Wann entschuldigt sich ein Politiker für Corona-Versäumnisse?

Politiker behaupten wahrheitswidrig, sie hätten das Problem von Anfang an richtig erkannt und richtig reagiert. Entschuldigungen wären längst überfällig.

imago Images/IPON

Welcher Politiker entschuldigt sich: „Ich (wir) haben die Corona-Pandemie lange massiv unterschätzt. Dadurch haben wir viel Zeit verloren. Ich entschuldige mich dafür.“

Entschuldigungen sind seit den 90er-Jahren in der Politik Mode geworden:

  • Bill Clinton entschuldigte sich für den Sklavenhandel und für seine Sex-Affäre mit Monica Lewinsky
  • Barack Obama entschuldigte sich dafür, dass er einer Staatsanwältin das Kompliment machte, gut auszusehen
  • Die Queen bat für die Unterdrückung der Maori in Neuseeland um Entschuldigung.
  • Die Schweiz entschuldigte sich für die Einlagerung von Nazi-Gold.
  • Papst Johannes Paul II. hat sich für die „Schandtaten der Inquisition“ entschuldigt
  • Papst Franziskus entschuldigte sich für die Mordbefehle an Ketzern
  • Hillary Clinton entschuldigte sich für ihre E-Mail-Affäre
  • Christian Lindner entschuldigte sich, weil ein FDP-Politiker mit Stimmen der AfD in Thüringen gewählt wurde
  • Und fast im Wochentakt entschuldigen sich Politiker, Manager, Künstler usw. für „politisch unkorrekte“ Äußerungen (auch wenn diese richtig waren)

Inzwischen gibt es große wissenschaftliche Studien über politische Entschuldigungen.

Manche dieser Entschuldigungen sind plausibel, andere weniger.

Worauf ich aber wirklich warte:

Welcher Politiker entschuldigt sich: „Ich (wir) haben die Corona-Pandemie lange massiv unterschätzt. Dadurch haben wir viel Zeit verloren. Ich entschuldige mich dafür.“

Stattdessen behaupten Politiker wahrheitswidrig, sie hätten das Problem von Anfang an richtig erkannt und richtig reagiert, zum Beispiel:

  • „Für übertriebene Sorge gibt es keinen Grund.“ Jens Spahn, 29.Januar
  • „Wir haben das Coronavirus vom ersten Tag an sehr ernst genommen.“ Jens Spahn, 1. März
  • „Es sieht so aus, als müsste es im April vorbei sein. Wenn es wärmer wird, verschwindet es auf wundersame Weise.“ Donald Trump zur Corona 10. Februar
  • „Ich kapiere dieses Zeug sehr gut. Die Leute staunen, dass ich es verstehe. Jeder dieser Ärzte fragt: ,Warum wissen Sie so viel darüber?‘ Vielleicht bin ich ein Naturtalent. Vielleicht hätte ich das machen sollen, anstatt für die Präsidentschaft anzutreten.“ Donald Trump, 6. März
  • „Ich hatte das Gefühl, dass dies eine Pandemie sein würde, lange bevor es offiziell so genannt wurde.“ Donald Trump, 17.3.
Anzeige
Unterstützung
oder

Kommentare ( 38 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

----

38 Kommentare auf "Wann entschuldigt sich ein Politiker für Corona-Versäumnisse?"

Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung

Eher friert die Hölle zu, bevor sich ein derzeitig regierungs/verantwortlicher Politdarsteller um Merkel herum um Verzeihung für Unvermögen und Versagen bittet. „Moralishce“Unterstützung erfolgt durch die regimetreuen immens reichen Beetvereine, die schon jetzt zur Begleichung der Verluste durch die sog. „Coronokrise“ das Vermögen „Wohlhabender“ heranziehen lassen wollen -> der jesuskreuzverleugnende und menschenfischende Taxiunternehmer B.S., in WO zu lesen.

„Sich entschuldigen“ ist sowieso ein Anachronismus: Wenn man Schuld auf sich geladen hat, dann kann man höchstens „um Entschuldigung bitten“ – man kann sich doch nicht selbst ent-SCHULD-igen!? Und es wäre an denjenigen, die unter den Versäumnissen und Fehlentscheidungen, die zu dieser Schuld führten, zu verzeihen und so den Schuldigen von seiner Schuld loszusprechen – ggf. nach angemessener Entschädigung. Die zu leisten sind die Schuldigen angesichts des immensen Leids (und, nebenbei, der horrenden Kosten, die derzeit entstehen), nicht ansatzweise in der Lage. Mit einem einfachen „ich entschuldige mich“ ist’s jedenfalls nicht getan.

Um sich entschuldigen zu können, muß man erkennen, daß man etwas falsch gemacht hat. Spätestens seit 2015 hätte man erwarten können, daß man sich dafür entschuldigt, die Grenzen nicht geschlossen zu haben. Nein, man verkündet bis heute verkündet, daß die Grenzen nach Deutschland offen sind. Bis heute wird glauben gemacht, daß die ganze Welt in Deutschland willkommen ist, Rettunggsschiffe die Überfahrt sichern. Das Geld der Bürger wird mit vollen Händen aus dem Fenster geschmissen. Für was will sich diese Regierung entschuldigen, wen alle nun mal da sind. DasVolk wird schon nicht merken, was das Ganze kostet. Eine Kanzlerin, umgeben von… Mehr

Das eigentliche Versäumnis dieser und der vorangegangenen Merkel-Regierung ist, dass das dem Bundestag 2013 vorgelegte Pandemie-Szenarium des RKI völlig ignoriert wurde. Dementsprechend war man – entgegen aller Aussagen der Politik – völlig unvorbereitet, was allein schon am Mangel an Schutzausrüstung und Desinfektionsmitteln erkennbar war, die hätten eingelagert sein können.
Da reicht keine Entschuldigung irgendwelcher „kleinen“ Minister oder Landesfürsten; an dieser Stelle ist die Kanzlerin höchstselbst in der Pflicht, zumal das Versäumnis das Grundrecht der Bürger auf Leben und körperliche Unversehrtheit (GG Art. 2 Abs. 2) auf das gröbste verletzt hat … ganz abgesehen von den erheblichen wirtschaftlichen Kollateralschäden …

Deutschland ist schon immer (fast) perfekt in Organisation. Den Weltmeistertitel halten deutsche Regierungsverwaltungen in der perfekt organisierten Verantwortungslosigkeit. Die Gesinnungsethik hat die Handlungsethik endgültig verdrängt. Jetzt sind sie halt da – die Probleme. Lapidar aus Gesinnung entstanden – damit ohne jede Verantwortungs- übernahme der Folgen von Fehlentscheidungen für irgendein Politikerhandeln. Passt auf alle und findet man in allen Politikfeldern. Der OB Tübingen wurde mal in einem denkwürdigen Interview gefagt, ob Politiker für ihre Entscheidungen persönlich verantwortlich gemacht werden sollten. Die Empörung ist legendär. Verantwortungslosigkeit ist schließlich die Grundlage jedes politischen Handelns. Und die Basis der Pensionsansprüche. Das systematische Verschleiern sprich… Mehr

Viele Länder haben es versäumt, rechtzeitig zu handeln. Das ist das eine. Wer sich aber wie Laschet, Spahn und die CDU-Fraktion hinstellt und noch großspurig verkündet, man hätte alles unter Kontrolle und es gibt kein Problem in Deutschland … Das ist der eigentliche Skandal. Spahns politische Karriere müsste eigentlich vorbei sein. Stattdessen werden wohl FLaschet und Comical Spahn (Spitzname von Twitter) das neue Traumduo der CDU.
Mal gesponnen: Welche Maßnahmen hätten zu welchem Zeitpunkt erfolgen müssen, damit sich die Folgen von Corona möglichst gering auf Gesundheitssystem, Wirtschaft und öffentliches Leben auswirken? Wo stünden wir dann heute?

Fürs Erste Karneval und Veranstaltungen über 100 absagen, dazu Abstand halten, und gut wär’s gewesen. Dann hätten wir auch kein Heinsberg und Herr Streek könnte uns nicht mit wundersamen Behauptungen unterhalten. Sowieso sind Virologen für mich Leute, die die Welt im Klitzekleinen unterm Mikroskop betrachten und deren Kompetenz bis zur Labortür gilt und nicht den Weitblick fürs große Ganze beinhaltet.😳😳😳 Zu einem „echten“ Expertenteam hätten auch z.B. Soziologen und Psychologen für Massenphänomene, Massenverhalten und dergleichen gehört. Wie kann man rechtzeitig den modernen Herdenmenschen, der sich aber als Selbstverwirklicher fühlt, zu besonnenem, rücksichtsvollem Verhalten bewegen. Nummern ziehen vor Geschäften, hätte man… Mehr

… oder auch auf die AfD hören. Bereits am 4. März im Bundestag:

https://www.youtube.com/watch?v=eh-sbYTaZEU

Im Protokoll kann man noch die namentlichen Zwischenrufer und ihre „Einwürfe“ finden.

Ich sehe keinen Grund für Entschuldigung wegen Coronaversäunissen. Eher für übertrieben Panikmache, Einschränkung von Grundrechten, Religionsfreiheit, freie Berufsausübung usw. Und hier ist vieles eher ein Fall für den Staatsanwalt anstelle einer Entschuldigung. Warum diese Verharmlosung des andauernden Verfassungsbruchs?

Oh ne, echt jetzt? Niemand muß sich im 21. Jahrhundert für den Sklavenhandel entschul-
digen, genausowenig wie ich mich für die Nazizeit entschuldigen würde. Wie käm ich drauf?
Bei Corona muß sich auch keiner entschuldigen, man bedenke die Schweinegrippe, mit von Herrn Drosten angekündigten hundertausenden Toten in Deutschland oder waren es Mio. Wer blickt noch durch bei all den vielen Experten? Wo kommen die plötzlich alle her? Hat Merkel die engagiert? Turmbau zu Babel reloaded?

Auch die Journalisten, die vor 1990 wahrheitswidrig lobhudelnd über die DDR schrieben, haben sich nicht entschuldigt. Sie haben einfach plötzlich völlig anders geschrieben. – In unserer Mediendemokratie ist man als Politiker oder Journalist erfolgreich, wenn man der Masse nach dem Mund redet. Vor 1990 wollte die Masse, dass die DDR „gut“ ist (sonst hätte man ja etwas tun müssen), nach 1990 wollte man die Stasi zum Gruseln. Bei Corona: Bis März wollte die Masse beruhigt werden, um sich nicht vorbereiten zu müssen. Ab März, nach den Bildern aus Italien, wollte sie harte Maßnahmen. Und kriegt beides. Warum soll sich da… Mehr