Neue EU-Verpackungsverordnung: Ein Paket kann zum Verlustgeschäft werden

Brüssel verspricht den Binnenmarkt und liefert bis zu 27 Verpackungssysteme. Gerade kleine Händler zahlen künftig weniger für Recycling als für Register, Vollmachten und Meldungen. So wird ein einziges Paket zum Verlustgeschäft.

IMAGO / Arnulf Hettrich

Der nächste große Abschnitt des EU-Bürokratiemonsters überrollt die EU. Ab 12. August 2026 muss die neue EU-Verpackungsverordnung PPWR weitgehend angewendet werden. Sie ist zwar bereits seit Februar 2025 in Kraft, verschärft aber nun in einem letzten Schritt die Pflichten für Hersteller, Händler und Online-Shops. Besonders betroffen sind kleine Unternehmen, die nur gelegentlich Waren in andere EU-Staaten verschicken.

Problematisch sind nicht die eigentlichen Recyclingkosten, sondern nationale Registrierungen, Meldeverfahren und die Pflicht, in jedem Zielland einen Bevollmächtigten zu bestellen. Bei geringen Versandmengen können die Fixkosten den Wert der verschickten Waren deutlich übersteigen.

Wer verpackte Produkte aus Deutschland direkt an einen Endnutzer in einem anderen Mitgliedstaat verkauft, gilt dort jetzt grundsätzlich als EPR-Hersteller. Das heißt im dümmlichen EU-Sprech „Extended Producer Responsibility“, auf Deutsch: Erweiterte Herstellerverantwortung. Wer ein Produkt oder eine Verpackung erstmals in einem Land auf den Markt bringt, soll sich auch an den Kosten beteiligen, die am Ende für Sammlung, Sortierung, Recycling und Entsorgung entstehen, so die verzweifelte Idee der geldheischenden EU.

Bei Verpackungen bedeutet EPR für einen Versender typischerweise:

  • Registrierung im jeweiligen Zielland
  • Vertrag mit einem nationalen Entsorgungs- oder Rücknahmesystem
  • Meldung der Verpackungsmengen nach Material und Gewicht
  • Zahlung von Lizenz- und Recyclingentgelten
  • künftig häufig Bestellung eines Bevollmächtigten im Zielland.

„Hersteller“ ist dabei ein Rechtsbegriff. Gemeint ist nicht nur derjenige, der einen Karton produziert. Auch ein deutscher Online-Händler kann als Hersteller gelten, wenn er verpackte Waren direkt an Endkunden in einem anderen Land liefert und die Verpackung dort erstmals auf den Markt bringt.

Für den Direktversender bedeutet das: Er muss grundsätzlich in jedem Zielland die Finanzierung von Sammlung, Sortierung und Recycling seiner Verpackungen übernehmen. Der in Deutschland benutzte Begriff „duales System“ lässt sich dabei nicht einfach auf sämtliche Länder übertragen. In Frankreich heißen die Organisationen Eco-Organisme, in anderen Staaten PRO, Rücknahme- oder Verwertungssystem.

Eine allgemeine Kleinmengenfreigrenze enthält die PPWR nicht. Wer nur wenige Kartons verschickt oder sogar lediglich ein Paket an einen Endnutzer liefert, kann grundsätzlich bereits erfasst sein.

EPR gilt nicht nur für Verpackungen. Vergleichbare Herstellerpflichten bestehen unter anderem für Elektrogeräte, Batterien, bestimmte Kunststoffprodukte und zunehmend auch Textilien. Ein Händler kann deshalb gleichzeitig mehreren EPR-Systemen unterliegen.

Erstaunlicherweise wollte die EU-Kommission, die das kommende Bürokratiemonster Ende 2025 doch noch Problem erkannte, diese Pflicht für EU-Unternehmen bis 2035 aussetzen. Der Vorstoß scheiterte jedoch am Widerstand einer deutlichen Mehrheit der Mitgliedstaaten.

Zusätzlich zur erweiterten Herstellerverantwortung – oder genauer: Kostenpflicht – kommen jetzt technische Anforderungen. Unternehmen müssen für jede Verpackung klären, ob sie als Verpackungshersteller, Importeur, Händler, Abfüller oder EPR-Hersteller handeln. Für Verpackungen müssen technische Unterlagen und eine EU-Konformitätserklärung vorliegen. Wer serienmäßige Versandkartons bei einem europäischen Lieferanten kauft, kann die entsprechenden Nachweise grundsätzlich von diesem verlangen. Wer eigene Verpackungen entwirft, unter eigener Marke herstellen lässt oder aus Drittstaaten importiert, kann selbst für die Konformität ver-antwortlich sein.

Vorgesehen sind außerdem Typ-, Chargen- oder andere Identifikationsangaben, Name und Anschrift des Herstellers sowie eine elektronische Kontaktmöglichkeit. Für Lebensmittelkontaktverpackungen gelten neue PFAS-Grenzwerte. Verpackungen müssen grundsätzlich recycelbar sein; die detaillierten EU-Bewertungsmethoden und Recyclingklassen folgen allerdings erst später.

Ab 2030 sollen die Vorgaben laut EU noch einmal deutlich strenger werden. Gewicht und Volumen müssen auf das notwendige Mindestmaß reduziert werden. Als ob erst ein EU-Zentralkomitee sagen müsste, was jedes Wirtschaftsunternehmen von selbst macht. Bei Versand-, Transport- und Umverpackungen darf der Leerraum grundsätzlich höchstens 50 Prozent betragen. Luftpolster, Papierfüllung, Schaumstoff und anderes Füllmaterial zählen dabei zum Leerraum. Dabei schützen die in der Regel Waren vor Stößen und Beschädigungen.

Hinzu kommen Mindestanteile für Recyclingkunststoff, Verbote bestimmter Einwegkunststoffverpackungen und Mehrwegquoten für einzelne Transport-, Gruppen- und Getränkeverpackungen. Gewöhnliche Versandkartons aus Pappe sind von den Transport-Mehrwegquoten ausgenommen, nicht jedoch von EPR, Minimierung und Leerraumvorgaben.

Auch Online-Marktplätze werden zu Kontrolleuren. Sie müssen prüfen, ob Händler registriert sind und gültige Registrierungsnummern vorgelegt haben. Fehlende Nachweise können deshalb nicht nur Bußgelder oder Vertriebsverbote auslösen, sondern zur Sperrung des Händlers oder einzelner Zielländer auf Plattformen führen.

Für Designer, Kunsthandwerker, kleine Verlage, Ersatzteilhändler oder Manufakturen, die nur einige Pakete im Jahr ins europäische Ausland schicken, kann das Verhältnis von Umsatz und Bürokratie völlig kippen.

Die EU verspricht zwar einen einheitlichen Binnenmarkt, erhält aber bis auf Weiteres bis zu 27 nationale Verpackungssysteme und ergänzt sie um die Pflicht zu ebenso vielen örtlichen Bevollmächtigten. Bezahlt wird weniger für den einzelnen Karton als für Register, Vollmachten, Dienstleister und Meldungen. So wird der Versand eines einzelnen Pakets nicht aus ökologischen, sondern aus bürokratischen Gründen zum Verlustgeschäft.

Es führt offenbar kein Weg mehr daran vorbei: Entweder verschwindet die EU oder die Wirtschaft.

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Kommentare ( 74 )

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Thilo Braun
6 Stunden her

Das wird einen sehr einfachen Effekt haben. Es wird nicht mehr von einem Staat in den anderen verkauft, sondern ausschließlich national. Für Unternehmen wie Amazon könnte das ein Vorteil sein, wenn Hersteller alle ihre Produkte, die über das Erzeugerland hinaus geliefert werden sollen, direkt an Amazon verkaufen und Amazon dann den Versand und die Lieferung übernimmt. Wie immer also bei jeder Strategie der EU, können nur noch Großkonzern die Vorgaben erfüllen und alle anderen nicht mehr. So wird der grenzüberschreitende Handel effektiv verhindert und genau darum geht es.

Orlando M.
7 Stunden her

Ganz einfach, so wird weniger konsumiert und der Staat kann noch mehr aus dem ihm zutiefst verhassten arbeitenden Volk pressen, um es der teuflischen EU in den Hinteren zu schieben.

Sabine Ehrke
8 Stunden her

Wie gewählt, so geliefert. Wir alle haben es in der Hand.

Flaneur
17 Stunden her

das ist so dermaßen absurd – wozu wird das führen? kleine händler werden nicht mehr grenzüberschreitend versenden oder müssen es machen wie die chinesen mit diesen „briefkastenfirmen“. es bringt dem endkunden NULL vorteile, sondern nur nachteile, weil es die waren verteuert oder gar nicht mehr verfügbar macht.

HorstHugo
18 Stunden her

Also erstens, wenn sich die EU als großes Gemeinschaftsprojekt versteht, dann sollte es auch eine zentrale Stelle geben, bei der sich Unternehmen registrieren und die dann alles abwickelt. Zweitens ist mir unbegreiflich, dass man wirklich glaubt, ein Kleinunternehmer könne sich bei 27 unterschiedlichen Stellen registrieren und die Bürokratie mit denen abwickeln. Das können nur Konzerne. Damit bleibt Innovation – und die kommt eben oft von Startups – auf der Strecke. Völliger Irrsinn!

Maja Schneider
21 Stunden her

Haben diese nimmermüden EU-Technokraten nicht schon längst genug Unheil angerichtet!? Man darf getrost darauf hoffen, dass die meisten Mitgliedsländer diesen Unsinn ignorieren, außer Deutschland natürlich.

K. Sander
22 Stunden her

Vor etwa 15 Jahren gab es schon solchen Quatsch. Da hatte ene Firma aus Österreich bei mir etwas bestellt. Weil das plötzlich so kompliziert war, kam mir eine Idee. Ich habe das mit einem Mitarbeiter vereinbart und das Paket an den geschickt. Auf das Paket hatte ich mit einem dicken Filzstift geschrieben: „Viel Spaß beim Basteln. Viele Grüße von Deinem Onkel.“ .. so funktionierte es problemlos.

bfwied
23 Stunden her

Also, die AfD will ja nicht die EU abschaffen bzw. aus ihr austreten, sondern reformieren auf ein sinnvolles Niveau, praktisch eine vernünftige Weiterentwicklung der EG, die nur Zusammenarbeit, v. a. in der Wirtschaft, zum Ziel hatte. Aber ich denke, dieses Bürokratiemonster in Brüssel mit 60.000 Bürokraten und noch einmal so viele akkreditierten Lobbyisten und noch weiteren, lässt sich nicht mehr reformieren. Daher sollte die EU einfach verlassen werden. Sobald der größte Nettozahler weg ist, wird sie von vielen anderen ebenfalls verlassen. Ich bin mir sicher, dass unmittelbar danach wieder eine sinnvolle EG mit vernünftig wirtschaftenden Ländern aufgebaut wird und die… Mehr

WGreuer
1 Tag her

Ich habe mich schon mehrfach gewundert, warum einzelne Händler nicht aus Österreich nach Deutschland liefern und umgekehrt – dieser Verpackungswahnsinn erklärt es. Man kann es mit Abschottung erklären, aber auch mit dem Versuch der globalistischen EU, die ganzen kleine Händler zu vernichten. Warum? Kleine Händler sind Selbständige, sie sind politisch kritisch, unabhängig, haben eigenen Besitz (pöööhse!!) und sehen Fehlentwicklungen früh: sie machen den Mund auf. Das muss beendet werden. Nur die großen sollen also übrigbleiben, die ganz opportunistsch weil durch konforme Managergeführt, keine Gefahr darstellen. Ich stimme daher zu: die EU muss weg. Sie zerstört Europa, die Europäische Kultur und… Mehr

Donostia
1 Tag her

Hört sich nach dem Passierschein A38 aus dem Trickfilm Asterix erobert Rom an. Guckst du hier: Asterix passierschein – Google Suche