Mercedes redet von „dynamischem Umfeld“, die Bilanz spricht Klartext: Umsatz runter, Gewinn halbiert, Rendite eingebrochen – und China bricht weg. Während Ola Källenius das Elektro-Experiment kleinlaut korrigiert, kippt an den Börsen die Stimmung: KI-Zweifel, Risiko raus, Woche rot.
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Man habe 2025 in einem „sehr dynamischen Umfeld“ agiert, sagte Mercedes-Chef Källenius bei der Präsentation der 2025er-Zahlen in der vergangenen Woche. In der Tat zeigten alle wichtigen Zahlen Verschlechterungen. Dass es so kommen würde, war allerdings seit vier Wochen klar. Da hatte Mercedes seine Absatzzahlen veröffentlicht: Zehn Prozent weniger als 2024 – mehr als die Wettbewerber. Einzig die Geländewagen der G-Klasse legten deutlich zu, auch die hochmotorisierten AMG-Renner verzeichneten ein leichtes Plus. Der Verkauf elektrischer Fahrzeuge stagnierte.
Während der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um neun Prozent auf rund 132 Milliarden Euro zurückging, brach das Ergebnis vor Zinsen und Steuern mehr als die Hälfte auf 5,8 Milliarden Euro ein. Die Umsatzrendite fiel von acht auf fünf Prozent. Bereits 2024 war Mercedes-inter als schwaches Jahr verbucht worden. Grund dafür seien auch eigene Fehleinschätzungen, räumte Källenius ein: zu schnell zu viel Elektro geplant, zu einseitig auf Luxus gesetzt. Der Kurs der Mercedes-Aktie brach nach der Bekanntgabe der Zahlen um rund fünf Prozent ein. Später stabilisierte er sich.
Besonders dramatisch brach das Geschäft 2025 in China ein. Dort verkaufte Mercedes 2025 nur noch rund 552 000 Autos, das waren gut 130 000 weniger als im Jahr davor. 2022 waren es noch fast 754 000 Autos gewesen. Der Umsatz in China fiel parallel dazu seit 2022 um rund zehn Milliarden auf nur noch 16,5 Milliarden Euro. Jetzt will Källenius das Ruder herumreißen. Helfen sollen dabei sieben neue, speziell auf China zugeschnittene Modelle, die ganz wesentlich in dem Land entwickelt worden seien. Diese zeichneten sich alle durch „mehr Platz, mehr Komfort, mehr Intelligenz“ aus. Ob Mercedes ein Comeback gelingen kann, muss sich noch zeigen. Zumindest die neue Hinwendung zum Verbrenner-Motor trifft den Zeitgeist, nachdem US-Präsident Donald Trump am Ende der Woche die bisherige Klimapolitik beendet hat.
Am US-Aktienmarkt spiegelte sich Klima-Deregulierung am Freitag indes noch nicht wieder. Eine Erholung von den deutlichen Vortagesverlusten glückte jedenfalls nicht – Risiko raus, schien das Motto der Marktteilnehmer vor dem verlängerten Wochenende zu lauten. Am Montag sind die US-Börsen wegen eines Feiertages geschlossen. Ein im Januar geringerer Anstieg der Inflation als erwartet gab am Freitag zwar etwas Hoffnung auf sinkende Zinsen, half dem Aktienmarkt aber letztlich nicht wirklich. Der Dow Jones Industrial rettete ein Plus von 0,1 Prozent über die Ziellinie beim Stand von 49.501 Punkten. Im frühen Wochenverlauf hatte der New Yorker Leitindex noch über 1.000 Punkte höher eine Rekordmarke erreicht. Der tags zuvor besonders schwache technologielastige Nasdaq 100 schloss am Freitag mit plus 0,2 Prozent auf 24.733 Punkte nach. Der marktbreite S&P 500 ging praktisch unverändert bei 6.836 Punkten ins Wochenende. Die Wochenbilanz ist bei allen drei Indizes negativ: Der Dow verlor 1,2 Prozent, für den S&P 500 und den Nasdaq 100 ergibt sich jeweils ein Minus von 1,4 Prozent.
Am Vortag hatten schon erneute Zweifel wegen der hohen Investitionen großer KI-Konzerne in Künstliche Intelligenz (KI) die Stimmung an den Börsen getrübt. Solche Zweifel hatten die Techwerte zuletzt immer wieder belastet, auch weil viele der Unternehmen nach der KI-Rally der vergangenen Jahre sehr hoch bewertet sind. Unter den Aktien der Magnificent Seven, also der am höchsten bewerteten Tech-Unternehmen der Welt, schaffte es nur Tesla gerade so ins Plus. Am deutlichsten waren die Abschläge bei Nvidia und Apple mit 2,2 beziehungsweise 2,3 Prozent, womit sie ihre Vortageseinbußen ausweiteten. Applied Materials gewannen 8,1 Prozent. Der Chip-Ausrüster hatte mit seinem Umsatzausblick für das zweite Geschäftsquartal die Markterwartungen deutlich übertroffen und im ersten Jahresviertel überraschend gut abgeschnitten. Das Unternehmen profitiert weiterhin vom KI-Boom und der Nachfrage nach Speicherchips.
Der Aktienkurs des Elektroauto-Herstellers Rivian schnellte um 26,6 Prozent nach oben. Der Herausforderer von Tesla hatte mit seinem Lieferausblick für 2026 die Erwartungen von Analysten übertroffen. Aktien von Goldminen legten mit dem Goldpreis zu, auch wenn dieser zwischenzeitlich kurz abgesackt war. Die Inflationsdaten begünstigten die Zinssenkungserwartungen. Weil Gold keine Zinsen abwirft, erlebt das gelbe Metall in einem Umfeld mit potenziell niedrigeren Zinsen eher einen Zulauf. Agnico Eagle Mines und Barrick Mining gewannen jeweils 5,6 Prozent. Gefragt waren auch die Aktien des Zimmervermittlers Airbnb. Das Unternehmen überzeugte mit einem überraschend hohen Umsatzausblick für das erste Quartal. Die Papiere legten um 4,7 Prozent zu. Hingegen stürzten die Aktien von Pinterest um 16,8 Prozent ab. Ein überraschend schwacher Ausblick des Social-Media-Unternehmens auf das erste Geschäftsquartal kam nicht gut an.
Günstige Inflationsdaten aus den USA hatten zuvor dem Dax zu moderaten Gewinnen verholfen. Allerdings blieb der deutsche Leitindex auf Abstand zur runden Marke von 25.000 Punkten, an deren Überwindung er im Laufe der Woche immer wieder gescheitert war, und schloss knapp 0,3 Prozent höher bei 24.915 Zählern. Dies ergibt ein Wochenplus von 0,8 Prozent. Der MDax mit den mittelgroßen deutschen Werten gewann am Freitag 0,6 Prozent auf 31.299 Punkte. Nachdem Siemens am Vortag zeitweise wieder mit SAP um den Platz als wertvollstes Unternehmen im Dax gerungen hatte, musste der Siemens-Kurs am Freitag um die Auszahlung der Dividende bereinigt werden. Mit einer Erholung um 1,2 Prozent festigten die SAP-Anteile ihren Vorsprung wieder etwas.
Noch stärker erholt zeigten sich die zuletzt von KI-Sorgen belasteten Titel der Deutschen Börse, die mit 4,6 Prozent Plus die Dax-Spitze einnahmen. Positiv im Rampenlicht standen auch die um knapp 4,6 Prozent gestiegenen Aktien des Triebwerksbauers MTU und jene von Airbus mit einem Plus von 1,1 Prozent. Sie erhielten Rückenwind von starken Resultaten und einem optimistischen Ausblick des französischen Triebwerkbauers Safran. Mit Rheinmetall und Hensoldt setzten Anleger angesichts der Münchner Sicherheitskonferenz auch wieder auf Rüstungswerte.
Ihren jüngsten Kursrutsch setzten die Titel von Delivery Hero fort, die wegen eines enttäuschenden Ausblicks der Nahost-Tochter Talabat erstmals seit Dezember wieder zeitweise unter 20 Euro gehandelt wurden. Maue Geschäftsziele ließen ansonsten die Titel des Immobilienfinanzierers Deutsche Pfandbriefbank als Schlusslicht im Nebenwerteindex SDax um 10,3 Prozent absacken.

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