Strohfeuer abgebrannt: kein Wachstum mehr nach Hormus-Effekt

Nach Informationen des Wirtschaftsministeriums ist die deutsche Sonderkonjunktur durch die Hormus-Sperrung bereits verflogen. Der ideologische Kollateralschaden ist inzwischen so groß, dass selbst geopolitische Sondereffekte und historisch einmalige Staatsschulden die blutleere Ökonomie nicht mehr beleben können.

picture alliance/dpa | Michael Kappeler

Das war eine kurze Blüte. Schon nach wenigen Wochen ist der Konjunktur-Sondereffekt der Sperrung der Straße von Hormus wieder verpufft, meldet das Bundeswirtschaftsministerium. In seinem Monatsbericht heißt es: Energieintensive Sektoren und Betriebe der deutschen Industrie profitierten von einer massiven Lieferkettenunterbrechung im asiatischen Raum im Zuge der Sperrung – eine einmalige Gelegenheit, die Wettbewerbsnachteile am Heimatstandort wenigstens für kurze Zeit durch die Blockade der Konkurrenz auszublenden und in das entstandene Geschäftsvakuum vorzustoßen.

Vor allem Betriebe aus der Chemie- und Metallindustrie profitierten von dieser Sonderlage, die im zweiten Quartal für robustes Wachstum sorgte, wie das Ministerium mitteilte. Letztlich verpuffte der Effekt schneller als gedacht. Bereits nach wenigen Wochen war es vorbei mit dem deutschen Wirtschaftswunder – jetzt herrscht wieder der graue Alltag. Nach Aussagen des Ministeriums fehlt es der deutschen Wirtschaft weiterhin an Wachstumsimpulsen, das Siechtum setzt sich also fort.

Regulativer Overkill
Deutsche Chemiebranche vor „Knock-out“ – Auftragsbestand so niedrig wie vor 30 Jahren
Schlechte Nachrichten für die Bundesregierung, noch schlechtere für Bundeskanzler Friedrich Merz, der sehnlichst auf Wahlkampffutter aus der Wirtschaft hofft, um nicht völlig mit leeren Händen dazustehen, wenn ihm die Wähler in wenigen Tagen den nächsten Denkzettel verpassen. Auch parteiintern wächst der Druck auf den ungeliebten Kanzler. Eigentlich müsste Merz jetzt Substanzielles liefern – nach über einem Jahr seiner Schuldenorgie. Er müsste Hoffnung auf einen anstehenden Aufschwung verbreiten – stattdessen fällt seine mit immer neuen Schulden aufgeblähte Kunstökonomie immer aufs Neue zusammen wie ein Soufflé.

Dass dieses Soufflé auf absehbare Zeit auch nicht mehr aufgehen wird, belegen die Zahlen aus der Wirtschaft. Derzeit liegt die Industrieproduktion um 3,3 Prozent unter dem Vorjahresniveau – vor allem energieintensive Branchen, die nach der iranischen Sonderkonjunktur wieder in die alte Apathie zurückfallen, meldeten für Juli ein Minus von 1,7 Prozent. Vom deutschen Konsumenten sind keine Impulse zu erwarten – reale Einzelhandelsumsätze sanken im Juli um 3,4 Prozent gegenüber dem Vormonat. Die Inflation frisst sich in die Kaufkraft der Haushalte, der schlechte Arbeitsmarkt zeigt Zähne.

Blick in die Glaskugel
Einbruch in der Chemie ist böses Omen
Auf einen Aufschwung am deutschen Arbeitsmarkt sollte angesichts der dramatischen Lage der Industrie niemand mehr zählen. 144.000 Industriejobs sind allein in den vergangenen zwölf Monaten verloren gegangen. Im August lag die Zahl der Arbeitslosen bei 3,06 Millionen – die Zahl verbirgt allerdings aufgrund statistischer Manipulationen nicht registrierter Arbeitsloser aus ABM, dem Kurzarbeitergeld oder der Frühverrentung die wahre Lage am Arbeitsmarkt. Auch in der Grundsicherung und anderen Sozialprogrammen verbirgt sich die nackte Wahrheit der deutschen Wirtschaft – die Unterbeschäftigung ist ein wesentlich größeres Problem, als man uns in den Statistiken wissen lässt.

Im Vergleich zum Vorjahr zählen die Jobcenter 226.000 weniger Erwerbstätige in der deutschen Wirtschaft. Da wird auch der deutsche Staat mit seinem Wiederaufforstungsprogramm im öffentlichen Dienst nur kosmetische Arbeit leisten. Denn der Verfall ist real und er spiegelt sich in den Unternehmensinsolvenzen wider, die in diesem Jahr so hoch liegen wie seit 2013 nicht mehr.

Über 12.800 Unternehmenspleiten im ersten Halbjahr stehen bereits zu Buche. Sie sind schlagender Beweis für die strukturellen Probleme am Standort, die nur durch eine politische Kehrtwende um 180 Grad wieder aus der Welt zu schaffen wären. Doch selbst im Anschluss an eine politische Wende würde die Rückkehr auf den Wachstumspfad wohl schwerfallen, zu groß ist der Kollateralschaden, den politische Ideologen inzwischen hinterlassen haben.

Die Kluft
Der Absturz in Zahlen: Die Vermessung des ökologistischen Desasters
Deutschland sitzt in der Falle: abgeschnitten vom russischen Gas, im Schraubstock der heraufziehenden Dieselpreiskrise durch die Hormus-Sperrung und abhängig vom Goodwill der Amerikaner, die zum Hauptlieferanten fossiler Brennstoffe aufgestiegen sind – die deutsche Wirtschaft taumelt, beinahe ohne Alternativen zu besitzen, einem Preisschock entgegen. Arbeitet sich dieser Energieschock entlang der ökonomischen Wirkungskette erst einmal bis in die Verbraucherpreise vor, wird es eng in vielen deutschen Haushalten. Sie leiden bereits seit Jahren unter den steigenden Preisen. Unter den Anhängern der Degrowth-Ideologie mag diese fatale Gemengelage Anlass zur Freude sein. Allerdings sollte sich jedermann bewusst sein, dass die tief gespaltene deutsche Gesellschaft einen Prosperitätsschub dringender denn je nötig hat. Und Wachstum ist nun einmal ausschließlich in einem Umfeld einer sicheren und günstigen Energieversorgung denkbar.

Ökonomie ist die Lehre von Relationen und Knappheiten. Deutschland befindet sich im Wettbewerb mit den Riesen aus China und den USA. Dort liegen die Energiepreise inzwischen so signifikant unter dem deutschen Niveau, dass das Ausbluten der Heimatindustrie unvermeidlich geworden ist, ganz gleich, wie viel Subventionsgeld über den Industriestrompreis oder direkte Beihilfen in den ökonomischen Korpus gepumpt wird.

Politisches Handeln in dieser Zeit wirkt bizarr. Berlin und Brüssel beantworten den eigenen Interventionismus, die regulatorischen Fesseln, die Niedrigzinsen, die Klimaregulierung und die Energiepolitik hinterlassen haben, mit weiteren Regulierungen und Strangulierungen der Betriebe. Wundert man sich tatsächlich über die Zombifizierung weiter Teile der Ökonomie, die nun den signifikanten Anstieg der Kreditzinsen zu kompensieren hat?

Diese Politik ist gesellschaftsgefährdend. Sie ist destabilisierend und könnte nur noch durch eine radikale Rückkehr zur Marktwirtschaft, zu einem Minimalstaatsprinzip unter Aktivierung sämtlicher gesellschaftlicher Kräfte verhindert werden. Bis zur Reife dieser Erkenntnis ist es wohl ein weiter und sehr gefährlicher Weg für alle Anhänger der freien Gesellschaft und der Marktwirtschaft.

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