Gedanken zu Leser-Kommentaren

Zu meinem Artikel "Die verstörte Psyche und die Neue Weltordnung" gab es viele lesenswerte Kommentare. Ich möchte gerne auf einige der angesprochenen Themen und Fragen eingehen.

Zunächst einmal muss ich sagen, dass es mir in meinem Freundeskreis ganz ähnlich geht wie Dr No, der schreibt: „Weihnachten 2016, ich habe viele Menschen, die mir als Menschen lieb und teuer sind, getroffen, darunter Architekten, Verleger, Pädagogen, Heilpraktiker, Hausfrauen und Verkäufer, und bin erschüttert, wie tief die Propaganda der letzten 2 Jahre gewirkt hat. Nahezu alle waren sich einig darüber, dass es unsere Pflicht sei, „Flüchtlingen“ zu helfen, und einige sagten sogar „Wirtschaftsflüchtlingen“ (!) zu helfen, und nahezu alle waren sich einig über das Gesicht des wahren Feindes: die AfD! Die Populisten, die Rechtsradikalen, die Kalten, die Unwählbaren … Wie kann es sein, dass Menschen, mit reichlich Verstand ausgestattet, dermaßen blind, unwissend und naiv urteilen??“ Und Will Anders ergänzt: „Die Zusammenhänge und Hintergründe sind schon lange bekannt, zumindest denen, die es wissen wollten. Ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass die allermeisten Deutschen es schlicht nicht wissen wollen.“

Propaganda

Wenn ich darüber nachdenke, warum viele Menschen „es schlicht nicht wissen wollen„, erinnere ich mich, dass auch ich lange gebraucht habe, um manches zu verstehen, anders zu sehen – oder überhaupt zu glauben. Zu erkennen, dass es in Demokratien Bewegungen gibt, die uns in ihrem Sinne steuern wollen, so wie es Edward Bernays in seinem Standardwerk für „Big Think“-PR-Kampagnen mit dem Titel „Propaganda“ schon 1928 offenlegte: „Die bewusste und zielgerichtete Manipulation der Verhaltensweisen und Einstellungen der Massen ist ein wesentlicher Bestandteil demokratischer Gesellschaften. Organisationen, die im Verborgenen arbeiten, lenken die gesellschaftlichen Abläufe. Sie sind die eigentlichen Regierungen in unserem Land. Wir werden von Personen regiert, deren Namen wir noch nie gehört haben. Sie beeinflussen unsere Meinungen, unseren Geschmack, unsere Gedanken.“

Wikipedia erklärt es auch ganz klar:  „Als Denkfabrik – oder auch Thinktank – werden Institute bezeichnet, die durch Erforschung, Entwicklung und Bewerbung von politischen, sozialen und wirtschaftlichen Konzepten und Strategien Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung nehmen […] Eine Denkfabrik kann als Stiftung, Verein, gGmbH oder GmbH oder als informelle Gruppe organisiert sein. Beschäftigt werden üblicherweise Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler, Fachleute aus den Bereichen Werbung und Kommunikation, sowie (ehemalige) Politiker, Unternehmer und sogenannte Testimonials.“

Seit über einem Jahrhundert sind Psychologen und andere Experten dabei, immer raffiniertere Möglichkeiten der Beeinflussung auszuarbeiten. In meinem Artikel „Techniken der Meinungsbildung“ habe ich einige beschrieben.

Das Internet

Bevor es das Internet gab, war man gewohnt, sich auf die Printmedien und die Öffentlich-Rechtlichen-Rundfunkanstalten zu verlassen. Und so mag auch heute gar mancher den alternativen Informationsquellen noch kein Vertrauen schenken – vor allem wenn dort angeblich „Fake-News“ und ähnliche unberechenbare Monster lauern. So plant denn auch das Innenministerium ein „Abwehrzentrum gegen Desinformation“, teilt uns der „Tagesspiegel“ mit.

Das Internet wird oft als „Echo-Raum“ bezeichnet, in dem wir unsere Meinungen als Echo von gleich denkenden Menschen zurückgeworfen bekämen. Auch wieder so ein Schlagwort. Denn erstens wären dann die Mainstream-Medien inzwischen auch so ein Echo-Raum, und zweitens bietet das Internet eben nicht nur Meinungsblogs, sondern – neben wunderbaren Konzert- und Opernerlebnissen und Vorträgen aller Art  – auch Gespräche mit Zeitzeugen, Einsicht in Daten, Dokumentationen, Texte und Artikel, die man sich früher mühsam zusammensuchen musste. So kann man dort z.B. das CIA-Dokument „#1035-960“ nachlesen und prüfen, in dem einige den Ursprung des Reizwortes „Verschwörungstheorie“ vermuten (dazu Dr Mabuse:Der Tag ist da, und die Verschwörungstheorie entpuppte sich als Wahrheit.“).

Pathologisierung der Gesellschaft
Die verstörte Psyche und die Neue Weltordnung
Man entdeckt kritische Dokumentationen aus früheren Zeiten, die wir heute vielleicht gar nicht mehr so zu sehen bekämen. Beispiel: „Deutschlands Weg in den Kosovo-Krieg – Es begann mit einer Lüge.“ Oder die ZDF-Doku: „Der Irak-Krieg. Es begann mit einer Lüge.“ Es ist erstaunlich, was inzwischen öffentlich alles zugängig ist, irgendwo geschrieben steht und im Internet einsehbar ist. Der von US-Präsident Lyndon B. Johnson unterzeichnete „Freedom of Information Act“ z.B. – ein 1967  in Kraft getretenes Gesetz zur  Informationsfreiheit – gibt jedem  das Recht, Zugang zu Dokumenten von staatlichen Behörden zu verlangen. Ein Beispiel dafür, dass fast alles verfügbar ist, dass man alles wahrnehmen kann, wenn man nur versteht, es zu finden und in einen Sinnzusammenhang zu bringen.

Aber natürlich gilt für Internet-News das gleiche wie für den Mainstream: Man muss alle Möglichkeiten nutzen und vergleichen. Und immer alles abklopfen, hinterfragen und belegt wissen wollen. Und sich nicht von Schlagworten wie „Fake-News“ oder „Echo-Raum“ außen vor halten lassen. Der Begriff „Neue Weltordnung“ kann uns schon gar nicht schrecken, da Angela Merkel ihn seit Jahren immer wieder öffentlich benutzt und zu erklären versucht. Das alles ist im Internet auf alle Zeiten einsehbar.

Was können wir tun?

Hierzu einige Fragen und Anregungen von Lesern:

Schwabenwill: „Wie kann man dagegen anarbeiten, wenn man das absolut nicht akzeptiert, was diese „Eliten“ aus uns, dem Land machen wollen? Die Fragen sind bekannt, was sind die Antworten?“

„Was nun?“ fasst es Matt Borg ganz nüchtern zusammen.  

Drei weitere Beiträge: Walter Eiden schreibt: „Denn das Problem sind nicht in erster Linie die Politiker und die „Meinungsbilder“ in diesem Land, sondern der Großteil der Bevölkerung/der Wähler, die immer noch nicht begreifen (wollen).“  gintonicgarlore“ hat eine Antwort: „Wir werden mehr, indem jeder von uns jeweils zwei weitere Mitbürger informiert und diese dann jeweils weitere zwei Mitbürger informieren.“

Und Jan T. fragt:“Wenn wir tatsächlich schon in einer Postdemokratie leben, wie sollen wir mit demokratischen Mitteln eine Änderung herbeiführen?“

Das führt mich zum Grundgesetz, Artikel 20, 2 und 4:

(2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.

(4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.

Demonstrationen waren schon oft ein wirksames Mittel. Auch in den letzten Wochen sind bekanntlich immer wieder Menschen auf die Straße gegangen. Ich erinnere mich noch gut an die großen Friedensdemos in den 1980er Jahren. Am 22. Oktober 1983 demonstrierten bundesweit ca 1,3 Millionen Menschen für den Frieden und – letztendlich erfolglos – gegen den 1979 gefassten NATO-Beschluss, neue US-Atomraketen in der BRD zu stationieren.  Zwischen Stuttgart und Neu-Ulm, wo die Raketen stationiert werden sollten, wurde eine 108 Kilometer lange Menschenkette gebildet. Allein in Bonn kamen rund eine halbe Million Menschen zu den Demonstrationen, berichtete der Bonner Generalanzeiger.

Im Juni 2016 protestierten Tausende rund um den US-Militärflugplatz Ramstein gegen die über Ramstein organisierten Kampfdrohnen-Einsätze gegen mutmaßliche Terroristen im Irak, in Afghanistan, in Somalia, im Jemen und in Pakistan. (Die sogenannten „Kollateralschäden“ sind uns bekannt.) Die „Ramstein Kampagne“ steht für die Ablehnung von Krieg und Interventionen überall in der Welt und für die Vision einer friedlichen Welt der Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit, des Friedens mit der Natur. Wer wollte dem nicht beipflichten.

„Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.“ Das sollten wir nie vergessen.

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Kommentare ( 2 )

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„Wo sind die tapferen Bürger, die bspw. 15 % AfD in BW gewählt haben?“

http://www.zerohedge.com/news/2017-02-17/does-size-matter

Bei uns im Osten fällt mir folgendes interessantes Bild seit einiger Zeit immer deutlicher auf. Während insbesondere ältere Ostdeutsche froh sind bei Discountern wie Aldi oder Lidl, bei Fastfoodketten wie McD oder Billigketten wie Pfennigpfeiferan der Kasse zu sitzen oder Regale einzuräumen, sehe ich trotz massiv angestiegener Migrantenzahlen niemanden von denen in besagten Jobs. Im Gegenteil, die vom Sozialstaat üppig alimentierte Klientel, befindet sich eher vor der Kasse. Dennoch scheinen besagte Ossis (nicht negativ gemeint), nicht zu verstehen oder verstehen zu wollen, dass hier grundlegend etwas schief läuft. Die Genugtuung Herr des eigenen Handelns zu sein und nicht von staatlichen… Mehr