Über 95% der Gastwirte in schwerer wirtschaftlicher Not – eine Branche steht vor dem Aus

Die Gastronomie wird schwer vom Endlos-Lockdown getroffen. Die versprochenen staatlichen Entschädigungszahlungen kommen nicht ausreichend bei den Betroffenen an. Es droht das Sterben einer ganzen Branche.

IMAGO / Jan Huebner

Nach einem Umfrageergebnis der Hamburger Handelskammer kämpfen besorgniserregende 96,6 Prozent der Gastwirte in Hamburg um das finanzielle Überleben in der Corona-Zeit. Laut Branchenverband DEHOGA sind gar 70 Prozent direkt mit dem Existenzverlust bedroht.

Die Umfrage zeigt ebenfalls: 31,3 Prozent, also circa ein Drittel, der Hamburger Unternehmen befinden sich in schlechter wirtschaftlicher Lage. Schon im Januar 2021 ergab eine ähnliche Umfrage des Deutschen Industrie und Handelskammertages (DIHK) äußerst beunruhigende Zahlen.

Damals gaben fünf Prozent der befragten Betriebe an, akut von einer Pleite bedroht zu sein. Hochgerechnet wären das etwa 175.000 Betriebe, die wegen des Lockdowns schließen müssten. Der Gastronomiesektor sei dabei besonders betroffen, hier gaben etwa 20 Prozent an, direkte Sorge vor der Insolvenz zu haben. Die Folgen aus dieser fatalen Entwicklung tragen auch die Mitarbeiter.

Mittelstand in Gefahr
„Ein dritter Lockdown wäre der Knockout“ – ein junger Friseurmeister erzählt von der Angst
Die Umfrage der Handelskammer zeigt, dass etwa 25 Prozent der Hamburger Betriebe Mitarbeiter entlassen müssen, um ihren Betrieb über Wasser zu halten. In Berlin, so sagte Thomas Lengfelder der Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands in der Hauptstadt im März der Berliner Zeitung, wären von den 100.000 Branchenbeschäftigten die Hälfte in Kurzarbeit und 15.000 Mitarbeiter hätten aufgrund der wirtschaftlichen Lage in der Pandemie ihren Job verloren.

Eine genaue Bezifferung des Schadens den die erzwungenen Schließungen schon angerichtet haben gibt es nicht. Lengefelder sprach trotzdem davon, dass rund ein Viertel der Unternehmen in Berlin vor der Geschäftsaufgabe stehen sollen.

Mehr als die Hälfte der von den Schließungen betroffenen Händler hätten Existenzsorgen in der Pandemie. „Leider signalisiert uns die Politik auch noch keinerlei Perspektiven.“, meinte er zur Berliner Zeitung.

Die Wirtschaftshilfen der Bundesregierung für die Gastrobranche erfüllen in den meisten Fällen nicht ihren Zweck. Meistens bleiben sie unter dem echten entfallenen Umsatz oder kommen erst gar nicht oder verspätet an. „Es braucht endlich positive Signale und Impulse“ für die Branche, fordert die Handelskammer in Bezug auf die vorgelegte Umfrage.

Anzeige
Unterstützung
oder

Kommentare ( 41 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

41 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Schwermetaller
6 Monate her

Ich habe selbst in zwei Gastronomiebetrieben gearbeitet. Sollten meine Ex-Chefs jetzt am Verzweifeln sein, so könnte ich bei besten Willen nicht behaupten, daß mich deren Schicksal traurig stimmen könnte…

bhayes
6 Monate her

Was mich wundert ist, dass trotzdem anscheinend rechtlich nichts (Sichtbares) getan wird. Auch wenn die Deutsche Rechtsordnung in vielerlei Hinsicht mangelhaft ist, gäbe es durchaus einige Ansätze.
Auch wird anscheinend überhaupt kein politischer Druck aufgebaut.
Oder gar versucht, die Bürger mit zu mobilisieren.

Guter Heinrich
6 Monate her
Antworten an  bhayes

Die Politik ist in einem demokratischen Land der Diener des Volks. Neudeutsch wohl ein „Dienstleister“. So wie eine Reinigungskraft.

Wenn Sie eine Reinigungskraft erst anweisen müssen, den schmutzigen Boden zu säubern, feuern sie diese Person wenn möglich und ersetzen sie durch jemand besseren.

Auftrag der Politik ist das Wohl des Landes und seiner Bürger. Wenn bei so etwas Schwerwiegendem wie dem gegenwärtigen Unheil erst die Rechtsordnung bemüht oder politischer Druck aufgebaut werden muss, was sagt das über die Politik?

Moana
6 Monate her

Ich war von Anfang an skeptisch, wie das Ganze finanziert werden soll und habe mich in einem Schreiben auch an meine Ministerpräsidentin gewandt. Ich kann über die Verwunderung nur den Kopf schütteln.

Der nachdenkliche Paul
6 Monate her

Bevor ich mich freiwillig diesem never ending Lockdown beugen würde und mit offenen Augen in die Insolvenz laufe, würde ich mein Gasthaus oder meine Kneipe einfach öffnen und die Menschen zu mir einladen. Dafür habe ich ein super funktionierendes Hygienekonzept ausgearbeitet. Sollen sie mich doch abholen und einsperren. Dann hätte ich es wenigstens versucht und könnte mir später nichts vorwerfen.

Ben Goldstein
6 Monate her

Der Bund wird die Zahlungen freigeben, wenn die Tranche der Zahlungsverpflichtungen an die NGO und andere Günstlinge abgearbeitet ist. Okay, mein Zynismus. Aber mal im Ernst: Es wird gerade so getan, als ob es jeden Moment einfach wieder losgeht und man eigentlich nur noch die Schuldenbremse wegnehmen müsse und schon läuft alles rund. Kann mal jemand schauen, wie hoch die faulen Kredite in der Subprimekrise waren und wie hoch die Insolvenzlawine sein wird und das mal vergleichen? Auf die Subprimekrise folgte Eurokrise und Griechenlandkrise. Ich kann mir nicht vorstellen, dass „der Export“ oder „das verarbeitende Gewerbe“ oder was auch immer… Mehr

Holger Wegner
6 Monate her

„Meistens bleiben sie unter dem echten entfallenen Umsatz“ Dafür fallen ja auch Wareneinsatz und Personalkosten weg. Komplette Umsatzerstattung bei wenig Kosten, was träumt man da? Kein Wunder, dass die Branche so ruhig ist.

Schwermetaller
6 Monate her
Antworten an  Holger Wegner

Im Umsatz ist doch wohl auch der Gewinn enthalten. Von daher wäre es schon ein wenig merkwürdig, wenn nun auch noch entgangene Gewinne ausgeschüttet werden würden…

Teekanne
6 Monate her

Glaube kein Wort davon. Wenn es wirklich so schlimm wäre, hätten die entsprechenden Verbände längst zu Demos aufgerufen.

niemand
6 Monate her

Die einzige Branche, die in diesem Land offenbar tatsächlich vor dem Abgrund steht, sind die kleinen und mittleren Landwirte. Seit Wochen protestieren die bei Wind und Wetter vor dem Reichstag, sind aus dem ganzen Bundesgebiet mit ihren Treckern angereist. Den Protest mußten sie zu dem noch auf eigene Faust organsieren, da ihr offizieller Bauernverband sich nur für die landwirtschaftlichen Großbetriebe zuständig fühlt, sie im Regen stehen läßt und sich von den Protesten auch noch distanziert. Andere betroffene Branchen machen eine Umfrage, jammern und schreiben vielleicht noch den 10. Brandbrief anstatt endlich zu handeln und sich zu den Landwirten zu gesellen.… Mehr

Flaneur
6 Monate her
Antworten an  niemand

Ja, mein Respekt gebührt jedem, der sich von den großen Verbänden löst, die offensichtlich eh lieber GEGEN die eigenen Mitglieder arbeiten, so lange sie bei der Kanzlerin ein Leckerlie bekommen…

Jerry
6 Monate her

Mir ist die Gastronomie egal seitdem sie die Verbraucher bei der Euro-Umstellung über den Tisch gezogen haben, da wurden aus DM-Preisen mal eben Euro. Mein Mitleid hält sich auch in Grenzen!

Oliver Koenig
6 Monate her

Aber gegen Querdenker und AfD-Mitglieder Schilder aufhängen. Immer schön Rot, Dunkelrot und Grün wählen. Da kann die Not wohl noch nicht groß sein.