Das war die „dritte Welle“ – weniger Tote als eine normale Grippesaison

Die dritte Welle hat ihren Höhepunkt überschritten. Die Bilanz ist so weit von den Vorhersagen der Politik entfernt, dass man sich die Augen reibt . Über fast den gesamten Zeitraum dieser Welle gab es in Deutschland Untersterblichkeit.

„Die dritte Welle ist die schlimmste“ sagte uns RKI-Chef Lothar Wieler noch vor gut einem Monat, Markus Söder warnte: „Die dritte Welle läuft auf Hochtouren“, in Drostens Corona-Virus-Update hieß es: „Dritte Welle ohne Impfung nicht beherrschbar“, an der TU Berlin wurden 1,6 Mio. Infektionen pro Woche modelliert. Die britische Mutante sei viel tödlicher und infektiöser, hieß es überall. Und auf Basis dieser Annahmen wurde der nächste Lockdown verhängt, noch härter als alle zuvor. Vor zwei Wochen warnte man im Bundestag noch vor tausenden Toten, wenn jetzt nicht sofort die „Bundesnotbremse“ beschlossen wird – die Grundrechte in bis dato ungeahnter Weise einschränkt und dem ohnehin schon völlig überlasteten Land nochmal voll einen mitgegeben.

Jetzt sinkt die Zahl der Neuinfektionen drastisch. Das ist keine Überraschung: Die Zahlen zuvor waren durch die Ostermeldeverzögerung lange nicht aussagekräftig. Bereits vor Wochen sprach der sich verlangsamende Anstieg dafür, dass der Höhepunkt kurz bevor stand. Und die Zahlen zeigen klar: Der Bundeslockdown kam zu einem Zeitpunkt, als das Abklingen der Welle schon begann, er konnte auf diese Entwicklungen also kaum einen Einfluss gehabt haben.

In Summe sieht die angeblich so gefährliche dritte Welle so aus (ja, ganz rechts die kleinen Säulen um die 1.500er-Marke):

Das sind deutlich weniger Tote als bei den herkömmlichen Grippe-Wellen der letzten Jahre. Fast für den gesamten (bisher vom Statistischen Bundesamt ausgewiesenen) Zeitraum der dritten Welle, gab es in Deutschland im Vergleich zu den Vorjahren eine signifikante Untersterblichkeit. Denn genau in dieser Jahreszeit ist normalerweise Grippesaison und die hat in den Vorjahren fast immer mehr Opfer gefordert als diese Corona-Welle.

Der Brechstangen-Maßnahmenkatalog, der nicht nur weiteren Tausenden die Existenz kosten und Menschen potentiell in den Suizid und in schwere Depressionen stürzen wird, sondern auch das Vertrauen in den Rechtsstaat entscheidend beschädigt – er ist am Ende völlig sinnlos.

Es kann keiner sagen, man hätte es nicht wissen können. Die Fakten lagen auf dem Tisch, es war klar, dass der effektive Schutz der Altersheime den Großteil weiterer Tode verhindern kann. Seit Wochen ist zu erkennen, dass sich die Hochrisikogruppe weit unterproportional ansteckt.

Bereits die zweite Welle hat retrospektiv keinen Lockdown gerechtfertigt, der neue Lockdown basierte bloß auf der Hypothese, es könne ja noch schlimmer kommen. Aber es ist nochmal deutlich harmloser gekommen.

Erst vergangene Woche erläuterte der ehemalige Präsident der Internationalen Gesellschaft für Aerosole in der Medizin, Dr. Gerhard Scheuch bei TE, warum die neuen Maßnahmen zum Großteil gar nicht wirken können. Denn sie bekämpfen Ansteckungen, die es gar nicht gibt – die im Außenbereich. Viele Untersuchungen zeigen, dass im Außenbereich so gut wie keine Infektionen stattfinden. Ausgangssperre, Schließung der Außengastronomie – das sind maximal einschränkende Maßnahmen bei minimalem Nutzen. Und das ist wirklich „wissenschaftlicher Konsens“ unter Aerosol-Forschern.

Wenn man bei diesen Zahlen und diesen Erkenntnissen einen Lockdown verhängt, muss man das Land in Zukunft bei jeder Grippe- und jeder Hitzewelle abriegeln. Lockdown jetzt heißt Lockdown für immer.

Frankreich, Österreich, Großbritannien, Italien, die Schweiz, die Niederlande, die USA – überall wird geöffnet, auch ungeachtet kleiner Anstiege der Neuinfektionen. Was hierzulande passiert – wer soll das noch verstehen?

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Kommentare ( 143 )

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Caro
2 Tage her

„Ein halbleeres Glas Wein ist zwar zugleich ein halbvolles, aber eine halbe Lüge mitnichten eine halbe Wahrheit.“

bkkopp
3 Tage her

Es ist wie es immer war. Die staatlichen Maßnahmen sind zu spät, und es sind in großen Teilen die falschen. Das mit der Sterberate ist aber auch immer problematisch. Es ist gut möglich, dass auch Brasilien und/oder Indien für 2020 eine statistische Untersterblichkeit berichten könnte, falls dort brauchbar gezählt wird. Für unsere Bedingungen ist offensichtlich, dass es im Herbst/Winter 20/21 keine der sonst üblichen Grippewellen gegeben hat, weil die Mobilität, und viele andere Aktivitäten, erheblich reduziert waren. Die Maskenhasser werden überrascht sein – die Maske, Abstand halten und Händewaschen reduzieren auch die Verbreitung von Grippe. Die Kita/Schulschließungen haben auch ihren… Mehr

Michael M.
2 Tage her
Antworten an  bkkopp

Behalten Sie doch ihre FFP2-Maske (FFP9 wäre vielleicht noch besser) meinetwegen bis zu ihrem Lebensende auf bkkopp, Ich hasse die Mistdinger und helfen tun sie hauptsächlich denjenigen die sie für teuer Geld unter die Leute bringen.
Ach ja und noch was, die Grippe ist einzig und allein deswegen quasi ausgestorben, weil alles zu Corona hinzugerechnet wurde, das zu sehen ist doch nun wirklich nicht so schwer …

Spruchkasper
3 Tage her

Danke für diesen Beitrag Air Türkis.
Weitgehend erhellend!

In weiten Teilen kann ich nur zustimmen, aber etwas überzogen an manchen Stellen haben Sie schon.

Z.B. der letzte Absatz. Der Vergleich mit den Nachbarländern ist durchaus nicht ganz zutreffend, zumal die Nachbarländer wie Frankreich doch deutlich heftigere Einschränkungen hatten.

Gibt es auch einen Artikel, der die deutlich erhöhte Übersterblichkeit im Nov/Dez und auch die heftige Übersterblichkeit in Tschechien, Polen und Vergleichbare analysiert?

Kassandra
3 Tage her
Antworten an  Spruchkasper

Mit solchem hat sich früher Sozialmedizin auseinandergesetzt. Bei dieser „Pandemie“ werden leider nirgends alle Daten offen gelegt, so dass man auch nur schwer Schlüsse ziehen kann. Professor Homburg hat immer wieder Datenvergleiche aufgrund der uns präsentierten Zahlen angeboten – ist auf seinem twitter immer noch zu finden. Inzwischen weiß man ja wenigstens, dass Migranten, Menschen in prekärer Wohnsituation oder in Unterbringungen wie eben auch alte Menschen in Heimen die besonders Leidtragenden sind. Weshalb man, wenn man dies als Basis nimmt, aber ein ganzes Land ökonomisch in Ketten legt – wer kann das schon wissen? Krawallnächte wie vor einem Jahr in… Mehr

Schachspieler
2 Tage her
Antworten an  Kassandra

Kurioserweise liegen ja die Zahlen nicht nur in von Familien mit Migrationshintergrund bewohnten Gebieten sehr hoch, sondern vor allem in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Weiß Prof. Homburg darüber auch Schlüssiges zu berichten (außer „Polen und Tschechien“)?

pkokot1
3 Tage her

Zu dem Thema Impfung empfehle ich den Bericht einer UK Gesundheitsorganisation SPI-M-O: Summary of further modelling of easing restrictions – Roadmap Step 2, 31 March 2021 – GOV.UK (www.gov.uk).
Wenn man sich die Grafiken anschaut, sieht man deutlich, dass die zwei Mal Geimpfte fast genauso sterben wie ungeimpfte. Wenn das unsere sogenannten „Eliten“ wissen, gehören sie vor ein Tribunal.

jens uwe
3 Tage her

Natürlich, sind die Massnahmen nicht berechtigt.
Nur einige wollten Geld verdienen.

RUEDI
3 Tage her

Im übrigen läuft die Welle jetzt fast kongruent zur “ Ersten“. Ende April 2020 „Maskenpflicht für alle“, zu einem Zeitpunkt fallender „Positiv – Test – Zahlen“. Ohne signifikanten Einfluss -wie auch jetzt „Bundes-Notbremse“. Dabei ist es Sonne, Temperaturen, UV, B12 …die hier einen wesentlicheren Einfluss haben. Kachelmann mal fragen: Wie geht Wetter mit Corona zusammen. Geht raus auf die Straße, in die frische Luft! In zehn Jahren, oder vielleicht schon nach der Wahl werden sie es sagen, aber nicht zugeben: „Wir haben es nicht besser gewusst“ – „Aber die RKI-Experten haben es uns doch gesagt“ – Corona war schuld am… Mehr

Kassandra
3 Tage her
Antworten an  RUEDI

Lange bekannt und bei Corona wie so vieles nicht beachtet ist, dass Viren saisonal auftreten – Coronaviren seit Jahren schon zwischen November und April.
Wer auch immer die Lorbeeren einheimsen will, über die „Pandemie“ gesiegt zu haben hat diesen „lockdown“ zeitlich passend bravourös angeordnet.

Last edited 3 Tage her by Kassandra
Moshe Bohnenstroh
3 Tage her

Next stop: Klimalockdown.

R.J.
3 Tage her

Danke, Herr Türkis. Noch einige Anmerkungen zu den Begriffen der „Übersterblichkeit“ und „Untersterblichkeit“. (1) Diese werden definiert relativ zu einer Bezugsgröße, am besten zum Beispiel einem (gleitenden) Mittelwert über eine Reihe von Jahren. Aufgrund zufälliger Schwankungen gibt es im Prinzip jedes Jahr Untersterblichkeit oder Übersterblichkeit. (2) Die Frage ist, ob der jeweilige Wert als Anomalie herausfällt. Die dazu erforderlichen Charakteristika kann man (unverzerrt durch COVID-19) durch eine Zeitreihenanalyse der Daten bis 2019 identifizieren. Die wesentliche Aussage lässt sich bereits mit Excel erkennen, vor allem mittels für den Trend adjustierter Sterbefallzahlen. Mehr sieht man mit speziell auf das Problem abgestimmten Signalanalyseverfahren.… Mehr

Last edited 3 Tage her by R.J.
martin ruehle
3 Tage her
Antworten an  R.J.

So geht Aufklärung evidenzbasiert!
Top-Kommentar, Danke!

Last edited 3 Tage her by martin ruehle
RUEDI
3 Tage her
Antworten an  R.J.

Hier die interessanten LINKS als ergänzung zu dem vorgenannten Beitrag: Linearer Anstieg der Sterbefallzahlen : https://de.statista.com/statistik/daten/studie/156902/umfrage/sterbefaelle-in-deutschland/ – Ein Blick genügt ! Ausgewählte Atemwegserkrankungen (nur bis 2018) https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1043878/umfrage/todesfaelle-aufgrund-ausgewaehlter-atemwegserkrankungen-in-deutschland/ Noch viel Interessanter wären die aktualisierten Zahlen zu den Todesursachen Atemwegserkrankungen für 2019 und 2020. Und gerade hier müsste Corona sich in dieser „Todes-Bilanz“ ja widerspiegeln. Oder sind anderen Todesfälle (Wie angeblich die GRIPPE) auf wundersame Weise verschwunden ? @ TICHYs : Wo sind diese Zahlen – wann werden diese verfügbar sein ? Nach der Pandemie ? – Wer weiß was darüber, oder kann man das recherchieren ? Tolle Arbeit der „Investigativen“ Lücken-und… Mehr

Kassandra
3 Tage her
Antworten an  RUEDI

„Gemeldet wurden laut dem Bericht bisher für diese Saison insgesamt 13 laborbestätigte Todesfälle im Zusammenhang mit der Grippe. In den Saisons zuvor waren es meist je einige Hundert, in der schweren Welle 2017/18 knapp 1700. Nach RKI-Schätzungen liegen die tatsächlichen Zahlen aber deutlich höher: Für 2017/18 zum Beispiel wurde angenommen, dass 25.000 Menschen starben. Die Schwere der Grippewelle variiert normalerweise von Jahr zu Jahr.“ https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/coronavirus/grippewelle-erstmals-seit-1992-ausgeblieben-17306020.html Influenzatote wurden bislang Saison für Saison nur geschätzt – um genaue Zahlen hat sich das RKI nicht gekümmert. Es können also durchaus auch mehr Menschen pro Saison verstorben sein, als beim RKI über die Jahre angenommen… Mehr

Last edited 3 Tage her by Kassandra
R.J.
2 Tage her
Antworten an  RUEDI

Danke. Man sollte m.E. die Analyse derzeit auf die Gesamttodeszahl beschränken, da alle Daten über spezifische Zuordnungen nicht als verlässlich gelten können. Es ist nicht nur das alte Problem der Totenscheinangaben u.ä. So kann man gezwungen sein, selbst in sehr sorgfältig erhobenen Datensätzen nach Durchsicht der Patientenakten 5-10% nicht mehr kausal COVID-19 zuzuordnen. Die Gesamttodeszahl ist auch einzig zwischen Ländern vergleichbar. Ansonsten gilt, dass die Strategie der Regierung und ihres Ausführungsorgans namens RKI systematisch auf Verschleierung ausgerichtet war und ist.

Hanno Spiegel
3 Tage her
Antworten an  R.J.

Gar nicht so einfach diesen Argumenten auszuweichen.

naklar
3 Tage her

Wir werden sehen: Die Zahlen werden in Kürze deutlich nach unten gehen. Zum Einen muss gezeigt werden, dass die Maßnahmen der „Regierung“ wirken. Zum Anderen hat der Lockdown seinen Zweck erfüllt. Grundrechte können nun auf dem Umweg über das Infektionsschutzgesetz jederzeit in beliebigem Umfang ausgehebelt werden. Ein Grundrecht wurde nun zu einem „Freiheitsrecht“. Wetten, dass wir im Winter wieder im Lockdown sind?

Weiss
3 Tage her
Antworten an  naklar

Komischerweise haben die Schweden es auch ohne Lockdown ganz gut in den Griff bekommen. Ich habe mir gerade in Schweden die Originaldaten angeschaut und zwar für alle möglichen Regionen. Beim Analysieren der Daten habe ich mich wirklich angestrengt, aber eine Monsterwelle mit einem Massensterben konnte ich bei der Britischen Mutation überhaupt nicht erkennen. Das zeigen ganz deutlich die aktuellen Patientenzahlen auf den schwedischen Intensivstationen. Selbst die Kapazitätsgrenzen sind zu keinem Zeitpunkt überschritten worden, es gab also keinen Zusammenbruch der Krankenhäuser: Covid-19 in Sweden – healthcare (covid19insweden.com) Selbst die Zahl der Toten ist seit Anfang Januar 2021 in Schweden rückläufig und… Mehr

Wolfgang M
3 Tage her

Jeder weiß eigentlich, dass die Corona-Toten den Infektionen 4 bis 6 Wochen hinterherlaufen. Durch die AHA-Regeln gibt es übrigens in diesem Winter auch weniger Grippetote.
Nebenbei: Wird das Dokument nicht nachgelesen? Ursprünglich standen bei den Wochen die Zahlen 11 bis 69. Dann wurde korrigiert, aber nur die Wochen 54 bis 65 in 1 bis 12. Beim Rest ließ man die alten Zahlen. Sollte der Artikel ins nächste Heft kommen, dann sollte man das korrigieren.

Der Prophet
3 Tage her
Antworten an  Wolfgang M

Was Sie im ersten Absatz geschrieben haben, ist falsch. Wenn Sie sich die Kurven ansehen, erkennen Sie, dass die Kurve der Toten, der Kurve der Infizierten ca. 2 bis 3 Wochen (und nicht 4 bis 6 Wochen) hinterherläuft. Das entspricht auch den Aussagen, dass die meisten Menschen, die an/mit (oder lediglich positivem Test) versterben, nach ca. 2 – 3 Wochen das Zeitliche segnen. Genau in diesem Zeitfenster bewegen wir uns jetzt und es ist nicht zu erkennen, dass die Zehl der Toten deutlich nach oben schießt. Also hören Sie bitte auf Unwahrheiten zu verbreiten und den Leuten Angst zu machen.… Mehr

Lothar Finger
3 Tage her
Antworten an  Wolfgang M

Ach!? durch die AHA Regeln gab es weniger Grippetote? Das ist ja ein Ding! Da könnten wir ja jedes Jahr durch simple AHA Regeln 25.000 Tote einsparen. (ein Massenmörder, wer das nicht will!) Das das Grippevirus sich so leicht in Schach halten ließe hätte, wohl auch kaum jemand gedacht. Wenn wir das schon 20 Jahre lang gemacht hätten, hätten wir round about 300-400tsd Menschen vor dem Tod bewahrt! Das mit der sehr virtuos geführten Statistik (Mit und an und so weiter) die eigentlich jedes Jahr auftretenden Grippetoten panikfördernd den Coronatoten zugeschlagen wurden um krasse Zahlen schreiben zu können kann natürlich… Mehr