Unkontrollierbares Dieselfahrverbot

Entweder sind die Fahrverbote nicht da, um eingehalten zu werden, sondern sind nur "Leistungsnachweis" für Verbalpolitiker oder sie dienen gefährlichen Zwecken.

© Morris MacMatzen/AFP/Getty Images

Stell Dir vor, es herrscht ein Fahrverbot für Dieselfahrzeuge – aber keiner kann kontrollieren, ob es auch eingehalten wird. Gibt es das? Ja, klar gibt’s das.
Und wo? In Berlin natürlich.

Dort hat jetzt die Gewerkschaft der Polizei erklärt, dass sie Fahrverbotszonen in der Stadt nicht kontrollieren könne. Grund: Kein Personal! Die Polizeigewerkschaft und die Polizeipräsidenten von Berlin formulieren: »Der Personalkörper der Berliner Polizei gibt es nie im Leben her, dass wir alle Verbotszonen im Blick behalten und dort regelmäßig kontrollieren können.«

Abzocken, abzocken, abzocken
Dieselfahrverbote in Stuttgart
Im Juli hatte bekanntlich auch der Senat von Berlin Fahrverbote für Dieselfahrzeuge beschlossen, um die Stickoxidbelastung zu senken. So dürfen Dieselfahrzeuge bis einschließlich zur Abgasnorm Euro 5 nicht durch einen Teil der Silbersteinstraße Neukölln fahren, ebenso nicht durch Teile der Friedrichstraße zwischen Dorotheenstraße und Unter den Linden und auf der Leipziger Straße zwischen Leipziger Platz und Charlottenstraße. Diese Fahrverbote sollen die Messwerte für Stickstoffdioxid reduzieren und damit die Welt retten.

Moderne Technik solle der Polizei helfen, fordern Polizeipräsidenten und Gewerkschaft. Zunächst sollten in den betroffenen Straßen drei Systeme zur automatischen Kennzeichenerkennung installiert werden. Die dabei gewonnenen Daten müssten dann mit den Daten des Kraftfahrtbundesamtes abgeglichen werden, um herauszufinden, zu welcher Norm das Auto gehört und ob es rechtmäßig oder nicht in die verbotenen Zonen einfahren durfte. Ein horrender Aufwand, die Kosten pro System werden auf 150.000 bis 200.000 Euro belaufen. Dazu kommen dann noch die Arbeiten zur Auswertung.

Überdies entsteht ein gewaltiges datenrechtliches Problem. Erhebliche Mengen an Daten und Autofahrern würden erfasst werden. Aus den Daten wären Rückschlüsse auf Bewegung und Verhalten der Bürger möglich. So kritisiert Henner Schmidt, infrastrukturpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, die Forderung der Polizei als unverhältnismäßig: »Es würden dabei viele Fahrzeuge erfasst, um einige wenige Verstöße zu ahnden. Aus den gewonnenen Daten könnten Bewegungsbilder abgeleitet werden. Es ist offensichtlich, dass dies ein Fall für die Datenschutzbeauftragte wäre.«

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