Nach Klimareferendum: Hamburg erhält Vorgeschmack auf die Folgen des Ökosozialismus

Positive Nachrichten aus der deutschen Wirtschaft sind Mangelware. Dass es für die Klimaweltmeister aus Hamburg noch schneller bergab geht als für große Teile der Bundesrepublik, hilft da nicht wirklich weiter. Für die Deutschen gilt mehr denn je das alte Motto der griechischen Tragödie: Handeln, leiden, lernen.

picture alliance/dpa | Marcus Brandt
Fotoaktion der Initiative „Hamburger Zukunftsentscheid“ | Hamburg 2025

Im hohen Norden setzt in den Wintermonaten die Dämmerung bekanntlich früher ein als im Süden. Seit sich die Hamburger Bürgerschaft im klimaapokalyptischen Furor die Ketten der CO2-Regulierung fester gezogen hat, scheint diese Beobachtung auch auf den wirtschaftlichen Schattenwurf zuzutreffen.

Überall im Land zeigen sich die Symptome einer schweren ökonomischen Erkrankung: Hunderttausende von Jobs gehen jedes Jahr verloren, Zehntausende Patente wandern gemeinsam mit ebenso vielen hoch ausgebildeten Fachkräften ins Ausland. Die nackten ökonomischen Kennziffern aus Hamburg allerdings weisen auf eine Sondersituation hin: 97.800 Arbeitslose meldete die Hansestadt für den August – dies ist der höchste Stand an Unterbeschäftigung seit Mai 2006. Deutschlandweit stieg die Zahl der offiziell registrierten Arbeitslosen erstmals wieder über drei Millionen. Die Quote liegt bei 6,5 Prozent. In Hamburg liegt sie bei 8,6 Prozent – markant vor allem über dem westdeutschen Durchschnitt, der bei etwa 6,0 Prozent pendelt.

Wahlsonntag der Gegensätze
Hamburger Bürger wollen Industrie und Hafen endlich loswerden - alles nur noch Klima
Hamburg leistet sich ein grünsozialistisches Sonderexperiment – eine Verschärfung der generell zerstörerischen deutschen Klimapolitik. Die Hansestadt mutiert bei vollem Bewusstsein ihrer Bürger zum Anschauungsmaterial autoaggressiver Zerstörungspolitik. Die bestehende Differenz auf dem Arbeitsmarkt im Vergleich zu anderen westdeutschen Regionen könnte zum Gradmesser des hanseatischen Sonderwegs werden, wenn sich dieser Graben in der Zukunft sichtbar öffnet.

Dieser Graben wird sich öffnen. Dies stellt allein die Vorverlegung der Klimaneutralität auf das Jahr 2040 sicher. Die Bürgerschaft dekretierte es: Stadt, Gewerbe und private Haushalte müssen bis zu diesem Zeitpunkt vollständig auf die Emissionen von CO2 verzichten. Dabei weiß jeder vernünftige Mensch, dass dieser ideologische Unfug aus physikalischen, ökonomischen und sozialen Erwägungen zum Scheitern verurteilt ist – ein infantiles Märchen aus dem Paulanergarten ökosozialistischer Zivilisationsfeinde.

Na denn man tau
Suche nach Ausweg: CDU in Hamburg will Klimaentscheid kippen
Hamburg wird so zu einer No-Go-Area für Unternehmer, Handwerk und Investoren. Dieser Mentalitätswandel wird sich auch in der Insolvenzquote widerspiegeln, da künftig jede Form von Infrastrukturmaßnahme, Industrieansiedlung oder Fördermittelvergabe an direkte CO2-Ziele gebunden sein wird. Das senkt die Renditeerwartung und lenkt knappes Kapital zielsicher um den Wirtschaftsstandort Hamburg herum. Elf Millionen Tonnen CO2 stößt Hamburg im Jahr aus. Die Emissionen verteilen sich zu je einem Viertel auf Industrie, Verkehr, private Haushalte sowie Gewerbe und Handel – die Lasten, die der klimapolitische Sologang mit sich bringt, werden also auf Bürgerschaft, Wirtschaft und Mittelstand gleichermaßen verteilt.

Handelskammer, Handwerkskammer und Industrieverband hatten sich im Vorfeld des Referendums massiv gegen die Verschärfung des Klimakurses ausgesprochen. Der Einwand fand jedoch kein Gehör. Ideologie sticht Ratio aus – wir kennen dieses Muster zur Genüge, nicht erst seit dem ebenso ideologisch geführten Kreuzzug gegen die Kernkraft. Bis 2040 müssen sämtliche Gas- und Ölkessel in Wohn- und Nichtwohngebäuden ausgetauscht werden. Diese Operation vollzieht sich am offenen Herzen der Stadt, da gleichzeitig das Gasnetz vollständig stillgelegt werden muss. Private Haushalte trifft es ebenso wie Gewerbebetriebe und Industrieliegenschaften.

Jährlich soll ein CO2-Budget mit exaktem Monitoring erhoben werden: Verbindliche Zwischenziele werden festgelegt und regelmäßig überprüft, das soll den regulatorischen Anpassungsdruck konstant halten und, wie es politisch euphemistisch verkündet wird, Investoren Planungssicherheit gewähren. Eines erreicht diese Politik ganz sicher: Private Investitionen wird es in diesem Umfeld keine mehr geben. Das ist gewiss.

Drama um das Kohlekraftwerk Moorburg
Anatomie der Zerstörung
Hamburg betreibt den nach Containerumschlag drittgrößten Hafen Europas. Logische Konsequenz der weltfremden Degrowth-Ideologie wäre die vollständige Schließung dieser pulsierenden Herzkammer der hanseatischen Ökonomie – sollen doch die Subventionsbrachen der grünen Wirtschaft neuen Wohlstand bringen. Auch die zahlreichen Klimazertifizierer, die Auditoren des Niedergangs, die künftig benötigten Sozialarbeiter und Integrationsbeauftragten – sie alle werden in der Zukunft zur Erkenntnis gelangen, dass Wohlstand nicht durch Umverteilung entsteht und dass politische Ideologie keinen Kühlschrank zu füllen vermag.

Einen Vorgeschmack auf die Konsequenzen der Zerstörung des eigenen Wirtschaftsstandorts durch klimapolitischen Unfug erhielt die Stadt bereits zuvor. Die Hamburger Energienetze GmbH ist aufgrund der zentral geplanten und völlig verfehlten Energiepolitik gezwungen, im zweiten Halbjahr mit einem sogenannten Repartierungsverfahren zu beginnen. Konkret heißt das: Stromanschlüsse für Industrie und Großverbraucher müssen immer häufiger zugeteilt werden – die Mangelverwaltung setzt ein. Betroffen sind alle neuen Anschlüsse in Mittel- und Hochspannung mit mehr als 1,5 Megavoltampere Leistung – exakt jene Kapazitäten, die Wirtschaft und Industrie so dringend benötigen.

Hamburg wird zum Katastrophenstandort im toxischsten Land Europas. Die Lage ist fatal: In den vergangenen Monaten lagen in Hamburg Anfragen für Netzanschlüsse in einer Größenordnung von rund zwei Gigawatt vor, bei einer Spitzenlast im lokalen Netz, die gerade einmal 1,8 Gigawatt beträgt. Es ist wie so oft, wenn die Politik sich an die Stelle des Marktes setzt: Es entstehen Mangel, Korruption und Günstlingswirtschaft. Die Probleme, die daraus folgen – Arbeitslosigkeit, Energieknappheit und Ressourcenprobleme – werden in der Folge mit einer weiteren bürokratischen Ebene verwaltet. In Hamburg werden Sie bald erleben, wie sich eine grüne, postmoderne DDR anfühlt.

Es gibt jedoch auch eine gute Nachricht für die Hamburger: Noch leben wir in einer Demokratie. Der ökologische Spuk könnte also auch wieder abgewählt werden. Kann dies tatsächlich geschehen? Noch ist auch in Hamburg eine Menge ökonomischer Substanz vorhanden, die zunächst im Kraftwerk des grünen Sozialismus verfeuert werden muss. Danach sehen wir weiter.

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 17 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

17 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
VK
12 Minuten her

Neben Hamburg sieht Schilda wie das Gründerzentrum des Industriezeitalters aus.

Arndt Schuster
18 Minuten her

Hätte man doch einmal einen Ex-DDR-Bürger gefragt! Der neue Ökosozialismus bringt hervor: Marode Industrie (heute wandert sie gleich ganz ab!), Verarmung der Menschen (nach dem Motto: Alle sind gleich arm, aber manche sind gleicher!), geringe Steuereinnahmen führen zum Verfall der Städte und der gesamten Infrastruktur, und ja, man hat es in der DDR gesehen, es ist kein Geld mehr da für Umweltschutz, mithin kommt es zur Zerstörung von Wäldern und ganze Landstrichen.

Bernd Bueter
18 Minuten her

..war da nicht ein Rotterdamer, der den Hamburger Grünen Idioten ne Menge Kohle „zugeschoben“ hat, damit die Hamburger Hafen-Konkurrenz schneller „eingesegnet“ wird.
Soll noch mal einer sagen, die Grünen Idioten wären zu nichts zu gebrauchen.

Heptamer
20 Minuten her

Dann hoffe ich, dass die Klimaapokalyptiker unter den Bürgern auch recht massiv leiden. Sie sollen es an allen Ecken und Enden spüren. Es muss sichtbar für die ganze mittlerweile klimaverseuchte Republik sein. Dann und nur dann, wenn ein noch kaputteres Anschauungsbild marodierender Arbeitslosen, drastisch steigendem Finanzausgleichsgebaren sichtbar wird, dann gibt es eine kleine Chance auf Besserung.

joly
20 Minuten her

Wir werden ja sehen wie schnell diese arroganten hanseatischen Fischköppe zu stinken anfangen werden. Eigentlich sollte man denen das Wort Hanse streichen, denn die Hanse war wirtschaftlich zu ihrer Zeit einzigartig und erfolgreich. Heute sind diese Städte mit Ideologen überschwemmt. Wir sollten gemeinsam dieser Bevölkerung jedwede Subvention verweigern. Sollen sie doch alle einfach in den Speckgürtel migrieren. Dann hätten wir sofort Platz für 2 Mio Migranten. Schade um Mädels und Frauen. Die werden falls sie nicht fluchtartig verschwinden sich an tägliche Vergewaltigungen gewöhnen müssen.

Last edited 18 Minuten her by joly
AlNamrood
20 Minuten her

Mit „lernen“ ist da gar nichts. Der durchschnittliche Deutsche hat gar nicht die Fakultäten um eine Verbindung zwischen Politik, dem eigenen Verhalten und der Wirtschaft zu knüpfen. Selbst wenn: Kein Regentropfen hält sich für die Flut verantwortlich.

Nein, der Michel steht in absehbarer Zeit arm und weiterhin dumm da und wird einen Schuldigen suchen, denn er selbst kann es nicht gewesen sein.

Axel Fachtan
23 Minuten her

Vox populi vox Rindvieh.
Die Mehrheit hat entschieden.
Selbstzerstörung schon 2040
Bundesweit klimaneutral erst 2045.
Hamburg kann es schneller.
Keine Dieselschiffe mehr im Hafen.
Keine Lkw mehr.
Keine Verbrennerfahrzeuge mehr auf den Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen.
E-Fahrzeuge auch nicht mehr, weil nicht klimaneutral.
Belieferung nur noch durch Lastenfahrräder, Postkutschen und berittene Boten.
Hamburg wird zum Vorbild für den Rest der Republik.
First we kill Hamburg, than we kill the rest.

Michael Loehr
23 Minuten her

Die Leute die auf dem Foto abgelichtet sind, arbeiten entweder bei einer Behörde, in der Sozialindustrie, einer NGO, einem Ökounternehmen oder haben geerbt. Die bezahlte 37,5 Std.-Woche dieser Figuren ist in Wirklichkeit eine 25 Std.-Woche. Dort tummeln sich die Faulsten der Faulen. Sollte ich mich leicht angesäuert anhören, hat das einen Grund. Ich hatte heute mit einem Arsc…och vom BLB zu tun, mit Beamten einer Ruhrgebietsgroßstadt und einer Berufsgenossenschaft. All diese Penner sind nur dazu da, fleißige Menschen bis aufs Blut zu quälen und ihnen das Leben zu versauen. Man kann den Schwachsinn nicht mehr ertragen. 188.000 Betriebe die im… Mehr

Deutscher
23 Minuten her

Sozialer Klimaschutz aka Klimatikalsozialismus

roffmann
29 Minuten her

Diesen Satz mit Fragezeichen versehen . ???Noch leben wir in einer Demokratie???