?

Erwarten Sie bloß nicht die Antwort: endlich Reisen, Zeit für Familie, Bü­cher lesen … Ich möchte weiter Bücher schreiben, Klartext reden und Vorträ­ge halten. Wenn ich dadurch nur ein bisschen helfen kann, einer mit feiger Harmoniesoße verzuckerten Wellness­demokratie zu einer angemessenen Streitkultur zu verhelfen, dann hat es sich gelohnt. Und das Ganze mit viel Humor, denn der gute alte Luther sag­te schon: „Die Freude ist der Doktorhut des Glaubens.“

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Populär wird mit populistisch verwechselt und populistisch wird mit demagogisch verwechselt.

Die EU wird mit Europa verwechselt.

Wirtschafts- und Asylbetrüger werden mit Flüchtlingen und Geflüchteten verwechselt.

Und Frau Doktor M. wird mit einer Person verwechselt, die sich dem Wohle des deutschen Volkes widmet, seinen Nutzen mehrt und Schaden von ihm abwendet.

In letzter Zeit wird in den Massenmedien einfach viel zu viel verwechselt, um das Ganze noch mit Inkompetenz und Ignoranz erklären zu können!

Ein Wort: populär und Populist, man verwechselt dies nicht einfach, nein man setzt sehr bewußt und aus voller Absicht beide Begriffe gleich !
Ähnlich wie die Vermischung, bis zur „Vernebelung“ der Wörter Flüchtling, Asylant, Asylbewerber, Einwanderer usw.

Genau das ist mir sehr sauer aufgestoßen. Als Beispiel sehe ich auch die Migrantenkriminalität an. Lücken sind auch Lügen – so ist es, genauso wie Halbwahrheiten. Ich meine, so gute Ansätze wie Herr Hahne hat, so sollten die Journalisten m.E. endlich mal der Wahrheit ins Auge blicken. Das heißt ja nicht, das alle lügen. Aber solange Lügen nicht mehr Lügen genannt werden, sind die Medien (mit Ausnahmen) mit Vorsicht zu genießen. Es ist wie mit der Geschichte des Schäfers und dem Wolf.

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