Der Frankfurter Schutzwall

Dresden feiert die „Hammerbande“ wie Helden. Frankfurt sperrt Bürger hinter Panzerglas. Berlin lässt die „Vulkangruppe“ laufen. Im Kampf gegen rechts gilt Härte, gegen links Verständnis. Die Ruinen des deutschen Rechtsstaats 2026.

picture alliance/dpa | Boris Roessler

Um sich ein Bild vom Zustand des deutschen Rechtsstaates zu machen, empfiehlt sich ein Blick nach Dresden. Dort stehen Mitglieder einer Terrororganisation vor Gericht, denen ihre Gewohnheit, Passanten, die sie nicht mochten, mit Hämmern und anderen Werkzeugen zu bearbeiten, den Ehrennamen Hammerbande eingetragen hatte. Ihre Anhänger finden das vorbildlich. Wenn ihre Helden im Gerichtssaal, einen Hochsicherheitstrakt, erscheinen, werden sie von ihren Freunden mit großem Hallo, mit Hochrufen und Durchhalteparolen begrüßt.

Auch draußen, der dem Gerichtsgebäude, sind die Mitglieder der Hammerbande aktiv. Sie zeigen Haltung, indem sie verlangen, die Angeklagten ohne Prozess freizulassen, und setzen Zeichen, indem sie Banner schwenken oder Plakate vor sich hertragen, auf denen zu lesen steht, dass nur Faschisten Angst vor der Antifa haben. Womit sie sagen wollen, dass jeder, der sich dagegen wehrt, mit einem Hammer zu Boden geschlagen zu werden, sich als Faschist zu erkennen gibt. Also erst recht zu Boden geschlagen werden muss.

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Solche Ansichten kommen weit oben, bei den Regierenden im Bund und in den Ländern, offenbar gut an. Jedenfalls hat eine Parteiaktivistin, die von Friedrich Merz mit dem Posten einer Ost-Beauftragten versorgt worden war, sich die progressive Parole, dass Antifaschismus Handarbeit sei, ausdrücklich zu eigen gemacht. Und auch ein Staatsanwalt wagte seinen Strafantrag gegen Lina E., ein führendes Mitglied der Hammerbande, nicht ohne die Versicherung vorzutragen, dass er vom antifaschistischen Engagement der Gewalttäterin tief beeindruckt sei.

Soweit zu Dresden. Danach sollte der Blick nach Frankfurt gehen, denn auch dort, beim größten Terrorprozess der Nachkriegszeit, gibt es über den Zustand des deutschen Rechtswesens einiges zu lernen. In Frankfurt geht es nämlich anders zu – keine Aufmärsche, keine Sprechchöre, keine Transparente, keine drohend geballten Fäuste. Verbrüderungs-Szenen, wie sie in Dresden üblich sind, kann es in Frankfurt schon deshalb nicht geben, weil das Publikum durch eine Wand aus Panzerglas vom Gerichtssaal und damit eben auch von den Angeklagten getrennt ist. Die Justiz weiß, dass im Kampf gegen rechts andere Regeln gelten als im Umgang mit links, und richtet sich danach.

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Mit diesen Regeln wird der Besucher in Frankfurt rechtzeitig vertraut gemacht. Bevor er die der Öffentlichkeit vorbehaltenen Räume erreicht, muss er allerlei Hindernisse überwinden: seinen Ausweis kopieren lassen, den Inhalt seiner Taschen vorweisen, seine Habseligkeiten im Schließfach deponieren, sich abtasten, visitieren und untersuchen lassen wie ein auf frischer Tat erwischter Gauner. Die Botschaft ist klar: wer kommt, ist verdächtig. Er soll merken, dass hier ein Prozess nicht nur gegen die Angeklagten geführt wird, sondern auch gegen ihn, den Bürger.

Die immense Aufwand, der in Frankfurt getrieben wird, um das Gelände zu sichern, darf als zeitgemäße Variante des antifaschistischen Schutzwalls betrachtet werden, den die SED seinerzeit quer durch Berlin gezogen hatte. Die Panzersperren, Teil der Mauer, wiesen zwar nach Westen, aber keiner, der sich in der Welt auskannte, hat sich von diesem aufwändigen, aber ziemlich dummen Trick täuschen lassen. Jeder wusste, sollte ja auch wissen, dass diese Sperren nur Attrappen waren. Das martialische Bauwerk sollte abschrecken, aber nicht einen äußeren, sondern den inneren Feind, den Bürger.

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Was in Berlin die Panzersperren waren, sind in Frankfurt die stacheldrahtbekrönten Gitterwände, behängt mit Schildern, die darauf hinweisen, dass Fotografieren verboten ist – bloße Attrappen. Sie sollen eine Gefahr vorstellen, für die der mittlerweile mehr als zwei Jahre lang laufende Prozess kein einziges handfestes Zeugnis zu Tage gefördert hat. Das ist auch gar nicht nötig, denn der Große Bruder hat vorgesorgt. Er hat sich ein Gesetzbuch verschafft, das nicht erst die Tat, sondern schon den Gedanken an die Tat für strafbar hält. Um den herauszukommen, müssen die Reichsbürger hart angefasst werden, härter als Hammerbanden, Vulkanbanden und anderen NGO´s.

Und damit sind wir in Berlin, der dritten Stadt, auf die man schauen sollte, wenn man sich ein realistisches Urteil über den Zustand des deutschen Rechtsstaates bilden will. In Berlin gibt es sie ja, die Vulkanbanden, deren Mitglieder sich rühmen, den Bürgern den Strom abgedreht zu haben. Also das getan zu haben, worüber die Reichsbürger geredet hatten. Sie können, werden das auch weiter tun, weil es den zuständigen Behörden bis heute nicht gelungen ist, auch nur ein einziges von ihnen zu fassen. Antifaschismus sei Handarbeit, meint die Regierung. Deswegen braucht sie die Handwerker, die ihr die Arbeit abnehmen.

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Kommentare ( 9 )

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Kraichgau
27 Minuten her

Danke,Herr Adam,für die gute Beschreibung der politischen Justiz im Deutschland anno 2026.
Frage mich nur,warum Sie nicht weiterhin mit der AFD dagegen stehen?

Norbert Brausse
45 Minuten her

Die linke Diktatur setzt sich langsam aber sicher durch. Und wen stört es oder hat es in der Vergangenheit innerhalb der DDR gestört? Nur ein paar Wenige und mit denen wird man doch wohl fertig werden. Aber die DDR gibt es nicht mehr, weil sich kurz gesagt wertschöpfende, anstrengende Arbeit nicht mehr gelohnt hat. Und heute lese ich gerade, dass es Scheinvaterschaften in Dortmund gibt: 7 Einwanderer anerkennen über 120 Kinder – Millionenkosten für den Staat Allein in Dortmund haben sieben Einwanderer die Vaterschaft für mehr als 120 Kinder anerkannt – oft ohne leibliche Vaterschaft. Da die angeblichen Väter keinen… Mehr

twsan
50 Minuten her

Na ja – wenn wir an ETA oder IRA denken:

Würde deren politischer Arm gegen den eigenen militärischen Arm ermittelt haben?

twsan
57 Minuten her

Na ja – in Lyon haben die französischen Kollegen der Antifa einen jungen Mann, Quentin (Nachnahme noch unbekannt) „schlicht und einfach“ totgetreten.

Für mich sind solche Antifanten keine Menschen mehr.

humerd
1 Stunde her

Sie können, werden das auch weiter tun, weil es den zuständigen Behörden bis heute nicht gelungen ist, auch nur ein einziges von ihnen zu fassen. „
und selbst wenn die zuständigen Behördenmitarbeiter einen Täter dingfest machen würde, die verständnisvollen Richter sind gewiss. Das sind doch nur Aktivisten, frei nach dem Motto „die Kinder wollen doch nur spielen“.


maps
1 Stunde her

Welcher Rechtsstaat? Dieses System ist durch und durch kaputt und korrupt.

moselbaer
1 Stunde her

Wahre Worte! Aber es gibt in den deutschen Justiz nicht nur zweierlei Maß. Nummer 3 gilt für ausländische Straftäter. Wenn sich die Polizei schon gar nicht mehr in die betreffenden Stadtviertel traut, gibt es auch keine Ermittlungen, keine Anklagen, keine Urteile. Und wenn mal einer gefasst, angeklagt und verurteilt wird, dann ist dieses Urteil kultursensibel und geht nicht weit über den erhobenen Zeigefinger hinaus. So weit, dass eine Geschädigte für ihren Protest härter bestraft wird als der Täter für seine Schandtat. Maß Nummer 4 dagegen gilt für die einheimische Bevölkerung. Hier wird jede Abweichung von immer enger werdenden Vorschriften gnadenlos… Mehr

rainer erich
1 Stunde her

Dummheit der dafür Verantwortlichen ist es jedenfalls nicht. Es scheinen Absicht und ein Ziel dahinterzustecken, hinter diesem “ zweierlei Mass“. Nicht nur hier übrigens. Die 2 Jahre und 8 Monate für die Ärztin für ihre Atteste zur Maskenbefreiung sind zumindest für “ richtige „Juristen in Schland sehr alarmierend. Offenbar wurde nicht einmal die nach Anrechnung der ( langen ) U-haft verbleibende Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt. „Faszinierend“ , was hier gerade abläuft und vor allem , wie es nahezu nihilistisch hingenommen wird. Wie andere Phänomene allerdings auch. Allenfalls vom wichtigen Hinweis auf die “ dubiose“ Personalpolitik der AfD durchbrochen. Nun denn.

Dieter Blume
37 Minuten her
Antworten an  rainer erich

Wir dürfen wählen und demonstrieren. Aber wer sollte regierungskritische Demonstrationen organisieren, nachdem der Staat uns am Beispiel Michael Ballwegs gezeigt hat, wie schnell charismatische Führungspersönlichkeiten weggesperrt werden. Ich hoffe auf die AfD und die amerikanische Regierung. Die Union ist leider zur führenden Kraft innerhalb des sozialistischen Lagers mutiert und fällt als Hoffnungsträger komplett aus.