Rückblick 2025: Quo vadis Rechtsstaat?

2025 war kein gutes Jahr für den deutschen Rechtsstaat. Ermittlungen, Prozesse und Haussuchungen bei politisch Andersdenkenden sind mittlerweile deutscher Alltag.

picture alliance / dpa | Uli Deck

2025 war für den Rechtsstaat kein gutes Jahr. Prozesse, die eigentlich nie hätten geführt werden dürfen, Ermittlungen und Hausdurchsuchungen wegen Nichtigkeiten. Industriell ausgestellte Anzeigen von einigen Politikern wegen Bagatellen und Lächerlichkeiten. Auffallend dabei ist immer die Schlagseite. Während bestimmte Gruppen, selbst bei Kapitalverbrechen, mit größter Nachsicht, ja sogar Verständnis, durch Staatsanwaltschaft und Gerichten rechnen können, werden andere selbst bei Kleinigkeiten ohne jegliche Nachsicht verfolgt.

Hier eine unvollständige Zusammenfassung:

Der Fall Michael Ballweg

Er organisierte die Querdenker-Demonstrationen. Michael Ballweg saß wegen der Ermittlungen für neun Monate in Untersuchungshaft. Das Gericht lehnte zunächst die Eröffnung eines Verfahrens ab, wurde dann aber, durch die weisungsgebundene Staatsanwaltschaft per Gerichtsbeschluss dazu gezwungen. Ballweg stand viele Monate lang wegen versuchten Betrugs und Steuerhinterziehung vor Gericht. Das Landgericht Stuttgart hatte ihn vom Vorwurf des Betrugs freigesprochen, hält ihn aber zugleich wegen Steuerhinterziehung für schuldig und verwarnte ihn deshalb. Es ging um einen niedrigen zweistelligen Betrag.

TE schrieb dazu: “Jetzt stellte sich in Stuttgart heraus: Das Finanzamt schuldet Ballweg noch 200.000 Euro. Nicht Ballweg hat Steuerschulden. Dies kommt aber nun erst heraus, nachdem das Gericht angeordnet hatte, dass das Finanzamt endlich eine Berechnung der Steuerschuld für das Jahr 2020 vorlegen solle. Scheibchenweise tritt zutage, wie das grün geführte Finanzministerium zunächst unter der vorherigen grünen Ministerin Edith Sitzmann und dann anschließend Danyal Bayaz die Steuerverwaltung ganz offensichtlich missbrauchte, um eine der Führungsfiguren von Demonstrationen gegen Coronapolitik aus dem Verkehr zu ziehen und zu desavouieren. Der grünen Landesregierung passte nicht, dass Ballweg und seine Mitstreiter Hunderttausende zu Anti-Corona-Demonstrationen motiviert hatten, unter anderem im Herzen Stuttgarts, auf dem Cannstatter Wasen. Er war das Gesicht der „Querdenken“-Bewegung und damit der Proteste gegen die Corona-Politik. Gerade in Baden-Württemberg, wo sich in Stuttgart und anderen Städten große Demonstrationen formierten, bestand bei den Grünen in der Regierung großes Interesse daran, die Proteste unter Kontrolle zu bringen”.

Ob es in diesem Fall einmal ein Verfahren wegen Freiheitsberaubung im Amt geben wird?

Der Fall Reuß

Der Reuß-Prozess in Frankfurt dümpelt nun schon über ein Jahr vor sich hin. Den Angeklagten wirft man dort die Gründung einer terroristischen Vereinigung und einen versuchter Staatsstreich vor. Es gibt Meinungen, die hier von einem politischen Prozess sprechen. Dagegen zu argumentieren wird, wenn man das Verfahren betrachtet, nicht einfacher.

 

Der Fall Bendels

Im Zentrum des Streits steht eine satirische Fotomontage, die Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) mit dem Spruch „Ich hasse die Meinungsfreiheit!“ zeigt. Veröffentlicht wurde das Bild im Februar 2024 auf der X-Seite des Deutschland-Kurier. Chefredakteur David Bendels wurde dafür wegen „Verleumdung gegen Personen des politischen Lebens“ verurteilt.

Am 7. April 2025 verurteilte das Amtsgericht Bamberg den Journalisten zu sieben Monaten Haft auf Bewährung. Die Staatsanwaltschaft hatte acht Monate ohne Bewährung gefordert. Nun geht sie in Berufung. In der Begründung heißt es, das Urteil werde der Schwere der Tat und der Persönlichkeit Bendels nicht gerecht.

Am 14. Januar 2026 wird nun das anstehende Berufungsverfahren vor dem Landgericht Bamberg gegen David Bendels, den  Chefredakteur des „Deutschlandkuriers“, verhandelt werden.

Ulrich Vosgerau schreibt dazu: “Ich habe in der Berufungsinstanz (gemeinsam mit zwei weiteren Strafveteidigern) seine Vertretung übernommen. Niemand konnte realistischerweise vermuten, daß Nancy Faeser wirklich ein Schild mit den Worten „Ich hasse die Meinungsfreiheit“ hochgehalten habe und dies nun mit ihrem Willen verbreitet werde. Deswegen hat übrigens selbst das Bayerische Justizministerium auf eine Kleine Anfrage hin im Landtag geäußert, man erwarte, daß in der Berufungsinstanz die Staatsanwaltschaft selbst nunmehr Freispruch beantragen werde. (Was aber nichts daran ändert, daß die StA nicht nur ihren seinerzeitigen Strafbefehlsantrag nie zurückgezogen hat – u.U. weiß sie nicht, daß sie das noch könnte – sondern bis auf weiteres auch die auch von ihr eingelegte Berufung aufrechterhält)”.

Der “Schwachkopf-Fall”

Ebenso in Bamberg, allerdings schon 2024, wurde ein pensionierter Bundeswehrsoldat früh morgens von der Polizei aus dem Bett geklingelt. Sein Verbrechen: Er hat eine Meme über Robert Habeck geteilt.

 

Der Fall Weimer

Hier hat die, ebenso weisungsgebundne, Staatsanwaltschaft München ein Verfahren gegen Wolfram Weimer eingestellt.

 

Aber, da man ja immer optimistisch in die Zukunft blicken soll. 2026 kann es noch schlimmer werden.

Bundesverfassungsgericht

Das Bundesverfassungsgericht hatte über viele Jahrzehnte größte Bedeutung. Das ist vorbei. Unwürdige Kandidaten und Parteien, die aus der Wahl ein noch unwürdigeres Schauspiel gemacht haben, haben das Ansehen des Gerichts massiv beschädigt.

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Kommentare ( 4 )

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Sonny
2 Stunden her

Und das sind nur die prominenten Fälle.
Alle anderen bleiben weiterhin im Dunkeln.
Wie viele haben wohl unrechtmäßige Geldbußen und Bewährungsstrafen akzeptiert, weil sie vor Angst nicht mehr weiter wußten?
Im Vergleich zu „echten“ Straftaten wie Messer-/Mördern, (Massen-) Vergewaltigern in der Migrantengruppe werden die Opfer praktisch verhöhnt und gegen die Täter nur Kleinststrafen ausgesprochen und für kurze Zeit in die Wohlfühl-Psychoanstalten verfrachtet. Nicht mal diese Monster werden abgeschoben.
Nein. Einen Rechtsstaat stelle ich mir völlig anders vor.

Last edited 2 Stunden her by Sonny
Mausi
2 Stunden her

„daß Nancy Faeser wirklich ein Schild mit den Worten „Ich hasse die Meinungsfreiheit““ Das verfolgt „man“ vielleicht nur dann mit einer Anzeige, wenn „man“ sich getroffen fühlt? Nach dem Motto „Wehret den Anfängen“? Dem Anfang, die SPD und alles links von ihr offen mit Sozialismus in Verbindung zu bringen?

Last edited 2 Stunden her by Mausi
Harry Charles
2 Stunden her

VOLLER WIDERSPRÜCHE Es ist bekannt und nachgewiesen (also nicht zu leugnen), dass das linksgrüne Politestablishment die sog. Frühsexualisierung schon in Kindergärten betreibt. Da werden Kleinkinder in Kontakt gebracht mit „drag queens“, Onaniertechniken, etc., kurz mit allem was früher als pervers galt. Gleichzeitig hat man bestimmte Pornoseiten für Erwachsene blockiert, verlangt nun eine sog. ID, also angeblich einen Altersnachweisweis, um sicher zu stellen, dass nicht Minderjährige Zugang zu diesen Pornoseiten haben (wobei „Minderjährige“ sich meist mit dem ganzen IT-Krempel so gut auskennen, dass sie eventuelle Sperren wohl eh umgehen können). Schon dieses eine Beispiel zeigt die totale staatliche Willkür, bei diametralem… Mehr

jsdb
2 Stunden her

Einen Aspekt zum Bundesverfassungsgericht haben Sie vergessen.
Die Richter (und komplette Senate) fahren regelmäßig zu einer der Streitparteien und treffen sich ausserhalb des Gerichtes zum „Arbeitsessen“.
Die Klägerseite ist bei den Treffen „ausgeschloßen“.
Ich persönlich nenne das „Urteilsabsprache“, das Gericht sieht sich nicht befangen und parteiisch, sondern muß unbedingt für das Funktionieren des Verfassungsorgans sorgen …
Frohes Kotzen zum Neujahr, wenn diese Treffen sich wiederholen….
Solange gibt es keinen Rechtsstaat mehr in Deutschland!