Volksbad statt Volksbühne: Theater eröffnet ein teures Freibad als „politischen Protest“

Bademeister, Sicherheitspersonal, Umkleidekabinen, Projektplanung und die Errichtung des 25-Meter-Schwimmbeckens kosten die Steuerzahler 300.000 Euro: Die Volksbühne in Berlin hat nun ein eigenes Freibad.

IMAGO / Berlinfoto

Vor dem monumentalen Gebäude der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz glitzert seit Freitag ein türkisblaues 25-Meter-Schwimmbecken. Die kostspielige Freibad-Aktion sei laut dem neuen Intendanten Matthias Lilienthal ein politischer Protest gegen die marode Infrastruktur der Hauptstadt und zugleich die Eröffnungsinszenierung seiner Intendanz. Der Besuch des „Volksbads“ ist kostenlos, es hat bis zum 1. Oktober geöffnet.

Matthias Lilienthal, der die Leitung nach dem Tod von René Pollesch übernommen hat, hatte die Pläne bereits Anfang Juni vorgestellt: „Uns freut es sehr, dass wir den Freibadmangel für zwei Monate ein klein bisschen relativieren.“ Für ihn gehöre zum Theater auch, „wenn zwei Leute sich nass spritzen“. Das Becken, nur 1,30 Meter tief und damit ohne Sprungmöglichkeit, steht direkt vor dem sozialistisch-klassizistischen Bau. Umkleidekabinen, Bademeister, Sicherheitspersonal und sogar ein Imbißstand gehören dazu. Geöffnet ist von Dienstag bis Samstag (donnerstags länger), der Eintritt ist gratis, doch die begehrten Zwei-Stunden-Zeitfenster müssen online gebucht werden.

Die Kosten verteilen sich laut Berliner Zeitung auf etwa 90.000 Euro für das gemietete Becken und 210.000 Euro für Personal, Planung und die Sicherheitsmaßnahmen. Das Theater betont, dass dies dem Aufwand einer großen Bühnenproduktion entspreche. Weil die eigentliche Spielzeit erst am 1. Oktober beginnt, seien Budgetmittel frei geworden. Die Volksbühne erhält jährlich mehr als 20 Millionen Euro an Zuschüssen.

Kritik an der Freibad-Aktion

Die SPD-Abgeordnete Dunja Wolff vom Berliner Abgeordnetenhaus erklärte gegenüber Medien, sie hätte das Geld lieber für kleine Spielstätten und Jugendtheater gesehen: „Statt sich den Traum des Schwimmmeisters zu erfüllen, sollten besser die Plätze bei Vorstellungen gefüllt werden.“ Auch der Bund der Steuerzahler Berlin hält das Projekt für wenig nachhaltig und verweist auf den Sanierungsstau der städtischen Bäder in Höhe von hunderten Millionen Euro.

Lilienthal verteidigt die Freibad-Aktion als urbane Intervention und Willkommensgruß an die Nachbarschaft: Es gehe darum, Menschen anzuziehen, die sonst nicht ins Theater kommen, und zugleich auf Missstände hinzuweisen: geschlossene oder überfüllte Freibäder, kaputte S-Bahnen, vernachlässigte Schulen und Universitäten. „Das Volksbad ist ein politischer Protest dagegen“, so Lilienthal. Das Ensemble sei von den Wasser- und Urin-Performances der österreichischen Künstlerin Florentina Holzinger inspiriert gewesen. Geplant sind Kraulkurse, ein Synchronschwimmen, DJ-Sets und Community-Tage. Maximal etwa 46 Personen dürfen gleichzeitig ins Wasser, bis zum Oktober rechnet man mit knapp 20.000 Badegästen – jeder Volksbad-Besuch kostet die Steuerzahler somit 15 Euro.

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Kommentare ( 67 )

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Mausi
27 Tage her

Tja, Kunstfreiheit halt. Grenzenlos in allen Gemeinschaftsbereichen ist das Motto Ds. Heftig verteidigt von allen Gerichten. Was geht die Gerichte das Interesse der Steuerzahler an ihrem Geld an. Das Interesse ist unbegründet. Geld beim Bürger ist böse, und der Staat kann es gerechter verwenden.
Die jüngeren Richter haben keine Ahnung mehr vom GrundG. Und die Richter, die diese Ahnung noch haben, lassen ihrer Ideologie den Vortritt. Moralapostel und träumerischen Weltverbesserer, die jeden Einzelnen erziehen wollen.

Last edited 27 Tage her by Mausi
Klaus Uhltzscht
28 Tage her

Die können ja noch so einen großen Holzdeckel auf das Becken drauflegen.
Und dranschreiben: WASSERMANGEL.
Wie diese Grünen am Marienbrunnen in München.

Teiresias
28 Tage her

„Menschen anzuziehen, die sonst nicht ins Theater kommen“ – Also: Weil keiner den woken Regierungspropagandamist sehen will, der da regierungskonform auf der Bühne stattfindet, machen sie aus dem Theater kurzerhand ein Schwimmbad? Warum keine Kneipe oder Disko? Freibier wäre im Zweifel billiger zu haben gewesen. Ein Theaterprogramm, das Gesellschaftsthemen aus einer anderen als der Regierungsperspektive beleuchtet, um statt Propaganda eben wieder echte Kultur ins Theater zu bringen ist – natürlich – keine Option. Es gilt den „Kulturschaffenden“, Untertanen zu belehren, statt die Konflikte und Probleme in einer Weise zu reflektieren, welche auch die Perspektiven und Interessen der freien Bürger abbildet.… Mehr

Last edited 28 Tage her by Teiresias
NullKommaNix
28 Tage her

Spätrömische Dekadenz im Kalkutta an der Spree. Was juckt die Linken die Not der armen Leute, hauptsache Symbolpolitik als Verhöhnung der Leistungsträger. Soziale Themen sind Deko und nur vor den Wahlen relevant.
Weg mit dem Länderfinanzausgleich!

Britsch
28 Tage her

Der gesamte Länderfinanzausgleich gehört k0omplett gestrichen, zuminderst für Berlin. Dann wpürde auch jedes Sehen, wie „lebenmsfähig“ das „berinersystem“ iswt. Es ist einfach eine Unvgerschänmtheit, Denen auf derern Kosten Berlin lebt, Berlin dann ach noch gewissermaßen als Vorbild vor die Nase zu halten.
Seit die Bundesregierung von Bonn nach Berlin umgezogen ist, hat die Bundesrergierung gewissermaßen den Standard von Berlin angenommen. selbst goßspurig und überheblich Andere ausnehmen um deren Geld großspurig für Andere raus schmeißen

Britsch
28 Tage her

Die ganzen Staatlichen Zuschüsse für „Kulturschaffende“ sollten gestrichen werden. Diese sollen sich durch Anhänger , Eintrittsgelder usw. finanzieren

Kassandra
28 Tage her
Antworten an  Britsch

Tja.
Dann bleibt tatsächlich wahrscheinlich wie Özoguz voraussah nur die Sprache.
.
Kultur muss man sich leisten wollen – schlimm halt, wenn sie, wie nicht erst mit diesem Kapitel, ins vollkommen Banale entgleist.
.
Die kommen, kennen so was nicht und werden so was nie nutzen wollen – also wäre es denen zugearbeitet, verzichteten wir freiwillig auf Theater, Oper und Konzert.

Britsch
28 Tage her
Antworten an  Kassandra

Theater Oper Konzert kann von den Begeisterten voll bezahlt werden Dies gefällt nicht Allen. Bei Theater z.B. gibt es doch oft unterschiedliche Meinungen ob etwas Kunst ist oder abwegiger Schund. Was dann oft mit Freiuheit der Kunst begründet wird. Wer entscheidet überhaupt was Kunst ist? was überhaupt von der Allgemeinheit förderungswürdig? Für Konzerte der „Leichten“ Musik gibt es doch auch keine Zuschüsse Ich kenne über einen Bekannrten z.B. einen ausgebildeten Sänger näher, der auch schon Opern gesungen hat. Bei seiner „leichteren“ Musik merkt man schon die Stimmgewalt und Klasse. Der bekommt aber keine Zuschüsse und das Publikum muß den vollen… Mehr

Last edited 28 Tage her by Britsch
Kassandra
28 Tage her
Antworten an  Britsch

Es kostet viel Geld, sich die Theater, Opern- und Festspielhäuser zu leisten – und, wie besonders in Deutschland üblich, fast täglich mit festen Ensembles zu bespielen. Das ist nicht mal in allen anderen EU-Ländern so üblich – aber gewachsen – wenn es auch jetzt, wie Sie schon beschreiben, zum Teil furchtbar abdriftet. Und es machte bislang unsere Gesellschaft aus, dass wir uns leisten konnten, auch solchen den Zutritt zu ermöglichen und Kunst zu genießen, die sich das finanziell eher nicht leisten konnten – aber viel Freude geschenkt bekamen. Opern und Konzerte überdauern Jahrhunderte – Komödien und lehrreiche Tragödien der alten… Mehr

Britsch
27 Tage her
Antworten an  Kassandra

Wie gesdchrieben kultur ist nicht nur Theater Oper usw und richtig diese doch zumindest teilweise Hochwertige Kunst Wird von möchtegern Künstlern und Besserwissern oft total verhunzt. Das „Gendern“ von Werken furchtbar. aber die Ganze Kultur des Zusammenlebens des Arbeitens, des sich Selbst Versorgens und der Wunsch nicht auf Kosten Anderer zu leben ist ja schon Teilweise zerstört und wird mit zunehmender Geschwindigkeit zerstört Zu den Kosten an Theatern fällt mir z.B. ein, ich kannte einen als „Kleiner“ Handwerker an einem Theater Beschäftigten, was der als erzählt har was für Unfähigkeitn da großteils vorhanden ist und dadurch unmengen Geld verbaten wird.… Mehr

Kassandra
27 Tage her
Antworten an  Britsch


Hier nur für Bayern:
https://www.stmwk.bayern.de/kunst-und-kultur/foerderung/foerderung-nichtstaatlicher-theater.html
.
Was auch plausibel macht, dass die alle hinter dem MerkelStaat stehen – da ihnen sonst die Subventionsgelder abhanden kommen.

Britsch
27 Tage her
Antworten an  Kassandra

Merkel hat mit dem Geld des Arbeitenden Volkes alle eingekauft und bestochen die ihre Aufgabe darin sehen das Volk zu beeinflussen, zu belehren. Angefangen allgemein von so genannten Intelektuellen Wobei sich beispielsweise fragt was z.B.Künstler außert ihrer „Kunst“ für eine Befähigung haben und so genannte „Experten“ Meist ohne jegliche praktische, reale Erfahrung. Man denke nur mal als leuchtendes Beispiel an den CHef des DIW Wie lange es dauert ertwas zu Bauen, was es im Endeffekt kostet, wie lange es dann hält. Mir fällt dazu im Kontrast z.B. Herrenknecht ein. Aber so könnte man gerade weiter Machen. Das Problem sind Diejenigenm… Mehr

Popmar
28 Tage her

Volksbühne ist links und links ist komfortabel: was immer sich Linke wünschen können die sich leisten, weil nach linkem Verständnis sind solche linken Wünsche immer und ohne Ausnahme von den „Anderen“ zu bezahlen. Blöd nur, wenn den „Anderen“ das Geld ausgeht, was bereits geschieht und – soweit man nicht linksgrüner Politiker, gern auch im Tarnjäckchen der CDU, ist – mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von jedem normalen Realisten bald zu erwarten ist. Die heulen ja schon rum, wenn ihnen aktuell nur ein paar € gestrichen werden, so als ob darauf ein Rechtsanspruch bestünde. Daher mein dringender Appell an die Politik:… Mehr

Kassandra
28 Tage her
Antworten an  Popmar

Kunst geht auch so wie Nahe Triers – oder?
Dort stellten welche Kreuze mit folgender Inschrift in die Landschaft: „Migration tötet!“
 https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/117698/6316665

Kassandra
28 Tage her

Nur – um nochmal Klarheit zu schaffen:
Die verlangen von denen, die sich das antun, gar keinen Eintritt und lassen die gesamte Sause durch den Steuerzahler finanzieren:
https://ticket.volksbuehne-berlin.de/eventim.webshop/webticket/eventlist
Ich finde, diesem Lilienthal sollte das Heft des Handelns rasch wieder aus den Händen genommen werden, zieht man ihn wegen Verschwendung nicht zur Verantwortung!

NullKommaNix
28 Tage her
Antworten an  Kassandra

Nicht nur gehört diesem Aktivisten der Posten entzogen, er sollte auch für die Gesamtkosten aufkommen. Privat!

Michael Palusch
28 Tage her
Antworten an  Kassandra

Müsste ich bestimmen wofür 300.000€ auzugeben sind, entweder für ein Schwimmbad oder einer „moderner Interpretation eines zeitgenössischen Stoffs aus feministischer und antirassistischer Perspektive einer jungen Regisseurin“ würde ich mich im Bruchteil einer Sekunde für „Schwimmbad“ entscheiden.

Kassandra
28 Tage her
Antworten an  Michael Palusch

Lilienthal entgeht damit schon am Anfang jeglicher Kritik seiner Intendanz…

H. Hoffmeister
28 Tage her

Die „Kulturschaffenden“ sind immer nur mit Geld fremder Leute spendabel. Ich kann mich leider nicht dagegen wehren, wenn mein hart erarbeitetes Geld von grünwoken Politikern für derartigen Unfug verwendet wird. Dieselben Politiker im übrigen, die vorgeben, mich täglich auf dem Golfplatz anzutreffen. Ich habe es so satt.

Deutscher
28 Tage her

Man hat einfach mal 300.000 € übrig? Fann kann man die im nächsten Jahresbudget ja rausstreichen.

Die sog. Hochkultur kostet Unsumnen und spricht nur eine winzige Minderheit an, während Musikclubs und Rock-Festivals sich selber finanzieren müssen.

Auch der Kulturbetrieb muß mal anständig ausgemistet werden.

NullKommaNix
28 Tage her
Antworten an  Deutscher

Als linker Aktivist weiß man, wie man staatliche Institutionen unterwandert, deren Strukturen missbraucht. Das Projekt ist nichts anderes, als eine Verhöhnung derer, die den Karren durch ihre ehrliche Arbeit noch am Laufen halten. Nur um dieses Signal geht es!