Die Kirche läutet gegen Corona-Demonstranten

In Schweinfurt läutete die katholische Stadtkirche am Sonntag gegen Corona-Demonstranten. Die Seelsorger haben auch einen Aufruf gegen die Demos unterschrieben. Die Provinzposse erinnert an eine schlechte Don-Camillo-Imitation. Das Glockengeläut entwertet es allemal.

Symbolbild

Giovannino Guareschi hat mit Don Camillo den Prototypen des klerikalen Kundgebungsstörers erfunden. Der Pfarrer, der eine Rivalität mit dem kommunistischen Bürgermeister Peppone pflegt, torpediert kurz nach dessen Wahl die Feier der Roten. Auf der Piazza vor der Kirche stimmen diese ihre revolutionären Reden an, während Don Camillo im Inneren des Gotteshauses auf- und abgeht; am liebsten will er das ganze Pack vertreiben, wenn nicht verprügeln, doch Jesus ermahnt ihn, dass sein Platz „in seinem Haus“ sei. Sofort stürmt der Pfarrer den Campanile hinauf und sabotiert die Versammlung durch eifriges Glockengeläut.

Darf sich die Kirche in politische Angelegenheiten einmischen? Historisch sei gesagt: Der Kommunismus war nicht irgendeine politische Ideologie, sondern eine dezidiert antichristliche. Die katholische Kirche konnte in der Sowjetunion sehen, welches Schicksal ihre orthodoxen Glaubensbrüder in der „Diktatur des Proletariats“ erlitten. Es war der polnische Papst Johannes Paul II., der eine alles andere als neutrale Haltung gegenüber dem Ostblock einnahm und seinen Teil beisteuerte, diesen zu Fall zu bringen.

Corona-Demonstrationen
Neujahrsproteste in ganz Deutschland
Der Kommunismus war – und ist – eine existenzielle Bedrohung der Kirche als Institution, des Christentums als Religionsgemeinschaft und der theologischen wie philosophischen Grundlage des westlichen Menschenbildes. Dass Don Camillo die Glocken läutet, ist demnach mehr als nur ein bloßes politisches Bekenntnis. Die Kommunisten grummeln bereits am Boden, der Ruf erhebt sich, dass man ihn vom Glockenturm schießen müsse. Peppones Zwischenruf: Man muss ihn mit einem Schuss abknallen, sonst schießt er zurück. Schließlich hat Don Camillo im Krieg gekämpft.

Eine eskalierte Corona-Demonstration als Auslöser

Im fränkischen Schweinfurt versucht man es nunmehr mit der Don-Camillo-Imitation. Dort erregen die Corona-Demonstrationen seit einiger Zeit den Unmut der Stadt. Am 12. Dezember hatten 2.000 Bürger gegen die staatlichen Maßnahmen protestiert – unangemeldet. Dabei kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten. Die Einsatzkräfte beklagten eine „teils heftige Aggressivität“. 15 Anzeigen wurden gegen Tatverdächtige erstattet, zehn Personen vorläufig festgenommen. Acht Personen sollen sich durch Schläge und Tritte gewehrt haben, zwei weitere hätten versucht, ein Zivilfahrzeug der Schweinfurter Polizei in Brand zu setzen.

Die meisten Protestler hätten sich zwar nach Polizeiangaben friedlich verhalten, es seien jedoch ein paar Dutzend „aufwiegelnde Aggressoren“ in der Menge gewesen. Die Demonstranten hätten größtenteils keine Masken getragen, der Mindestabstand habe immer wieder eingefordert werden müssen. Gegen die Initiatoren der Veranstaltung wird ermittelt. Kurz: Die Demo ist ein Ärgernis. Verständlich, dass sich bald der Protest gegen den Protest sammelte.

Zweierlei Maß im Corona-Staat
Staatsfeind Spaziergänger
Das Ergebnis ist die „Schweinfurter Erklärung“, ein Online-Dokument, das auf der Webseite mehr als 350 Unterzeichner aufweist, nach Angaben des Bayerischen Rundfunks jedoch in vier Tagen rund 12.600 Unterschriften auf der Plattform „change.org“ erreichte. Überflüssig zu erwähnen, dass es sich dabei nicht nur um Schweinfurter handelt. Auszug: „Es kann nicht akzeptiert werden, dass die gesamtgesellschaftlichen Anstrengungen zur Eindämmung des Coronavirus und die Entbehrungen durch das verantwortungslose Handeln einer Minderheit schlecht geredet werden.“ Überregionale Initiatoren nutzten die Pandemie als Vorwand, um Unruhe zu stiften.

Das Glockengeläut hebt die Corona-Demo auf eine Ebene, die ihr nicht zusteht

An dieser Stelle kommt die katholische Kirche in Schweinfurt ins Spiel. In vollem Umfang unterstützten die Seelsorgerinnen und Seelsorger der Stadt die Erklärung. Die eskalierende Gewalt bereitete Stadtpfarrer Joachim Morgenroth große Sorge. Doch die Verantwortlichen gehen noch einen Schritt weiter: Am Sonntagabend sollten die Glocken der Stadtkirche gegen nicht angemeldete Corona-Demonstrationen läuten und die Menschen zur Bitte um den Heiligen Geist aufrufen. Amen, so geschah es.

Inwiefern die Schweinfurter mit dem Demonstrationsproblem umgehen, ist tatsächlich ihre Sache. Niemand sieht es gerne, wenn Auswärtige in einer Stadt ankommen und Unruhe stiften – geschenkt. Jedoch ist es eine andere Sache, inwiefern die katholische Kirche vor Ort ihr moralisches Gewicht in die Waagschale wirft, angesichts der historischen Verwerfung im Lande und den Vergleichen zur Vergangenheit. Kirchenglocken läuten entweder zum Gebetsaufruf, zum Anlass der Freude oder zur Warnung vor Gefahr.

Vereinzelte sind leicht beherrschbar
Tyrannei der Mehrheit
Der Introitus mit Don Camillo ist daher bewusst gewählt. Wer eine Corona-Demonstration mit Glockengeläut „bekämpft“, hebt sie auf eine Ebene, die ihr prinzipiell nicht zusteht. Corona-Demonstranten haben sich in der jüngeren Vergangenheit als höchst heterogen offenbart. Eine geschlossene, totalitäre Ideologie, die tatsächlich staatsbedrohend und kirchenfeindlich ist, und als Bindemittel der Demonstranten dient, existiert nicht. Während Don Camillo als Vertreter einer ohnmächtigen Minderheit gegen Peppone vorgeht – der Dorfrat von Brescello verfügt nur über einen einzigen konservativen Abgeordneten –, ist es hier die selbsterklärte Mehrheit, die sich der Unterstützung von einem Betriebsrat des Unternehmens Schaeffler und des hiesigen SPD-Fraktionsvorsitzenden versichern kann.

Die Aktion erinnert an die Verdunkelung des Kölner Doms

Die Provinzposse erinnert frappierend an die Verdunkelung des Kölner Doms im Jahr 2015, als das Domkapitel entschied, das Wahrzeichen nicht zu beleuchten, wenn die Pegida-Bewegung demonstrierte. Es war ein Zeichen, das niemand gefordert hatte. Umso verzückter reagierten Politik und Medien. Dass die Kirche dem Aufzug damit mehr Bedeutung schenkte, als es die Erzbischöfe der Vergangenheit für einen Demonstrationszug jemals zugelassen hätten, interessierte nicht. Obwohl jeder wusste, wo die Una Sancta stand, bedurfte es des öffentlichen Offenbarungseides. Warum eigentlich? Hatte irgendjemand die Kirche im Verdacht, xenophob zu sein?

Damals wie heute muss sich die Kirche unangenehmen Fragen stellen. Nämlich, warum sie nur in ganz bestimmten Fällen von ihrer moralischen Macht Gebrauch macht, und in anderen nicht. Jedes Zeichen in die eine Richtung betont das Fehlen eines Zeichens in die andere Richtung. Das Kirchglockengeläut wirft wie bei der Verdunkelung des Doms die Frage auf, warum der Klerus an anderer Stelle schwieg. Sie erhebt damit die mediale Überhöhung von Anti-Rassismus und Impfsolidarität zur Priorität, ohne etwa ihren anders gearteten Verpflichtungen nachzukommen – beispielsweise dem Schutz aller Ausgegrenzter, und mögen sie noch so sehr sündigen.

Wer einmal läutet, muss immer läuten

Zu den Fragen, die beim Kirchengeläut von Schweinfurt in der Seele brennen, gehören: Warum läutete die Kirche keine Glocken, als 2015 Frankfurt bei der Eröffnung des EZB-Sitzes in linker Randale ertrank? Warum läutete sie keine Glocken, als 2017 Hamburgs Straßen beim G20-Gipfel brannten? Warum läutete sie keine Glocken, als die EU 2021 de facto ein Recht auf Abtreibung anerkannte? Warum läutet sie nicht bei Antifa-Aufmärschen? Warum nicht bei Maikrawallen? Weshalb gilt eine Corona-Demonstration als moralisch so viel gefährlicher und staatszersetzender? Es sind Fragen, die sich die Kirche ohne Not selbst einbrockt.

Wer einmal läutet, muss immer läuten. Wer bei Lappalien läutet, muss den Ruf aushalten, es anderen recht zu machen, statt dann zu läuten, wenn es ernst ist. Als Don Camillo einsam auf dem Glockenturm stand, drohte man ihm mit Erschießung. Die Seelsorger Schweinfurts können dagegen davon ausgehen, dass sie die Meinung der Mehrheit auf ihrer Seite haben. Sie leisten damit selbst dem Eindruck Vorschub, nur dann Gesicht zu zeigen, wenn es opportun ist – oder im Sinne des Staates. Für solche Marginalien wäre ein Don Camillo nicht einmal auf den Campanile geklettert.

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Kommentare ( 95 )

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Transvaal
13 Tage her

Wie lange wird es noch dauern, bis Pfarrer bei Impfpflichtgegnern, Atomkraftbefürwortnern, Gegnern der offenen Grenzen nach Pfefferspray und Schlagstöcken rufen werden ?

reconquistadenuevo
13 Tage her

Nicht nur in Schweinfurt heulen die „Vertreter“ der kath. Kirche mit den Wölfen (Mächtigen), wie schon im sog. 3. Reich und der DDR. Ganz schlimm (zum wiederholten Male) der Pfarrer von der Kath. Gemeinde Münster-Kinderhaus. Die Weihnachtskrippe dort zeigt das Jesuskind in einem Tuch liegend über einer tiefen Schlucht, welche die Spaltung der Gesellschaft symbolisieren soll. Dazu liegen für die Besucher von ihm unterzeichnete Flyer aus, zur weiteren „Erläuterung“.  Auszüge daraus: „Wenn etwas im vergangenen Jahr beklagt wurde, dann war es die wachsende Spaltung unserer Gesellschaft und der Welt. Es begann im Januar mit dem Ansturm…der Trump-Anhänger auf das Kapitol…Wie weit kann… Mehr

Arndt Schuster
13 Tage her

„Überregionale Initiatoren nutzten die Pandemie als Vorwand, um Unruhe zu stiften.“ Wie sich die Bilder bzw. die Begriffe gleichen. In der DDR waren es „Agenten aus dem Westen“, die den Aufstand 1953 anzettelten. Es durfte nicht sein, was nicht in das Bild der Kommunisten passte.

Skorpion
14 Tage her

Vor einigen Jahren bei einer Wahlkundgebung der AfD auf dem Marktplatz im niedersächsischen Lingen, sah ich die hässliche Fratze der Kirche. Vor der Kirche wurde die kriminelle Antifa u.a. von einer Verdi-Funktionärin „heiß“ gemacht und mit Trillerpfeifen ausgestattet. Die anschließende AfD-Wahlkundgebung, bei der auch Alexander Gauland sprach, musste aufgrund der massiven Störungen, bei denen auch Gegenstände Richtung Rednertribüne flogen, abgebrochen werden. Ich, als unbeteiligter Zuschauer, wurde von einem Antifa-Vollpfosten angespuckt. Als alles vorbei war und sich der Marktplatz geleert hatte, sah ich, wie sich die Verdi-Funktionärin mit dem Pfarrer auf der Kirchentreppe angeregt und sichtlich gut gelaunt unterhielt. Beide hatten… Mehr

Teiresias
14 Tage her

Putin wusste, was er tat, als er die Renaissance der orthodoxen Kirche vorantrieb. Mit dem Ende des sowjetischen Kommunismus, der sich auf „Wissenschaftlichkeit“ berief, musste eine andere Legitimation her. Wer Zar sein will, muss sich auf Gottesgnadentum berufen können und braucht dafür die Kirche. Putin erneuert damit den auf Ivan IV zurückgehenden Anspruch Russlands, das neue oströmische Reich zu sein, das christliche Byzanz, dessen doppelköpfigen Adler Ivan IV als Wappen für Russland übernahm. Dafür braucht Putin die Kirche. Die Kirchen in Deutschland wissen offensichtlich nicht, was sie tun. Sie versuchen, sich einer Staatsmacht anzudienen, die sich in kommunistischer Manier auf… Mehr

Last edited 14 Tage her by Teiresias
EinBuerger
14 Tage her

Aktuell: Die „Zivilgesellschaft“ schlägt zurück und zeigt den „Spaziergängern“, wer hier das sagen hat:
In Mannheim bildet die „Gemeinschaft der Guten gegen Rechts“ eine Menschenkette um das Rathaus. (Wobei mich immer noch interessieren würde, ob nicht ein großer Teil der „Spaziergänger“ in Mannheim von einem bestimmten Hintergrund herkommt.)
In Leipzig – fest in Antifahand – bildet die Antifa eine Menschenkette quer zur Hauptstraße, um den „Spaziergängern“ das weitergehen zu verwehren.

Christoph Mueller
14 Tage her

Seit den Zeiten des römischen Kaisers Konstantin des Großen war die Kirche immer auf der Seite der Mächtigen. Das Bündnis von Thron und Altar war ja schon sprichwörtlich und hat beiden Seiten sehr viel Nutzen gebracht. An diese alten Zeiten möchte die Kirche wohl wieder anknüpfen. Dabei haben die Kirchenoberen noch nicht verstanden, dass sich die Mächtigen im Land längst die Medien als neue Hauptverbündete geschaffen haben und die Kirchenleute nur noch als nützliche Idioten in der zweiten (dritten?) Reihe mitspielen dürfen.

Sani58
14 Tage her

Christ kann man auch so sein. Ohne die Institution. Vielleicht sogar ein Besserer.

Deucide
14 Tage her

Wegen diesen 70,80,95% IMPFWILLIGEN, FREIWILLIGEN LABORKARNICKELN haben wir jetzt einen hygienefaschistoiden Pharmastaat ! — Durch das freiwillige massenhafte Untertanentum , – OHNE NOT UND TROTZ WISSEN ( = neue GEN-TECHNOLOGIE, NICHT GETESTET, NOTFALL-ZULASSUNG- TROTZ OFFENER MANIPULATIONEN DER ZAHLEN ETC ETC ) – kann die OBRIGKEIT – mit Vorbereitung und Betreuung durch die DAVOS-KULTMAFIA und ihrer Freimaurermedien – LÜGEN, TÄUSCHEN, MACHT MISSBRAUCHEN, SADISTISCH HERRSCHEN… DIE KIRCHE IST TEIL DER INFILTRIERTEN MANIPULIERTEN MEHRHEIT IN DE ODER SOGAR TEIL DES DAVOS-KULTS (Papst Franziskus trifft die Pharmalobby immer wieder gerne!) – – Und das besonders Perfide: Weil die blinden Massen die Impforgien freiwillig durchführen,… Mehr

Susisorglos
14 Tage her

„Die Seelsorger Schweinfurts können dagegen davon ausgehen, dass sie die Meinung der Mehrheit auf ihrer Seite haben.“

Die Frage ist nur, wie lange noch? Auch sie glauben, dass ihnen nichts passiert, solange sie sich auf der richtigen Seite wähnen. Auch sie merken nicht, dass der Wind sich langsam dreht. Was passiert, wenn die Bevölkerung endlich festgestellt, dass der Kaiser nackt ist? Ihnen werden die Schäfchen davon laufen und nicht mehr zurückkehren. Dann wird das Gejammer groß sein.