„Alltagsrassismus“: So werden wir alle zu Rassisten gemacht

Die Inflationierung des Rassismus-Begriffes führt dazu, dass am Ende jeder Rassist ist – und damit zu einer Verharmlosung von wirklichen Rassismus.

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In einer Broschüre der Bundeszentrale für politische Bildung heißt es: „Vermeintliche Komplimente wie ‚Du sprichst aber gut Deutsch’ oder lobend gemeinte Verallgemeinerungen wie ‚asiatische Schüler_innen sind immer so fleißig’ sind weitere Beispiele für Alltagsrassismus.“ Ich selbst freue mich, wenn ich in den USA bin und Amerikaner loben mein Englisch. Und ich war lange mit einer Frau zusammen, deren Eltern aus Vietnam kamen und die sich freute, wenn der Fleiß von Asiaten positiv hervorgehoben wurde. Sie wäre niemals auf die Idee gekommen, darin „Alltagsrassismus“ zu sehen. Manchmal ärgerte sie sich ein wenig, etwa wenn ihre Lehrerin sie als „Chinesin“ ansprach, obwohl ihre Eltern nun einmal nicht aus China, sondern aus Vietnam kommen. Solche Erfahrungen hätte sie aber bestimmt niemals als Ausrede benutzt, wenn sie weniger erfolgreich gewesen wäre (was auch nicht der Fall war). 

Kaum eine Talkshow vergeht, in der nicht als Beispiel für Alltagsrassismus die – meist sicherlich harmlos-neugierig gemeinte Frage – „woher kommen Sie?“ angeführt wird. Vermutlich ist damit meistens gemeint, woher die Eltern einer Person mit Migrationshintergrund kommen, aber harmlose Neugier wird umgedeutet zu einem schlimmen Beispiel von Alltagsrassismus. Wird damit nicht wirklicher Rassismus verharmlost?

Wenn der Name falsch ausgesprochen wird

Wenn ich in den USA bin, wird mein Name fast immer falsch ausgesprochen, etwa: „Reena Seitelman“. Auf den Gedanken, mich darüber aufzuregen oder die Amerikaner gar deshalb als Rassisten zu beschimpfen, wäre ich indes nie gekommen. Melisa Ekurt sieht das ganz anders. Sie ist in Sarajevo geboren, lebt in Wien und schrieb vor einigen Tagen in der Taz einen Artikel unter der Überschrift: „Lernt, unsere Namen auszusprechen“.

Früher, so erklärt sie, habe sie Menschen nicht korrigiert, wenn sie „Melisa“ wie Lisa ausgesprochen haben, obwohl das ihrer Meinung nach „schrecklich“ klingt. Heute jedoch korrigiere sie alle „schon beim leisesten Anflug eines Rose-‚s’“. Melisa, so schreibt sie, sei wohl der leichteste „ausländische“ Name, den es gibt, trotzdem falle es den Menschen, auch nach mehrmaliger Korrektur schwer, ihn wie Melissa auszusprechen.

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Manchmal gäben die Menschen ihr oder anderen Migranten andere Namen. „Indem man Migrant*innen ihre Namen aberkennt, erkennt man ihnen einen Teil ihrer Identität ab. Man entwurzelt und entmenschlicht sie“, so die Autorin. „Indem man Migrant*innen auf klassisch deutsche Namen wie ‚Susi’ umtauft, zwangsassimiliert man sie nicht nur, man macht sie zu einem Kollektiv, nimmt uns unsere Individualität.“

Viele Migranten sind da pragmatischer. So wie in allen Einwanderungsländern auf der Welt, nehmen sie Namen an, die einfacher auszusprechen sind bzw. geben ihren Kindern solche Namen. Für die Taz-Autorin ist dieser Pragmatismus ein Alarmsignal: „Unsere Eltern haben sich etwas dabei gedacht, als sie uns unsere Namen gegeben haben. Oft steckt dahinter eine Geschichte, eine tiefere Bedeutung. In meinem migrantischen Freundeskreis wählen werdende Eltern die Namen ihrer Kinder aber immer öfter nicht mehr nach Geschichte, Bedeutung oder danach aus, welcher ihnen gefällt, sondern ob Österreicher*innen ihn aussprechen können.“

Ist Fototechnik rassistisch?

Der Tagesspiegel veröffentlichte ein Interview mit der Soziologin und Kommunikationswissenschaftlerin Natasha A. Kelly. Sie beklagt darin, dass es „große Wissenslücken“ darüber gebe, dass es „Rassismus“ in allen Disziplinen gebe, auch in der Physik. Sie habe mit einem Physiker gesprochen, der geglaubt habe, in der Physik gebe es keinen Rassismus. Doch er irre sich: „Wenn wir etwa die Technik der Fotografie anschauen: Die Belichtungstechnologie wurde für weiße Haut entwickelt. Das ist eine Normsetzung, wie es sie in zahlreichen anderen Bereichen auch gibt, ohne dass das vielen Menschen bewusst wäre.“ Als sie ihn darüber belehrt habe, sei er „sprachlos“ gewesen: „Ich glaube, er hatte gar nicht darüber nachgedacht, wie strukturell Rassismus ist.“ „Strukturell“ ist ebenfalls ein inflationär gebrauchter Begriff in der Debatte – was damit gemeint ist, wird selten erklärt.

„Schwarzfahren“ und „schwarz malen“ 

Sarah Shiferaw ist Koordinatorin für Migration beim Bundesverband der Volkssolidarität. Die Berliner Zeitung bringt ein Interview mit ihr, in dem sie erklärt:  

„Wo Alltagsrassismus beginnt, kann jeder bei sich selber überprüfen. Mit ein paar einfachen Fragen: Neben wen setze ich mich im Bus lieber? Neben die Frau mit dem Kopftuch, den Schwarzen oder den weißen Handwerker? Die arabische Familie oder die deutsche Oma?“

Doch noch gefährlicher als sich neben die „falsche“ Person (die deutsche Oma) zu setzen, ist es, von „Schwarzfahren“ auch nur zu sprechen. Neulich im heute-journal wurde uns erklärt, Begriffe wie „Schwarzfahren“ oder „Schwarzarbeit“ seien Ausdruck von „Alltagsrassismus“. Ich wollte das zuerst nicht glauben, aber durch Googeln stieß ich dann auf eine Webseite zum Thema Alltagsrassismus, wo mir erklärt wurde, der Begriff „Schwarzfahrer“ als Bezeichnung für unehrliche oder in finanziellen Nöten befindliche Fahrgäste habe keineswegs eine neutrale Bedeutung, sondern wurzele in einer über Jahrhunderte „tradierten christlich-mythisch konnotierten europäischen Farbsymbolik, die diesen binär gesetzten Farben wiederum bestimmte binäre Eigenschaften zuschreibt und hat von daher – wie viele Begriffe und Konzepte der deutschen Sprache – einen rassistisch konnotierten, ideologischen Hintergrund“.

Wer also Begriffe wie „schwarz malen“ verwendet, den Namen eines Migranten falsch ausspricht, sich im Bus nicht zu der „richtigen“ Person setzt oder das gute Deutsch eines Migranten lobt, der macht sich des Alltagsrassismus schuldig. Eigentlich ist jeder ein Rassist, der sich nicht dezidiert zur Ideologie des „Antirassismus“ bekennt. Selbst Schweigen ist ein Beleg für Rassismus, wie neulich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nahe legen wollte. Mich erinnerten seine Ausführungen an das DDR-Lied „Sag mir, wo du stehst!“.  

Die letzte Freiheit eines Menschen ist die, sich zu bestimmten Themen nicht äußern zu müssen – wenn auch diese Freiheit genommen wird, nähern wir uns dem Totalitarismus. 

Meist sind die gleichen Personen, die überall Alltagsrassismus wettern und hier hypersensibel sind, gar nicht sensibel, wenn es etwa darum geht, Polizisten auf die Müllhalde zu wünschen, und abfällige Bemerkungen über „alte weiße Männer“ sind kein Beispiel für Rassismus, sondern wohl Ausdruck des Antirassismus. 

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Kommentare ( 66 )

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66 Kommentare auf "„Alltagsrassismus“: So werden wir alle zu Rassisten gemacht"

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Was ich vor allem seit 2015 über das Rassismus- und Nazi-Gejaule des gesamten AltparteienClub und über solch an Minderwertigkeitskomplexe leidenden Schreiberlingen wie auch bei der taz denke, ist: Es nervt, geht mir Ar…. vorbei und es ist mir egal!

Wenn -auch- die mit Minderwertigkeitskomplexe vollgestopften Schreiberlinge bei der taz Probleme in diesem Land haben und sich hier unwohl oder beleidigt fühlen, dann sollten sie sich ein Land suchen, welches ihrer Kultur und Ethnie entspricht und wo deren Name und die Namen ihrer Kinder richtig ausgesprochen wirf.

NRW kämpft gegen den Alltagsrassismus – die Bewohner des Kreises Gütersloh werden bundesweit diskriminiert:

https://www.welt.de/politik/deutschland/article210345941/Corona-in-Guetersloh-Buergermeister-wuenscht-sich-Unterstuetzung-von-Merkel.html

„… Ministerpräsident Laschet warnt vor einer Stigmatisierung …“

Nur mal eine Frage: Wer will eigentlich meine zwei Enkel als rassistisch einstufen. Sie wollen prinzipell keinen Mann aus muslimischen Kreisen und schon gar nicht aus afrikanischen Ländern. Soll ich jetzt, aus lauter Menschenfreundlichkeit, auf sie einwirken , und ihnen raten, ihre Meinung zu ändern ? Im Leben nicht!!!

Man schaue sich mal die Partnerwahl in türkisch-muslimischen Kreisen an: demnach alles Rassisten, denn sie heiraten fast ausschließlich untereinander. Die Paranoia, etwas Falsches zu tun, haben die aber deswegen nicht. Das ist der sich ewig schuldig fühlenden „Kartoffel“ vorbehalten. Mein Tipp: Staatsmedien meiden.

Rassist ist ja heute, nach dem Willen der hypermoralischen Narzissten, auch der, der nicht aktiv gegen angeblichen Rassismus ist. So wie jemand demnach ein Dieb ist, der nicht aktiv einem Ladendieb hinterherläuft, um ihm die Beute wieder abzujagen. Diese verquere Denke erlaubt es, jeden unter Generalverdacht zu stellen.

Das ist ja der Sinn der Übung.

Die Hypothesen, gerade solche, die Sie aufzeigen, der Rassismustheoretiker sind inzwischen so radikal, daß jeder hier geborene Deutsche, sogar solche mit zugewanderten Eltern, zwangweise von Ihnen erfaßt werden muß. Es gibt keinen Ausweg. Gegen uns alle läuft im Augenblick bildlich die Verhandlung aus dem „Prozeß“ von Franz Kafka. Niemand soll entkommen. Es gibt nur einen Ausweg. Nicht unter die Forderungen unterordnen, kein Stück entgegenkommen, keinen Millimeter. Wenn jemand Sie in öffentlichen Verkehrsmitteln auf Ihren angeblichen Alltagsrassismus anspricht, sagen Sie ihm, Sie wären kein Anhänger dieser linken Hypothesen und beenden Sie das Gespräch. Anders geht es leider nicht. Sie können sonst… Mehr
Wenn ich diesen ganzen Irrsinn und Wahnsinn so sehe, der sich in linken Kreisen ausgebreitet hat, kann man nur hoffen, daß der Islam bald hier die Macht übernimmt. Vielleicht lieber mehrmals am Tag öffentlich zu Allah beten, als diesen bestehenden Irrsinn weiter ertragen zu müssen! Und wenn die linken Realitätsverweigerer ( meinen eigentlich gewünschten Ausdruck erspare ich mir ) meinen, daß sie unter dem Islam auch nur noch ein klein wenig zu sagen hätten, dann täuschen sie sich gewaltig. Dort sind LGBT-Vorrechte, Genderismus, Gleichstellungsphantasien und dergleichen nicht angesagt. Wer im Iran an Kränen baumelt, dürfte ja auch bekannt sein. Wenn… Mehr
Mir fällt hierzu der, von Herrn Reitschuster gern zitierte, Stalin-Schnurrbart-Test ein: Marschall Schukow brummt nach einer Visite bei Stalin „Arsch mit Schnurrbart“ vor sich her. Stalin-Sekretär Poskrjobyschew, die Inkarnation des Speichelleckers und Denunzianten, schnappt das auf und rennt sofort zu seinem Chef, um zu petzen: „Schukow hat Sie gerade Arsch mit Schnurrbart genannt“. Stalin lässt sofort Schukow rufen, ist außer sich vor Wut: „Haben Sie gerade ,Arsch mit Schnurrbart´ gesagt?“ Der geniale Schukow findet nach einer Schreckenssekunde sofort wieder zu sich und entgegnet betont ruhig und gelassen: „Ja, Genosse Stalin. Ich habe selbstverständlich Hitler gemeint.“ Sodann dreht sich Schukow kühl… Mehr
Insbesondere (Ost-)Asiat*inn*en dürfen natürlich nicht gelobt werden, sei es für gute Sprachkenntnisse oder sonstiges Wissen oder – bewahre – Fähigkeiten. Wahrer Antirassismus ist es in ihrem Fall, sie zu benachteiligen, immerhin zeigen sie bessere Schulleistungen als Mitschüler*innen europäischer, arabischer oder afrikanischer Abstammung. In den USA werden sie deshalb an Universitäten und bei manchen Arbeitgeber*inne*n sogar stärker benachteiligt als europäischstämmige Menschen, eben um die Benachteiligung der anderen „auszugleichen“. Die Grundgesetzbestimmung, die Grüne, SPD und FDP ändern wollen, verbietet nicht nur die Benachteiligung, sondern auch die Bevorzugung wegen der „Rasse“. Will man europäisch- und asiatischstämmige Menschen benachteiligen, um anderen Menschen Vorteile zum… Mehr

„Als sie ihn darüber belehrt habe, sei er „sprachlos“ gewesen“

Wahrscheinlich war er sprachlos über die Dummheit, die ihm gegenüber getreten war!

Irgenwie muss man die Deutschen klein kriegen, die ganze Jahre waren sie Nazis und jetzt sind sie auch noch Rassisten und wie man sieht, es funktioniert. Man kann sehen, was für ungebildete und unfähige Menschen, Karrieren machen, aber es wäre nicht so möglich, wenn mehr Journalisten, so wie in TE oder Achse, sich gegen diese Vorwürfen stellen würden.