Friedrich Merz wird auf der Grünen Woche ausgebuht und mit „Scheiß CDU“-Rufen begleitet. Seit Amtsantritt kennt seine Kurve nur eine Richtung: abwärts. Umso härter und schneller will die Union Kritiker auf allen Wegen in die Mangel nehmen.
picture alliance/dpa | Hannes P Albert
Friedrich Merz läuft auf der Grünen Woche durch die Hallen, schüttelt Hände, lächelt in Kameras. Ein bisschen Volksnähe simulieren. Wie wenig die auf Gegenliebe stößt, bekommt er schnell zu spüren: Aus den Besucherreihen ertönen „Scheiß CDU“-Rufe. Schnell verbreitet sich das kurze Video in den mittlerweile auch bei der Union zunehmend verhassten sozialen Medien. Die Botschaft an Merz ist eindeutig.
Die Berliner Zeitung nennt es „wachsenden öffentlichen Unmut“. Das ist höflich formuliert. In Wahrheit stolpert Merz unbeholfen durch die Gänge wie jemand, der sich nur noch in abgesperrten Räumen sicher fühlt und im offenen Raum sofort merkt, wie dünn seine Decke geworden ist.
Die Zahlen passen dazu. N-tv meldet im Trendbarometer für 2026: Nur 23 Prozent sind mit Merz noch zufrieden. Vermutlich sind das Grüne und Linke, die die CDU zwar nicht wählen würden, aber an dem devoten SPD-Kurs der Union eine gewisse Freude haben. Zwei Punkte weniger als Ende 2025. Die jüngste Umfrage sagt zwar, dass es wieder aufwärts geht. Aber wie viel ist aufwärts aus dem Souterrain? Seit Amtsantritt zeigt die Kurve kein Wachstum, sondern Erosion. Der Mann kommt nicht aus dem Loch, weil er es selbst immer tiefer gräbt.
Und während die Wirtschaft taumelt, die Stimmung im Land kippt und die Republik nach Führung sucht, arbeitet Merz vor allem an seinem Bild. Der Außenkanzler reist ab, der Außenkanzler reist ein. Der Außenkanzler steigt aus dem Helikopter in Davos wie der altersschwache Großvater von Karl-Theodor zu Guttenberg zu seiner Imagebroschüren-Verteidigungsminister-Hochglanz-Zeit. Der Außenkanzler simuliert Wirtschaftspriorität. Alle diese Bilder tragen und halten nicht. Kaum teuer produziert, erfreuen sie einen schrumpfenden Kern an Parteisoldaten, von deren Verhalten Menschen noch mehr abgestoßen werden als vom nicht liefernden Kanzler selbst.
Wenn Merz Gegenwind bekommt, reagiert er keineswegs gelassen. ZEIT und taz attestieren ihm, schnell beleidigt, nachtragend, empfindlich zu reagieren. Sogar im ZDF fällt dieses Etikett. Das ist kein Spott aus dem Gegnerlager, sondern ein festes Bild aus dem Mainstream: Merz speichert Kränkungen wie andere Termine.
Dieses Muster ist wesentlich älter als sein Kanzleramt. Schon konservative Weggefährten nannten ihn eine „beleidigte Leberwurst“, nach Kritik wurden vereinbarte Termine kurzerhand abgesagt. Merz zieht sich zurück, canceln lässt er dann andere, Distanzierungen werden zur Disziplinarmaßnahme. Wer ihn trifft, soll es merken. Wie geht er also gegen ein Volk vor, das ihm nicht zujubelt und ihn mehrheitlich ablehnt?
Genau deshalb sind Buhrufe für ihn nicht nur Lärm, sondern ein Angriff auf sein Selbstbild. Ein Kanzler, der Kränkung als Motor kennt, wird den Stachel nicht politisch verarbeiten, sondern administrativ. Wer ihn auslacht, wird nicht überzeugt, sondern bekommt Druck zu spüren.
Dass die Stimmung im Land gekippt ist und dabei ist, sich weiter zu Ungunsten der Union zu verschieben, wurde von CDU und CSU bereits deutlich identifiziert. Sie ist nicht mehr in der Lage, falsche Politik der letzten 20 Jahre zu korrigieren, im Gegenteil. Offenbar möchte sie dies auch gar nicht.
Je lauter also das Pfeifkonzert vor Ort oder in den sozialen Medien, je mehr Kritik in neuen Medien, desto schneller greift die Union nicht zum Programm, sondern zum totalitären Werkzeugkasten der Macht. Wer den Rückhalt verliert, will den Widerspruch leiser drehen. Nicht mit Argumenten, sondern mit Zugriff. Genau das ist der Kern dessen, was sich in Berlin und Brüssel gerade sichtbar zusammenfügt.
Daniel Günther hat bei Markus Lanz nur ausgesprochen, was längst gedacht wird: kritische Medien „kontrollieren“, „regulieren“, im Zweifel „verbieten“. Das war kein Versprecher. Das war ein Blick hinter den Vorhang. Die CDU zeigt, wie sie auf Gegenöffentlichkeit reagiert: nicht mit Debatte, sondern mit Ausschalten.
Und es blieb nicht bei der Talkshow. In Schleswig-Holstein liegt es als Papierform vor. Der CDU Landesverband will den „Kampf gegen Hate Speech“ als Staatsauftrag im Medienstaatsvertrag verankern. Das heißt übersetzt: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk soll nicht nur senden, sondern politisch erziehen und markieren. Die Regierung bekommt den Lautsprecher, der Bürger bekommt die Zurechtweisung.
Die nächste Schraube heißt Geld. Neue Medien sollen per Abgabe zur Kasse gebeten werden, während gewogene Regionalmedien mit staatlicher Förderung gepäppelt werden. Wer kritisiert, soll zahlen. Wer mitläuft, soll kassieren. Das ist keine Medienpolitik mehr. Das sind Methoden, mit denen tyrannische Despoten in Diktaturen vorgehen.
Gleichzeitig schiebt sich der Sicherheitsapparat nach vorne. CDU und CSU arbeiten daran, den totalen Überwachungsstaat zu errichten. Merz rüstet den BND zum Speicher- und Hackerapparat auf. Nicht als punktuelles Instrument gegen Terror, sondern auch als Routinezugriff auf Kommunikation. Das Ziel ist totale Kontrolle.
Dazu passt das von der Union mit Steuermilliarden subventionierte Vorfeld, das ihnen ermöglicht, was sie selbst als Partei nicht können. Meldestellen, NGO-Strukturen, angeblich zivilgesellschaftliche Antennen sollen melden, filtern, sortieren. Der Staat lässt andere die Drecksarbeit erledigen, damit er sich die Hände sauber halten kann. Am Ende steht trotzdem dieselbe Botschaft: Wer abweicht, wird auffällig gemacht, diffamiert, ausgegrenzt, verfolgt, zensiert.
So wird aus Merz’ Gegenwind keine Warnung, sondern ein Beschleuniger. Je mehr Buhrufe, desto mehr Zugriff. Je mehr Kritik, desto mehr Apparat. Der Kanzler steht nicht vor Bürgern, er steht vor einem Problem, das er nur noch als Störung kennt. Und die Union beantwortet Störung nicht mit Politik, sondern mit zunehmender Repression.
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Da wird der Herr Kanzler Merz in Berlin ausgebuht. Bilder die um die Welt gehen und ganz sicher in den USA auch zu sehen waren. Nur an Baden-Württemberg sind sie anscheinend vorbeigegangen. An 8.März sind hier Wahlen. Im „the Länd“ führt die CDU gefolgt von den Grünen. D.h. es wird weitergehen wie bisher. Die Bilder der Streikenden vor den Werkstoren von Bosch in Bühl werden ausgeblendet und bewirken nichts. Vielmehr müssen wir bei einer beleidigten Leberwurst mit allem rechnen. Etwas Gutes für die Bürger in diesem Land wird nicht dabei sein. Leider!
Was für ein Idiot – er hatte die Chance sich in die Geschichtsbücher zu schreiben und schmeisst das einfach weg.
Also ein Platz in den Geschichtsbüchern ist den Merzens und Merkels, den Habecks und Bärbocks und dem übrigen deliranten Haufen in Berlin.
Die Schüler später im Geschichtsunterricht wollen ja auch mal was zum Lachen haben.
… und dem übrigen deliranten Haufen SICHER.
Fehlte noch.
Schlussfolgerung: Revolution! Ansonsten finden wir uns sehr schnell in einer Diktatur unter Merz und seinen Schergen wieder!
Ich hätte dem Wahlbetrüger noch ganz anderes an den Kopf geworfen. Das der sich da noch hin traut. Dieser Landesverräter gehört endlich an einen sehr sicheren Ort, zusammen mit seinen Mittätern und Erfüllungsgehilfen.
Die Inkarnation an Inkompetenz, Verlogenheit, Arroganz und Borniertheit.
Herzlichen Dank, Frau Taxides, für einen fundierten Artikel mit treffender, durchaus harter aber unbedingt angebrachter Wortwahl. Und was nun kommt, ist laut Aussage meines Anwalts durch die zumindest formell immer noch gültige Meinungsfreiheit gedeckt: Vor diesem Kanzler habe ich sympathische und unsympathische Menschen in reicher Zahl kennengelernt. Manche auch äußerst sympathisch, andere sehr unsympathisch. Doch letztere Kategorie ist nichts gegen einen Fritze Merz. Muss man eigentlich erst zum ollen Opa werden, um zu realisieren, dass die bisherigen Wertmaßstäbe unzureichend waren?!
Denken wir doch daran was andere CSU Größen ( Seehofer ) schon gesagt haben : diejenigen die sich als „ Gewählte „ präsentieren haben noch lange nicht das Heft des Handelns in der Hand .
So ist denn die seit 20 Jahren erkennbare Schwäche und Handlungsunfähigkeit der letzten Kanzlerschaften so zu erklären .
Hinzu kommt das in diesem Lande der Schwanz mit dem Hunde wackelt .
Eine vergleichsweise schwache grüne und rote Täterschaft ruinieren das Land durch überdimensionierte Einflussnahme .
Obwohl es genau diese Lebensläufe der handelnden Personen sind die sich als Verantwortungsträger ausschließen sollten .
Es ist immer das gleiche Trauerspiel ! „ Wählt mich dann vertrete ich eure ,des Bürgers , Anliegen“ , so jammert es vonden Wahlplakaten . Nun gibt es genügend „ Strenggläubige „ im Sinne der Parteiengläubigkeit bei den Kartellparteien die den Gesichtern auf den Plakaten ihre Stimme geben . Und —— schon in den Abfluss gegriffen ! Denn die wollen doch die Wähler gar nicht vertreten . Sie wollen denen am Wahltag Versprechen verkaufen ,nichts anderes . Was sie dann Ben zur Genüge und ausschließlich tun. Der Wähler ist das löchrige demokratische Mäntelchen das man sich umhängt bevor man ( die Parteispitzen der Kartellparteien ) den… Mehr
Der guckt aber Intelligent. Nicht?
Klein-Fritze hat wohl schon im Sandkasten nur geplaerrt. Ein Blick wie Einstein nach dem 5 Scotch. Obwohl: Es waere nicht bekannr, dass Einstein alokoholaffin gewesen waere. Prof.Otte brachte Fritze auf den Pubkt: Er habe sich nix vom 2.Wahl „Kanzler“ erwartet, aber selbst das habe Merz noch unterboten.
Und ja, „Herr“ Guenther: Nach der Gestapo kommt die Freiheit – aber ohne Guenther&Konsorten.:
Es mag ja sein, dass die Stimmung im Land gekippt ist und man dem Lügenbaron aus dem Sauerland nichts mehr zutraut und seinem machthörigen Deppenverein namens Union auch nicht, aber dies alles schlägt sich nicht im demoskopisch ermittelten Wahlverhalten der Mehrheit nieder. Die Untertanen werden auch in der nahen Zukunft weiterhin diejenigen wählen, die die oft kritisierten Zustände im Land herbeigeführt haben. Die Kritik am links-grünen Bankrottkartell und seiner verheerenden Politik ändert das Wahlverhalten der naiven und denkfaulen Mehrheit nicht im geringsten.
Was hat der eigene bei Black Rock gemacht ? Außer Kaffee kochen und Akten lochen scheint er zu nichts anderem fähig zu sein. Oder sind sie da alles Hampelmänner vom gleichen Kaliber ? Einer mit den allerschwersten charakterlichen Defiziten hockt im Kanzleramt und kann nichts, aber auch rein gar nichts , außer dummes Geschwätz von sich zu geben und natürlich lügen das sich die Balken biegen. In der Disziplin allerdings macht ihm keiner etwas vor. Man kommt nicht umhin Paul Brandenburg Recht zu geben, nämlich darin, das die die so etwas wählen, also die CDU-Wähler, die dümmste Lebensform wo gibt,… Mehr
Der wurde von Larry Fink durchgefüttert, damit er genau das macht, was er jetzt macht. Um zu liefern, muss er unbedingt Kanzler bleiben. Um Kanzler zu bleiben, braucht er die SPD, die dafür alles machen kann, was sie will, wenn es seinen Auftrag nicht tangiert.