Die G7 verwalten die Probleme der Welt

Ob Inszenierungen wie der G7-Gipfel ihre Kosten wert sind, spaltet die Geister. Der Wirkung ihrer Bilder entziehen sich wenige. Wer diesen Gipfel in bayrischer Bilderbuch-Kulisse auf der Haben-Seite buchen kann, ist Angela Merkel. Ihr zweiter Weltwirtschaftsgipfel als deutsches Heimspiel  wird von der Kür zur Klima-Kanzlerin gekrönt. Die Urkunde durfte sie aus den Händen von Greenpeace und Germanwatch höchst selbst entgegen nehmen. Das Zwei-Grad-Ziel in der Klimapolitik haben 2010 alle UNO-Staaten unterschrieben. Dass seine Elmauer Erneuerung durch die G7 als „Durchbruch“ bewertet wird, sagt, wie wenig in diesen Zeiten viel ist.




Barack Obama ist für die angelsächsische Presse die Hauptfigur für die erwünschten scharfen Töne gegen Russland. Dass die Kanzlerin dazu entschieden milder klingt, ändert nichts am Elmauer Bild vom Bekenntnis zur westlichen Wertegemeinschaft, das die Medien unisono positiv vermelden. An China richteten die G7 die Aufforderung zur friedlichen Lösung seiner Grenzkonflikte mit Japan, Vietnam und anderen Nachbarn. Die Absicht der G7 zur Bekämpfung von ISIS  wurde demonstriert. Mit Blick auf die G7-Präsidentschaft Japans verkündeten die Elmauer Gipfler den neuen Schwerpunkt Korruptionsbekämpfung. Der Abschluss des Freihandelsvertrags TTIP kommt, gehört auch zu den Berg-Botschaften: Ob noch in diesem Jahr blieb im Gewitterdunst über Elmau verborgen.

500 Millionen Menschen wollen die G7 bis 2030 zu sicherer Ernährung verhelfen, die Krankheit Ebola auf Null bringen und den Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen verstärken: Die Welt hört es gern. Die bekundete Entschlossenheit, Selbständigkeit und Bildung von Frauen zu stärken, trifft auf nicht weniger Beifall. Eine in Elmau angekündigte große Konferenz der Kanzlerin dazu im September in Berlin zeigt, wir dürfen den Titel Klima-Kanzlerin thematisch nicht zu eng verstehen. Wer noch daran zweifelte, wer die nächste Bundesregierung führen wird, hat jetzt höchstwahrscheinlich Gewissheit. Es muss schon ganz Unvorhersehbares passieren, wenn sich das nicht bewahrheiten soll.

Wer das hilflose Kommentar-Gestammel der Grünen und Linken zu Elmau sah, weiß, solche Opposition bringt keine Alternativen zustande. Wer die wahre Opposition der Politik weltweit zu werden beginnt, oder schon mehr ist, als wir merken, zeigen zwei Beobachtungen am Rande. Die Welthungerhilfe engagierte Schauspielerinnen als Demonstranten-Darsteller, um in die Medien zu kommen. Greenpeace projezierte Klimaforderungen auf eine Bergwand. Der Krieg der Bilder beginnt. Schon bezeichnend, das die Welthungerhilfe etwa zur Hälfte mit öffentlichen Mittel aliementiert wird und sich des Bundespräsidenten als Schirmherrn bedient – und doch gegen die Bundesregierung mit bezahlten Demonstranten Stimmung machen darf. Das Kanzleramt sollte überlegen, ob zukünftig vielleicht ein paar Bundeswehrsoldaten oder Beamte zu Demonstrationen abgeordnet werden können…

Dabei ist Angela Merkel die Siegerin im Krieg der Bilder: Wie sie vor Barack Obama steht; er die Arme über die Lehne einer Bank ausgebreitet, sie davor: So wünscht sich das Volk die Weltenlenker. Praktisch jedes Blatt hat das heute auf Seite eins. So ein Bild ist die Millionen wert, aus Sicht der Bundesregierung jedenfalls und auch die handzahmen Demonstranten passen gut dazu: Als Protest-Folklore.

Inszenierung als Politik-Ersatz

Sogenannte Sherpas bereiten derartige Gipfel mehrere Monate vor. Die Ergebnisse könnten auch ohne Gipfel bekanntgemacht werden. Wirkliche Einigungen in letzter Minute und nur, weil die Bosse selbst miteinander reden, kommen vor – als Ausnahme, nicht als Regel. Aber darum geht es nicht. Gipfel setzen Politik ins Bild. Inszenierung ist politische Kommunikation in unserer globalen Massenmedien-Welt. In der täglichen Überflutung mit Trivialem und Bedeutendem in chaotischer Mischung lassen sich die Massen nur noch mit außergewöhnlichen Bildern erreichen. Wir werden also nicht weniger Schloss Elmau sehen, sondern mehr.

Der Blick in die Medien zeigt, bei ihrer Inszenierung machen die tatsächlich und angeblich Mächtigen der Welt Fortschritte. In ihrer Politik müssen wir darauf weiter warten. Aber solang die Kulissen Medien und Massen genügen, kann sich daran nichts ändern.




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