Hamed Abdel-Samad: „Was ist Scharia?”

Man sollte nicht Muslime, die als Minderheit im Westen leben, fragen, was Scharia bedeutet. Man muss nur schauen, wie die Scharia implementiert wird, wenn Muslime die Mehrheit der Gesellschaft ausmachen.

imago/Jakob Hoff

Hamed Abdel-Samad beantwortete auf Facebook seine selbst gestellte Frage: „Was ist Scharia?” Wir dokumentieren hier seine Antwort.

»Fragt nicht einen muslimischen Akademiker im Westen, der im Dienste seiner Community Wissenschaft betreibt, was Scharia bedeutet. Auch keinen westlichen Islamwissenschaftler, der Drittmittel für seine Projekte aus den Golfstaaten bekommt oder Lobbyarbeit für die Islamverbände macht. Diese werden ihr Bestes tun, um euch die Angst vor der Scharia zu nehmen. Sie werden zwischen der Hard Core Scharia mit Körperstrafen und der weichen Scharia unterscheiden. Sie werden behaupten, die weiche Scharia sei mit der Demokratie vereinbar. Wenn sie kritisch genug sind, werden sie „durchaus“ vor „vereinbar“ stellen. Diese erkennt man auch daran, dass sie gerne den Begriff „Islamophobie“ verwenden, um jede Kritik am Islam zu unterbinden.

Schaut lieber hin, wo die Scharia tatsächlich implementiert wird und fragt Frauen, Homosexuelle und Minderheiten, die darunter leiden oder davon geflohen sind. Sie wissen bescheid. Die harte Form von Scharia wird in Saudi Arabian, im Iran, Sudan, Somalia, in Teilen von Indonesien und jetzt in Brunei eingeführt. Dort will keiner der Experten sicherlich leben, es sei denn in abgeriegelten Compounds, wo die Scharia keine Rolle spielt. Und die weichere Form von Scharia, wo auf Körperstrafen verzichtet wird, haben wir immer noch ungerechte Sittengesetze, ein Erbrecht und ein Familienrecht, die Frauen benachteiligen, und ein Minderheitenrecht, das aus religiösen Minderheiten Bürger zweiter Klasse macht. Wo ist bitte schön die Kompatibilität?

Man sollte nicht Muslime, die als Minderheit im Westen leben, fragen, was Scharia bedeutet. Man muss nur schauen, wie die Scharia implementiert wird, wenn Muslime die Mehrheit der Gesellschaft ausmachen.

Ich will trotzdem die Bemühungen vieler muslimischen Akademiker in West und Ost nicht schmälern, die versuchen, die islamische Theologie zu modernisieren. Es gibt da und dort einige hoffnungsvolle Beispiele. Aber die Modernisierung kann niemals mit der Lüge beginnen, die Scharia sei mit der Demokratie vereinbar, denn von dieser Lüge profitieren nur Akteure des politischen Islam, nicht die normalen friedlichen Muslime. Auch vom Begriff „Islamophobie“ profitieren nur Islamisten und Erdogan-Anhänger, die damit den Westen erpressen wollen, um ihr Unfug weiterhin zu treiben.

Der einzige Weg, den Islam zu modernisieren, ist ihn als Privatsache zu betrachten, seine Texte zu relativieren, und ihm niemals Einfluss in Bildung und Politik zugestehen. Denn je mehr Räume er „erobert“, desto mehr Appetit auf mehr kriegt er. Das ist seine Geschichte. Wann auch immer er sich irgendwo niedergelassen hatte, musste er mit der Zeit entweder die Macht übernehmen oder mit Macht zurückgedrängt werden!«

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Kommentare ( 65 )

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Der Plan wird ganz offen kommuniziert! Ansprache zur Feier des Todestages von Ayatollah Khomeini im IZH Hamburg, einem Mitgliedsverband des ZMD, am 4. Juni 2016: „Und hier ist es, dass der Islam, obwohl er der Islam der raÎma (1) und Barmherzigkeit ist, auch der Islam des Widerstandes ist. Wenn der Zeitpunkt kommt, ist es der Islam des Aufstandes, der enġelāb (2), der Revolution, der Veränderung.“ „Einige sagen, der Islam ist gekommen für das Jenseits, für die Beziehung zu Gott, das ist richtig, aber der Islam ist nicht nur deswegen da. Der Islam bezieht sich auf den Kern des Lebens des… Mehr
Hamed Abdel-Samad legt im letzten Absatz seines Artikels den Finger in die Wunde, die das Schweigen über die Absichten der Islamfunktionäre gerissen hat: „Der einzige Weg, den Islam zu modernisieren, ist ihn als Privatsache zu betrachten, seine Texte zu relativieren, und ihm niemals Einfluss in Bildung und Politik zugestehen.“ Die entscheidenden Fragen im Umgang mit dem Islam und allen anderene Religionen werden in Deutschland nicht gestellt: Wo zieht ein demokratisches Gemeinwesen die Grenze zwischen Glaubensgemeinschaft und politischer Organisation mit Machtanspruch? Ab wann ist eine Glaubensgemeinschaft als politische Bewegung zu betrachten und dann ebenso streng an den Anforderungen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung… Mehr

Kann man den Islam und seinen Machtanspruch nicht mal mit dem der Scientologen kritisch vergleichen? Die werden ja auch teilweise als totalitäre Ideologie eingeordnet.
Und Mitglieder dieser „Religionsgemeinschaft“ will man doch auch in keiner Organisation als Arbeitnehmer wissen.

Nehmen Sie sich fünf Minuten Zeit und schauen Sie dieses Video ab 23:30, dann brauchen Sie nichts mehr mit den Scientologen zu vergleichen. http://izhmedia.de/gedenkveranstaltung-zum-todestag-von-imam-khomeini/ Dieser Vortrag wurde im IZH gehalten, das Mitglied im Zentralrat der Muslime ist, dessen Vorsitzender Aiman Mazyek ist. Verfassungsschutzbericht 2014 Hamburg http://www.hamburg.de/pressearchiv-fhh/4499136/2015-06-11-bis-pm-verfassungsschutzbericht-2014/ Seite 53: „Die Religion, so wie sie vom IZH verstanden wird, ist mehr als der Rahmen für das Verhältnis zwischen Mensch und Gott. Vielmehr soll sie das Verhältnis der Menschen untereinander unter anderem auf den Feldern der Politik, Ökonomie und Jurisprudenz regeln. Dem Grunde nach betrachtet der IZH-Leiter Säkularismus und Laizismus als nicht mit… Mehr

……erkenne die lage: in deutschland scheint es einen wettstreit um die anerkennung des islam zu geben, angefangen beim bundesverfassungsgericht mit seiner setzung eigenen rechts um den paragrafen von der religionsfreiheit des grundgesetzes bis zum beschluß der csu und der freien wähler den islam zum unterrichtsfach an bayrischen schulen zu machen! beschämend die absolute unkenntnis über den islam! trotz gegenteiligen darstellungen von hartmut krauss, bill warner und anderen! ich bin draußen!

best reagards fw, cambridge/mas.

Den Deutschen dürfte das alles mehrheitlich egal sein, sie würden sich mit Scharia und Islam zur Not auch abfinden, strengere Strafen sogar gut finden.
Nur das Alkoholverbot würde ihnen wahrscheinlich Kopfschmerzen und Entzugserscheinung bereiten.

Darum sind ja auch die Muslime in Neuseeland so gut „integriert“, weil sie nur ca. 1 % der Bevölkerung sind. Die Neuseeländer werden sich noch wundern, wenn sie mehr ins Land lassen.

Ich fand nicht, dass das irgendwie „integriert“ aussah auf den jüngsten Bildern aus Neuseeland. Und die Kiwis scheinen ahnungslos wir hier in der Mehrheit.

Sorry: …Und die Kiwis scheinen ahnungslos wie wir hier in der Mehrheit.

Der Islam gehört auf den Müllhaufen der Geschichte!

Das schreibt eine iranisch-stämmige Christin: “Ihr alle braucht einen Grundkurs für Islam. Viele von Euch haben kein ausreichendes Wissen über diese “Religion” Ihr seid zu schnell bereit die “Seiten” zu wechseln, wenn einer mit gut klingenden Argumenten kommt. Ich bin iranische Christin und seit über 36 Jahren in Deutschland. Mittlerweile lebe ich in der Schweiz weil sie mir politisch stabiler erschien. Aber ich muss feststellen, dass es auch hier sehr viel Dummheit und Naivität in Bezug auf den Islam gibt. Ich kenne den Islam aus nächster Nähe. Ich bin nach dem Sturz des Schahs Mohammed Reza Pahlavi vor dem Islam… Mehr

+++Der Moslem glaubt, ihm gehöre die ganze Welt. Das hat ihnen Mohammed so versprochen.+++

Kommt dieser Glaube nicht aus der Fitra – die moslemische Lehre von der Natur und Beschaffenheit der Welt?
Nach dieser ist die ganze Welt, jeder Baum, jeder Vogel, aber auch das Universum selbst moslemisch.
Einfach alles.

Sogar alle Menschen sind von Geburt an moslemisch.
Wer moslemisch erzogen wird, glaubt und die Glaubenslehre praktiziert, bleibt Moslem.
Wer nicht, ist fehlgeleitet.

Wenn man das zuende denkt, relativieren sich Begriffe wie „Eroberung“.
Denn eine Welt, die bereits von Grund auf moslemisch ist, muss nicht erobert werden.

„Übernahme“ – wie Sie schreiben, passt viel besser.

Irgendwie, und trotz allem sonstigen, hat es Hamad Abdel-Samad richtig gut. Er darf das alles schreiben und publizieren ohne als Islamhasser, Rassist und sonst was beschimpft zu werden. Ein Bio-Deutscher dürfte das nicht – ein Sarazzin, z.B. soll, wegen Islamhass, aus der SPD ausgeschlossen werden und ein thüringischer SPD-Politiker löst Entrüstungsstürme aus, weil er Sarazzin zu einer politischen Veranstaltung einladen will. Schade, dass wir Abdel-Samad nicht im Dutzend haben.

Doch, Herr Abdel Samad wird sehr wohl als Islamhasser bezeichnet von Muslimen und von deutschen Islam-Wissenschaftlern, wenn auch manchmal etwas verdeckt. Er wird als labiler psychisch Kranker bezeichnet, von Kritikern verschiedenster Herkunft, unter anderem von Mimoun Azizi, einem Psychiater. Ungeheuerlich für einen Profi, solche Ferndiagnosen zu stellen.
https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=1949174245114295&id=1189491027749291
Nein, so „richtig gut“ hat es Abdel Samad nicht. Sein Mut kostet ihn viel.

Ein durchaus schillernder Mensch, dieser Mimoun Azizi. War auch mal Autor bei Tichy mit recht eigenen Meinungen und Ansichten und viel Eigen-PR. In den Kommentaren viel Gegenwind. Hat ihm wohl nicht so ganz gefallen.

Also ich möchte mit Herrn Abdel-Samad nicht tauschen. Ständig unter Polizeischutz leben zu müssen, macht einen Menschen kaputt. Für seinen Mut, die Wahrheit dennoch auszusprechen, kann ich nur den Hut ziehen. RESPEKT!

Da stimme ich Ihnen zu, Armin V.!

„musste er mit der Zeit entweder die Macht übernehmen oder mit Macht zurückgedrängt werden!«“ das funktionierte nur temporär – siehe Türkei, Iran, malayischer Archipel, Pakistan, Libyen, Algerien, Ägypten unter Nasser, derzeit kämpft Syrien für einen laizistischen Staat. Wir sehen eine zunehmende Re-Islamisierung der muslimischen Gesellschaften, selbst im Westen. Wie soll der Islam zwischen Religion und Staat trennen, beides bildet eine Einheit, der Kalif war beides, Staatsoberhaupt und Religionsführer und die Scharia ist wie der Koran unveränderbar von Allah gegeben und alles andere ist Kismet – von Allah vorherbestimmt – In schā‘ Allāh. Man ist ergeben und hat sich ergeben. Das… Mehr
Während wir versuchen unser Leben denkend im Rahmen des kategorischer Imperativs selbst zu bestimmen wird ein richtiger Moslem bei aufkommenden Fragen sein Leben betreffend eine entsprechende Fatwa suchen oder sich von seinem Imam beraten lassen – und dann, sich an die ausgelegten Worte der Schriften haltend, entsprechend vorgehen. Es ist ihnen aber doch auch Verstand gegeben und ich frage mich, wie sie sich selbst unterdrücken müssen, um im Rahmen des ihnen vorgegebenen zu bleiben. Broder hat das einmal hinsichtlich der Palästinenser und der Israelis aufgeschlüsselt. Die einen suchen denkend nach neuen wissenschaftlichen Möglichkeiten und bauen ihre Infrastruktur aus – während… Mehr

Ich lebe auch in Deutschland, aber mir ist nicht aufgefallen, dass sich die Menschen an dem KI orientieren, allen voran unsere Politiker selbst. Naj , vielleicht mal kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, aber das wars dann auch.

„Was ist Scharia?” Da Sie fragen: Religiös verbrämte Barbarei.