Die Auswertung der Kommunalwahlen in Bayern dauern ihre Zeit. Bereits jetzt lässt sich ablesen: Für CSU und SPD lief es durchwachsen, die AfD kann sich über kleine Erfolge freuen. In München hat Oberbürgermeister Reiter seinen Absturz selbst provoziert.
picture alliance/dpa | Peter Kneffel
Kommunalwahlen haben ihren eigenen Charakter. Sie sind weitaus mehr Persönlichkeitswahlen als die Wahlen zum Bundestag und zu den Landesparlamenten. Ihre Ergebnisse liegen zudem oft erst nach einigen Tagen vor, wenn das öffentliche Interesse allenfalls nur noch ein lokales ist. Stimmzettel von der Größe zuweilen fast eines Quadratmeters wollen zumal aufgrund möglichen Häufelns und Panaschierens erst einmal ausgewertet werden.
Zudem finden oft erst nach weiteren zwei Wochen die Stichwahlen um die Ämter der Oberbürgermeister, Bürgermeister und Landräte statt. In diesem Jahr muss in Bayern fast in der Hälfte der Landkreise und Städte mit mehr als 10.000 Einwohnern am 22. März ein zweites Mal gewählt werden. Bei den Landkreisen, kreisfreien Städten und größeren Städten mit mehr als 10.000 Einwohnern stehen 128 Stichwahlen an. Vor diesem Hintergrund war klar, dass die bayerischen Kommunalwahlen vom 8. März medial im Schatten der Landtagswahlen von Baden-Württemberg stehen würden.
Allmählich lichtet sich nun der Dschungel an Ergebnissen dieser Bayernwahl. 39.300 Mandate hatten die rund zehn Millionen Wahlberechtigten zu vergeben. Anlass zum Jubel haben die Arrivierten selten. Mit Vorsicht sind derzeit auch die für die Wahlen zu den Kreistagen und Stadträten zusammengefassten aktuellen Prozentwerte zu sehen. Danach erreichte die CSU 31,5 Prozent (minus 2,3 gegenüber 2020). Die Werte für die anderen Parteien sind: Freie Wähler 12,7 Prozent (+2,1); AfD 12,9 (+7,9); Grüne 12,4 (- 4,1); SPD 14,2 (-2,2).
Dämpfer für die CSU
Die CSU bleibt zwar eindeutig die Kommunalpartei Nummer 1. Aber die CSU-Bäume sind auch diesmal nicht mehr in den Himmel gewachsen. Bei den Landräten hat die CSU von 62 Wahlen 24 direkt gewonnen, bei 30 ist die CSU in der Stichwahl. Bei den OB-Wahlen hat die CSU von 50 direkt 11 gewonnen, bei 22 ist sie in der Stichwahl.
Das heißt aber auch: Achtmal hat es für die CSU bei Landratswahlen nicht einmal für die Stichwahl gereicht, siebzehnmal bei den OB-Wahlen.
Auch in Bamberg schaffte es die frühere CSU-Gesundheitsministerin Melanie Huml nicht in die Stichwahl. CSU-Landrat Martin Neumeyer (Landkreis Kelheim/Donau), der 2020 noch mit 70,9 Prozent gewählt worden war, stürzte 2026 auf 33,9 Prozent ab und muss in der Stichwahl gegen den FW-Kandidaten Christian Nerb (33,1 Prozent) antreten. Gerupft wurde in Augsburg die amtierende Oberbürgermeisterin der CSU, Eva Weber. 2020 hatte sie im ersten Durchgang 43,1 Prozent erreicht, diesmal 34,0 Prozent. Vielleicht bekam es ihr doch nicht so gut, dass sie als bekennend woke Oberbürgermeisterin im Februar 2024 im Zuge der Hysterie um das „Potsdam-Treffen“ alle städtischen Bediensteten zu einer „Demo gegen Rechts“ aufgerufen hatte.
In Nürnberg, Söders Heimatstadt, muss der amtierende Oberbürgermeister Marcus König (CSU) recht aussichtsreich in die Stichwahl am 22. März. König kam auf 46 Prozent, sein Herausforderer Nasser Ahmed (SPD) auf 26,5. 2020 hatte König im ersten Wahlgang 36,45 Prozent erreicht und die Stichwahl gegen einen SPD-Bewerber sehr knapp gewonnen
München bleibt für die CSU ein schwieriges Pflaster
Bei der Wahl zum Bundestag vom 23. Februar 2025 gingen zwar alle vier Mandate mit Erstimmenergebnissen zwischen 30,4 und 36,3 Prozent an CSU-Leute. Bei der Landtagswahl vom Oktober 2023 war der CSU-Erfolg nicht ganz so berauschend. Von neun MdL-Posten gingen fünf an die CSU und vier an die Grünen. Bei der Wahl zum Münchner Stadtrat landete die CSU mit 24,9 Prozent hinter den Grünen (26,6 Prozent). Die SPD des Oberbürgermeisters Reiter blieb bei 12,0 Prozent hängen. Der OB-Kandidat der CSU, Baumgärtner, kommt mit 21,3 Prozent gar nicht erst in die Stichwahl.
AfD etwas gestärkt
Die AfD wird keinen Landrat, Oberbürgermeister oder ersten Bürgermeister in einer der großen Kommunen Bayerns stellen. Auch bei den am 22. März anstehenden Stichwahlen wird die AfD keine Rolle spielen. Dennoch blieben kleine Erfolge für die Partei nicht aus. Im Landkreis Günzburg kam ein AfD-Landratskandidat auf 24,2 Prozent, im Landkreis Dingolfing-Landau ein AfD-Bewerber auf 18,3 Prozent. Bei der OB-Wahl in Schweinfurt erzielte der AfD-Kandidat 16,2 Prozent. In Nürnberg kletterte der AfD-Stimmenanteil von 5,69 Prozent bei der Wahl 2020 auf nun 13,5 Prozent. In Coburg vervierfachte die AfD ihre Sitze von einem auf vier, in Schweinfurt wuchs die Fraktion von drei auf acht Mandate.
Freie Wähler verkünden „Siegeszug“
Hubert Aiwanger, Chef der Freien Wähler (FW), ist mit dem Abschneiden seiner Partei mehr als zufrieden. „Es war wirklich ein flächendeckender Siegeszug“. Er sehe es auch als „Steilvorlage für die Landtagswahl in zwei Jahren“. Und weiter: „Wir sind die Problemlöser vor Ort. Ich bin davon überzeugt, dass dieses Ergebnis aufhorchen lässt. Das flache Land, die breite Bevölkerung draußen hat Freie Wähler gewählt“. Bei den Landratswahlen setzen sich acht FW-Sieger auf Anhieb durch. Dennoch scheint der Stern des FW-Chefs im Sinken. Der Flop, den Aiwanger für die FW bei der Bundestagswahl im Februar 2025 mit bundesweit 1,5 Prozent eingefahren hatte, ist nicht vergessen.
SPD-Desaster in München
In München muss Amtsinhaber Dieter Reiter (67) wie schon 2014 und 2020 in die Stichwahl. Vor sechs Jahren hatte Reiter im ersten Wahlgang noch 47,9 Prozent geholt. Nun erreichte er nur 35,6 Prozent. Recht dicht dahinter: Dominik Krause von den Grünen mit 29,5 Prozent. Seinen Absturz hat Reiter selbst inszeniert. Und zwar wenige Tage vor der Wahl: Hätten seine Eskapaden bereits Auswirkungen auf die Briefwähler gehabt, wäre das Ergebnis wohl noch vernichtender ausgefallen.
Kurz vor der Wahl wurde bekannt, dass Reiter seit Ende 2021 ohne Genehmigung durch den Stadtrat pro Jahr 20.000 Euro Vergütung für seinen Posten als Verwaltungsbeirat beim FC Bayern München bezieht. Zusätzlich zu seinem B11-Gehalt von gut 220.000 Euro pro Jahr. Vier Tage vor der Wahl dann zitierte Reiter im Stadtrat in Anspielung auf einen Schlager aus dem Jahr 1976 einen allseits geächteten Begriff zur Beschreibung dunkelhäutiger Menschen.
Reiter zerknirscht am Wahlabend: „Ich habe in den letzten zwei Wochen ein, zwei Fehler gemacht. Dafür möchte ich mich entschuldigen. Das hat das Ergebnis deutlich beeinflusst.“ Er möchte verlorengegangenes Vertrauen wieder zurückgewinnen.
Universitätsstädte
Die acht bayerischen Universitätsstädte (ohne die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt) sind für die CSU schon seit langem ein schwieriges Feld. Würzburg diesmal ausgenommen (dort gibt es außerhalb des Wahlzyklus seit Mai 2025 einen “grünen“ Oberbürgermeister), finden in allen anderen sieben Universitätsstädten am 22. März Stichwahlen statt. In diesen Stichwahlen treten drei CSU-Leute (Erlangen, Regensburg, Augsburg), zwei SPD-Leute ((München, Bayreuth) und ein Grüner (München) an. Der Ausgang ist in mindestens der Hälfte der Fälle ungewiss.
Noch einmal Würzburg: Die Grünen behaupteten sich dort bei der Wahl zum Stadtrat erneut als stärkste Kraft. Sie erreichten 31,3 Prozent. Auf Rang zwei landete die CSU mit 23,4 Prozent – ein Minus von 5,8 Punkten. Die SPD kam auf 8,8 Prozent, die AfD erzielte 7,1 Prozent und legte damit um 3,2 Punkte zu.


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Kann es sein, daß die Blockpartei Wähler, ähnlich wie bei den ev. .u. kath. Kirchen, und ähnlich wie bei linearem Fernsehen (ÖRR), erst wegsterben müssen, damit sich die – hoffentlich AfD wählende – Jugend durchsetzen kann? Vermute ja. Nur schade, daß es in 30 Jahren (eine Generation) dann zu spät ist – egal ob „Neo-Sozialismus“ oder EU-Islam. Vermute ich, als 67-jähriger.
Reiter ist doch eine Witzfigur! Dass eine Stadt wie München einen solchen OB hat, sagt schon alles!
Was sind schon kleine Erfolge für die AfD! Im Großen und Ganzen bleibt alles beim Alten!
Es dürfte eine Korrelation zwischen gesellschaftlichem Suizid und Einwohnerdichte geben, da die Städte mehrheitlich rot/grün/links wählen.
> Grüne 12,4 (- 4,1)
Ein Michel könnte bereits Angst bekommen, dass das Klima nicht mehr gerettet wird… Immer noch nicht unter der 5%-Hürde? Tektonische Platten rasen schneller als michelige Gedanken.