Brennende Kabel, sabotierte Stromtrassen: In ganz Deutschland häufen sich die Angriffe auf zentrale Versorgungseinrichtungen. Allein im vergangenen Jahr zählt das Bundeskriminalamt 321 Anschläge von Linksextremisten.
picture alliance/dpa | Jens Kalaene
Die Bundesregierung und die staatstreuen Medien warnen vor „hybriden Bedrohungen“ aus dem Ausland. Doch die eigentliche Gefahr geht von gewaltbereiten Linksextremisten im Inland aus. Das zeigt eine Abfrage der Zeitung „Die Welt“ bei allen 16 Bundesländern.
Im Jahr 2025 hat es nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) bundesweit 321 derartige Anschläge gegeben. Das setzt einen Trend fort, der sich seit Jahren verstärkt: Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen etwa hat es seit 2019 insgesamt 445 Anschläge auf Strom- und Energienetze gegeben. Davon gehen 425 auf das Konto von Linksextremisten – das sind satte 95 Prozent.
Die Links-Terroristen setzen im Vergleich zu früher nicht mehr auf eher symbolische Sachbeschädigungen. Stattdessen unterbrechen sie nach Erkenntnissen des Brandenburger Innenministeriums gezielt wichtige Versorgungsketten. Dementsprechend lang ist die Liste der schweren Attacken auf lebensnotwendige Versorgungseinrichtungen.
3. Januar 2026
Die linksextremistische „Vulkangruppe“ verübt einen Brandanschlag auf eine Kabelbrücke im Berliner Stadtteil Lichterfelde. Fast 50.000 Haushalte und 2.000 Gewerbebetriebe sind mitten im Winter tagelang ohne Elektrizität. Es ist der größte Stromausfall in der Hauptstadt seit Ende des Zweiten Weltkriegs.
Besonders betroffen sind eher gut betuchte Wohngebiete in Lichterfelde, Nikolassee, Wannsee und Zehlendorf. Kein Zufall: In einem Bekennerschreiben auf der linksextremen und vom Verfassungsschutz beobachteten Internetseite „Indymedia“ heißt es:
„Bei den vielen Besitzern von Villen in diesen Stadtteilen hält sich unser Mitleid in Grenzen.“
In der Folge des Anschlags starb eine 83-jährige Frau in ihrer Wohnung, die nicht mehr geheizt werden konnte. Tausende Menschen mussten aus Pflegeheimen in Turnhallen und andere Notunterkünfte verlegt werden. Die „Vulkangruppe“ bezeichnet ihre Tat dennoch als „gesellschaftlich sinnvoll“ und als „gemeinwohlorientierte Aktion.“
9. September 2025
Linksextremisten setzen im Berliner Ortsteil Johannisthal zwei Strommasten in Brand. Auch hier sind etwa 50.000 Haushalte und zahlreiche Unternehmen betroffen, die mehr als 60 Stunden keinen Strom haben. Bei den Firmen entstehen Schäden in Höhe von etwa 70 Millionen Euro.
5. März 2024
Die „Vulkangruppe“ – schon wieder – sabotiert einen Strommast nahe der Tesla-Fabrik in Grünheide bei Berlin. Die Produktion muss für mehrere Tage gestoppt werden. Auch Anwohner in den angrenzenden Gemeinden sind betroffen.
Die bis heute nicht ermittelten Täter hinterlassen die Botschaft, sie wollten „den Kapitalisten das Handwerk legen“. Dabei würden sie „Kollateralschäden“ in der Zivilbevölkerung in Kauf nehmen.
2. August 2024
Ein Kabelschacht der Deutschen Bahn in Berlin wird in Brand gesetzt. Wieder bekennen sich Linksextremisten zu der Tat. Das Motiv: Die Bahn sei Teil der „NATO-Militärinfrastruktur“. Die Täter erklären, sie wollten „Krieg und Kolonialismus sabotieren“.
29. Juli 2024
Wichtige Kabelstränge entlang einer Bahnstrecke bei Bremen werden in Brand gesetzt. Für mehrere Stunden stehen alle Züge still. Eine linksextremistische Gruppe, die sich „Kommando Angry Birds“ nennt, bekennt sich zu dem Anschlag.
Beide Anschläge zusammen sorgen für mehr als 2.300 Verspätungen und Zugausfälle.
8. September 2023
Linksextremisten setzen Kabelschächte der Deutschen Bahn in Brand. Die Strecke Hamburg–Berlin ist zeitweise komplett unbefahrbar. Deutschlandweit ist der Bahnverkehr zwei volle Tage lang massiv gestört. Auch hier bekennen sich Linksextremisten bei „Indymedia“ zu ihrer Tat.
Große Ermittlungen, kleine Erfolge
Nicht nur die Reparaturen, auch die Ermittlungen laufen in den meisten Fällen bis heute. Die Ergebnisse sind eher mager.
Wegen des Anschlags am 9. September 2025 hat es gerade im März immerhin mal eine Razzia gegeben. Etwa 500 Einsatzkräfte durchsuchten insgesamt 17 Objekte. Hauptverdächtige sind zwei Männer und zwei Frauen im Alter zwischen 28 und 35 Jahren. Festnahmen gibt es aber noch nicht.
Wegen des Angriffs auf die Stromleitungen am 3. Januar 2026 haben das BKA und der Generalbundesanwalt gemeinsam eine Belohnung von einer Million Euro für Hinweise auf die Täter ausgesetzt.
Doch von denen fehlt bis heute jede Spur.

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