Der Staat gönnt sich immer mehr, während der Wohlstand seiner Bürger schwindet. Uwe Boll sieht Deutschland auf dem Weg in einen wirtschaftlichen freien Fall – und findet dafür in Knut Hamsuns Roman „Hunger“ ein bitteres Vorbild.
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Für Lars Klingbeil zunächst eine kleine Nachhilfestunde: Geld ist jedes allgemein akzeptierte Tausch- und Zahlungsmittel. Welche Form es annimmt und aus welchem Material es besteht, ob Münze, Papier oder digitaler Eintrag, ist dabei grundsätzlich unerheblich.
In den Wirtschaftswissenschaften wird Geld durch drei grundlegende Eigenschaften definiert:
- Tausch- und Zahlungsmittel: Geld ermöglicht den Kauf von Waren und Dienstleistungen, ohne dass ein umständlicher direkter Gütertausch notwendig ist.
- Recheneinheit (Wertmaß): Geld dient als einheitlicher Maßstab, um den Wert und die Preise verschiedener Güter und Dienstleistungen vergleichbar zu machen.
- Wertspeicher (Wertaufbewahrungsmittel): Geld erlaubt es, Kaufkraft über einen längeren Zeitraum zu erhalten, da es im Gegensatz zu vielen verderblichen Waren nicht sofort verbraucht werden muss.
Geld ist nicht alles, aber ohne Geld ist alles nichts. Wohl kaum ein Werk der Literatur führt diesen Satz so eindringlich vor Augen wie der Roman „Hunger“ von Knut Hamsun. Die Hauptfigur, ein Schriftsteller, erlebt einen vollständigen gesellschaftlichen und persönlichen Absturz, bis er schließlich beinahe verhungert.
Der Mangel an Geld und anderen Tauschmitteln führt dazu, dass der Mann an kaum noch etwas anderes denken kann als an Nahrung. Alles andere bricht nach und nach weg, bis schließlich nur noch das schiere Überleben zählt. Liebe, Familie, Wohnung, Ideen und Beruf verlieren angesichts der existenziellen Not ihre Bedeutung. Anfangs nimmt der Schriftsteller seinen eigenen Niedergang kaum wahr und redet sich noch ein, seine Einkommenssituation sei längst nicht so schlecht, wie sie tatsächlich ist. Schließlich gehört er doch zur gebildeten Klasse, weshalb Hunger und Obdachlosigkeit in seinem Selbstverständnis gar keine Rolle spielen dürften. Er verschließt die Augen vor seinem Absturz und begreift viel zu spät, dass er sich längst nicht mehr in einer vorübergehenden Krise befindet, sondern in einem katastrophalen freien Fall.
Ich empfehle jedem, dieses Buch des Literaturnobelpreisträgers Hamsun zu lesen.
Auch den armen Schülern und Studenten, die gerade Frankreichs Innenstädte zerlegen und ausplündern, weil sie nach der Analyse der ARD-Korrespondentin Sabine Bohland darüber verärgert sind, dass während der sommerlichen Hitzewellen in ihren Schulen keine Klimaanlagen vorhanden waren und nun im neuen Schuljahr auch noch ein Handyverbot gilt. Das erklärt natürlich nach Auffassung des Spiegel und anderer sogenannter Spitzenmedien, warum die armen, wissbegierigen Jugendlichen ihrem Unmut und ihrer Frustration auf diese Weise Ausdruck verleihen. Der Spiegel stellte außerdem unmissverständlich klar, dass die „Rechten“ Propaganda verbreiteten, indem sie die Straßenschlachten mit Migration, Antifa und Islamismus in Verbindung brächten.
Die eigentliche Frage lautet allerdings, wie es überhaupt so weit kommen konnte, dass Sabine Bohland und ihre Kollegen beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk, beim Spiegel, bei der Süddeutschen Zeitung und anderen Medienhäusern als Journalisten arbeiten dürfen. Wir alle sind schließlich das Ergebnis unseres familiären und sozialen Umfelds, unseres Bildungssystems und der Medien, die uns prägen.
Deshalb müsste einmal untersucht werden, welche Entwicklungen und Einflüsse eine derart umfassende kollektive Gehirnwäsche ermöglicht haben. Schließlich werden diese Journalisten von Verlegern, Intendanten und Chefredakteuren eingestellt, die offenbar genau dieses Verständnis von Journalismus teilen. Die Verantwortung liegt also auch bei den Entscheidungsträgern, deren Anspruch an die Berichterstattung sich längst weit über das bekannte Prinzip vom Wunsch als Vater des Gedankens hinausentwickelt hat. Die sachliche und faktenbasierte Beurteilung der Realität steht für sie offensichtlich nicht mehr im Mittelpunkt. Stattdessen wird die eigene Vorstellung davon, wie Menschen zu sein und zu denken haben, zum entscheidenden Maßstab. Diese ideologische Selbstgewissheit hat inzwischen ein Ausmaß erreicht, das objektiven Journalismus nahezu unmöglich macht.
Deshalb zurück zum Geld. Ich erkläre meinen Familienangehörigen leider immer wieder erfolglos eine ganz simple Formel: von A nach B.
A ist die Welt, und aus dieser Welt muss Geld zu dir, also nach B, fließen. Dafür musst du normalerweise etwas leisten. Entweder stellst du Produkte her und verkaufst sie als Unternehmer, oder du stellst anderen deine geistige beziehungsweise körperliche Arbeitskraft gegen Bezahlung zur Verfügung. Rund 40 Millionen Menschen in Deutschland, bei einer Gesamtbevölkerung von etwa 83,3 Millionen, arbeiten im privaten Sektor, Unternehmer und Selbstständige eingeschlossen. Etwa fünf Millionen Menschen sind im öffentlichen Dienst tätig. Die rund 40 Millionen Menschen im Privatsektor erwirtschaften jährlich ungefähr 3,4 Billionen Euro und zahlen etwa 850 Milliarden Euro Steuern. Aus diesen Steuereinnahmen müssten die Gehälter der Angestellten und Beamten des öffentlichen Dienstes sowie sämtliche weiteren staatlichen Ausgaben für Verteidigung, EU, Soziales und vieles mehr finanziert werden. Tatsächlich reicht das Geld jedoch nicht aus, denn im Gegensatz zum privaten Sektor kann der Staat regelmäßig neue Schulden machen und tut das auch, um die eigene Work-Life-Balance möglichst nicht zu gefährden. Allein 2025 wuchs der deutsche Schuldenstand um 155 Milliarden Euro und erreichte damit rund 2,7 Billionen Euro.
Offensichtliche Möglichkeiten, zugunsten der deutschen Steuerzahler und der heimischen Industrie bei den Staatsausgaben zu sparen, werden von der Politik arrogant weggelacht. Mehr als 200 Milliarden Euro jährlich könnten nach meiner Überzeugung in den Bereichen Verteidigung, Migration, NGOs, öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Ukrainekrieg, EU, Bürokratie und Entwicklungshilfe eingespart werden. Bei der Verteidigung müsste beispielsweise stärker auf Drohnen und Hochtechnologie gesetzt werden, statt immer neue Panzer, Schiffe und Flakgeschütze anzuschaffen. Doch offenbar nimmt man lieber in Kauf, dass Deutschland langsam, aber sicher versenkt oder im schlimmsten Fall ohne Not in einen dritten Weltkrieg hineingezogen wird.
Der Protagonist in Hamsuns Hunger begreift nicht, dass er von seiner Schriftstellerei nicht leben kann und dringend irgendeine bezahlte Arbeit annehmen müsste, um seine Existenz zu sichern. Unsere Politiker wiederum begreifen nicht, dass die fetten Jahre vorbei sind und Deutschland gerade dabei ist, vom schleichenden Niedergang in den freien Fall überzugehen. Die Linken sehen diese Entwicklung ebenfalls, doch ihr Rezept heißt Sozialismus und Verstaatlichung von Privateigentum, bis hin zur Diktatur der Partei. Damit ließen sich ihre eigenen Pfründe mittelfristig sichern, während die Industrie das Land verlässt oder zugrunde geht und die Mittelschicht, die zuvor noch begeistert links gewählt hat, zunehmend verarmt.
Für mich steht fest, dass ich gerne in Deutschland bleiben möchte und alles dafür tun werde, eine politische Wende zu unterstützen. Sollte der Niedergang allerdings ungebremst weitergehen, werde ich ihn mir nicht bis zum bitteren Ende antun, sondern die weitere Entwicklung vom Ausland aus beobachten.




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