Paris und die Filterblase

Ja, die Filterblase. Wobei die Frage unbeantwortet bleibt, wer drin sitzt und wer draußen? Es gibt sie schon, Berichte über Gewalt in Paris - hinten platziert, vorn tobt Trump. Tenor: Ach, Paris - wieder mal. Wieder ein Einzelfall.

© Aurelien Meunier/Getty Images

Ja, die Filterblase. Interessante Theorie. Wobei immer die Frage unbeantwortet bleibt, wer drin sitzt und wer draußen? Es gibt sie schon, einige Berichte über Gewalt in Paris – hinten platziert, vorn tobt Trump. Sie legen meist den Schluss nahe: Ach, Paris – wieder mal. Wieder ein Einzelfall.

Bilder von Gewalt aus Frankreich kennen wir seit Jahrzehnten. Wir lesen jedoch wenig bis nichts über die Hintergründe – außer Aufstand gegen die Umstände. Fast alle Reporte über die Gewaltausbrüche reihen sich in den üblichen Erzählmodus „Aufstand der sozial Benachteiligten“ ein. Das sind die Chancenlosen, die Diskriminierten in den Banlieus, die den gerechten Aufstand proben und für ihre Rechte kämpfen. Dann protestieren in Reportagen Aufständische gern gegen Polizeigewalt, also ein scheinbar legitimer Protest eigentlich grundanständiger Leute.

Ein aktuelles TV-Video mit Bildern aus den umkämpften Straßen rückt gleichzeitig eine Gruppe Jugendlicher aus den Banlieus in den Vordergrund, die nach einer schweren Ausschreitung artig die Straßen aufräumen: „Wir wollen hier in Frieden leben.“ Oder es sind einzelne »Gewaltbereite«, die friedliche Demonstrationen gegen Polizeigewalt eskalieren lassen. So, als hätte nicht ein Michel Houellebecq eine genaue Beschreibung geliefert, wie Islam-Vertreter eine Gesellschaft durchdringen und die Macht ergreifen wollen.

Gerne wird in deutschen Berichten die sozialistische französische Regierung zitiert, die immer wieder betont, dass den Gefährdeten in den Vorstädten aus ihren Milieus herausgeholfen werden solle. Sie berichten von ihren Rezepten, zum einen Verständnis für „die Wut vieler Jugendlicher, die sich von der Republik diskriminiert und im Stich gelassen fühlen“ zu zeigen und zum anderen von Versuchen, diese Siedlungen menschenfreundlicher umzubauen. Die wurden, nebenbei bemerkt, seinerzeit als Produkte modernen sozialistischen Städtebaues als fortschrittliche Wohnlandschaften gepriesen.

Auch die NZZ, die auch schon fragt, welche Auswirkungen die Migrationswelle auf die Sicherheit in Europa hat, stellt die jüngsten Gewaltausbrüche auf diese Stufe und berichtet von „Ausschreitungen bei Protestkundgebung in Paris“. Sie befürchtet: „Diese anhaltenden Krawalle in den verwahrlosten Aussenquartieren von Paris drohen der Front-national-Chefin Marine Le Pen Auftrieb zu verleihen“. Wir lesen in den Korrespondentenberichten wenig bis nichts darüber, daß diese Ausbrüche längst mehr sind als Proteste „Abgehängter“.

Wenn vermummte Angreifer gut organisiert und schnell Straßenzüge in ihre Gewalt bringen, mit Polizisten besetzte Polizeiwagen in Brand setzen und sich Szenen wie im Bürgerkrieg abspielen, dann ist das mehr als ein einfaches Aufbegehren des unzufriedenen muslimischen Nachwuchses. Kaum ein Bericht bringt die Gewalt mit dem Wirken von Islamisten in Verbindung. Denn auch in den Vorstädten haben radikale Islamisten ihre Anhänger gefunden. Es sind auch nicht die aufgrund von Diskriminierung vom Islamismus Verführten. Es ist vielmehr ein handfester Kampf einer Ideologie um die Vorherrschaft entbrannt. Und der ist auch nicht auf Paris beschränkt.

Die Berichte rücken fast nur die „Zukurz-Gekommenen“ in den Fokus. Kaum eine Beschreibung aus Sicht derjenigen, „die schon länger da sind“. Die muß man im Internet suchen. Schon seit einiger Zeit kursiert auf Youtube die Erzählung aus dem Alltag in Calais. Simone, eine Einwohnerin der französischen Hafenstadt, also eine, die schon länger da ist, beschreibt in ihrer eindringlichen Rede die schon nicht mehr schleichenden Veränderungen in der Stadt durch die, die noch nicht so lange da sind. Dort übernimmt ebenfalls der Mob die Straßen. Und die Stadtverwaltung tut nichts. Im Gegenteil: Sie versucht sogar, davon zu profitieren, während die Bürger ihre Läden und Geschäfte schließen müssen und überlegen, davonzuziehen.

Hier eine Fassung mit englischen Untertiteln:

Subjektive Innenansichten einer Gesellschaft, die der eilige Korrespondent entweder nicht mitbekommt, oder die nicht in sein Weltbild passen.

Einen Eindruck aus dem Alltag schickt uns ein TE-Leser, dessen Tochter in Paris lebt:

„Heute früh auf dem Weg zur Uni saß ich in der Metro, als auf einmal ein Mann reinkommt und schreit, niemand dürfe die U-Bahn verlassen, weil er sonst alle tötet“, berichtet sie. „Da die Lage ja eh sehr angespannt in Paris momentan ist, haben alle Menschen natürlich auf ihn gehört und niemand ist ausgestiegen. Er hat die ganze Zeit geschrien, er würde jedem einzelnen in dem Waggon den Kopf abschneiden, und er meinte, er sei bewaffnet. Alles was er die ganze Zeit meinte war: ‚Ich töte euch alle‘.

Das waren die unangenehmsten Minuten meines Lebens, glaube ich, da so eine Ruhe auf einmal war. Jede Bewegung seinerseits habe ich beobachtet und er war sehr hektisch, was mich unruhig machte. Keine seiner Bewegungen konnte man einschätzen. Ich saß direkt vor dem Mann, aber konnte nicht aufstehen, da er sonst wahrscheinlich ausgerastet wäre. Er hat mir und dem Mann neben mir die ganze Zeit in die Augen geguckt.

Eine Frau hinter mir hat die Polizei heimlich angerufen und zwei andere Männer haben versucht den ‚Angreifer‘ zu stoppen, aber vergeblich. In der nächsten Station ist dann sofort die Armee reingekommen und hat ihn abgeführt.

Ja, mittlerweile kommen Armee-Truppen mit Maschinenpistolen und nicht mehr Polizisten mit normalen Waffen. Nachdem die Armee ihn abgeführt hat, war alles so wie davor. Die Leute um mich herum haben Musik gehört und weiter in ihren Büchern gelesen. Als wäre nichts gewesen.“

Ein lesenswerter Bericht ist übrigens hier zu finden: „In Paris brennen Polizisten – das Leben geht weiter. Wie lange noch?“

Auch die Mehrzahl der TE-Leser teilt den Eindruck: „Paris brennt, der ÖR schweigt, und man fragt sich, wie lange es noch dauert, bis diese Zustände auf Nachbarländer übergreifen bzw. in Frankreich das Kriegsrecht verhängt wird. Diese Gewaltausbrüche gehen auch nicht pauschal von ‚Migranten‘ aus, sondern doch von einem ganz speziellen kulturell-religiösen Milieu. Von den mehreren hunderttausend Chinesen in Frankreich sind solche Gewalttaten nicht bekannt, die werden seit Jahren zunehmend Opfer dieses speziellen Milieus.“

„Die Berichterstattung in den französischen MSM ist meist ähnlich stark ‚gefiltert‘ wie in D. So schrieb der Figaro vor zwei Tagen über die Zustände in Paris „Incidents à la manifestation pour Théo“, also „Zwischenfälle auf der Demonstration für Théo“. (So vorgefiltert übernehmen es viele deutschsprachige Medien.) Das klingt doch schon viel beruhigender als „Straßenschlachten“, finden Sie nicht? Wenn dann jemand zu Schaden kommt, ist er oder sie dann wohl einfach „gezwischenfallt“ worden. So ist das im politisch korrekten Neusprech – auch jenseits des Rheins.

Wer Missstände konkret aufzeigt, muss in Frankreich mittlerweile mit einer umgehenden Klage durch das Zentrum gegen Islamophobie (CCIF) rechnen – in dessen Hintergrund die Muslimbürderschaft steht – und sich vor Gericht für die ‚rassistischen Äußerungen‘ rechtfertigen. So geschah es kürzlich dem französischen Historiker Georges Bensoussan, der über die zunehmende Islamisierung Frankreichs recherchiert hatte. Ein in einem Radiointerview geäußerter Nebensatz wurde ihm nun zum Verhängnis und führte zu einem Gerichtsverfahren. Die Wächter des CCIF sind überall. Kein Wunder, dass in Frankreich bereits der Begriff des „terrorisme culturel“ gebraucht wird. Aber in Frankreich herrscht auch ein mehrfach verlängerter Ausnahmezustand.

Selbst auf den Seiten des Mediendienstes Meedia kontrastieren Leser den redaktionellen Kommentar über die „Filterblasen“:

„Das ist doch Augenwischerei, wenn man einmal in X Tagen was zu anhaltenden gewalttätigen Ausschreitung schreibt, aber jeder Furz von Trump 3 kritische und mahnende Kommentare erzeugt.

Das hat nichts mit Filterblase zu tun, sondern mit den Medienpräferenzen. Es ist halt gerade angesagt, gegen den bösen Trump zu hetzen und Migrantengewalt thematisieren ist stimmungstechnisch blöd. Also schreib ich meine Trump-Hetzartikel oder irgendeinen unauffälligen Nonsens.

DAS ist es, was die »besorgten Bürger« erst nervt und schlussendlich massiv erzürnt, weil man das Gefühl hat, das einem nur die genehmen Geschehnisse der Welt erzählt werden sollen und anderes, dass gerade nicht in die politische Agenda passt, einfach nur unter ferner liefen, kurz erwähnt wird, am Besten noch mit Hinweis, da jetzt nicht zu extrapolieren.“

Ein anderer Leser schreibt: „Mein Eindruck ist/war auch, dass es im Gegensatz zu den Unruhen vor ein paar Jahren nebenbei erwähnt wurde, mit sowenig Output und Häufigkeit, dass man schon auf besagte Idee kommen kann. Gab nichtmal die obligatorische Phoenixrunde dazu.“

Dabei haben wir noch nicht einmal einen Blick nach Marseille geworfen. Das Stadtbild spricht Bände: Teile der Hafenstadt am Mittelmeer sind zur No Go Area geworden. Da griffen Vermummte auch schon mal den Polizeichef an und schossen auf Polizisten. Antisemitismus hält Einzug, Moslems greifen Juden an, die verlassen die Stadt. Aus Synagogen werden Moscheen.

Sogar Wikipedia kommt nicht umhin festzustellen: „Rund 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung von Marseille sind muslimischer Abstammung, von denen die meisten in den ärmeren Vierteln im Norden der Stadt, dem 3., 2., 1., 13., 14. und 15. Arrondissement, leben. Eine der wichtigsten Persönlichkeiten des Islam in Frankreich, Soheib Bencheikh, Großmufti von Frankreich, vertritt eine liberale Form des Islam. In letzter Zeit gewinnen aber auch fundamentalistische Strömungen an Einfluss.“

Ein eigenes Kapitel lautet „Kriminalität“: „Marseille war seit den 1950er Jahren durch Einwanderung aus dem Maghreb geprägt; durch die Deindustrialisierung in den traditionellen Bereichen wie dem Schiffbau und der Schwerindustrie herrscht unter den Einwanderern hohe Jugendarbeitslosigkeit und Armut, der Drogenhandel sichert nicht selten ein Einkommen. Der Zusammenhalt innerhalb und zwischen den Einwanderergruppen wird immer brüchiger, damit mangelt es zunehmend an einer sozialen Struktur, was Kriminalität begünstigt. Die Preise für Waffen sinken, Raubüberfälle werden häufig auch mit falschen Waffen verübt. Ab 2007 wurden zugleich 350 Stellen bei der Polizei gestrichen.“

Die Filterblase – wer sitzt drinnen und wer draußen? Und wer in welcher Filterblase? Schwierige Fragen. Oder doch nicht? Bis dann einer einfach mal die Blase zum Platzen bringt. Einfach so.

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