Journalistisches Modethema: „Warum hassen so viele die Grünen?“

Zu den beliebtesten journalistischen Modethemen gehört die Frage, warum so viele die Grünen hassen. Verbunden ist die Frage mit der medialen Verteidigung der Partei. Dabei lohnt sich eine ehrliche Ursachenforschung.

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Journalisten jagen am liebsten in der Rotte. Deswegen gibt es Themen und Stoßrichtungen, die in nahezu jedem Medium die gleichen sind: Das ist mal die Temperatur im Jahr 2124, dann die lebensrettende Wirkung von Stoffmasken und, wenn’s grad passt, die Frage, warum die Stürmung eines Flughafens oder eines Ministeriums kein Terrorismus ist, wenn es von der Letzten Generation verbrochen wird. Das Modethema der Stunde ist der „Hass“™, der den Grünen entgegengebracht wird.

In den Beiträgen beklagen die Journalisten, dass es ein Tabubruch und ein Angriff auf die Demokratie sei, wenn Grünen-Chefin Ricarda Lang auf einer Veranstaltung ausgepfiffen wird oder wenn Bauern „Wirtschaftsminister“ Robert Habeck den Weg blockieren. Ja, es sind die gleichen Journalisten, die das beklagen und es gleichzeitig in Ordnung fanden, wenn die Letzte Generation Arbeitnehmern den Weg zur Arbeit versperrte. Nein, sie erkennen den Widerspruch nicht. Journalisten mögen nicht viel gelernt haben. Über die eigenen Widersprüche hinwegzugehen, indes schon.

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Nun soll dies kein Text über die Unzulänglichkeiten deutscher Journalisten werden. Sondern über die Unbeliebtheit der Grünen. Aber das hängt deutlich stärker miteinander zusammen, als es die besagten Journalisten in ihren eigenen Analysen erkennen. Denn die deutsche Medienlandschaft ist überwiegend grün. Vor allem der Teil der Medienlandschaft, der seinen Lebensunterhalt aus staatlich erpressten Zwangsgebühren erwirtschaftet. Im Gegenzug lobt keine Partei so sehr den öffentlich-rechtlichen Rundfunk wie die Grünen. Der Bruder des Königs mag halt den Absolutismus.

Die Grünen stehen bedingungslos zu den Öffentlich-Rechtlichen. Sie verteidigen bedingungslos die Pressefreiheit. Es sei denn, eine Journalistin erdreistet sich, sie zu kritisieren. So wie jüngst ZDF-Frau Andrea Maurer. Über die fielen die Grünen her wie Hyänen, die ein fußkrankes Zebra sehen. Maurers Aussage über die wirtschaftliche Schädlichkeit des Atomausstiegs solle der Sender zurücknehmen. Über sich lassen die Grünen nur Berichterstattung zu, die entweder sehr gut ist, euphorisch, liebedienerisch bis zur Selbstaufgabe oder Tina Hassel. So definieren sie Pressefreiheit.

Die Grünen sind eine der unbeliebtesten Parteien in Deutschland. In Umfragen geben die meisten Menschen an, dass sie auf keinen Fall die AfD wählen würden. Direkt dahinter kommen dann die Grünen. In ihrem Verhältnis zu den Medien steckt vieles von dem, was die Partei so unbeliebt macht: da ist die Intoleranz gegenüber anderen Meinungen. Die Erwartung, eine Vorzugsbehandlung zu erhalten. Aber vor allem: die Doppelmoral. Politische Feinde bis zur Vernichtung der Existenz zu verfolgen, weil diese angeblich gegen die Pressefreiheit seien – dann aber selbst intervenieren, wenn eine Journalistin zur Abwechslung nicht schwärmerisch auf ihren Guru Habeck schaut.

Oder: Den Konsum-Verzicht fordern, aber sich in staatlichen Stellen eine fette Gehaltserhöhung nach der nächsten gönnen. Gegen Fluglärm demonstrieren, aber permanent von Berlin nach Frankfurt jetten. Der Freiheit das Wort reden, aber Menschen verfolgen lassen, die sich gegen sie äußern. Sich für sprachliche Sensibilität einsetzen, Andersdenke aber permanent mit Rassismus- und Extremismusvorwürfen überziehen. Keine andere Partei ist so sehr von Doppelmoral geprägt wie die Grünen.

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Dazu kommt die Arroganz, mit der Grüne auftreten. Sie haben keine Meinungen. Sie vertreten die Wahrheit. Am liebsten, wenn sie einen Wissenschaftler zitieren. Wer dann einen von 399 anderen Wissenschaftlern dagegenhält, den überziehen Grüne mit dem Vorwurf, ein „Wissenschaftsleugner“ zu sein. Der ganze Vorgang hat aber letztlich nichts mit dem Wissenschaftler zu tun, sondern mit den Grünen. Sie haben Recht. Das ist ihre wichtigste Regel. Alles, was sie bestätigt, ist demnach richtig. Egal, ob es sich um einen Atomphysiker handelt oder um eine Kartenlegerin.

Alles, was Grünen widerspricht, ist nicht falsch. Das wäre zu wenig. Es ist extremistisch, rassistisch, covidiotisch, klimaleugnerisch und so weiter. Grünen zu widersprechen ist Sakrileg, ist Gotteslästerung, wird unter der Ampel vom Inlands-Geheimdienst verfolgt. Die Welt eines Grünen dreht sich um den Grünen. Wie ein Karussell. Ein Parteitag der Grünen ist wie 1000 Karusselle, die nebeneinander stehen – und der Beobachter, der dabei neutral zu denken versucht, möchte nur noch brechen.

Die Grünen liegen oft daneben. Vielleicht nicht öfters als andere, aber durch ihren Habitus des Unfehlbaren wirken ihre Blamagen umso derber. Angefangen mit einer Außenministerin, die 360-Grad-Wenden hinlegen will oder andere Länder 100.000 Kilometer entfernt wähnt. Das steigert sich zu einem „Wirtschaftsminister“, der den Zusammenhang zwischen bezahlbarer Energie und dem Wohlstand einer Industrienation leugnet, und kann ekelhaft werden, wenn die Strömung der „Stadtindianer“ in den Grünen zuhause ist – die dem sexuellen Missbrauch an Kindern das Wort redet.

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Eine Episode. Eine, die abgeschlossen ist. Ja. Vielleicht. Aber eine, in der viel Grünes steckt: vorgeben, sich für die Gesellschaft zu engagieren. In dem Fall, die freie Liebe zu fördern. In Wirklichkeit aber nur der eigenen Wollust das Wort führen, als Erwachsener mit Kindern schlafen wollen. Jeden niederschreien, der es anders sieht. Aber es dann totschweigen und jeden abstrafen wollen, der daran erinnert, nachdem es sich als das herausgestellt hat, was es immer schon war: ein ebenso dummer wie gefährlicher und ekelhafter Irrglaube.

Unterschiedliche Meinungen zu haben, ist in einer Demokratie normal. Sogar falsche Meinungen zu haben, die zu falschen Entscheidungen führen, geht in einer Demokratie in Ordnung. Die kennt ein System der Selbstbereinigung: Wahlen. In denen das korrigiert wird, was zuvor falsch gelaufen ist. Keine andere Partei führt aber so sehr wie die Grünen Bürgerräten das Wort oder will die Ergebnisse von Wahlen durch „Brandmauern“ korrigieren. Will also letztlich diese Selbstbereinigung der Demokratie abschaffen, weil sie auch die eigenen, die grünen Fehler reinigt – und es in der Wahrnehmung der Grünen keine grünen Fehler geben darf.

Das macht die Grünen gefährlich. Von Robespierre bis Pol Pot haben spätere Despoten immer wieder gedacht, sie wären unfehlbar und würden im Sinne der guten Sache handeln. Das erlaube ihnen dann auch mal, Regeln zu brechen. Am Ende solcher Gedanken rollen Köpfe, fließt Blut literweise. Die Grünen sind von diesem Denken auch befallen. Noch ist die Demokratie in Deutschland stark genug, dieses Denken abzuwehren. Doch mit sozialdemokratischen Opportunistinnen wie Nancy Faeser an der Seite der Grünen bröckelt die Demokratiemauer gegen die Grünen.

Menschen spüren das. Auch und gerade welche, die sich weniger mit Politik beschäftigen. Die sich nicht mit den Details auskennen wie etwa dem Unterschied zwischen Gesetzen und Verordnungen oder den Rechten und Zuständigkeiten des Bundesrates oder Bundestages. Umso mehr achten sie auf Anzeichen wie Intoleranz, Arroganz und den Hang zur Doppelmoral. Desto mehr vertrauen sie auf ihr Gefühl, wie gefährlich solche Eigenschaften sind. Und deshalb lehnen so viele die Grünen entschlossen ab.

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Kommentare ( 94 )

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Rob Roy
1 Monat her

Für mich sind die Grüne eine despotische Partei. Wenn jemand Macht hat und gleichzeitig keinerlei Verantwortungsbewusstsein, wird er seine Macht immer missbrauchen. Das hat die Geschichte stets gezeigt. Die Grünen üben Macht aus und sie müssen keinerlei Konsequenzen für ihre Politik fürchten. Wo Gesetze die Freiheit des Bürgers garantieren, versuchen die Grünen diese aufzuweichen oder neue Gesetze zu ihrem eigenen Nutzen zu machen. Niemand zieht sie dafür zur Rechenschaft, weder politisch, weder medial noch gar juristisch. Dabei erfüllen sie schon den Strafbestand der Veruntreuung, der Schädigung der Wirtschaft und des Ansehens Deutschland. Ganz eng gesehen, könnte man das unter Umständen… Mehr

joly
1 Monat her
Antworten an  Rob Roy

Ja das sind die Grünen – aber auch die Roten und auch die Gelben immer mehr. Früher trat der Politiker zurück und trug damit Verantwortung. Heute gibt es kaum noch eine Forderung danach. Faesers lautes Denken zu Kohls Zeit und davor, wäre Grund für mehrere Rücktritte. Braucht sie nicht – es kümmert sie und die Parteien mit Ausnahme der Alternativen nicht.

Ch. Timme
1 Monat her

Den Grünen ist es gelungen die offensichtliche 360 Grad-Dummheit für sich zu pachten und zu legalisieren. Lautstärke und Intensität ersetzt keine Inhalte, Druck erzeugt Gegendruck und wenig Ahnung von der Materie, davon aber zuviel bringt das Fass zum überlaufen. Und wenn man dann noch eine „grüne Tonne“ mit viel Getöse zur Frontfrau hochjubelt, Baerbock nur reden lässt und Habeck die Ausgestaltung und damit Verunstaltung dieses Landes überlässt … bekommt man eine Antwort. Das man diese nicht verstehen will ist erwartbar hat aber nichts mehr mit Verantwortung für Schadensbegrenzung und einer sich verselbstständigen Dystopie zu tun.

ReneKall
1 Monat her

Erst bringen die Grünen den Hass in die Gesellschaft und lassen sich dann als Opfer diesen Hasses inszenieren. Von ihren Sympathisanten oder Mitgliedern in der Medienlandschaft.

Theophil
1 Monat her

Die Grünen sind die Partei derer, die nichts, aber alles besser wissen. So lange sie nur in der Opposition waren, fiel ihre Inkompetenz nicht so auf. Jetzt aber… Meine Friseurin, die ich sehr schätze wegen ihrer ästhetischen Kompetenz, würde Deutschland im Ausland würdiger repräsentieren als die jetzige Außenministerin.

Ulric Viebahn
1 Monat her

„Von Robespierre bis Pol Pot haben spätere Despoten immer wieder gedacht, sie wären unfehlbar und würden im Sinne der guten Sache handeln. Das erlaube ihnen dann auch mal, Regeln zu brechen.“ Sie vergessen mindestens Castro,  Allende, Daniel Ortega, Nicolas Maduro.

Buck Fiden
1 Monat her

Wir brauchen keine DDR 2.0, keine illusionistische Lebensmittelpolitik, keine erträumte Energiebilanz.

Grüne Politik, grünes Menschenbild, grüne Utopien, grüne Menschenrechtsauffassungen sind gesichert schlechtextrem.

W aus der Diaspora
1 Monat her

Ich lehne die Grünen ab, weil ich jede Partei ablehne, die mir bis hin zum Toilettenpapier (siehe Filmförderung) vorschreiben will wie ich zu leben habe.
So eine Partei ist totalitär. Für so eine Partei ist die Freiheit der Bürger ein Unding.
Die Bürger bemerken, dass sie behandelt werden wie Kleinkinder. Kleinkinder haben keine Freiheit ihr Leben selbst zu bestimmen. Das dürfte wohl der Hauptgrund dafür sein, dass man die Grünen hasst!

Riffelblech
1 Monat her

Ist es wirklich so das DAS VOLK die Grünen hasst ? Ich denke da ein wenig unterschiedlich. Und zwar scheint die Bevölkerung in jeweils 33% zu politischen Dingen eine Meinung zu haben . Einmal jene 33% die strikt den Weg der Grünen durchaus gut und richtig finden ,ohne sie dann gleich zu wählen . Jene 33% denen Politik sowieso egal ist und dort „ oben „ ein Nilpferd für die Politik verantwortlich sein könnte ,“ mir doch egal „ , Und jene 33% die sich politisch kritisch engagieren und den permanent laufenden Blödsinn einer grünen Ideologie hinterfragen. Noch nicht einmal… Mehr

Ulrich
1 Monat her

Ich hasse die Grünen nicht, das wäre zuviel Emotion. Ich hoffe nur, dass sie von den Schalthebeln der Macht entfernt werden und auch die gutdotierten Stellen in Staat und Wirtschaft, die sie sich bar jeder Leistung ergaunert haben, verlieren. Und so wie jeder kleine Sachbearbeiter, der wegen eines angenommenen Kugelschreibers wegen Vorteilsnahme belangt wird, sollten auch diese „Politikdarsteller“ wegen des angerichteten Schadens strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden. So, wie man nach 1945 eine „Entnazifizierung“ durchführen wollte, sollte man heute eine „Entgrünung“ durchführen.

PeterMichael
1 Monat her

Es ist doch ganz normal, wenn die Grünen – wegen Unfähigkeit und ideologischer Verblendung gegen das Volk regiert – natürlich nicht beliebt sind.
Bei diesen undemokratischen Anwandlungen geht es doch noch sehr gesittet zu.
Außerdem – sie haben doch eine eigene Polizei-Grün-Kampftruppe, wo sollte da das Problem sein Ruhe und Ordnung wieder herzustellen.