Trotz aller Vorwürfe: 41 Prozent wollen Elif Eralp als Bürgermeisterin

Zwei Wochen nach der Wahl in Berlin will eine relative Mehrheit ausgerechnet eine Regierende Bürgermeisterin, deren Partei unter schwersten Vorwürfen steht: 41 Prozent sprechen sich für Rot-Grün-Rot aus, also für einen Senat unter der Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp.

Elif Eralp (Die Linke). picture alliance / Volodymyr Sindieiev | Volodymyr Sindieiev
Elif Eralp, Fraktionsvorsitzende der Partei Die Linke.

Nur 31 Prozent der Berliner bevorzugen nach der neuen Insa-Nachwahlbefragung eine Kenia-Koalition aus CDU, Grünen und SPD. 52 Prozent rechnen ohnehin mit dem Linksbündnis – die drei Parteien sondieren bereits. Die Linke war am 20. September mit 25,7 Prozent stärkste Kraft geworden, vor CDU (18,8), AfD (16,3), Grünen (14,3) und SPD (12,1). Die Wahlbeteiligung lag bei 74,2 Prozent.

Die 45-jährige Juristin Elif Eralp wäre die erste Regierende Bürgermeisterin der Linken und die erste mit Migrationsgeschichte. Auch deshalb wiegen die Vorwürfe schwer: Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ wies nach, dass Eralp jahrelang Mitglied der Roten Hilfe war, die der Berliner Verfassungsschutz als größte linksextremistische Organisation der Stadt führt. Der Verein unterstützt beschuldigte linksextreme Straftäter, darunter sind sogar Ex-RAF-Terroristen, und spricht von Klassenjustiz. Eralp trat nach Parteiangaben 2025 aus dem Verein aus, bevor sie Spitzenkandidatin wurde. Sie sei nur passives Mitglied gewesen, aus dem Jurastudium, um Mittellosen einen Rechtsbeistand zu verschaffen, und habe später andere Ansichten gehabt.

Auch ein Abend in Neukölln belastet die Fraktion: Auf der Wahlparty des Kreisverbands erschien Issa Remmo, Oberhaupt eines arabischstämmigen und mutmaßlich schwer kriminellen Clans, und posierte vor Kameras. Auch zwei mutmaßliche Angehörige eines anderen Clans seien anwesend gewesen, einer habe dabei sogar Interviews gegeben. Die Neuköllner Linke weist diese Nähe zu den Clans zurück. Die Gewerkschaft der Polizei verwies auch darauf, dass manche Protagonisten dieser Szene bei propalästinensischen Kundgebungen durch verfassungsfeindliche Parolen und Widerstand gegen Beamte aufgefallen seien, es liefen Ermittlungen wegen Betrugs, Körperverletzung, Geldwäsche und Drogen.

Die Linke in Problemen
Elif Eralp und ihr Verein, der Spenden für Terroristen sammelt
Und das Thema Antisemitismus wird von den möglichen Koalitionspartnern SPD und Grüne bei der Linken offenbar nicht als wesentlich betrachtet: Bei einer Wahlkampfveranstaltung der Neuköllner Linken rief der Rapper Dahabflex „Death to the IDF“. Zuschauer sangen und tanzten. Zentralratspräsident Josef Schuster sprach von Aufrufen zur Intifada und zur Tötung israelischer Soldaten. Noch im Mai hatte Eralp gesagt, es gebe kein Existenzrecht für Staaten, nur für Menschen – eine Formulierung, die als Absage an Israel gelesen wurde. Sie distanzierte sich später: Gewaltaufrufe seien inakzeptabel, sie stehe für den Schutz jüdischen Lebens. Die SPD und die Grünen verlangen zwar „klare Schritte“ von der Linken, bevor sie in einen Senat eintreten, die bisher bekannte Linie der Wahlgewinner dürfte sich aber trotz dieser Wünsche der möglichen Koalitionspartner kaum ändern.

Die Insa-Zahlen liefern jedenfalls ein klares Stimmungsbild: 70,8 Prozent der Befragten geben Friedrich Merz die Hauptverantwortung für das schlechte CDU-Ergebnis, darunter eine Mehrheit der Unionswähler.

Die SPD-Wähler sind gespalten: 48 Prozent wollen eine Kenia-Koalition, 42 Prozent Rot-Grün-Rot. Grüne und Linke votieren mit absoluter Mehrheit für Eralp. Entschieden haben dabei die Themen Wohnen, Alterssicherung und Soziales. SPD-Wähler nannten als Wahlmotive die Rentensicherung, Grüne das Klima, AfD die Migration, CDU die Wirtschaft, FDP die Bildung, Linke und BSW das Wohnen. Insa-Chef Hermann Binkert: „Jede Partei hatte ihr Steckenpferd, das der Linkspartei zog am besten.“

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