In Brandenburg zerbrach die Koalition aus SPD und BSW. Dass es so kommen würde, wie es nun kommt, dass die Koalition zwischen SPD und BSW nicht die Legislaturperiode durchhalten würde, war schon am Tag ihrer Gründung klar. Man wusste nur nicht, wie lange sie bestehen würde.
picture alliance/dpa | Christophe Gateau
Brandenburgs schon viel zu lange regierender Ministerpräsident Dietmar Woidke von der viel zu lange regierenden SPD tauscht den Koalitionspartner BSW einfach durch die CDU aus. Keine große Sache. Höllisch aufgeregt ist zur Stunde nur einer, Brandenburgs CDU-Chef Jan Redmann, der, noch bevor er anscheinend gefragt wurde, hektisch auf und ab springt, mit beiden Armen wedelt und ruft, dass er bereit wäre, Minister zu werden.
In der Brandenburgwahl 2024 hatte Woidke alles auf eine Karte gesetzt, entweder die Brandenburger wählen ihn oder die AfD. Mit dieser Polarisierung gelang es ihm, knapp vor der AfD durch das Ziel zu gehen, mit 30,9 Prozent zu 29,2 Prozent – und das auch erst nach der Auszählung der Briefwahlstimmen. Redmanns CDU verlor im Vergleich zur letzten Wahl 2019 noch einmal 3,5 Prozentpunkte und fuhr ein mieses Ergebnis von 12,1 Prozent ein. Was für ein Absturz! Die Ursache dafür lag eindeutig in den Schlangenlinien, die Redmann fuhr. Das BSW holte 13,5 Prozent und überholte damit noch die CDU. Die Grünen fielen wohl verdient aus dem Landtag raus, die Linke auch. Eigentlich hätte Woidke gern mit Redmanns kuschliger CDU koaliert, doch die Parteibasis erwies sich als weit weniger kuschlig und handzahm als Redmanns Vorstandsklub.
So musste man mit Bedauern ablehnen. Woidke war es egal, denn es gab ja noch das BSW, geführt von dem ehemaligen SPD-Mann Robert Crumbach. Doch das BSW verstritt sich heillos, Crumbachs Woidke-Nähe gefiel politisch nicht allen, Crumbach schoss gegen Wagenknecht, weil er womöglich in der Partei nicht die Karriere machte, die er sich vorstellte. Crumbach erklärte gestern seinen Austritt aus dem BSW. Das BSW forderte Crumbach zum Mandatsverzicht auf und schrieb. „Der Verdacht, dass die Partei so lange für persönliche Karrierepläne ‚benutzt‘ wurde, wie sie dienlich war, liegt nahe.“ Crumbach hatte zuvor Sahra Wagenknecht vorgeworfen, dass sie demokratische Institutionen wie das deutsche Parlament herabwürdige. „Eine weitere Mitgliedschaft in einer Partei, die demokratische Institutionen pauschal herabwürdigt, interne Konflikte eskaliert und politische Ausgrenzung fordert, ist mit meinem Amtsverständnis (…) und mit meinen persönlichen Werten nicht vereinbar.“
In Potsdam erklärte Ministerpräsident Dietmar Woidke ungerührt, dass die Basis für eine Zusammenarbeit nicht mehr gegeben sei und die drei BSW-Minister im Amt bleiben. Crumbach kam im Landtag bei der SPD unter. Die SPD hat im Landtag 32, die AfD 30, das BSW 14 und die CDU 12 Mandate. Käme es zu einer rotschwarzen Koalition, braucht Woidke noch Crumbachs Stimme zur Mehrheit. Das könnte Crumbachs Ministerposten retten. Vielleicht gesellen sich ja noch ein oder zwei BSW-Abgeordnete zur SPD. Es heißt zwar, dass Redmanns Verhältnis zu Woidke nicht allzu vertrauensvoll und auch nicht wirklich gut sei, doch dürfte das keine Rolle spielen, wenn man jetzt das werden könnte, was die Basis 2024 verhindert hatte, nämlich Minister.
Jedenfalls bemühte sich Redmann zu betonen, dass sein Verhältnis zu Ministerpräsident Dietmar Woidke „in Ordnung und gut“ sei. Wenn er dazu äußert: „Wir kennen uns seit Langem“, entspricht das zweifelsohne der Wahrheit. Die CDU-Funktionäre werden selbstverständlich nur aus staatspolitischer Verantwortung in die Regierung eintreten. In Redmanns Phraseologie klingt das so: „Brandenburg braucht jetzt Stabilität und Verlässlichkeit in der Politik. Wir stehen selbstverständlich zur Verfügung, darüber zu sprechen, wie die CDU dazu beitragen kann.“ Schließlich gilt es, Schlimmeres zu verhüten, zum Beispiel nie im Leben Minister gewesen zu sein.
Ginge es um das Land, ginge es um die Demokratie, könnte man mit der AfD zusammen Neuwahlen beantragen. Der Antrag würde zwar scheitern, weil AfD und CDU nicht genügend Stimmen zusammenbekämen, auch nicht, wenn das BSW mitstimmt. Doch die CDU könnte etwas machen, was sie in der gesamten Legislaturperiode vermieden hat, nämlich Opposition. Stattdessen hielt sich die CDU brav auf der Reservebank für die Regierung. Denn wie gesagt, dass diese Koalition halten würde, glaubte niemand, es war nur eine Frage der Zeit. Kommt Zeit, kommt Ministeramt.
Wie sind die Aussichten? Redmann wird der CDU in Woidkes Regierung den Rest geben. Demokratische Verhältnisse vorausgesetzt wird Redmanns Ergebnis von 2024, die 12,1 Prozent einmal sein Traumergebnis sein, wenn die CDU einstimmig geworden sein wird. Während Dietmar Woidke ganz andere Fragen, wirklich wichtige Fragen beschäftigen. Wer wird nach ihm den Thron in Brandenburg, der der SPD seit Anbeginn gehört, besteigen? Die SPD ist mit der Nachfolge von Dietmar Woidke voll und ganz beschäftigt, und auch Woidke, der seinen Nachfolger noch bestimmen will. Und um die CDU muss sich die SPD gottseidank nicht kümmern. Nichts Neues also in Potsdam.

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Sieht mir ziemlich nach „Kunkelei“ aus:
Erst lassen sich die Sozen via BSW ins Parlament wählen und dann wecchseln sie einfach (wieder?) in die SPD…so kann man auch eine ungeliebte Klientel zurück an den „Fressnapf“ beamen.
So geht halt UnsereDemokratie. Es ist eigentlich egal wer aus dem Kartell regiert. Der Wähler wird für dumm verkauft.
Nicht neues in Brandenburg. Das Landespokal Endspiel im Stadion Circus Politikus geht mit einem neuen Unentschieden in die Verlängerung! Die Heimmannschaft wechselt zwar irregulär einen Spieler mit falschem Trikot ins Spiel, aber auch damit lässt sich keine Tore schiessen! Zudem hat der Trainer der Mannschaft zwar Flasche leer, also somit wird es dann wohl erst am Ende der Saison auf ein Elfmeterschiessen hinauslaufen. Die Gastmannschaft derweil wärmt sich als mit Elfmeterschiessen auf, denn Fussball im Osten ist aktuell, wenn zwei Mannschaften gegeneinander spielen und am Schluss die Blauen gewinnen! Na dann einfach entspannen und die Show geniessen. Kino ist nichts… Mehr
Wenn sich Pfeifen jeglicher Art gegenseitig austauschen und damit den Status quo in der Sache aufrecht erhalten, ist niemand gedient und weil sie daran auch kein Interesse haben, wird das üble Geschachere fortgeführt und den Joker hat der Bürger, der allerdings auch nicht ganz unschuldig ist, indem er diese politischen „Koryphäen“ gewählt hat und deren größtes Interesse besteht darin, jede Opposition zum Schweigen zu bringen, denn im dunkeln läßt es sich gut munkeln und Transparenz und Erfolg für sie kein vordergründiges Thema darstellt. So geht unser ehemaliges schönes Land stückchenweise zugrunde und sie können doch nicht erzählen, daß sie am… Mehr
Und das soll der Bürgerwille sein, wann gab es dort das letzte mal richtige freie Wahlen? Monarch Woidke hat gesprochen und alle müssen gehorchen?
Prima, was da in Brandburg so los ist!
Meine Voraussage: Bei der nächste Wahl wird die AfD höchstwahrscheinlich die 40%-Marke knacken.
Und hoffentlich dauert das nicht mehr so lange bis zu den Neuwahlen.
Ich freue mich mittlerweile ehrlich auf Herrn Siegmund. Das wird dann noch ein Heidenspaß! Wer jetzt noch in Brandenburg CDU wählt, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Der Landeschef der CDU ist doch nur noch, wie sagt man in Württemberg (?), ein Halbdackel. Es sind einfach die Leute, die Repräsentanten ihrer Parteien, die so furchtbar abgewirtschaftet haben und die nur noch nach Hause geschickt werden sollten. Es ist noch nicht so lange her, als ich erfuhr, daß Leif-Erik Holm in Mecklenburg Vorpommern als MP-Kandidat antritt. Etwas besseres kann ich mir da gar nicht vorstellen! Ein wirklich anständiger Mensch, möchte… Mehr
Die Krönung des ganzen ist ja, dass die SPD-CDU Regierung bei der letzten Wahl abgewählt wurde und ihre Mehrheit verloren hat. Dass jetzt mal eben der BSW Chef von Brandenburg zur SPD wechselt und damit der abgewählten SPD-CDU Regierung wieder eine Mehrheit verschafft, und dann auch noch die unglaubliche Frechheit besitzt, das als Verantwortung zu bezeichnen, spottet jeder Beschreibung. Solche Fraktionswechsel sind purer Wahlbetrug. Da lass ich auch keine „Freiheit des Abgeordneten“ gelten. Insbesondere Listenabgeordnete haben kein Recht, mal eben nach der Wahl die Fraktion zu wechseln und damit all ihren Wählern ins Gesicht zu spucken. Schon gar nicht wenn… Mehr
„Brandenburgs Ministerpräsident tauscht das BSW durch die CDU aus“
Und?
Raider oder Twix – es ändert sich nix.
Ist es nicht völlig Wurst, mit wem Woidke ins Bett steigt? Irgendeine Brandmauerhure ist willig.