Das Coronavirus als Frontalangriff auf die grüne Naturverklärung

Diese extrem schwere Zeit der Corona-Krise hat die Kraft, vertraute ideologische Formeln zu zerbröseln und Worthülsen zu entlarven. Auf dass unsere Zukunft auf ein realistischeres Naturbild gegründet werden kann.

imago images / Karina Hessland

Auf der Homepage der Grünen heißt es vollmundig an mehreren Stellen: „Wir Grüne kämpfen für eine intakte Natur.“

Eine politische Partei, die sich für eine „intakte Natur“ einsetzt. Wow!
Mit dem Umweltschutz alleine – wie etwa mehr Energieeffizienz oder mehr Luftreinheit – scheinen sich die Grünen also nicht zufrieden zu geben.
Bei ihnen geht es um das große Ganze.

Doch was ist eine „intakte Natur“?
Ist die Natur intakt, wenn die Katze die Maus frisst?
Ist die Natur intakt, nachdem die Dinosaurier ausgestorben sind?
Ist die Natur intakt, wenn das Coronavirus als kleiner Sensemann unter der Menschheit seine viralen Spielchen treibt?

Hinter dem Begriff „intakte Natur“ scheint so etwas wie eine westlich indianische Frömmigkeit zu stehen, in der der Mensch eingebettet ist in ein harmonisch göttliches Naturganzes.
Und diese grüne Naturmystik könnte so wunderbar intakt sein, wenn da nicht der große Störfaktor Mensch wäre; der kapitalistische und technikbegeisterte Mensch, der die Umwelt zerstört.

Doch angesichts von Corona drängen sich schwerwiegende Zweifel an dieser Weltanschauung auf. Ist die Natur wirklich ein romantisch-harmonisch-intaktes Gefüge?
Ist sie nicht vielmehr eine lebens-tödliche Konfliktzone, in der jede Sekunde Kräfte des Lebens und Kräfte der Destruktion miteinander ringen?
Ein Chaos von Licht und Dunkelheit, in dem wir als Menschen hineingeworfen sind und gezwungen sind, uns zu behaupten?

In diesem Sinne bezeichnet der jüdische Theologe John D. Levenson die Schöpfung als ständige Chaosüberwindung (Genesis 1,1f); und der Mensch in diesem Chaos als seufzende Kreatur, der um sein Leben und um die Liebe ringt und auf eine neue Schöpfung hofft – und dabei sicherlich oft genug selber zum destruktiven Faktor wird.

Wenn wir dem Coronavirus nichts entgegensetzen würden, dann hätten wir vielleicht eine „intakte Natur“. Und die grünen Kirchen könnten weiterhin zufrieden von der „Bewahrung der Schöpfung“ predigen, zu der ja auch das Coronavirus gehört.
Aber unsere politische Gemeinschaft von Jung und Alt wäre gefährdet durch die lebenszerstörerischen Seiten der Natur.

Eine grüne Ideologie kann man sich halt nur leisten mit einem guten Schuss Naturfatalismus oder mit einer guten Krankenversicherung, die großzügig auf die medizinischen Fortschritte des Kapitalismus zurückgreifen kann.

Fazit: Diese extrem schwere Zeit der Coronakrise hat die Kraft, vertraute ideologische Formeln zu zerbröseln und Worthülsen zu entlarven. Auf dass unsere Zukunft auf ein realistischeres Naturbild gegründet werden kann.


Pfarrer Achijah Zorn

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Kommentare ( 70 )

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Leroy
6 Monate her

Und der tagträumende Kinderbuchschreiber empfiehlt Selbständigen, als letzte Handlung vor dem Konkurs. den Austausch der alten Ölheizung bevor die Immobilie in die Hände der Banken fällt.

Pitt Arm
6 Monate her

Ich wundere mich, warum die Grünen noch kein Verbot von Einweghandschuhen aus Plastik gefordert haben. Für mich sind die Grünen die gefährlichsten Populisten im politischen Betrieb. Denn ihre Forderungen hören sich ja alle oberflächlich gut an. Nur funktionieren die Rezepte dahinter nicht und sind sogar gefährlich für Wohlstand und Gesellschaft. Die Grünen repräsentieren das Denken nach „System 1“ nach Kahnemann, alles Denken geschieht aus dem Bauch heraus, emotional. Leider funktioniert so auch Massenkommunikation. Versuchen Sie mal mit rationalen Argumenten, die komplexe Lösungen aufzeigen, die Massen zu gewinnen. Zudem wählen ja deutlich mehr Frauen die Grünen als Männer, weil diese sich… Mehr

Lizzard04
6 Monate her
Antworten an  Pitt Arm

….wobei die Sache mit dem weiblichen Wahlverhalten schon wieder böse nach „alter weißer Mann“ klingt und damit natürlich nicht PC ist!! Noch so eine Bemerkung und es droht Ihnen das grüne „Aufforstungslager“! Spaß beiseite, dass die wahren Populisten in diesem Land und damit die wirkliche Gefahr für diese Gesellschaft die Grünen sind, ist schon lange auch meine Bewertung!

Alexis de Tocqueville
6 Monate her
Antworten an  Pitt Arm

Kahnenmann kannte die Grünen nicht, sonst hätte er noch ein System 0 eingeführt.
Bei normalen Menschen funktioniert System 1 heuristisch, bei Grünlingen willkürlich.

schwarzseher
6 Monate her

Eine intakte, menschenleere Natur gibt es noch in Sbirien, im Norden Kanadas und im Amazonasbecken. Da könnten doch die Grünen naturbewahrend leben. Sich selber versorgen, gegen Nahrungskonkurrenten durchsetzen, ihre Verletzungen und Krankheiten selber heilen. Natürlich ohne jegliche Hilfsmittel, die von den verachteten, alten, alle unterdrückenden, weißen Männern geschaffen wurden. Das wäre wirklich die Lösung.

Andreas aus E.
6 Monate her

Sehr guter Artikel – kurz und knapp auf den Punkt gebracht.

Zur bewahrenswerten Schöpfung gehört übrigens auch die in manchen Teilchen steckende Energie, welche dank des von höherer Wesenheit gebenedeiten Erfindungsgeist nutzbar gemacht wurde, nämlich die Kernkraft.

Darüber sollte dieser etwas unappetitliche, dickliche Mann da im Artikelbild, der da die Zuchtform (Gentechnik?) einer fremdländischen Pflanze angrabscht, mal nachdenken.

Mir fällt nicht viel ein was verlogener und widerlicher ist als wenn „Grüne“ von Naturschutz schwafeln.

Slawek
6 Monate her

Das mit dem CO2 als Feind das kann einfach nicht richtig sein. Es kann gut sein, dass eine Klimaerwärmung den Menschen einschränken wird, weil Dürre, Überschwemmung etc. Aber mit dem Vielfachen des heutigen Werts an CO2 in der Atmosphäre, wie in Urzeiten, würden die Pflanzen nicht nur vielfach schneller wachsen, sie würden auch mit ganz wenig Wasser auskommen. Es würde die forst- und landwirtschaftliche Produktivität also steigern nicht mindern. Die Frage ob die Temperatur steigt oder nicht stellt sich dann gar nicht erst. Wenn ich mir anschaue, dass selbst in Brasilien eine Forscherin allen ernstes herausfinden will, ob Wälder das… Mehr

Hannibal Murkle
6 Monate her

@“Eine grüne Ideologie kann man sich halt nur leisten mit einem guten Schuss Naturfatalismus oder mit einer guten Krankenversicherung, die großzügig auf die medizinischen Fortschritte des Kapitalismus zurückgreifen kann.“ Die kann man sich gar nicht leisten – gerade will ein Herr Habeck, dass wir durch gemeinschaftiche Schulden mit 20-30 Milliarden Kosten mehr jährlich belastet werden: https://www.welt.de/politik/deutschland/plus206861493/Gruenen-Chef-Habeck-Ich-plaediere-fuer-Corona-Bonds.html Sogar Merkel ließ sich den Murks nicht einfach so gefallen – wie kann es sein, dass ein Politiker von Steuerzahlern Scheinchen bezieht und bei genau jeder Gelegenheit gegen die Steuerzahler-Interessen vorgeht? Über die Lichter-Aktion haben die Medien kaum berichtet, manche mit keinem einzigen Wort… Mehr

Eberhard
6 Monate her

Was ist eine intakte Natur? Nicht der Mensch schuf die Natur, sondern diese den Menschen. Und so wird er immer nur ein Teil der Natur bleiben. Nur Größenwahn in Menschengestalt glaubt die Gesetze der Natur selber erlassen zu können, um diese dann auch noch nach seinen Willen zu formen. Aber immer noch bestimmt nur die Natur selber, was sich in ihrem Sinne bewährt und damit gefördert wird, oder nicht mehr gebraucht wird. Und sie hat im Gegensatz zu uns, sehr viel Zeit dazu. Wir Menschen kennen noch nicht einmal, wozu die Natur uns braucht, noch ob sie uns überhaupt und… Mehr

Peer Munk
6 Monate her

Bei den Grünen kommt auch noch so etwas wie Menschenverachtung hinzu. Die „Natur“ soll eigentlich ohne jeglichen menschlichen Einfluss existieren, jeglicher menschlicher Einfluss ist von übel. Das heißt: die Menschen müssen von diesem Planeten verschwinden, auf dass er sich langsam erhole. Harald Lesch hat ein Buch über Klimawandel etc geschrieben. In einem Vortrag sagte er, eigentlich habe er das Buch nennen wollen: „Die Erde hat Mensch“, aber das war dem Verlag wohl zu heftig.
Man kann es oft beobachten: Die Politik der Grünen ist im Grunde menschenverachtend.

Old-Man
6 Monate her

Dieses kleine Virus hat vielleicht auch etwas gutes,es schrumpfen die Grünen wie Schnee in der Sonne!
Da kann sich die „Doppelspitze“ ruhig vor Kummer in den Popo pieksen,aber so langsam wachen immer mehr aus dem Traum einer Schwachmaten Sekte auf,und bemerken : die Realität ist grausam,aber nur halb so schlimm wie das geistlose Gestammel der Grünideologen!!

H. Priess
6 Monate her

Wir schützen nicht die Natur, wir schützen uns vor der Natur! Seit der Mensch seßhaft wurde und anfing Ackerbau und Viehzucht zu betreiben griff er in die Natur ein. Heute wollen Menschen einen Status Quo zwischen Mensch und Natur erreichen was Unsinn ist. Immer wenn sich der Mensch aus verschiedenen Gründen aus der Natur zurück zieht übernimmt sie sofort und nach ein paar Jahren ist von dem von Menschenhand geschaffenem nichts mehr übrig. Genauso Umwelt und Klimaschutz, ein oder mehrere Supervulkanausbrüche und der ganze Aufwand war umsonst. Wir sollten Schutzanlagen bauen oder damit anfangen Menschen aus Küstennähe und Flußdeltas umzusiedeln… Mehr

gmccar
6 Monate her
Antworten an  H. Priess

Das beste Beispiel für die Aktivitäten des Menschen in D. sind beispielsweise die Ortschaften wie Rodau, XY-Reuth. Sie weisen aus, das zur Besiedelung massive Rodungen vorgenommen wurden. Oder Steppentiere wie der Hase und das Feldhuhn Kulturfolger sind, die in Wäldern nicht vorkommen.