Die deutsche Linke hängt von Donald Trump ab

Donald Trump ist in Staatsmedien wie privaten linken Medien allgegenwärtig. Nicht erst seit Davos. Die Linke braucht ihn als Feindbild. Sie hängt von ihm ab. Denn die Feindschaft zum amerikanischen Präsidenten ist ihre einzige Erzählung, die funktioniert.

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Die Zeit hat jüngst einen Wissenschaftler Krieg als „zivilisatorische Errungenschaft“ feiern lassen. Da ist vieles lustig dran: Wie eine linksaktivistische Redaktion bereit ist, die eigene Position mit den neuesten Schwenken der Regierung in Einklang zu bringen. Wie ein Medium glaubt, ein einzelnes Interview mit einem Wissenschaftler genüge, um eine Erzählung umzustoßen, die man selbst über Jahrzehnte aufgebaut hat. Oder wie der frühpensionierte Lehrer über seinem laktosefreien Müsli die Zeit liest und überlegt, ob er bereit ist, sein geliebtes Weltbild für den neuesten Twist der deutschen Linken aufzugeben.

Die militärische Bereitschaft ist eine neue Erzählung, an der sich die deutsche Linke versucht. Vor allem die Grünen wollen nicht mehr als die Soja-Sörens im selbstgehäkelten Pulli gesehen werden, die sie selbst als Bild über so viele Parteitage hinweg abgegeben haben. Sie wollen noch konsequenter als der Atlantiker Friedrich Merz (CDU) oder Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) die deutsche Kriegstüchtigkeit herbeiführen.

Das kann nicht funktionieren. Ein Imagewandel kann nicht herbeigeführt werden, indem einfach ein x-beliebiges Image genommen wird. Schon gar nicht, wenn es wie bei den Grünen das exakte Gegenteil des Bildes ist, das man bisher abgegeben hat. Ein neues Image muss vielmehr immer das alte aufgreifen, zu dem stehen, aber gleichzeitig in die neue, gewünschte Richtung gelenkt werden. Das ist ein sensibler Prozess, der Zeit braucht – umso länger, je fester das alte Bild geprägt wurde.

Deutschland war nach 1945 auf Pazifismus gepolt. Damit sind seine Bürger auch gut gefahren. Hatte die Generation der Eltern und Großeltern noch zwei Weltenbrände, Inflation, Zerstörung und das Verbrechen der Shoah erleben und erleiden müssen, so haben die Erben in Freiheit, Wohlstand und einer wohltuenden Langeweile gelebt. Dass sie das nicht aufgeben wollen für die Freiheit der Ukrainer – und schon gar nicht für Machtspiele im ewigen Eis Grönlands – das ist nur allzu menschlich.

Zumal die staatlich inszenierte Kriegspropaganda eher als Comedy denn als Drama taugt: Wenn Merz und Pistorius das dreckige Dutzend plus eins ins Packeis schicken und nach nicht einmal zwei Tagen wieder zurückziehen. Wenn die Armee dann mitteilt, der Einsatz sei trotzdem ein Erfolg gewesen. Die Soldaten seien schließlich mit den „Grönländerinnen und Grönländern“ in Kontakt gekommen – sie hätten ihnen gewinkt. Dann ist das lustiger als alle Comedy-Formate des Staatsfernsehens.

Die Erzählung vom kriegstüchtigen Deutschland ist die jüngste linke Erzählung, die in Deutschland scheitert. Aber wahrlich nicht die einzige. Parallel dazu scheitert die schwarz-rote Regierung an der Behauptung, Deutschland wieder wirtschaftlich stark zu machen. Wie schon in der Story von der Kriegstüchtigkeit steht diese Erzählung zu stark im Kontrast zu dem, was bisher real war und was immer noch real passiert.

Davor ist die Erzählung, die Einwanderer zahlten später einmal unsere Renten, am Felsen der Hartz-IV-Statistik zerschellt. Linke Parteien wie CDU, CSU, SPD, Grüne und FDP müssen daher in immer kürzeren Abständen neue Namen für Hartz IV finden, um die eigene Niederlage zu kaschieren. Nach Bürgergeld sind wir vorläufig bei Grundsicherung. Weitere Vorschläge werden angenommen – und bald gebraucht.

Die Erzählung vom Klimawandel ließ sich ebenfalls nicht halten. Auch nicht, als der zur Dramatisierung in Klimakatastrophe umgetauft wurde. Seit 2019 heißt es, dieses Jahr sei das letzte, in dem sich das Armageddon abwenden lasse – und falls nicht, dann halt das nächste Jahr. Sechs Jahre „Klimanotstand“ haben die Deutschen taub werden lassen für alarmistische Meldungen à la: Europa erhitzt sich stärker als der Rest der Welt. Deutschland erhitzt sich stärker als der Rest der Welt. Oder China erhitzt sich stärker als der Rest der Welt. Was stimmt. Landmassen erwärmen sich stärker als das Wasser der Ozeane. So lautet die Meldung, wenn sie vom Klima-Alarmismus befreit ist.

In seiner Verteidigung hat sich Deutschland – erfolgreich – acht Jahrzehnte auf die USA verlassen. Aber nicht nur dort. Deutschland hat verlernt, eine eigene Erzählung zu entwickeln. Die USA verfügen über eine Kulturindustrie, die in der Lage ist, Befindlichkeiten aufzugreifen und die Erzählungen der Mächtigen zu etablieren. Das funktioniert, weil diese Industrie eben nicht nur Propagandaziele festlegt, sondern auch versteht, wie diese umzusetzen sind.

Zum Beispiel im Film. Die Western und Kriegsfilme der 1950er und 1960er Jahre dienten dazu, die amerikanische „Victory Culture“ in den Köpfen der Mehrheit der Bürger festzusetzen. In beiden Genres war es John Wayne, der für Amerikaner stand, die zwar leiden müssen, aber am Ende den Sieg des „Guten“ herbeiführen. Als Galionsfigur funktionierte Wayne bis in die späten 60er Jahre. Er flog denn auch für die Regierung nach Vietnam, um dort Propaganda für diesen Krieg zu machen. Hätte Wayne in den 70er Jahren versucht, den da gefragten Pazifismus zu vertreten, hätte das bestenfalls als Komödie funktioniert.

Denn mit den Niederlagen im Vietnam-Krieg und den Lügen, die um diesen herum aufgedeckt wurden, startete eine amerikanische Bewusstseinskrise. Verstärkt durch wirtschaftliche Probleme. Der amerikanische Film versuchte gar nicht erst, diese Krise schönzureden. Vielmehr griff Hollywood diese Krise auf und analysierte sie. Nicht nur in Problemfilmen wie „Die durch die Hölle gehen“, sondern auch in Blockbustern. In Erfolgen wie „Die Höllenfahrt der Poseidon“, „Der Weiße Hai“ oder „Rambo“ war die Obrigkeit etwas, dem der Bürger besser misstraute – und mit der er sich zur Not offen anlegen musste.

Die Rambo-Reihe steht für den Ausweg aus dieser Krise. War der erste Teil noch eine Darstellung der Probleme nach und durch den Vietnam-Krieg, so waren seine Fortsetzungen Ausdruck des Helden-Bewusstseins der 80er Jahre. Unter Ronald Reagan kamen die Staaten aus ihrer mentalen wie wirtschaftlichen Krise heraus. Die Helden kämpften plötzlich wieder für und nicht gegen die Regierung. In „Independence Day“ zieht der amerikanische Präsident sogar persönlich an der Spitze in die Schlacht gegen Außerirdische. Die waren das Feindbild, weil „der Russe“ als solches ausgefallen war – zwischenzeitlich.

Deutschland verfügt über keinen Film, der in der Lage ist, die nationale Befindlichkeit darzustellen – oder gar zu gestalten. Der deutsche Film ist ein Kopfprodukt, das ohne Steuergeld nicht lebensfähig wäre. Wenn mal ein Film erfolgreich ist, dann sind es Komödien wie die Manitu-Filme, die Namen-Reihe oder die Göthe-Filme. Kein endsubventionierter Streifen war dazu in der Lage, eine der großen Erzählungen der links dominierten Politik widerzuspiegeln: nicht die Einwanderung, die unsere Rente sichert. Nicht das große Klima-Armageddon, das Wiedererwachen der deutschen Wirtschaft oder die „zivilisatorische Errungenschaft“, die der Krieg für Deutschland sein könnte.

Wenn die deutsche Kulturindustrie ein Thema setzen kann, dann nur, wenn sie trommelt. Das bringt für diejenigen mehrere Nachteile mit sich, die ein Interesse daran haben, Erzählungen zu setzen. Zum einen können sie Erzählungen nur dann durchsetzen, wenn die Weltbilder einfach sind. Eben im Hass auf Donald Trump. Ein Präsident, der sich den Friedensnobelpreis wünscht, nicht erhält und sich dann von einer Abhängigen schenken lässt. Der verbal immer wieder ausfällig wird. Oder der eben mal Kanada und Grönland den USA einverleiben will. Da ist es einfach, Ressentiments zu schüren.

Die deutsche Kulturindustrie kann auch immer nur ein Thema gleichzeitig setzen. Das zeigte sich am besten im Übergang von der Pandemiepolitik zur „Zeitenwende“. Zwei Jahre lang hatten deutsche Medien und Kulturschaffende im Verbund mit Panikpriestern wie Karl Lauterbach (SPD) die Angst vor dem Grippevirus so geschürt, dass kleine Kinder unter dem Trauma litten, Opa und Oma tödlich anzustecken. Doch kaum war die Ukraine als neues Thema und „der „Russe“ als Feind wieder entdeckt, konnte Lauterbach sogar „absolute Killervarianten“ beschwören und der vom Alp befreite Bürger lachte ihn dafür nur noch aus.

Die amerikanische Kulturindustrie – allen voran Hollywood – beherrscht ihr Handwerk. Sie kann Images so transferieren, dass sie sich allmählich und passend ändern. Da die Macher subtiler arbeiten und handwerklich besser ausgebildet sind, als es etwa bei den Grünen oder der Zeit der Fall ist. Von den deutschen Subventionsdarstellern und Regisseuren ganz zu schweigen. Die deutsche Kulturindustrie ist eindimensional. Sie macht sich schon dann selbst sprachlos, wenn sie gegen den Rechten als Feind kämpft und diesem Antisemitismus unterstellt – aber dann nicht mit der Konfrontation fertig wird, dass der arabische Verbündete seinen Antisemitismus offen auf deutschen Straßen auslebt.

In den 1950ern konnte der deutsche Film noch ein deutsches Lebensgefühl kreieren. Es war die Sehnsucht nach der Harmonie und des Schwammdrübers, die im Heimatfilm oder in den Kassenschlagern mit Heinz Rühmann rüberkamen. Die Winnetou-Streifen der 60er Jahre waren der letzte Ausdruck dieser Epoche. Es gibt gute Gründe, dieses Schwammdrüber zu kritisieren. Aber es war halt das Lebensgefühl der Zeit und es hat die Deutschen abgeholt. Danach war der deutsche Film mit wenigen Ausnahmen wie „Das Boot“ nur noch dann erfolgreich, wenn es mit Komödien oder Onanier-Kino wie den Schulmädchenfilmen punktete.

Donald Trump ist 79 Jahre alt. Er hat mindestens ein Attentat überlebt. Die deutsche Linke muss täglich zu Gott beten, zu Karl Marx, Jan Böhmermann oder wen auch immer sie verehrt, dass ihnen Trump noch lange erhalten bleibt. Sie haben dieses Feindbild mühsam aufgebaut, es hält zumindest die Generation Staatsfernsehen noch zusammen. Bricht dieses Feindbild von heute auf morgen weg, dann haben sie keine Erzählung mehr. Dann haben sie nur noch den Kampf eines Daniel Günthers gegen Medien mit anderen Meinungen, dann muss die deutsche Kulturindustrie Erzählungen liefern, um Günthers mit Sinn zu untermauern – und da ist sie wirklich nicht gut drin. Wie sie in der Causa Günther-Lanz bewies. Was für ein Glück für sie, dass es Donald Trump gibt.

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