Tesla darf für seine Fabrik vorerst nicht weiter roden  

Ein "öko-anarchistischer" Verein hat einen vorläufigen Rodungsstop auf dem Gelände der geplanten Tesla-Fabrik in Brandenburg erreicht. Tesla-Gründer Musk hat die Börsenaufsicht schon wegen des deutschen Umweltrechts vorgewarnt.

Sean Gallup/Getty Images

Die Justiz war schneller als die Holzerntemaschinen. Am vergangenen Wochenende gab sie einem Eilantrag von Ökoaktivisten statt, mit dem die weitere Rodung von insgesamt 91 Hektar Wald in Grünheide bei Berlin gestoppt wurde. Es dauerte ein wenig, bis sich der Entscheid herumgesprochen hatte. Noch zwei Stunden nach dem Erlass arbeiteten die Harvester; erst nachdem die Polizei auf dem Gelände auftauchte, wurden die Rodungsarbeiten gestoppt.

Auf dieser Fläche soll bekanntlich das neue Automobilwerk von Tesla entstehen. Rund 500.000 Elektroautos will der amerikanische Hersteller in der ersten deutschen »Gigafactory« pro Jahr fertigen. Im Eiltempo will Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) das Renommierprojekt durchziehen. Er hat auch angekündigt, dass eine neue »Task Force« in seiner Staatskanzlei für das Tesla-Milliardenprojekt eingerichtet werden soll.

Doch so schnell kommen die Behörden offenbar mit den Genehmigungen nicht nach.

Einen entsprechenden Antrag auf Baustopp hatte neben dem Verein Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern (VLAB) die Grüne Liga Brandenburg e.V., ein »Netzwerk ökologischer Bewegungen«, gestellt. Dessen Ursprünge stammen noch aus alten DDR-Zeiten. Es tut sich heute dadurch hervor, Hand in Hand mit dem dubiosen Abmahnverein Deutschen Umwelthilfe e.V. gegen den Braunkohletagebau Jänschwalde zu klagen. Die Truppe hat sich »Aktionen und öko-anarchistischer Theorie und Praxis« verschrieben und lehnt Firmensponsoring und staatliche Gelder nicht ab.

Viele Fragen offen
Tesla in Brandenburg: weder »öko« noch »giga«
Der Rechtsanwalt der Grünen Liga, Dirk Teßmer: »Die Anlage von Tesla ist noch nicht genehmigt und für eine vorzeitige Freigabe von Baumaßnahmen gibt es gesetzliche Voraussetzungen, die hier eindeutig nicht erfüllt sind.« So dürfen die Arbeiten erst erfolgen, wenn eine belastbare Prognose zur Genehmigungsfähigkeit vorliegt. Hierfür müssen aber die Stellungnahme von Fachbehörden, Umweltverbänden und Öffentlichkeit bekannt sein.

Heinz-Herwig Mascher (61), der Vorsitzende der Grüne Liga Brandenburg e. V.: »Dass Ministerpräsident Woidke dem Investor einen solchen Zeitplan verspricht, haben wir als öffentliche Aufforderung zum Rechtsbruch empfunden.« Tesla dürfe keine unumkehrbaren Tatsachen schaffen, bevor die Fabrik genehmigt ist.

Bis zum 5. März können Umweltverbände und Bürger noch Einwände erheben. Erst danach dürfe ein vorzeitiger Baubeginn genehmigt werden.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier zeigt sich nach dem Rodungsstopp alarmiert und warnt vor der Verzögerung des Projektes. Die Teslafabrik sei von großer Bedeutung für den Klimaschutz und eine der wichtigsten Industrieansiedlungen in Ostdeutschland. Für die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU erhebt sich die Frage, ob nicht das ausgeuferte Verbandsklagerecht wieder eingeschränkt werden müsse. BDI-Präsident Dieter Kempf erklärte gegenüber dem Tagesspiegel: »Genehmigungsverfahren für Industrieanlagen haben sich nicht erst seit dem Antrag eines US-Unternehmens zu einem massiven Investitionshemmnis entwickelt.«

»Wir mussten schnell handeln, sonst wäre der Wald vorm Urteil weg gewesen«, so eine Sprecherin des Oberverwaltungsgerichtes Berlin-Brandenburg. Jetzt stehen erst einmal die 29 Harvester, die in Rekordzeit 92 Hektar Wald fällen sollen. 47 Hektar haben sie bereits geschafft. Es handelt sich dabei um Fichtenplantagen, die ab 2001 angelegt wurden und jetzt erntereif seien. Ursprünglich wollte früher auf dieser Fläche BMW einmal ein Werk bauen, sagte aber dann kurzerhand ab.

Die Zeit drängt: Anfang März beginnt offiziell die Brutperiode für Vögel. Ab dann dürfen keine Bäume mehr gefällt werden – wenn sie nicht gerade Windrädern weichen müssen.

Rollender Brandsatz
Tesla: Flächenbrand in österreichischen Medien
Für die Tesla-Autofabrik würde das erst einmal einen Baustopp bis Herbst bedeuten. Erst ab dann könnten die restlichen Bäume weiter gefällt und mit dem Bau der neuen Autofabrik begonnen werden. ObTesla-Chef Elon Musk dann überhaupt noch Lust auf sein deutsches Autofabrikprojekt hat, ist offen. Tesla berichtet bereits an die US-Börsenaufsicht, dass der Bau mit einer Reihe von Unsicherheiten verbunden sei. In Deutschland habe man es mit komplexen Umwelt-, Produktions-, Gesundheits- und Sicherheitsgesetzen« zu tun.

Bis Ende dieser Woche will das Oberverwaltungsgericht endgültig entscheiden, ob weiter gerodet werden kann oder nicht. In der Vorinstanz wurden die Eilanträge übrigens abgewiesen, weil die Abwägung der naturschutzrechtlichen Belange durch das Landesumweltamt nicht zu beanstanden sei.

Woher der Wind weht, geht aus einer Stellungnahme des grünen Verkehrsclub Deutschland (VCD) hervor. Der bezweifelt, dass »große und schwere Fahrzeuge wie das zur Fertigung in Grünheide vorgesehene SUV Modell Y einen sinnvollen Beitrag zur Verkehrswende leisten« würde.

Würde Elon Musk sich entschließen, hier Lastenfahrräder zu bauen, wäre die Trinkwasserversorgung durch die Fabrik vermutlich nicht gefährdet, und es gäbe keine Klagen.

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Kommentare ( 52 )

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Uli S
2 Jahre her

Schneidet in Eurem Garten mal zur falschen Jahreszeit Bäume und Sträucher. Dann bekommt Ihr die ganze piefige Macht des Apparates zu spüren.
Dieser Hipsterirre wird von Hinz und Kunz gepampert und verballert Steuermillionen für seinen Bau. Heuschrecken zu füttern ist nicht wirklich schlau wie Nokia gezeigt hat.

Contra Merkl
2 Jahre her

Jetzt ist der Rodungsstop vom Gericht aufgehoben. Es kann der Harvester wieder auf Touren gebracht werden.

Robert Tiel
2 Jahre her

Was ist an Tesla umweltfreundlich?
Warum sind ein paar qm Hambacher Forst trotz Rodungsgenehmigung wertvoller als der Brandenburger Wald?
Die Tesla-Fabrik ist ein PR-Gag.
Es werden Subventionen abgegriffen, Zertifikate verkauft – mehr nicht.

Genco Steins
2 Jahre her

Kann mal jemand herausfinden, wie viel diese Holz-Ernte als Überschuss generiert?! Ggf. als Subvention, Anschub-Finanzierung, o.ae. – und wer dabei den Reibach macht… (wo waren eigentlich die Baumrettungs-Jünger diesmal?!).

Contra Merkl
2 Jahre her
Antworten an  Genco Steins

Von den letzten Stürmen wie Lothar, Wiebke etc. sind die Holzlager noch immer gefüllt. Dazu kommt das ganze Borkenkäferholz noch obendrauf. Der Holzpreis für Nadelholz ist im Keller. Die Forstarbeiten sind teurer als der Verkaufserlös, daher hat man hier in manchen Wäldern das Fällen der Borkenkäferbäume eingestellt. Die dünnen Bäumchen was die dort Fällen, ist Holz, was sich nicht für Balken, Bretter oder Dachlatten eignet. Das ist Holz für die Zellstofffabrik in Arneburg. Gefälltes Holz am Wegesrand kostet im Angebot bei Hessenforst derweil 30 Euro der Festmeter. Bei Privatwaldbesitzern ist es noch günstiger. Deswegen jammern ja die Privatwaldbesitzer, weil der… Mehr

Genco Steins
2 Jahre her
Antworten an  Contra Merkl

Danke für die Info.

Pegg Ida
2 Jahre her

Die große Transformation frisst ihre Kinder! ^^

Johans
2 Jahre her

Ergänzend sei der Autor noch darauf hingewiesen, dass eine Fichte nach 19 Jahren nicht hiebreif wäre. Es würde sich eher um eine erste Durchforstung/Läuterung handeln. „Erntereif“ sind Fichten nach etwa achtzig Jahren. Kiefern dieser Art sind waldbaulich im Übrigen nicht besonders attraktiv.

stolzerSachse
2 Jahre her
Antworten an  Johans

Nun der Autor hat bestimmt noch nie einen Weihnachtsbaum woanders als im baumarkt/Aldi gekauft.
Sonst wüßte er , daß schon diese eine 12 jährige Kultur bis zur Ernte durchlaufen.
Erfährt man als Selbstabholer so ganz nebenbei 🙂

Stranzl
2 Jahre her

Ob Fichten oder (wo anders heißt es) Kiefern, mit 30 Jahren ist kein Baum hiebreif. Ich glaub dem Schauspieler Musk keinen seiner Sprüche, hat sich ja schon oft bewahrheitet. Die umweltfreundlichste und damit von Greta abgesegnete Maßnahme wäre wenn dort gar nix gebaut wird. Und wenn Tesla ein Autowerk bauen will, dann doch bitte dort wo die Fachfrauen und Männer zuhause sind, also nicht im nach Facharbeiterinnen verzweifelt suchenden Schland, sondern in Schwarzafrika.

Contra Merkl
2 Jahre her
Antworten an  Stranzl

Sehen Sie sich doch die Bilder mal genau an.
Die Bäume wurden zu dicht beieinander gepflanzt, deswegen sind das alles nur dünne Stämmchen.
Da wird auch nix besseres mehr draus.
Das Holz reicht nicht mal aus, um daraus Dachlatten oder Rauhspundbretter zu schneiden.
Deswegen längen die das Holz gleich für die Zellstofffabrik in Arneburg passend ab. Das wird Klopapier.
Wegen Wald für Klopapier gerichtlich keine Autofabrik, keine Steuern, keine Arbeitsplätze. Sowas geht nur in Deutschland.

Stranzl
2 Jahre her
Antworten an  Contra Merkl

Man muss Bäume ja eng pflanzen damit sie lange Stämme ohne Äste machen, aber (laut Artikel 2001 gepflanzt)? dann wären es etwas größere Weihnachtsbäume. Die Bäume/Stämme auf dem Foto sind älter! Das meiste Bauholz ist doch heutzutage ohnehin Leimholz, da ist es wurscht wie groß die Einzelstücke sind, ist sogar noch besser weil ohne Äste. Die Vollernter sägen grundsätzlich alles auf „Fixlängen“ 4,15m ab, kein Sägewerk will noch Langholz.

Helmut in Aporie
2 Jahre her
Antworten an  Contra Merkl

Versiegelt und der Natur entzogen für immer und ewig finden Sie toll?
In und um Berlin gibt es so viele Brachflächen, vor allem auch Industriebrachen, da müsste man keine Naturflächen, egal was da gerade drauf wächst, umbrechen!!

Der Winzer
2 Jahre her

Stimmt. Kiefern, 4 geschützte Waldameisenarten, Zauneidechsen, Schlingnattern und Glattnattern bremsen Tesla. Letztere (also Ameisen und Reptilien) könnten aber „gut eingefangen und umgesetzt/umgesiedelt werden“ – so das brandenburgische Umweltministerium. Sind das dann „Tesla-Flüchtlinge“ ? Gibt es schon „safe habors“, die sich zur Aufnahme bereit erklärt haben ? Und bei den Kiefern handelt es sich gem. „Experten“ nur um eine Monokultur einer minderwertigen Pflanzengattung mit geringer Biodiversität. Mit dem Hambacher Forst, einem nachhaltigen Mischwald mit bis zu 300 Jahre alten Bäumen, natürlich in keinster Weise vergleichbar. Wo bleibt da Frau Göring-Eckhardt, die sich doch bestimmt auch will, dass neben Bienen, Schmetterlingen &… Mehr

Maik Lehrmanns
2 Jahre her

Hier tun die grünen Spinner mal was richtiges, wenn auch aus falscher Motivation heraus. Die glauben, das könnte ein wirtschaftlicher Erfolg werden. Das stört bei der gewünschten Deindustrialisierung Deutschlands. Das muss aus deren Sicht unter allen Umständen verhindert werden. Ich kann diese Leute aber beruhigen. Das wird ein Milliardengrab. Jedoch nicht für Elon Musk (der wird schon seinen Reibach machen), sondern für unser Steuergeld. Es reiht sich ein, in ähnlich ambitionierte Projekte in Bbg. Cargolifter, Chipfabrik, Lausitzring, BBI sind hier nur mal als Beispiel genannt. Hier können wieder, gut getarnt, Unsummen an Geld in Kanäle gelenkt werden, deren Nutznießer und… Mehr

Contra Merkl
2 Jahre her

Jedem der in Deutschland schon mal beim Bau solcher Industrieanlagen mitgewirkt hat, kennt die Auflagen und Behörden. Selbst wenn man denkt, man hat alles bedacht, Überraschungen von Auflagen bis Zoll auf der Baustelle gibt es doch immer wieder. Die Zeitpläne dort sind für mich unrealistisch. Da sich Tesla doch verpflichtet hat, das Gelände wieder aufzuforsten, falls es zu keinem Bau kommt, sollte das Roden der erntereifen Kiefern doch juristisch gesichert sein. Das dort jetzt wieder Baustopp ist, ist für mich unbegreiflich. Da stehen jetzt die 29 Harvester mit Personal, die Holzrücker, die LKW Fahrer, die das Holz wohl in die… Mehr