Friedrich Merz nimmt ein Versprechen in Sachen Windkraft ab

Friedrich Merz will auf dem „Nordsee-Gipfel“ den Nachbarstaaten den überschüssigen deutschen Strom aus Windkraft andrehen. Sie werden ihm versprechen, diesen abzunehmen. Weil das nur bedingt verbindlich ist - und ihr Auge auf was anderes schielt.

picture alliance / Chris Emil Janßen | Chris Emil Janssen

Erneuerbare Energien sind nicht grundlastfähig. Ihr Strom kann nicht ausreichend gespeichert werden. Das verursacht die hohen Energiepreise in Deutschland: Geht zu viel Wind, läuft zu viel Strom ins Netz und Deutschland muss diesen günstig abgeben – mitunter zahlt es dann sogar drauf. Geht zu wenig Wind, muss Deutschland Strom importieren. Zu einem entsprechend hohen Preis. Diesen bezahlen letztlich die Verbraucher: die privaten Haushalte oder mittelständische Unternehmen.

Für ausgewählte Konzerne muss der Steuerzahler einen Großteil der Rechnung übernehmen. Die Regierung Friedrich Merz (CDU) dementiert zwar, dass erneuerbare Energien den deutschen Strom teuer machen – aber weil erneuerbare Energien den Strom teuer machen, hat die Regierung Merz den subventionierten „Industrie-Strompreis“ eingeführt, um ihn für ausgewählte Unternehmen billig zu machen.

Eine Wirtschaft, die auf Wind und Sonne setzt, braucht grundlastfähige Energieträger für die Zeit, in der nicht genug Wind geht und auch zu wenig Sonne scheint. Das kann Strom aus Gas sein, aus Kohle oder Kernkraft. Vor der „Zeitenwende“ bezog Deutschland billiges Gas aus Russland, sodass das Windkraft-Dilemma bis 2022 einigermaßen bezahlbar war, wenn auch schon damals zu teuer. Die Maßnahmen gegen das kriegsführende Russland traf keine Nation so stark, wie die Heimat der „Energiewende“ – gestartet unter der christdemokratischen Kanzlerin Angela Merkel.

Zu viel Wind macht den deutschen Strom teuer. Zu wenig Wind, auch. Friedrich Merz, der sich selbst gerne als Wirtschaftsexperte verkauft, will das Dilemma nun durch noch mehr Windkraft lösen. Der soll in der Nordsee gewonnen werden. Das will der Kanzler an diesem Montag auf dem dritten „Nordsee-Gipfel“ einleiten. Zu diesem Gipfel sind die Anrainer der Nordsee nach Hamburg eingeladen. Die Hafenstadt, die sich bald selbst CO2-frei machen will. Aber das nur am Rande.

In jüngster Zeit warfen manche Medien Merz vor, in der Außenpolitik nichts zu gelten, wenn die Großen aus China, Russland oder den USA sprechen. Wolle er halbwegs Geltung haben, müsse er sich mit dem britischen Premier Keir Starmer und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron umgeben. Die hat er auch zu dem Nordsee-Gipfel eingeladen. Doch sie sind nicht gekommen. Stattdessen sind kleinere Meeresnationen da wie Irland, die Niederlande oder Luxemburg – bekannt für sein Seebad Grevenmacher und den Welthafen Düdelingen. Soll niemand behaupten, Merz könne international nur zweitklassig sein. Dritt- und viertklassig hat der Kanzler auch locker drauf.

Große Worte hat Merz indes wie kein andrer parat: Die Nordsee solle zum „größten Reservoir für saubere Energie weltweit“ werden. Doch wer den Kanzler kennt, weiß auch um die Faustregel, mit der er zu lesen ist. Umso pompöser seine Worte sind und umso größer seine Versprechen, desto schneller und nachhaltiger bricht Merz sie. Wobei der Ausbau der Windräder auf hoher See sein geringeres Problem sein wird. Dafür kann er das Geld aus der Schuldenorgie nehmen, die er mit der SPD losgetreten hat.

Doch geht der Wind zu stark, dann bleibt Deutschland auf dem Strom sitzen. Dann auf noch mehr als jetzt schon. Es braucht seine Nachbarn, um diesen abzunehmen. Möglichst gegen Geld, das sie geben, statt zu nehmen. Das will Merz auf dem Gipfel eintüten. Das Versprechen sollte tragfähig sein. Denn der deutsche Kanzler schließt es mit den Staaten ab, die Deutschland seit elf Jahren versprechen, es in der Aufnahme von illegalen Einwanderern zu entlasten. Dieses Versprechen hält sich so gut, dass es keiner einlösen will.

Versprechen werden Staaten wie Dänemark Deutschland, ihm seinen überschüssigen Windstrom günstig abzunehmen. Auf dem Gipfel geht es auch um die Verteidigungspolitik. In diesem Bereich wirft der Kanzler das deutsche Geld raus, „whatever it takes“, wie er es selbst ausdrückt. Und dieses Geld zu nehmen – englisch „to take“ – sind die Nachbarn entschlossen. Dafür ein Versprechen mehr in Sachen Windkraft… warum nicht.

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Kommentare ( 11 )

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Dreiklang
40 Minuten her

Wenn der Wind in der Nordsee weht, importiert Dänemark keinen Windstrom, denn dann muss Dänemark selbst zusehen, wie es seinen Windstrom loswird. Dänemark hat weitere Ausbauprojekte bei Windkraft gestoppt: Es gibt einfach keinen Bedarf. Schweden ist übrigens nicht eingeladen, obwohl Schweden mit dem Mix Wasser/Kernkraft die höchste Pufferleistung im Norden bereitstellt. Aber davon weiß ein Merz nichts. Inzwischen ordne ich Merzens ökonomischen Sachverstand bei dem von Habeck ein. Es ist hoffnungslos.

Last edited 31 Minuten her by Dreiklang
HRR
46 Minuten her

Friedrich Merz, der sich selbst gerne als Wirtschaftsexperte verkauft, will das Dilemma nun durch noch mehr Windkraft lösen.“

 „Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“ (Albert Einstein)

Endlich Frei
48 Minuten her

Wenn ich in den tief verschneiten Garten gucke, dann frage ich mich:
Dafür habe ich meine gute, alte Öl-Heizung herausgerissen?
Dafür zahlt Deutschland den höchsten Strrompreis der Welt ?
Dafür verlässt die Wirtschaft das Land ?
Dafür wird Mercedes an die Chinesen verkauft ?

Kraichgau
58 Minuten her

er ist eine in sich tragisch-traurige Figur,die nach all den Lügen jetzt sich selbst vor all denen,die er vertreten soll,als totale Luftnummer entpuppt

Waldschrat
1 Stunde her

Ich hätte von Merz gerne eine Erklärung, wie er zu der Aussage kommt: „größten Reservoir für saubere Energie weltweit“. Folgende Fragen: je mehr und je näher die Dinger zusammen stehen, um so stärker ist der Lee-Effekt, die klauen sich dann gegenseitig die Windenergie – größtes Reservoir? Balsa-Holz für die Rotorblätter, Abholzung Regenwald, muss von Südamerika nach Deutschland gekarrt werden – sauber? Seltene Erden, werden aus China nach Deutschland gekarrt – sauber? SF6-Emission, zwar geringe Emission, aber problematisch für Atmosphäre – sauber? Abrieb, Kontamination des Meerwassers mit Giftstoffen – sauber? Infraschall, Auswirkungen auf Mensch und Meeresorganismen – sauber? Massive Fundamente im… Mehr

yeager
1 Stunde her

„Reservoir für saubere Energie“? Wer hat sich denn den Blödsinn ausgedacht? Ein Reservoir ist ein Sammelbecken, etwas das einen Vorrat bereithält. Erneuerbare, aka „saubere Energie“ sind das genaue Gegenteil: Energieproduktion die sich nach dem Wetter richtet.

GP
1 Stunde her

Daten Windstrom Deutschland 2025
Installierte Leistung
Onshore: 68 GW
Offshore: 9,5 GW
Total: 78 GW
Ertrag:
Onshore: 108.000 GWh
Offshore: 26.100 GWh
Total: 134.100 GWh
Vollaststunden:
Onshore: 108.000 /(68 * 8760) = 18,1 %
Offshore: 26100/(9,5 *8760) = 31,4 %
Total: 134.100 / (8760 * 78) = 19,6%
Fazit: onshore laufen die Windräder nur 1/5 der Zeit, offshore 1/3 der Zeit (bezogen auf den max. Nennwert der Stromproduktion bei Vollzeitbetrieb). Das Ganze weder plan- noch steuerbar und ohne backup nicht einspeisefähig. Deutschland, das Land der grünen Schlümpfe….  

roffmann
1 Stunde her

Wie schnell aus Versprechen Versprecher werden hat die Vergangenheit zur Genüge gezeigt ! Wo mal ein Wort , ein Handschlag galt , sind heute Verträge von über Hundert Seiten nötig , um die juristischen Feinheiten zu verstecken, um sich nicht an das Vereinbarte halten zu müssen.

Last edited 1 Stunde her by roffmann
November Man
1 Stunde her

Am sichersten wäre jetzt unverzüglich mit dem Bau von vielen Kernkraftwerken zu beginnen. In jedem Bundesland so viele Atomkraftwerke wie benötigt werden. Das Geld sparen wir an den Kosten für die Ukraine, dem Kosten für die Migration und den Kosten für einen sinnlosen Klimaschutz ein. Und wir können uns die hunderte von Milliarden für die Stromtrassen von Nord nach Süd sparen. Also, fangen wir an sonst werden wir nie fertig.  

tiptoppinguin
1 Stunde her

Ich möchte auch mal in der Situation sein, daß ich fremdes Geld für Luftschlösser zum Fenster rauswerfen oder verbrennen kann, um mir am Feuer hen eine Zigarre anzuzünden.

Einen Vereinsvorstand, der mit dem Geld der Mitglieder so umginge wie unsere Repräsentanten, hätten die Vereins-Mitglieder nach kurzer Zeit an bestimmten Körperteilen mit Klaviersaiten aufgehängt. Zum Glück gibt‘s die Brandmauer, die vor dem Wählerzorn schützt.

Last edited 1 Stunde her by tiptoppinguin