E-Mobilität: wie Günstlingswirtschaft auf dumpfer Ideologie gedeiht

Die deutsche Politik hat Milliarden in den Aufbau der Ladeinfrastruktur für E-Autos gepumpt. E-Autofahrer laden allerdings größtenteils daheim. Ein Lehrbuchbeispiel für Vetternwirtschaft und politische Dummheit.

picture alliance / imageBROKER | Michael Weber

Ein fälschlicherweise Albert Einstein zugewiesenes Bonmot lautet: „Die Definition von Wahnsinn ist, stets dasselbe zu tun und ein anderes Ergebnis zu erwarten.“ Ganz gleich, wem die Beobachtung tatsächlich zuzuschreiben ist – gut möglich, dass deutsche Politik gerade in der Gegenwart zwingend zu dieser Erkenntnis geführt hätte. Der Wahnsinn ist in Berlin und im von Berlin ideologisch dominierten Brüssel Programm. Beispiel gefällig? Land auf, Land ab heißt es: Mobilität muss grün sein, emissionsfrei, vollständig dekarbonisiert. Selbstverständlich ist die daraus zwingende Transformation zum Elektroauto hierzulande Staatsangelegenheit.

Dem Markt vertraut niemand mehr

Hierzulande denkt man etatistisch – das Fördermittel-Füllhorn ist schnell zur Hand, immer wieder aufgefüllt vom Steuerzahler, der auch für den Staatskredit gerade steht. Deutsche Fördermittelpolitik mit dem Füllhorn gleichzusetzen, wäre wohl ein Euphemismus. Allein der Aufbau einer Ladeinfrastruktur für E-Autos verschlang seit 2017 über vier Milliarden Euro öffentlicher Gelder. Deutschlandnetz nennt sich diese Kapitalverbrennungsmaschine, die zudem für weitere zwei Milliarden Euro 9.000 ultraschnelle High-Power-Charging-Säulen im gesamten Bundesgebiet aufstellte. Doch damit nicht genug: Etwa 1,6 Milliarden Euro kosteten die Lkw-Schnellladesäulen entlang der Autobahnen – haben Sie schon einmal einen E-Lkw beim Laden beobachtet?

Das Ergebnis dieser orgiastischen Ausgabenparty kann sich sehen lassen – zumindest auf dem Papier: Etwa 205.000 öffentliche Ladepunkte stehen mittlerweile bundesweit an allen Ecken und Enden bereit, ein Plus von 16 Prozent binnen eines einzigen Jahres.

Hat hier am Ende möglicherweise die Planwirtschaft obsiegt? Immerhin, aus der Perspektive der Politik ist dies ein sichtbarer Erfolg – denn dort zählen weder Renditekriterien noch muss man sich einem Leistungsaudit unterwerfen. Man greift ganz einfach zurück auf den niemals versiegenden Steuermittelstrom der Bürger.

Die Bürger bürgen für diesen ideologischen Amoklauf

Denn nur in seltenen Fällen investieren private Betreiber wie EnBW, Tesla oder Ionity ergänzendes eigenes Kapital in diesen Popanz. Sie wissen ganz genau, dass es hier ein Problem gibt: Die überwiegende Mehrheit der E-Autobesitzer lädt ihre Batterien daheim auf und pfeift auf das staatliche Angebot.

Um es zu quantifizieren: 80 Prozent ziehen es vor, über Nacht daheim aufzuladen – eigentlich logisch, da man nur sehr selten stundenlang am selben Ort zur Erledigung der Alltagsgeschäfte verweilt. Deutschland hat also ganz offensichtlich eine überdimensionierte Ladeinfrastruktur geschaffen – wie sie nur im Märchenland der sozialistischen Planwirtschaft entstehen kann: teuer, überdimensioniert und am tatsächlichen Bedarf vorbei.

Hätte man das wissen können? Logisches Denken, ein wenig Praxisbezug und Lebenserfahrung hätten möglicherweise dazu beigetragen, diese milliardenschwere Kapitalvernichtung wenigstens abzumildern. Selbstverständlich wäre es klug gewesen, dem Markt die Koordination von Investitionen, Technologieanwendung und möglicherweise dem Schwenk zur E-Mobilität anzuvertrauen – aber dann wäre Politik geradezu arbeitslos. Ihr Allmachts- und Allwissenheitsanspruch wäre öffentlich bloßgestellt als das, was er ist: dümmliche Wissensanmaßung von Zentralplanern.

Dieselbe ideologische Verblendung gegenüber Marktmechanismen zeigt sich bei der wieder aufgelegten E-Auto-Kaufprämie. Fatal, aber unvermeidlich: Auch in diesem Falle werden Steuergelder in Milliardenhöhe verbrannt, die zu allem Übel auch noch zu einem nicht unerheblichen Teil – vermutlich bis zu 25 Prozent – an die chinesische Konkurrenz abfließen. Die moralisch so trittsicheren Vertreter des linken Parteienkartells lassen eine Frage stets unbeantwortet: Weshalb sollte der Steuerzahler dem wohlhabenden Käufer eines kostspieligen E-Mobils überhaupt einen Teil des Kaufpreises finanzieren?

Expansion der E-Autoflotte wäre Kollaps der Netze und Preisexplosion

Ein abschließendes Wort zur Lage am E-Automarkt: Aktuell sind 25 Prozent der neu zugelassenen Pkw vollelektrisch. Ein Großteil dieser Zulassungen stammt aus Flotten- und Händlerzulassungen. Lediglich zehn Prozent der neu zugelassenen Kfz sind tatsächlich von privaten Kunden zugelassene Neuwagen. Es dominiert nach wie vor der Verbrennermotor, ergänzt um einen moderat wachsenden Hybridmarkt.

Der E-Automarkt wächst hierzulande schleppend. Von Euphorie, wie sie die Politik immer wieder vorgaukelt, ist weit und breit nichts zu sehen. Ein fundamentaler Aspekt, den die Funktionäre in den Zentralplanbüros der Parteien und der zuständigen Förderinstitute bislang ausgeblendet haben, ist die Frage nach der Versorgung einer schnell wachsenden E-Auto-Flotte mit Strom. Bereits heute konkurrieren Industrie und private Haushalte um die im Zuge der grünen Transformation künstlich verknappte Stromversorgung im Land. Die Preise steigen weiter. Die Expansion der E-Autoflotte würde in diesem Moment zum Kollaps der Netze führen, die Preise durch die Decke treiben. Sicherlich: Die Bundesregierung wüsste wohl eine rasche Antwort zu geben – Energierationierung für die energieintensiven Betriebe, Klimagutscheine für die ärmeren Haushalte, und voilà: Alles ist wieder im Lot, die Party kann weitergehen.

Rettung, so hat es den Anschein, soll nun aus Frankreich kommen. Dort setzt die Politik bekanntermaßen konsequent auf Atomstrom, ganz gleich wie irrlichternd der Nachbar im Osten mit seinem Stromnetz hantiert. Atomstrom – die einzig tatsächlich vernünftige und ökologisch akzeptable Energieform, die skalierbares Wirtschaften gestattet.

Aber vielleicht sieht die Lösung ja auch folgendermaßen aus: In der Zukunft fahren wir ohnehin elektromobil, vollständig digitalisiert und vom weisen Steuerungsapparat jederzeit kontrollierbar und abschaltbar. Dann löst sich auch das Problem des Energiemangels von ganz allein – sie ziehen uns einfach den digitalen Schlüssel aus der digitalen Wolke.

Wie wir allerdings zur Arbeit kommen sollen, um diesen völlig verknoteten ideologischen Wahnsinn zu finanzieren, ist nicht ganz klar. Aber keine Sorge: Im Zentralplan findet sich gewiss auch dafür noch eine Lösung.

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Kommentare ( 4 )

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Rasio Brelugi
44 Minuten her

Ludwig Erhard hatte in zweifacher Hinsicht recht: Eine Wohlstand schaffende Marktwirtschaft braucht eine funktionierende Konkurrenz und Konsumentenfreiheit. Leicht zu verstehen, aber zur Umsetzung braucht es kompetente Politiker. Wirtschaftspolitische Pfeifen schaffen allerdings nur Planwirtschaft, á la „Ich hätt da auch mal eine Idee!“; wenns schiefgeht, ist nicht das eigene Geld hin, sondern das der Steuerzahler. Das ist praktisch, wenn man so tut, als hätte man Ahnung. Das Zweite, was Erhard immer wieder sagte: Planwirtschaft schafft stets Mangel. Diesen Mangel zu verteilen, braucht es eine mächtige Bürokratie. Um der Bürokratie solche Macht zu verleihen, braucht es den totalitären Staat. Der ist immer… Mehr

PulsarOperator
1 Stunde her

Ist doch klar, zu Hause kostet die kWh höchstens die Hälfte wie an der öffentliichen Ladesäule. Dort lädt der Klima-Gutmensch (m/w/d) nur wenn er auf auf einer längeren Tour ist.

Last edited 1 Stunde her by PulsarOperator
ceterum censeo
49 Minuten her
Antworten an  PulsarOperator

Der Klima-Gutmensch, wenn er dann eine längere Reise machen möchte (also 400/500km+) leiht sich bei Sixt und Co. einen Verbrenner! Stimmt nicht, sagen die Elektrojünger (haben wir ja hier ein paar). Stimmt doch, sage ich. Mein wohlhabender Nachbar, der (auch) einen Q6 e-tron besaß, hat sich für die Reisen zur Ostsee oder den Alpen immer einen Verbrenner geliehen! Ich finde das schon ein wenig schizophren: die Gutmenschen, meist wohlhabend und bei denen „Time is money“ über dem Bett hängt (sonst wäre sie idR. nicht so wohlhabend) schert es einen Sche…., ihre ach so „wertvolle“ Zeit an lächerlichen Ladesäulen zu verplempern.… Mehr

OJ
1 Stunde her

Politiker sind nicht verurteilte legale Schwerstkriminelle, geschützt durch ihre Immunität❗