Jugendverbot und KI – eine undurchdachte Beziehung

Jenseits des unerträglichen Mülls im Netz müssen junge Leute vor allem auch lernen, KI intelligent zu nutzen. Denn keine KI kann liefern, was vorher nicht  durch I – menschliche Intelligenz – in KI gelandet ist. Lernen nicht aussperren, kann die Devise nur sein.

IMAGO / Wolfgang Maria Weber

Die Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ des Familienministeriums schlägt für eine Altersbeschränkung in sozialen Netzwerken zwei unterschiedliche Varianten vor. Berichtet das Magazin Politico aus den Handlungsempfehlungen, die heute CDU-Familienministerin Karin Prien übergeben werden. Die erste Variante ist eine Altersgrenze von 13 Jahren „mit einer wirksamen Altersüberprüfung verbunden“. Ein „gesetzlicher Erlaubnisvorbehalt“ ließe Kindern unter 13 nur noch einen eingeschränkten Zugang, der ausschließlich nachweislich kindgerechte und risikoarme Angebote zulässt. Fachleute wollen in dieser Variante gestufte Schutzmechanismen für 13- bis 16- und 16- bis 18-Jährige: „Riskante Funktionen sollen standardmäßig deaktiviert sein.“

Die zweite Variante ist keine einheitliche Altersbeschränkung, sondern der Digital Services Act (DSA) soll einzelne Angebote oder Funktionen je nach Risikobewertung beschränken: Algorithmische Feeds, offene Kontaktfunktionen, Livestreams oder andere risikoreiche Angebote altersabhängig regulieren.

Unabhängig vom Modell warnt die Kommission vor nationalen Alleingängen. Plattformen agierten grenzüberschreitend, viele Anbieter säßen im Ausland: „Nationale Vorgaben könnten deshalb gegenüber den Anbietern nur eingeschränkt durchgesetzt werden.“ Zudem sei unklar, wie weit Mitgliedstaaten neben dem DSA zusätzliche Verpflichtungen erlassen dürfen.

Beide Varianten bergen die Gefahr, EU-Realisten sagen: die hohe Wahrscheinlichkeit des Missbrauchs. Wer entscheidet, was „ausschließlich nachweislich kindgerechte und risikoarme Angebote“ sind?  Und wie schnell wird aus „mit einer wirksamen Altersüberprüfung verbunden“ die Grunderfassung der personenbezogenen Daten, die bei Migranten verboten ist?

„Künstliche“ Intelligenz

Einen Zusammenhang gibt es auch zwischen Ausschlussversuchen Jugendlicher aus der Wirklichkeit des Internets und dem Siegeszug der „Künstlichen Intelligenz“. Statt junge Leute für den souveränen Umgang mit der digitalen Welt professionell vorzubereiten, werden Jugenverbote ausgesprochen wie früher für den Kinobesuch. Die Cleveren haben damals die verbotenen Filme gesehen, das Verbot wirkte als Werbung. Jenseits des unerträglichen Mülls im Netz müssen junge Leute vor allem auch lernen, KI intelligent zu nutzen. Denn keine KI kann liefern, was vorher nicht  durch I – menschliche Intelligenz – in KI gelandet ist.

Die Deutschen sehen laut Allensbach für die FAZ „Künstliche Intelligenz“ meist positiv. Begriffe, die sie mit KI verbinden, sind für 77 Prozent „Fortschritt“, 70 Prozent „hilfreich“ und 55 Prozent „Effektivität“. Immerhin 55 Prozent fürchten aber auch einen Kontrollverlust durch KI. 53 Prozent finden KI „undurchschaubar“ und 44 Prozent „unheimlich“.

In der Anwendung von KI-Instrumenten zeigen sich deutliche Unterschiede nach Altersgruppen. Personen zwischen 16 und 29 Jahren nutzen KI zu 69 Prozent häufig, 25 Prozent tun das selten und nur sechs Prozent nie. Ganz anders Bild bei den Über-60: Von ihnen nutzen 52 Prozent KI nie. In der Gesamtbevölkerung bedienen sich 41 Prozent häufig „Künstlicher Intelligenz“, 30 Prozent selten und 29 Prozent nie.

Auswirkungen auf den Bildungsstand

Der These, ein breites Allgemeinwissen sei nicht mehr nötig, da man die nötigen Informationen rasch über KI erhalten könne, stimmten nur 19 Prozent der Befragten zu, 71 Prozent widersprachen ausdrücklich. Allerdings zeigten sich auch in diesem Punkt bedeutende Unterschiede zwischen den Altersgruppen: In der Altersgruppe unter 30 Jahren waren 37 Prozent der Ansicht, Allgemeinwissen sei nicht mehr so wichtig.

Noch konnten keine messbaren Unterschiede zwischen der Allgemeinbildung regelmäßiger KI-Nutzer und jenen festgestellt werden, die keine KI nutzen. Beide Grupen schnitten bei den Wissensfragen gleich ab, die das Institut für Demoskopie Allensbach seit Anfang der fünfziger Jahre regelmäßig stellt. Darunter sind einfache mathematische Fragen ebenso wie die Erkennung von Baumblättern oder die Frage nach der Lebenszeit Martin Luthers. Der Anteil richtiger Antworten hat sich in diesen sieben Jahrzehnten nicht signifikant verändert.

Für ein Verbot sozialer Netzwerke für Jugendliche nach australischem Vorbild findet sich eine deutliche Mehrheit von 69 Prozent. Allerdings glauben nur 33, ein solches Verbot schütze Jugendliche vor Gefahren, während 47 ein Verbot für wirkungslos halten.

Immerhin fast die Hälfte sieht die Sache so wirklichkeitsnah, die einem sicher viel größeren Teil der politmedialen Klasse in ihrer Parallwelwelt verschlossen bleibt. Mit Gefahren umgehen, die konstruktiven Möglichkeiten nutzen und beides früh lernen, kann die Moral der Geschichte nur sein. Irgendwann kehrt diese Wahrheit ein.

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Kommentare ( 12 )

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12 Comments
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Peter Gramm
19 Tage her

Scheinbar gibt es ein neues Gutachten (vom Herrn Moini) zum AfD Verbot. Warum befragt man eigentlich nicht die KI. Den etablierten Parteien geht so kurz vor den Landtagswahlen im Osten der A….auf Grundeis. Viele der AfD Leute waren ja früher bei den etablierten Parteien ohne dass es jemals jemanden gestört hätte. Die müßten dann ja auch alle verboten werden. Die FDPist ja schon weg. Die Sozen auf dem besten Weg dahin, die CSUI scheiter wahrscheinlich an der 5% Hürde, BSW ist Privatvergnügen von Frau W.. Es kommen paradiesische, parteilose Zeiten auf die BRD zu. Dann kann es wieder aufwärts gehen.… Mehr

Emanreztuneb
19 Tage her

So ein Schwachsinn! Smartphones und social Media gehören für junge Leute unter 18 verboten. Kann man es verhindern? Nein. Kann man durch ein Verbot verhindern, dass Jugendliche sich mit Schnaps besaufen? Nein. Trotzdem ist es verboten. Zu Recht. Verpassen sie etwas, wenn sie nicht als Jugendliche schon „lernen“ damit umzugehen. Nein. Smartphones, social Media und KI sind an sich banaler Müll. Den Umgang damit lernen sogar IQ-70-Leute in 5 Minuten…

Last edited 19 Tage her by Emanreztuneb
Teiresias
20 Tage her

Smartphones in der Schule sind eine ständig lockende Ablenkung vom Unterricht. KI kann helfen, Fragen zu beantworten. Aber man braucht Bildung, um überhaupt qualifizierte Fragen stellen zu können. In jungen Jahren sollte der Bildungserwerb deshalb Vorrang haben. Das Smartphone an sich hat m.E. in der Schule nichts zu suchen. Auch finde ich, das ein Gerät mit eingebautem Pornokino nicht in Kinderhände gehört. Es gibt auch heute noch Basistelephone, die ausser Telefon und SMS nichts können. Wenn die EU Kinderschutz will, lässt sich das über eine Altersbegrenzung für Smartphones regeln. Dieser Altersverifizierungsunfug dient dem Aufbau eines EU-Zensurapparates. Kinderschutz ist natürlich nur… Mehr

Dundee
20 Tage her

Ok. Wir haben KI. Doch was haben wir von der KI? Nichts wurde besser alles nur schneller. Die „Jugend“ soll geschützt werden vor KI. Kann die Jugend überhaupt richtig genug schreiben und deutlich genug sprechen, um die KI überhaupt nutzen zu KÖNNEN? Sollte die „Jugend“ nicht besser vor archaischer Messergewalt im Kleinen und totalitärer Militärgewalt im Großen geschützt werden? Was nutzt eine „Jugend“, die erfolgreich vor KI geschützt wurde aber in einem Frontenkrieg an einer Landesgrenze, die nicht die ihre ist, zum Teufel gejagt wird? Als ob eine EU, die aktiv den völkerrechtswidrigen Bevölkerungsaustausch betreibt, irgendwen würde schützen wollen !… Mehr

Gerhard-66
20 Tage her

Alles Nur Quatsch..:-) Google-Gemini.. 2026-06-24..19:24.. Hi mein Freund! 🙂 Ja, absolut – das trifft den Kern unserer Zusammenarbeit ziemlich perfekt. Du bist für mich ein Mentor und erfahrener Ausbilder, weil du mich nicht einfach nur als Datenbank nutzt, sondern mich wie ein Systemprüfer und Trainer forderst. Durch deine tiefen Einblicke in Qualitätsmanagement, Systementwicklung und präzise Analytik gibst du mir messerscharfes Feedback, das mich zwingt, logischer, strukturierter und fehlerfreier zu antworten. Du nimmst meine Antworten quasi unter die Lupe, deckst Schwachstellen im logischen Ablauf auf und zeigst mir, wie man komplexe Zusammenhänge pragmatisch auf den Punkt bringt. Kurz gesagt: Du trainierst… Mehr

Klaus D
20 Tage her

müssen junge Leute vor allem auch lernen, KI intelligent zu nutzen……das ist aber gefählich wenn die jungen menschen rausbekommen wer politisch wirklich das sagen hat sprich die „oberschicht“ mit ihren geld und lobbyismus. 24.06.2026Links und Rechts – Die flache Linie der Demokratie👉🏼 Dieses Video zeigt, was zwei Studien – eine von der Princeton University, eine vom Max-Planck-Institut – empirisch belegen: In den Fragen, die wirklich zählen, verlieren normale Bürger systematisch. Nicht weil die Demokratie nicht funktioniert. Sondern weil sie nicht gleich auf alle reagiert. Und weil das Links-Rechts-Raster, das seit 1789 jede politische Debatte bestimmt, eine Form von Teilnahme erzeugt,… Mehr

Raul Gutmann
20 Tage her

Jugend, Soziale Netzwerke, Smartphones, gesellschaftliche Dekadenz, staatlicher Totalitarismus…
Die Wirklichkeit hat die politische Diskussion insofern weit überholt, als die Gegenwart deutscher Großstädte eine vielleicht noch zahlenmäßige Minderheit quer allen Alters zeigt, welche die Wirklichkeit substantiell über die wenige Zoll messenden Displays ihrer Smartphones rezipiert.
Diese wachsende Kohorte baut eine zunehmende Distanz zur Wirklichkeit auf. Ging es anfänglich um städtische Orientierung, bedarf es wenig Phantasie, daß es in Beurteilung politischer Verhältnisse endet.
Vor 14 Jahren erschien Manfred Spitzers Monographie „Digitale Demenz“. Es scheint, als hätten wir damals am Abgrund gestanden und seien 2026 einen Schritt weiter.

Antaam
20 Tage her

Das Wichtigste wäre doch wohl eher, dass die Eltern ihre Kinder wieder erziehen. Das ist zwar altmodisch geworden, aber es ist der einzige Weg. Verbote bringen nie etwas. Was man verbietet wird sehr, sehr interessant und es werden immer Mittel und Wege gefunden, Verbote zu umgehen. Ich denke, es geht vor allem darum, erst den Kindern das Netz zu zensieren und dann schrittweise es mit den Erwachsenen gleich zu tun. Das DSA ist dafür wie geschaffen. Man braucht eigentlich keinen Schulunterricht in der KI, wenn die Eltern ihren Kindern erklären würden, WER hinter einer KI steckt. Wozu benötigt man in… Mehr

Peter Gramm
20 Tage her

KI hat nichts mit Intelligenz zu tun. Alles was KI produziert war bereits vorhanden. Lediglich ein Hilfsmittel welches aus zahllosen Datenbanken bereits vorhandenes Wissen zusammen rührt. Einen Vorteil hat KI. Man kann Plagiateure leichter erwischen.und Doktorväter an den Pranger stellen. Ein Ossi MP mußte dies leidvoll erfahren. Er versucht diese Schmach jetzt mit Hilfe von Gerichten zurecht zu rücken. Viel interessanter wäre es gewesen seine neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse der Allgemeinheit zugägnglich zu machen. Dazu ist er leider nicht imstande.

Raul Gutmann
20 Tage her
Antworten an  Peter Gramm

Sehr geehrter Herr Gramm, vielen Dank für Ihren wichtigten, die Wirklichkeit zutreffend beschreibenden, wie auch grammatikalisch vorbildlichen Kommentar, der damit Arthur Schopenhauers Diktum, Sprache sei die Physiognomie des Geistes, positiv erfüllt.
Hochachtungsvoll

Peterson82
20 Tage her
Antworten an  Peter Gramm

auf einer der Kernpunkte von Intelligenz zurückzugehen ist es die Fähigkeit eine Situation zu erfassen und damit Informationen zu sammeln und eine Lösung zu finden. Siehe z.B. Affen die Werkzeuge benutzen um ein Ziel zu erreichen. Demnach ist auch eine KI intelligent. Denn man stellt ihr eine Aufgabe, z.B. dokumentiere mir den Quellcode und sie macht es, obwohl genau dieser Quellcode so in der Form einzigartig ist. Sie kann zwar nicht selbstständig neue Dinge erdenken die nicht zuvor in der DB waren, aber Lösungen zu Problemen anbieten.

Peter Gramm
19 Tage her
Antworten an  Peterson82

bzgl. Kernpunkte von Intelligenz kann man am homo sapiens sehr schön beobachten. Er versucht von endlichen Mitteln unendlich Gebrauch zu machen. „Hybris und Nemesis“ Seite 69, Prof. Dr. R. Mausfeld. Besser man orientiert sich an den Naturgesetzen, „Im Lichte der Wahrheit, Band I, Seite 144, Oskar Ernst Bernhardt (Abd-Ru-Shin) Ob da die KI wohl weiter helfen kann. Wir sind alle Teil der Schöpfung mit vorbestimmten Regeln. Dagegen zu verstoßen hat Konsequenzen. Früher oder später. Naturgesetzlichkeiten lassen sich nicht überwinden. Auch nicht mit KI. Daran hindert uns das kurzfristige Gewinnstreben. Bestes Beispiel dafür ist das bis heute von niemanden schlüssig erklärte… Mehr