Es ist einfach Winter – und die E-Mobilität bricht zusammen

Ärger über den öffentlichen Nahverkehr in der Rhein-Neckar-Region: Verspätungen, Taktlücken und sogar komplette Ausfälle einzelner Buslinien nerven Fahrgäste in Heidelberg und den umliegenden Städten. Auslöser der Probleme: neue elektrische Gelenkbusse, die im Winter nicht zuverlässig sind.

picture alliance / Daniel Kubirski | Daniel Kubirski
Elektrobus in Heidelberg: versagt im Winter

Betroffen ist der Betreiber Rhein-Neckar-Verkehr (RNV), der den Bus- und Straßenbahnverkehr in Heidelberg, Mannheim und Ludwigshafen verantwortet. Auf Anfrage bestätigte das Unternehmen massive Einschränkungen im laufenden Betrieb. Besonders problematisch seien die neuen Elektro-Gelenkbusse des Typs Mercedes-Benz eCitaro G, die wegen technischer Defekte derzeit nur eingeschränkt verfügbar sind. Die Schwierigkeiten seien bereits seit Anfang Dezember bekannt, hätten sich mit den anhaltenden Frostperioden jedoch deutlich verschärft.

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Nach Angaben eines RNV-Sprechers ist aktuell im Durchschnitt mehr als die Hälfte der insgesamt 48 neu angeschafften Fahrzeuge nicht einsatzfähig, berichtet dazu aktuell Focus. Die Ursache: frostbedingte Schäden an zentralen Komponenten, insbesondere an den Kompressoren. Diese Ausfälle treffen den Betrieb empfindlich, da die Busse gezielt für stark frequentierte Linien eingeplant waren. „Wir müssen davon ausgehen, dass uns diese Situation noch längere Zeit begleiten wird“, räumte der Sprecher ein.

Die betroffenen Fahrzeuge gelten eigentlich als Vorzeigeprojekt der Verkehrswende. Die RNV hatte 2023 als erstes Verkehrsunternehmen Serienfahrzeuge des Typs eCitaro G mit zusätzlicher Brennstoffzelle erhalten. Neben dem batterieelektrischen Antrieb verfügen die Busse über eine 60-Kilowatt-Wasserstoff-Brennstoffzelle, die als Reichweitenverlängerer dient. Dieses Konzept sollte größere Flexibilität im täglichen Einsatz ermöglichen und die Umstellung auf emissionsfreie Mobilität beschleunigen.

„Unvorhersehbare Probleme“

In der Praxis zeigt sich nun jedoch, dass die neue Technologie im Winter an ihre Grenzen stößt. Bereits im Dezember hatten erste Tests auf Probleme bei niedrigen Temperaturen hingedeutet. Anfangs ging man bei der RNV noch von einer raschen technischen Lösung aus. Inzwischen heißt es aus der Betriebszentrale jedoch, eine vollständige Stabilisierung des Busverkehrs sei kurzfristig nicht zu erwarten. Besonders drastisch ist die Lage in Heidelberg: Die stark frequentierte Linie 20 zwischen dem Karlstor und dem Neuenheimer Feld wurde vorübergehend vollständig eingestellt.

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Da es sich um Neufahrzeuge handelt, liegt die technische Verantwortung beim Hersteller Daimler Buses. Das Unternehmen hat zugesagt, Ersatzfahrzeuge bereitzustellen.

Zusätzlich greift die RNV auf Busse von Subunternehmern zurück, um den Betrieb notdürftig aufrechtzuerhalten. Dennoch rechnet der Verkehrsbetreiber auch in den kommenden Wochen mit weiteren Ausfällen. Die Situation sei „mehr als ärgerlich – für die Fahrgäste ebenso wie für uns selbst“, erklärte ein Sprecher des Unternehmens.

Daimler Buses bestätigte, dass sich mehrere Fahrzeuge der RNV wegen unterschiedlicher Fehlermeldungen in Servicezentren befinden. Die Busse würden schrittweise überprüft, repariert und anschließend wieder in den Linienbetrieb zurückgeführt. Zudem unterstütze der Hersteller mit mobilen Serviceteams direkt vor Ort. Man verwies darauf, dass bei neuen Technologien trotz umfangreicher Tests „unvorhersehbare Probleme“ auftreten könnten.

Der Fall bestätigt all jene, die große Verkehrsbetriebe vor einer Umstellung auf E-Antriebssysteme gewarnt haben.

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Kommentare ( 6 )

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P. Pauquet
2 Stunden her

Wer hätte das gedacht? Kann ja Keiner wissen! … Klima!🤣
Foto: ‚Unser Bus fährt elektrisch!‘, und unser Kopf „arbeitet“ ohne Hirn! ☝️

roffmann
2 Stunden her

Konnte man nicht in Norwegen nachfragen und auf deren Erfahrungen hören?
Angeblich ist doch dort die größte E-Fahrzeugflotte im Einsatz.

bkkopp
2 Stunden her

Dazu kommt, dass die Busse mindestens doppelt so teuer waren als Diesel-Busse und nur mit Fördermitteln des Bundes überhaupt angeschafft werden konnten. Zusätzlich mußten die lokalen Betreiber, wie auch immer die Kosten verteilt wurden, insgesamt zweistellige Millionenbeträge in die Stromversorgung investieren – um eine Tankstelle und deren Anbindung an das Stromnetz zu bauen. Keine e-Busse solange sie nicht unter marktwirtschaftlichen Wettbewerbsbedingungen die Transportleistung zu gleichen oder günstigeren Bedingungen liefern können als die herkömmlichen, modernen Diesel-Busse !!!

Jens Frisch
2 Stunden her

Die betroffenen Fahrzeuge gelten eigentlich als Vorzeigeprojekt der Verkehrswende.“
Es sind ja auch „Vorzeigeprojekte“ – nur eben dafür, dass E-Mobilität nicht funktioniert, zumindest bei kalten Temperaturen ist das offensichtlich.

Heptamer
2 Stunden her

Wenn Wokeness auf Physik trifft. Aber warum sollten die denken, dass die Physik auch für die gilt, die sie nicht verstehen. Mal so nebenbei: Wer Kompressoren (!) nicht frostfrei bauen kann, hat wohl einiges nicht verstanden.

humerd
2 Stunden her

ich konnte an den letzten Wochenende die Münchner in ihren e-Autos im Schneckentempo Richtung Skigebiete in Österreich beobachten.
Kälte mögen e-Autos, besser gesagt die Akkus, nicht sonderlich.