Börsenwoche: SpaceX weiter im Mittelpunkt – Ölpreis fällt

Ein großes Thema ist nach wie vor der Börsengang von SpaceX. Der Kult um Elon Musk scheint vielen Beobachtern das Zeichen einer spekulativen Blase zu sein. Anleger reagierten erleichtert auf den weiter gefallenen Ölpreis, nachdem das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran zur Beendigung des Kriegs im Nahen Osten unterzeichnet worden war.

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Nachdem nun nach langem Hin und Herr das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran tatsächlich unterzeichnet worden ist und in der Schweiz zwischen den Kontrahenten die erste Gesprächsrunde stattgefunden hat, dürften Anleger in der neuen Woche Ausschau nach dem nächsten Kurstreiber halten. Gesucht wird nach der Idee, die den Dax von der 25.000-Punkte-Marke in Richtung seines bisherigen Rekordhochs von 25.507 Punkten befördern könnte, das mittlerweile schon fünf Monate alt ist.

Robert Greil von der Privatbank Merck Finck betont, mit dem USA-Iran-Deal sei das politische Risiko für die Aktienmärkte gesunken. Experten bleiben aber skeptisch, zumal das Rahmenabkommen von neuen Kämpfen zwischen der israelischen Armee und der libanesischen Hisbollah-Miliz auf die Probe gestellt wurde. Bisher läuft der so wichtige Schiffsverkehr in der Straße von Hormus wohl auch nur verhalten an. Chefvolkswirt Jörg Krämer von der Commerzbank befürchtet, dass sich die Lage erst mittelfristig entspannen wird. Seeminen müssten erst geräumt, die Produktion wieder hochgefahren und Lager wieder aufgefüllt werden.

Der erste Zinsentscheid des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh war auch nicht der notwendige Treiber. In ersten Reaktionen ließen seine Begleitaussagen die Zinserwartungen eher noch nach oben schnellen. Am ehesten dürfte also die KI-Fantasie das Börsenthema Nummer eins bleiben. Am Mittwoch dürfte der Chipkonzern Micron nach US-Handelsschluss die KI-Rally mit seinen Zahlen auf den Prüfstand stellen. Nach dem Rekordlauf der Aktien bis über die 1.100-Dollar-Marke trauen Experten der Banken Citigroup und RBC den Papieren mit zuletzt auf 1.200 Dollar erhöhten Kurszielen noch etwas mehr zu.

Konjunkturell liegt der Fokus in der neuen Woche wohl auf den Einkaufsmanagerindizes am Dienstag, dem Ifo-Geschäftsklimaindex am Mittwoch und dem PCE-Preisindex, der am Donnerstag in den USA veröffentlicht wird. Er gilt als besonders maßgeblich für die Geldpolitik in den Vereinigten Staaten. Auf Unternehmensseite werden am Montag zunächst die bereits beschlossenen Indexänderungen in der Dax-Familie wirksam. Die Aktien des Baukonzerns Hochtief ersetzen dann im Dax die VW-Beteiligungsgesellschaft Porsche SE, die in den Index der mittelgroße Werte MDax absteigt. Dort und im Nebenwerte-Index SDax gibt es daneben noch zahlreiche Umbesetzungen.

Beim Agrarchemiekonzern Bayer warten die Anleger im Rahmen der Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten gespannt auf einen Beschluss des obersten US-Gerichts, der von Experten noch im Juni erwartet wird. Die am Dienstag nach US-Börsenschluss erwarteten Quartalszahlen des Logistikkonzerns Fedex könnten tags darauf die DHL-Titel mitbewegen.

Ein großes Thema ist nach wie vor der Börsengang von SpaceX. Die Anleger nahmen die Aktien überschwänglich auf, das Unternehmen wird nun mit einem Börsenwert von mehr als zwei Billionen Dollar gehandelt. Der Kult um SpaceX-Gründer Elon Musk scheint aber vielen Beobachtern das Zeichen einer spekulativen Blase zu sein. In der Dotcom-Ära Ende der 1990er nahm Amazon 54 Millionen Dollar Wachstumskapital auf. Bei SpaceX sprechen wir nun von 85 Milliarden und das Unternehmen ist mit dem 200-fachen des Umsatzes bewertet. Mit fundamentalen Bewertungen hat das nichts mehr zu tun. Niemand, der dort investiert, scheint sich für das Ergebnis des Unternehmens zu interessieren. Es ist eine Wette auf Elon Musk und die Regulierung. Sobald SpaceX in den Nasdaq-Index aufgenommen sein wird, werden alle ETF-Anbieter mit entsprechenden Produkten die Aktien kaufen müssen. Das wird aber irgendwann vorbei sein. Derzeit ist der Titel extrem volatil. Nach dem fünfprozentigen Kursrücksetzer vom Vortag ging es am Donnerstag um 3,6 Prozent auf 185 US-Dollar nach unten. Am Freitag war die Wall Street aufgrund eines Feiertags geschlossen.

In der Spitze hatte der Kurs mit 225,64 Dollar gut zwei Drittel über dem Ausgabepreis von vor einer Woche gelegen. Der Börsenwert des Raumfahrt- und KI-Unternehmens von Tesla-Chef Elon Musk war damit bis auf knapp drei Billionen Dollar gestiegen, was SpaceX zeitweise Platz vier unter den weltweit wertvollsten Unternehmen beschert hatte. Aktuell belegt SpaceX den sechsten Platz – hinter Nvidia, Alphabet, Apple, Microsoft und Amazon.

Der Gesamtmarkt war vor dem Feiertag nach dem Rücksetzer nach der Fed-Sitzung am Mittwoch auf Erholungskurs eingeschwenkt. Insbesondere die konjunktursensiblen Technologiewerte zogen an. Anleger reagierten erleichtert auf den weiter gefallenen Ölpreis, nachdem das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran zur Beendigung des Kriegs im Nahen Osten unterzeichnet worden war. Der Krieg hatte zuvor die Ölpreise angetrieben und so Inflationsängste geschürt. Der Dow Jones Industrial legte um gut 0,1 Prozent auf 51.565 Punkte zu. Am Mittwoch hatte der US-Leitindex zunächst ein weiteres Rekordhoch erreicht, bevor er nach der US-Zinsentscheidung unter Druck geraten war. Für die feiertagsbedingt verkürzte Handelswoche ergibt sich nun ein Plus von 0,7 Prozent.

Der marktbreite S&P 500 gewann am Donnerstag 1,1 Prozent auf 7.501 Punkte. Für den technologielastigen Nasdaq 100 ging es um 2,5 Prozent auf 30.406 Punkte nach oben.

Die Notenbank Fed hatte bei ihrer Sitzung am Mittwoch ein weiteres Mal den Leitzins nicht angerührt. Damit erfüllten die Währungshüter auch unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh den Wunsch von US-Präsident Donald Trump nach Zinssenkungen nicht. Und da die Fed für 2026 mit einer deutlich höheren Inflation als bisher rechnet, werden am Markt statt Zinssenkungen jetzt zunehmend Anhebungen ab September erwartet. Allerdings mildere die anhaltende Talfahrt der Ölpreise inzwischen die Zinsängste etwas ab, kommentierte Marktanalyst Hebe Chen von Vantage Global Prime.

Besitzer von Halbleiteraktien freuten sich dank der anhaltenden Euphorie rund um Künstliche Intelligenz über weitere Kursgewinne. Für Intel ging es um 10,6 Prozent hoch, nachdem Trump erklärt hatte, das Unternehmen habe mit Apple einen Vertrag über die Herstellung von Chips abgeschlossen. Die Titel der Branchenkollegen AMD, Marvell Technology und Micron zogen um bis zu 8,7 Prozent an.

Die Anteilsscheine von Take Two Interactive stiegen um fast fünf Prozent. Die Tochtergesellschaft Rockstar Games hatte mitgeteilt, dass die Vorbestellungen für das mit Spannung erwartete Videospiel „Grand Theft Auto VI“ am 25. Juni beginnen werden. Das große Interesse potenzieller Käufer signalisiere schon jetzt, dass es eines der erfolgreichsten Spiele der Branchengeschichte werden könnte.

Außerhalb des Tech-Sektors sackten die Anteile von Accenture als Schlusslicht im S&P 500 um 18 Prozent ab. Die Unternehmensberatung hatte die Anleger mit ihrem Umsatzausblick auf das vierte Geschäftsquartal enttäuscht.

Für die Anteilsscheine von Kroger ging es um mehr als acht Prozent nach unten. Der Lebensmittelhändler hatte angedeutet, dass der wirtschaftliche Druck auf die Verbraucher sowie die Investitionen zur Gewinnung von Marktanteilen die kurzfristige Geschäftsentwicklung belasten könnten.

Der deutsche Aktienmarkt gönnte sich am Freitag eine Auszeit. An diesem Tag liefen an den Termin- und Derivatebörsen Futures und Optionen auf Aktienindizes aus, was in der Vergangenheit immer wieder für Schwankungen gesorgt hatte, dieses Mal aber nicht. Der Dax bewegte sich über weite Strecken des Handels kaum und schloss knapp unter der runden Marke von 25.000 Punkten mit einem Minus von knapp 0,2 Prozent bei 24.986 Zählern. Daraus resultierte für den Leitindex ein Wochengewinn von knapp anderthalb Prozent. Der MDax der mittelgroßen deutschen Werte sank um 0,1 Prozent auf 32.638 Punkte.

Im Autosektor zeigten sich die Papiere von BMW und Mercedes-Benz mit bis zu 1,5 Prozent Plus erholt davon, dass zwei Tage lang eine Gewinnwarnung von BMW den Sektor belastet hatte. Ein Bericht im „Handelsblatt“, wonach die EU Zölle auf chinesische Plug-In-Hybrid-Fahrzeuge vorbereitet, wirkt laut dem UBS-Experten Patrick Hummel positiv. Die Titel von Volkswagen müssen gesondert betrachtet werden, weil sie am Freitag mit einem Dividendenabschlag gehandelt werden.

Die Aktien von Lanxess erholten sich um 8,7 Prozent auf das höchste Niveau seit rund vier Wochen. Auch andere Chemiewerte wie Evonik, Wacker Chemie oder auch BASF stiegen deutlich. Seit Mitte März hatte die Branche von einer Sonderkonjunktur durch den Iran-Krieg profitiert. Zuletzt geriet die Erholung aber durch die Entspannung ins Wanken.

Positiv fielen im Chip-Ausrüsterbereich die Anteile von Süss Microtec auf, die auf ein erneutes Rekordhoch sprangen und letztlich 8,8 Prozent gewannen. Die Privatbank Berenberg erhöhte ihr Kursziel auf 125 Euro.

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