Ganz ohne Heizperiode: Die Preise steigen wieder stärker

Die Inflationsrate sinkt. Wenn auch auf hohem Niveau. Diese Durchhaltemeldung bestimmte in den letzten Monaten manche Schlagzeile. Nur: Jetzt steigt sie wieder. Ebenfalls von hohem Niveau aus.

IMAGO / Wolfgang Maria Weber

Unser tägliches Brot gib uns heute. Das ist die zentrale Bitte in einem der wichtigsten Gebete des Christentums. Und auch schon vor Jesu Geburt, in der Antike, beschäftigte der Kampf ums Essen die Menschen. Bis hinein in die Hochliteratur. Würde man die gemeinsamen Mahlzeiten aus der Odyssee streichen, ließe sich Homers Text um ein Drittel kürzen. Warum Nahrung ein wichtiges Thema für Menschen ist, muss man eigentlich nicht erklären – außer vielleicht in einem Land, in dem die Entscheider satt sind.

So, wie in Deutschland. In diesem Land beschäftigt sich die Politik damit, Andreas schneller zu Andrea werden zu lassen; den Diebstahl von Regenbogenfahnen vom Staatsschutz verfolgen zu lassen; das Rauchen von Haschisch zu legalisieren und die Qualität noch härterer Drogen staatlich prüfen zu lassen, damit die Süchtigen ihre Persönlichkeit gesundheitsbewusst zerstören können. Dass die Preise für Lebensmittel weggaloppieren, ist indes kaum ein Thema in der politischen Debatte – außer vielleicht in Nebensätzen von gut abgehangenen Sonntagsreden.

„Die Nahrungsmittel sind nach wie vor der stärkste Preistreiber“, räumt Ruth Brand ein. Sie ist die Präsidentin des Statistischen Bundesamtes, das die Zahlen zur Inflation ermittelt. Käse, Fleisch und das besagte täglich Brot sind demnach im Juni im Schnitt um 13,7 Prozent teurer gewesen als im Juni 2022. Das Brot ist für sich allein genommen um 18,3 Prozent teurer geworden, Gemüse um 18,8 Prozent und Molkereiprodukte sogar um 22,3 Prozent. Ohne die Teuerung der Nahrungsmittel läge die Inflationsrate bei „nur“ 5,8 Prozent.

Insgesamt ist die Inflation damit aber im Juni im Vergleich zum Mai um 0,3 Prozent gestiegen. Im Vergleich zum Juni 2022 sind die Preise heute folglich durchschnittlich um 6,4 Prozent höher. Bremsend auf die Inflation wirken sich die Energiepreise aus. Vorläufig. Das liegt zum einen daran, dass wir uns nicht in der Heizperiode befinden. Und zum anderen wirkt sich noch das dritte „Entlastungspaket“ der Bundesregierung aus. Das könnte im Winter anders werden. Für weitere „Entlastungspakete“ fehlt dem Bund das Geld und über den vergangenen Winter halfen uns noch die letzten drei bestehenden Atomkraftwerke. Kommt es im Winter wieder zu einer längeren Dunkelflaute, müssen wir auch wieder verstärkt Gas verstromen.

Der Vorwurf, dass die Politik sich gar nicht mit den teureren Lebensmitteln beschäftige, stimmt übrigens nicht. Sie trägt dazu bei: Zum 1. Dezember verdoppelt die Ampel die LKW-Maut nahezu. Dass die Spediteure die höheren Kosten an die Supermärkte weitergeben und diese wiederum die Preise erhöhen müssen, leuchtet jedem mit einfachsten wirtschaftlichen Kenntnissen sofort ein. Das bedeutet: In Olaf Scholz’ (SPD) Kanzleramt dürfte sich die Erkenntnis so ab Januar breitmachen, in Robert Habecks (Grüne) Wirtschaftsministerium – nun, er wird es uns wissen lassen.

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Kommentare ( 48 )

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48 Comments
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Alfonso
1 Jahr her

Ganz ohne Heizperiode: Die Preise steigen wieder stärker“

Ursache hierfür ist in erster Linie eine Gierflation.

Unternehmer nehmen die Inflationsstimmung war, um die Kunden abzuzocken.

Wenn dann die Wirtschaft zusammenbricht, haben sie rechtzeitig dafür gesorgt, nochmal vorher ihre Konten aufzufüllen.

Mike76
1 Jahr her

Auffällig ist, dass innerhalb Europas gerade Deutschland hier wieder einmal eine Spitzenposition einnimmt. Nur leider nicht im positiven Sinne, wie auch bei der Besteuerung und den Energiekosten. Die Preissteigerungen im Euro-Ausland fielen in der Vergangenheit weit moderater aus; teils sind sie gar nicht wahrnehmbar, ungeachtet der weltpolitischen Situation. In Schland wird jeder Maikäfer-Pups sofort genutzt, um etwas zu verteuern, und zwar richtig und vor allem dauerhaft, ohne Retour-Option. Mit Schuld daran ist auch die von der Regierung angeheizte Gier auf das gewisse Mehr. Aber auch das wird irgendwann einmal kippen.

Homer J. Simpson
1 Jahr her

Ich finde das gut! Immer weiter! Es sitzen alle noch immer ruhig auf ihren Hintern! Es wird geplant, welche Wärmepumpen man dann doch einbaut, welches E-Auto den Verbrennen ersetzt, wie man jetzt doch noch Solar aufs Dach bekommt und wie man ganz nebenbei doch noch in den Urlaub fahren kann und wohin. Die Leute lernen es nicht oder trauen sich nicht. Man löst Sparverträge auf, geht an Rücklagen – ohne den Ideologen da oben auch nur ansatzweise Paroli zu bieten. Da muss man sich halt mit abfinden, denn ändern kann man ja doch nichts…. So hört man es überall murmeln.… Mehr

Jens Frisch
1 Jahr her

Zeitgleich soll in den Niederlanden ein Drittel aller Höfe enteignet werden… Mich beschleicht das Gefühl, daß die Inflation bei Lebensmitteln nicht nur gewollt ist, sondern sogar noch verschärft werden soll.

Mike76
1 Jahr her
Antworten an  Jens Frisch

Rutte ist – nachdem er als getreuer Lehrling seines Herrn sein zerstörerisches Werk ganz im Sinne der Schwabschen Agenda umgesetzt hat – bald weg und das Thema sollte damit auch in NL gegessen sein. Die Bauern dort jubeln jetzt schon.

Christian1
1 Jahr her

Die Kommunisten und Sozialisten brauchen die Krise, um an die Macht zu kommen- das war bei den Nationalsozialisten so, bei der SED, Lenin, Mao,etc. Gegen funktionierende, homogene Gesellschaften mit Marktwirtschaft, intakten Familien und eigener Währung haben menschenfeindliche Ideologien keine Chance.

littlepaullittle
1 Jahr her

Ich muss aufhoeren, solch fast-Pulitzer-nominierte Sendungen wie „Mein Leben mit 300kg“ oder „Hartz, Rot, Gold“ zu schauen. Da bekommt man einfach den falschen Eindruck, dass alles irgendwie doch noch viel zu billig ist.

Bonzo der Grosse
1 Jahr her

Die deutschen Zahlenlegastheniker verstehen es ohnehin nicht. Vor ein paar Monaten hießen die „guten“ Nachrichten, dass die Inflationsrate gesunken sei. Dass dies allerdings nur Auswirkungen auf die Steigung der Kurve hatte und die Preise deshalb nicht gesunken, sondern weiter nur nicht mehr so stark gestiegen sind, kann der deutsche Matheanalphabet nicht verstehen.

erwin16
1 Jahr her
Antworten an  Bonzo der Grosse

Diskalkoholiker! 🙂 selbst in Bullshitfabriken geballt vorzufinden…..siehe Chefinnen Verbraucherzentrale….mit einer gigantischen Empfehlung !

Flavius Rex
1 Jahr her

Na Na, Gott sei Dank, hat die dritte deutsche Diktatur noch keine Mauern und Todesstreifen errichtet und Reiseverbote verhängt. Schön ist die Lage zwar nicht, aber Ihre Kinder und Kindeskinder können immerhin noch auswandern. Ansonsten finden auch heute 70- 80% der Wählenden, dass alles so weitergehen kann wie bisher, bzw. dass man noch viel mehr und schneller davon braucht. Die „Regierung“ setzt diese Wählerwünsche um.

Memphrite
1 Jahr her

Lernen Sie russisch. Dort werden richtige Fachkräfte gesucht. Sehen Sie sich die Steuern und Preise dort mal genau an. Machen Sie mal Urlaub dort. Es gibt jetzt auch vermehrt Initiativen um Westlern bei der Einreise zu helfen.
Meiner Meinung nach wird Russland zur Arche der „abendländischen Kultur“ werden.
Deshalb auch der Hass der grün-roten-links/rechts-liberalen gegen die Russen.

Memphrite
1 Jahr her
Antworten an  Memphrite

Ja es ist möglich. Zurzeit nur mit Umwegen aber ich denke irgendwann wenn der Ukrainekrieg vorbei ist, kann man Geld auch direkt überweisen.
Ein schöner Ort der „noch“ relativ günstig ist, wäre Kaliningrad. Dies ist noch relativ nach an der deutschen Grenze ca. 5 Stunden mit der A2.
Wie gesagt ansehen und selbst eine Meinung bilden. Aber interessant ist es dort auf jeden Fall und noch günstig sowie noch in der „EU“.

Timur Andre
1 Jahr her

Erzeugerpreise sind um 30%+ gestiegen, nach und nach kommt das durch. Die Politiker werden sich sofort, großzügig einen Ausgleich gönnen, Rentner werden die Verlierer sein.