Börse nach Frankreich-Wahl leicht höher, mittelfristig Probleme

Nach der Frankreich-Wahl fürchten die Investoren Turbulenzen. Die Schwierigkeiten, die auf Macron mit einem Linksbündnis zukommen, scheinen ihnen größer als die mit einem RN-Sieg. Es droht die Fiskalunion. Etwas Sicherheitsgold kann deswegen nicht schaden.

picture alliance/dpa | Arne Dedert

Auch Börsianer lassen sich mitreißen. Seit der Auflösung des französischen Nationalversammlung nach den Europawahlen durch Präsident Emmanuel Macron war ihnen von der überwiegenden Zahl der Medien eingehämmert worden, bei den anstehenden Neuwahlen drohe ein Rechtsruck, der nicht nur die „grande nation“ unregierbar, sondern auch Europa handlungsunfähig machen würde. Nun gab es zwar im gestrigen zweiten Wahlgang einen deutlichen Zugewinn des RN, aber es reicht bei weitem nicht für die absolute Mehrheit. Entsprechend gab es am Montagvormittag sowohl in Paris als auch in Frankfurt jeweils eine kleine Erleichterungsrally. Die Kurse sprangen ein knappes halbes Prozent nach oben.

Aber nun dürften die Investoren wieder schärfer kalkulieren – und das, was sie sehen, ist nichts anderes als das, wovor sie sich vor den Wahlen fürchteten: Turbulenzen bei einer langwierigen Regierungsbildung – nur eben nicht einer Regierungsbildung mit einem Premierminister von rechts, sondern einem von links. Die Schwierigkeiten, mit denen Macron künftig zu tun haben wird, scheinen tendenziell sogar noch größer als die, die er mit dem RN hätte. Gerade hat die EU-Kommission ein Defizitverfahren gegen die zweitgrößte Volkswirtschaft der EU eingeleitet, aber die Linken – ganz gleich welcher Partei sie angehören – fühlen sich nun als Wahlsieger verpflichtet, möglichst viele ihrer Versprechen umzusetzen. Satt zu sinken, werden die französischen Staatsschulden eher weiter steigen; und die Kommission wird sich als zahnloser Tiger erweisen. Mit welchen Mitteln sollte sie auch Frankreich in die Budgetdisziplin zwingen? Und je weniger sich Frankreich an die Regeln hält, desto weniger werden sich auch andere dazu verpflichtet fühlen.

Für die EU wird sich der 7. Juli deshalb noch als Schicksalstag erweisen. Nicht als Tag, an dem „die Brandmauer gegen rechts“ gehalten hat, sondern als Anfang vom Ende. Denn als nächstes werden Brüssel und Paris versuchen, neben der in Vorbereitung befindlichen Kapitalmarktunion auch eine Fiskalunion zu schaffen. Dann ist das einstmals hochheilige „no-bailing-out“-Prinzip (kein Mitgliedsland haftet für die Schulden eines anderen Mitgliedslandes) gänzlich hinfällig. Der Euro wird in einen permanenten Verfall gegenüber allen anderen wichtigen Währungen übergehen – erst werden sich die ausländischen, dann auch die inländischen Investoren zurückziehen.

Wer sein Vermögen schützen will, baut Positionen im Euroraum ab und setzt auf wachstumsstarke Märkte mit stabilen, seriösen Regierungen. Dazu können auch Unternehmen mit dem Sitz in Deutschland gehören. Wenn sie den Großteil ihrer Umsätze in Fernost oder Amerika erzielen, sind sie vor dem drohenden Chaos in Europa weitgehend geschützt. Daneben gibt es natürlich auch immer Sondersituationen: An der Ukraine-Politik wird sich auch unter der neuen Konstellation in Frankreich nichts ändern, da kann man also beruhigt an Positionen von Rheinmetall und Hensoldt festhalten.

So oder so, ein bisschen Sicherheitsgold im Depot ist angesichts der insgesamt bedrückenden Aussichten sicher auch nicht verkehrt.

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Kommentare ( 16 )

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Stefan Tanzer
7 Tage her

Ich kann absolut nicht verstehen, wie die deutschen Medien überhaupt auf den Gedanken kommen können, dass die Sozialisten in irgendeiner Form besser wären als Rassemblement National. Die Sozialisten stehen für Abschaffung Atomenergie Vergemeinschaftung von Schulden in der EU 100% „grüne Energien“ Mehr Flüchtlinge laxere Einbürgerungspolitik Höhere Steuern und Abgaben (man hat ja davon nicht genug) Bevormundungspolitik Offenen Antisemitismus und Antiamerikanismus Und man muss sich nur ansehen, wie sich deren Anhänger nach den Wahlsiegen so verhalten haben. Klar, die Mehrausgaben treiben die Aktienkurse. Inzwischen packt jeder, der auch nur einigermaßen fähig ist oder Vermögen hat die Koffer und flieht aus Frankreich.… Mehr

Klaus Kabel
7 Tage her

Nach der Frankreich-Wahl fürchten die Investoren Turbulenzen. Das fürchte ich auch. Man sollte das Buch des „Wahlgewinners“ Mélenchon: „Le hareng de Bismarck: (Le Poison Allemand)“ lesen. Ein gefundenes Fressen für Kapitalismushasser, Deutschlandhasser und Freunde der ehemaligen Sovietunion. Da wird sicher noch lustig in Europa. Aber Hauptsache Le PEN verhindert.

Last edited 7 Tage her by Klaus Kabel
Ein Sumpf zieht am Gebirge hin
7 Tage her

Das Linksbündnis wird alsbald platzen. Macron holt sich die wiedererstarkten Sozialisten und die Republikaner an die Seite, alle werden etwas von nationaler Verantwortung faseln und dann geht es weiter wie bisher.

Dietrich
7 Tage her

„An der Ukraine-Politik wird sich auch unter der neuen Konstellation in Frankreich nichts ändern, da kann man also beruhigt an Positionen von Rheinmetall und Hensoldt festhalten.“

Einfach nur widerlich. Mit dem Tod von Menschen Geld zu machen ist das Perverseste, was es geben kann.

Haba Orwell
7 Tage her

> Nun gab es zwar im gestrigen zweiten Wahlgang einen deutlichen Zugewinn des RN, aber es reicht bei weitem nicht für die absolute Mehrheit. Entsprechend gab es am Montagvormittag sowohl in Paris als auch in Frankfurt jeweils eine kleine Erleichterungsrally.

Alternative Erklärung: Börsianer wissen, dass eine linke Regierung Unmengen am Helikoptergeld verteilen wird, was Aktienkurse weiter antreiben dürfte. (Die Inflation aber auch.)

Klaus D
7 Tage her

Wer sein Vermögen schützen will, baut Positionen im Euroraum ab und setzt auf wachstumsstarke Märkte mit stabilen, seriösen Regierungen…..ist das ein wunschdenken? Wenn der euoraum den bach runter geht wird das die ganze GLOBALE welt treffen. Und was ist hier mit „seriösen Regierungen“ gemeint bzw wo sollen die denn sein? Ich meine das wir weltweit ein chaos sondergleichen erleben werden und in einen 3 weltkrieg stürzen könnten. Dann werden alle verlieren! PS deswegen sollte man sein gold nicht in einem depot lassen sondern im garten verbuddeln.

jwe
7 Tage her
Antworten an  Klaus D

Bei einem großen Krieg verlieren nur die kleinen Leute. Staaten schütteln durch Währungsreformen ihre irren Schulden ab und Reiche werden noch reicher.

Klaus D
6 Tage her
Antworten an  jwe

Das stimmt so nicht siehe deutschland nach dem 2 weltkrieg. Da waren die meisten reichen tod oder hatten kaum noch was. Klar gibt es auch die die das überleben und profitieren. Das ist bei den kleinen aber nicht anders so ist mancher kleiner mit schwarzhandel der dann kommt reich geworden.

Dietrich
6 Tage her
Antworten an  Klaus D

Die meisten Reichen waren tot? Wo haben Sie das gelesen? Glauben Sie im ernst, dass alle Reichen und Konzerne im Nazideutschland ihr Vermögen allein in Deutschland deponiert hatten? Aufwachen! Die Stunde Null mit gleichen Chancen für alle war nach dem Krieg die erste große Lüge. Mit der Ausgabe des neuen Geldes 1948, der D-Mark, und dem Umtauschen ausländischer Währungsdepots in die D-Mark, war die finanzielle Gleichheit in der Bundesrepublik im Westen über Nacht Geschichte.

Jens Lueck
7 Tage her
Antworten an  Klaus D

Ich stimme Ihnen zu. Und selbst, fall man mit Short-Positionen hier viel Geld verdienen kann, gibt es dann zwei interessante Fragen:

  1. Kann die Bank einen noch auszahlen oder ist sie selbst ein Opfer der Entwicklungen?
  2. In welcher Währung und wohin sollen dann Gewinne noch ausgezahlt werden?

Mit anderen Worten: Spaten, Garten, Loch ausheben, Gold rein, zuschütten. Und hoffen, dass der Nachbar dabei nicht mit dem Fernglas am Fenster stand.

Klaus D
6 Tage her
Antworten an  Jens Lueck

Oder die mrd die man hat sind nichts mehr wert. Das hatten wir ja schon mal wo man mit der schubkarre voller geld brot einkaufen ging.

Dietrich
6 Tage her
Antworten an  Klaus D

„Wenn der euoraum den bach runter geht wird das die ganze GLOBALE welt treffen.“ Das wird in dem Maße eben nicht so geschehen, es sei denn, es endet im 3. Weltkrieg. Nicht umsonst kauft China Gold auf, was geht und schmeißt den Dollar samt Schuldverschreibungen und der Discounterwährung Euro immer mehr über Bord. Das gilt übrigens für die gesamte BRICS. Siehe SA und dem Ende des Petrodollars. Die wissen genau, was kommt, denn die müssen ihre Bürger nicht anlügen, während in der EU die idiologisch gesteuerten politischen Traumtänzer den Bürgern weiter die Sinne vernebeln, um sie bei Stange zu halten.… Mehr

Biskaborn
7 Tage her

Deutschland wird nun endgültig zum Zahlmeister für die Schulden anderer, insbesondere Frankreich und Italien! Den meisten Deutschen wird auch das egal sein!

jwe
7 Tage her
Antworten an  Biskaborn

Es gibt nicht wenig Deutsche, die sich durch eine Schuldenvergemeinschaftung noch besser vorkommen; sie glauben, von anderen Europäern noch mehr geachtet zu werden. Das sich andere über die Deutschen kaputt lachen, kommt diesen Leuten nicht in den Sinn. Und das betrifft vor allem unsere Regierung.

schwarzseher
7 Tage her
Antworten an  Biskaborn

Um Zahlmeister zu sein, muß man zahlen können. Deutschland ist doch selber schon pleite und wurschtelt sich mit Schulden durch, die groteskerweise als Sondervermögen bezeichnet werden. Und die finanzielle Situation Deutschlands wird sich weiter dramatisch verschlechtern: mangelnde Infrastruktur, mangelnde Bildung, ausufernde Sozialleistungen an Millionen zugewanderte Nichtsnutze, Milliarden Euro in der Ukraine versenkt bzw. verschossen etc. Der Exodus von Unternehmen und Leistungsträgern wird sich beschleunigen. Ähnlich desaströse Verhälnisse neben in Frankreich auch in Schweden, Belgien, Italien, Griechenland und einigen europäischen Ländern mehr.

Biskaborn
6 Tage her
Antworten an  schwarzseher

Deutschland bei den gewaltigen Steuereinnahmen hat immer noch genügend Geld, um es dem Ausland zukommen zu lassen. Alleine hier gibt es dazu genügend Artikel!