In Deutschland ist eine Debatte über höhere Erbschaftssteuern und die Wiedereinführung der Vermögensteuer entbrannt. Großer Profiteur dieses politischen Desasters könnte Italien sein – ein Land, das Vermögende nicht vertreibt, sondern willkommen heißt.
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Denken wir an Italien, erwacht die Reiselust. Mehr als 140 Millionen Besucher überzeugten sich im vergangenen Jahr von der Schönheit der Amalfiküste, genossen ihre Zeit am Gardasee, in Südtirol, in der Toskana oder an den Stränden Siziliens. Italien ist ein Land der Träume mit großer Kulturgeschichte, und das perfekte Reiseziel für Menschen, die das dolce vita von seiner guten Seite kennenlernen wollen.
Es ist aber auch ein Land, das seit einigen Jahren Reiche aus aller Welt anzieht. Allein im vergangenen Jahr wählten mehr als 3600 Vermögensmillionäre Italien zu ihrer neuen Residenz. Sie brachten schätzungsweise 21 Milliarden Euro an Vermögen mit ins Land – zumindest steuertechnisch, denn Anlagen oder Firmenbeteiligungen verteilen sich in der Regel über verschiedene Länder auf der ganzen Welt.
Die CR7-Regelung, benannt nach dem Fußballer Cristiano Ronaldo, dessen inzwischen ikonisches Trikot die Nummer Sieben schmückt, richtet sich ganz gezielt an eine Schicht von Steuerzahlern, deren Haupteinkommensquellen im Ausland liegen. Sie gilt in der Regel für einen Zeitraum von bis zu 15 Jahren und umfasst Einkünfte aus Kapitalanlagen, Bildrechten, Lizenzen, ausländischen Immobilien, Kapitalgewinnen oder Auslandserbschaften.
Einkommen aus italienischen Inlandsquellen hingegen – im Falle von Cristiano Ronaldo etwa das Gehalt von Juventus Turin oder Erträge aus italienischem Immobilienbesitz – unterliegen weiterhin der regulären italienischen Besteuerung.
Ronaldo nutzte dieses Modell nach seinem Wechsel zu Juve und konnte so sein milliardenschweres Vermögen, das überwiegend im Ausland angelegt ist und dort Erträge erwirtschaftet, steueroptimal für sich arbeiten lassen.
Italien schuf damit ein selektives Steuerrecht, das ohne Zweifel dem Zweck dient, vermögenden Menschen weltweit einen Zugang zu eröffnen, um sich in Italien zu verwurzeln, langfristig möglicherweise auch geschäftlich Fuß zu fassen und später – etwa in der Erbengeneration – als integrierte italienische Staatsbürger wieder in das reguläre Steuerrecht zurückzuwechseln.
Auch die steuerrechtlichen Rahmenbedingungen im engeren Sinne sind nicht uninteressant. Die Belastungen bei der Körperschaftsteuer und bei Kapitalerträgen liegen im Durchschnitt rund zwei Prozent unter denen der Bundesrepublik. Die Besteuerung von Erbschaften liegt in Italien beispielsweise deutlich niedriger als in Großbritannien, das mittlerweile 40 Prozent bei einer Erbschaft ab 325.000 Pfund erhebt und so einen regelrechten Exodus seiner wohlhabenden Bürger angeschoben hat.
Selbstverständlich rief diese steuerliche Sonderbehandlung bei den Einheimischen Kritik hervor. Die Regierung von Giorgia Meloni reagierte darauf, indem sie den Pauschalsatz zunächst von 100.000 auf 200.000 Euro erhöhte und ihn seit Jahresbeginn auf 300.000 Euro anhob. Zudem wird ein Pauschalbetrag von 50.000 Euro je Familienmitglied fällig. Man versucht auf diese Weise offenbar, der Opposition Wind aus den Segeln zu nehmen, ohne die Anreizstruktur substantiell zu gefährden.
Italiens fiskalische Situation erzwingt ein solches Handeln nahezu. Mit einer Staatsverschuldung von rund 135 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt steht das Land mit dem Rücken zur Wand. Harte Einschnitte in den Staatshaushalt begleiten daher die steuerpolitischen Vorstöße der Regierung in Rom – und sie weisen erste Erfolge auf.
Für das laufende Jahr dürfte das Haushaltsdefizit auf 2,5 bis 2,8 Prozent des BIP zurückgeführt werden. Ein beachtlicher Erfolg, wenn man bedenkt, dass gleichzeitig andere Schwergewichte der Europäischen Union wie Deutschland und Frankreich korrekt berechnete Defizite von fünf bis sechs Prozent für das laufende Jahr melden.
In Rom dürfte man dieser Tage mit großem Interesse auf die steuerpolitischen Debatten in Deutschland blicken, wo sich die Anzeichen verdichten, dass Berlin dem Beispiel Norwegens folgen könnte, das im Jahr 2022 eine Sonderabgabe auf das Vermögen der Reichen einführte.
Vor allem die Sozialdemokraten treiben gemeinsam mit der vereinigten Linken mit ihren weitreichenden Forderungen nach höheren Erbschaftssteuern auf Unternehmensvermögen sowie einer breit diskutierten Wiedereinführung der Vermögensteuer ihren Koalitionspartner geradezu vor sich her. Das gesellschaftliche Klima dafür ist günstig:
Die Staatsökonomen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung lieferten der Debatte um die Wiedereinführung der Vermögensteuer erst vor wenigen Tagen neues Futter. Mit progressiven Steuersätzen von bis zu zwölf Prozent für Milliardäre, so die Rechnung, ließen sich in Deutschland jährlich rund 150 Milliarden Euro an zusätzlichen Steuereinnahmen erzielen.
Doch bei diesem Kapital handelt es sich nicht um brachliegende Vermögensmassen, sondern um Finanzierungsstrukturen von Produktivkapital: um Firmenbeteiligungen, die Arbeitsplätze schaffen, um Investitionen in Produkte, Prozesse und Technologien.
In seinem Überlebenskampf ist Deutschland offenbar – und mit ihm eine Mehrheit seiner Bürger – bereit, die eigene Substanz zu verzehren, anstatt durch eine Phase harter Reformen und des Verzichts zu gehen, um am Ende dieses Tunnels gestärkt und mit einer gesunden wirtschaftlichen Basis wieder hervorzutreten.
Das ist ein fataler Irrweg, historisch betrachtet ein zivilisatorischer Bruch: Für ein überschaubares Zeitfenster steht der starke Staat am Ende einer rasch ausblutenden Mittelschicht gegenüber, deren ökonomische Substanz wie Eis in der Sonne schmilzt. Ein gesellschaftliches Klima aus Neid und Pauperisierung ist die zwangsläufige Folge.
Südlich des Alpenkamms kann man sich bereits darauf einstellen, dass der Exodus deutscher Millionäre bald deutlich an Fahrt aufnehmen dürfte. Das politische Klima in Deutschland wirkt zunehmend leistungs- und unternehmerfeindlich.
Und wie gesagt: Das Leben in der Toskana oder in den malerischen Küstenstädten Italiens liefert im Zweifel schlagende Argumente, um Deutschland hinter sich zu lassen. Oder anders formuliert: So schlimm wie in Berlin kann es eigentlich nirgendwo in Italien sein.






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Das ist ja bestenfalls für eine Handvoll Leute interessant, für die Italien so fiskalischer Sehnsuchtsort für 400000 € Flattax für ein Rentnerpaar wird.
„rund zwei Prozent unter denen der Bundesrepublik“
Sind es vielleicht eher Prozentpunkte? Und die 2 Prozentpunkte stimmen bei der Kapitalertragssteuer noch nichtmal so pauschal.
Lieber Herr Kolbe, da sind sie deutlich zu kurz gesprungen! Es ist insbesondere für Rentner hochattraktiv, ihren Lebensmittelpunkt nach Italien zu verlagern. In den acht südlichen Regionen des Landes, einschließlich Sardinien gilt für Rentner: 7 % Pauschalsteuer auf ihre Einkünfte für maximal zehn Jahre. Das ist dramatisch günstiger als in Deutschland. Und natürlich kann man auch seinen Wohnsitz wieder nach Deutschland zurück verlegen, wenn es dafür Gründe geben sollte. Hier die Regelung: Artikel 24-ter des italienischen Einkommensteuergesetzes (Testo Unico delle Imposte sui Redditi – TUIR). Dieses wurde im Rahmen der italienischen Haushaltsgesetzgebung (Budget Law / Legge di Bilancio 2019, Law… Mehr
Das Beste wird es wohl sein, wenn wir den armen, armen Vermögenden überhaupt keine Steuern mehr abverlangen, sondern pro Million noch ein paar Hunderttausender drauflegen. Zur Gegenfinanzierung könnten wir die Leistungen der Kranken- und Rentenversicherung einstellen, die Beitragszahlungen aber beibehalten, und einen Höchstlohn von EUR 5,- als verpflichtende Obergrenze einführen. Wenn das nicht reicht, ist möglicherweise auch die Wiedereinführung der Leibeigenschaft eine Option. Besonders gefällt an diesem Werk die Forderung nach Nichtbesteuerung leistungsloser Einkommen als Quasi-Naturrecht, weil alles andere ‚leistungsfeindlich‘ wäre.
Keine Ahnung, warum mir gerade das Phänomen der “ Epsteinisierung“ in den Sinn kommt, denn Meloni wird sicher wissen, dass Kapital resp Vermögen per se nicht negativ sind, ohne die sogen Realwirtschaft aber “ etwas“ unzureichend. Und sogar gefährlich, aus diversen Gründen, die man in anderen Ländern quasi als Folgen besichtigen kann. Falls es Meloni gelingt, daraus Investivkapital und Investitionen zu „machen“ , den politischen Einfluss zu begrenzen und die unvermeidlichen kulturellen Auswüchse bis zur Dekadenz zivilisatorisch zu verhindern, also etwas, was bisher sehr selten bzw erst nach dem GAU erreicht wurde, warum nicht. Jedenfalls sind ganzheitliche Sichtweisen immer anzuraten.… Mehr
ITALIEN ROCKT REICHE❗
Italien lockt Reiche mit Flat Tax & Sonne – Deutschland diskutiert derweil über höhere Erbschaftssteuern. Ergebnis: 3.600 Millionäre plus 21 Milliarden Euro sind Richtung Dolce Vita getürmt. Während wir also schön sozial gerecht debattieren, kassiert der Stiefel die fetten Konten. Italiener haben jetzt Pasta, Sonne und das Geld der reichen Zugvögel. Wir haben die Debatte. Buon appetito!
Macht euer Kreuz endlich dort, wo es selbst ein Goldfisch beim ersten Versuch hinkriegen würde, es gibt nur ein richtiges Feld❗
Habe das mal überschlägig gerechnet: Wenn 3600 Millionäre rund 21 Mrd € mitbringen, dann ergibt sich ein durchschnittliches Vermögen von ca. 5,8 Mio € je Millionär. Und wenn das zum Pauschalsatz von 200 k € versteuert wird, dann ergibt sich ein Steuersatz von ca. 3,5%, Das ist ja dann ein Steuerparadies! Da werden wohl viele aus D das Weite bzw. das nahe Bella Italia suchen. Sapperlot.
Seltsamerweise haben extrem viele Italiener Immobilien in Deutschland gekauft un ihr Geld in Sicherheit zu bringen.
Oder war das ein Trend einer vergangenen Zeit?
SIND DIE NICHT „RÄÄÄCHTS“?
Aber vielleicht ist das bei Italien ja nicht so schlimm, da gelten wohl andere Maßstäbe. Jedenfalls hat man keinen linksgrünen Sport offiziellen hierzulande die Backen aufblasen sehen und einen Boykott der Winterolympiade fordern hören.
Und Reichen (der linksgrünen Schickeria) ist jede Form von Moral eh total egal.
Ihre Aussage stimmt so nicht, Herr Kolbe. Wenn jemand Geld in die eigene Firma steckt, also In Anlagevermögen, dann haben Sie Recht. Solche eine Firma kann u.U. ja auch rote Zahlen schreiben, so daß es gar keine Erträge gibt. Wenn aber das Vermögen bei einer Vermögensverwaltung angelegt ist, die ca. 0,5 – 0,75% abkassiert, aber zwischen 9 – 15% Ertrag erwirtschaftet, muß kein Vermögen angegriffen werden, um die Erbschaftssteuer zu bezahlen.
Wie wäre es, wenn die hier versorgten Flüchtlinge ihre finanzielle Situation – wie auch Deutsche! – komplett offenlegen müssen? Und wer lügt, dann rückwirkend die zwischenzeitlich schnell zu erhaltende (oft dann doppelte) Staatsbürgerschaft wieder abgeben muss, und ebenso die erfolgte Unterstützung zurückzahlen muss?
Ich glaube nicht, dass alle komplett mittellos sind, v.a. nicht bei den Ukrainern, Syrern und Türken.
Erst wenn man das sieht, weiß man, weshalb Italien eine Pauschalbesteuerung macht: Es ist nämlich überhaupt nicht ermittelbar, wo die Menschen in einer globalen Wirtschaft ihr Geld haben. Die Dummen sind doch nur die Kleinen.