Klimaextremisten rufen im Spiegel zur Gewalt auf

Der schwedische Extremist Andreas Malm ruft im „Spiegel“ öffentlich zur Gewalt auf. Es ist nicht das erste Mal, dass das Magazin militanten Verfechtern und Umsturzbefürwortern von der Ökofront ein solches Sprachrohr gibt. Davor lautete schon ein Spiegel-Titel: „Wer Klimaschutz verhindert, schafft die grüne RAF.“

IMAGO / Jürgen Ritter

Anfang der letzten Woche legte die deutsche Presse wieder in Sachen „Framing“-Manöver vor. Es ging um eine Sabotageaktion der „Letzten Generation“. Obwohl in den großen Medienhäusern Sympathie für die „Klimasache“ besteht, war selbst aus diesem Milieu Irritation, wenn nicht Abneigung gegen die Manöver der Asphaltkleber zu spüren – oder wenigstens Distanz.

Nachdem nach einer neuerlichen Sitzblockade in München den Autofahrern jedoch der Geduldsfaden riss, wurde nicht mehr das Verhalten der Saboteure, sondern das der Sabotierten kritisiert. So las man etwa, dass das Verhalten der Autofahrer nicht verhältnismäßig gewesen sei, schließlich habe es sich bei München-Fürstenried um eine „unbedeutende Autobahnausfahrt“ gehandelt.

„Militante Klimakämpfer verlangen die Eskalation“

Die wachsende Akzeptanz – vorher heimlich, nun aber immer offener – belegt ein Kommentar im Hamburger Magazin Der Spiegel. Autor: der schwedische Klima-Extremist Andreas Malm. Ideologisch trotzkistisch orientiert – er ist Mitglied der schwedischen Socialistiska Partiet – hat er seine linksradikalen Revolutionswünsche auf den Umgang mit der „Klimakatastrophe“ umgemünzt. Wenn Malm etwa vom „fossilen Kapital“ spricht, das „auf eine infernalische und dämonische Art und Weise außer Kontrolle“ sei, breitet er seine persönliche Ideengeschichte aus.

"Montagsblockaden"
Die „letzte Generation“ blockiert Straßen in mehreren Großstädten
Doch das Traktat ist mehr als der vom Spiegel angekündigte „Debattenbeitrag“ eines „schwedischen Aktivisten“. Malm hetzt nicht nur gegen die bekannten „Klimasünder“. Der Titel sagt es bereits: „Militante Klimakämpfer verlangen die Eskalation“. Man habe, so Malm, „noch nicht genug getan“. „Wir brauchen keine großen Konzepte, um zu erkennen, dass jetzt nur Sabotage und Sachbeschädigung helfen.“ Die „Letzte Generation“ und ihre Aktionen – Straßen-, Hafen-, wie Flughafenblockaden, Hungerstreik vor dem Reichstag – lobt er ausdrücklich.

Voller Pathos fragt er nach: „Was wird die Generation von 2019 als Nächstes tun?“ Wohl unbeabsichtigt trifft Malm damit einen Topos, der bei anderen Völkern die Gänsehaut aufsteigen lässt. In Italien gab es den Mythos der „Generation von ‘99“. Gemeint waren damit die Jahrgänge der am Ende des 19. Jahrhunderts Geborenen, die sich voller Eifer ins Gefecht werfen sollten – und am Ende des Ersten Weltkriegs in den Einsatz geschickt wurden. Die Parallelen zum „Aufruf ins letzte Gefecht“ sind frappierend.

Andreas Malm: martialische Träumereien wie im Ersten Weltkrieg

Denn die martialischen Schilderungen lassen einen anderweitig längst vergessenen Ungeist aufleben. Malm verherrlicht „plattgemachte SUVs“ oder den Angriff auf eine US-Pipeline, die er wie eine Schlacht schildert. Worte wie „bewaffnet“, „zertrümmern“ und „militanter Angriff“ bilden eine Melange, die an eine Version von „Stahlgewittern“ für Arme erinnert. Der schwedische Extremist betont dabei: Das seien nur kleine Nadelstiche gewesen. In naher Zukunft dürfte nur eines vorstellbar sein: „die unerbittliche Verschärfung der Aktionen“.

Das klingt wie ein Befehl zur Mobilmachung. Ist es wahrscheinlich auch. In einem der wichtigsten Blätter der deutschen Medienlandschaft ruft ein Mann mit dem Vokabular eines Generals im Ersten Weltkrieg zum Kampf auf: ein Aufruf zur Gewalt mitten in der etablierten Presse. Ein Trotzkist bemüht das Gebrüll aus trotzkistischen Zeiten.

Offenbar hat der Spiegel mittlerweile selbst Angst vor der eigenen Courage bekommen. So hat die Redaktion den Vorspann geändert. Am Sonntag bereitete der Spiegel seine Leser auf den Artikel so vor: „Streiks, Blockaden, Anschläge: Teile der Klimabewegung haben sich radikalisiert. Richtig so, findet der schwedische Aktivist Andreas Malm: Der Zustand der Erde rechtfertige Gewalt.“ Der neue Spin klingt wesentlich distanzierter: „Hungerstreiks, Straßenblockaden, Anschläge auf Pipelines: Teile der Klimabewegung haben sich radikalisiert. Der SPIEGEL dokumentiert die Gedankenwelt dahinter mit diesem Text.“

Die Redaktion schwächte den Eingangstext ab

Vielleicht hat man in der Redaktion gemerkt, dass wenigstens etwas Distanz zu einem Vordenker terroristischer Maßnahmen Not tut, sollten sich in Zukunft die potenziellen Umsetzer dieser Ideen auf ihn berufen. Der Inhalt bleibt dagegen derselbe. Vor Einordnungen, die ja sonst des Spiegels liebstes Kind sind, schreckt er in dieser Causa zurück.

Doch man muss keine schwedischen Vordenker des Öko-Terrorismus importieren. Mit Tadzio Müller gibt es auch ein deutsches Pendant. Er ist Mitbegründer von „Ende Gelände“ und war früher Referent an der Rosa-Luxemburg-Stiftung, der Parteistiftung der Linkspartei. Die NZZ zitiert ihn folgendermaßen: „Wenn es keinen Klimaschutz gibt, gibt es bald auf die Mütze.“

Man solle jetzt schon mit „zerdepperten Autoshowrooms, zerstörten Autos, Sabotage in Gaskraftwerken oder an Pipelines“ im nächsten Sommer rechnen. In der Nacht könnten „Aktivisten“ auch regelmäßig Baustellen auf Autobahnen verwüsten. NZZ-Autor Alexander Kissler bezeichnet solche Äußerungen als „Sprache des Terrors“. Die „Argumentationsattrappen“, die Müller und seine Gesinnungsgenossen nutzten, seien mittlerweile „auch in der Mitte der Gesellschaft en vogue“.

Spiegel gewährte Tadzio Müller ein Interview, in dem dieser von einer „grünen RAF“ phantasierte

Malm nennt Müller im Spiegel-Artikel explizit einen „brillanten Strategen“. Schweden wie Deutschland erscheinen damit als internationale Vorkämpfer im Klimakampf – oder ist es für die Protagonisten bereits ein Klimakrieg?

Bei Malm wie Müller fällt auf, dass man nicht nur das Klima, sondern auch sich selbst zum Opfer stilisiert. Die Täter sind „gezwungen“, aus „Notwehr“ zu handeln. Bei Malm kann – ganz im Sinne des Kommunismus – gegen das böse Kapital nur die Revolution Abhilfe schaffen. Die Extremisten sehen sich im moralischen Vorteil – und folgen höherem Recht. Die Mechanismen, ob bei religiösen oder säkularen Terroristen, sind sich in allen Bereichen ähnlich. Der grüne Terrorismus macht da keine Ausnahme – er kündigt jetzt bereits an, dass er keine Rücksicht auf Verluste nehmen wird. Medien wie der Spiegel helfen dabei, einen Opfermythos zu festigen, um die Taten zu relativieren.

Was Malm und Müller noch verbindet: ihr Verlautbarungsorgan. Denn Malms Beitrag im Spiegel ging einer von Müller voraus – als Interview am 21. November 2021. Der Titel: „Wer Klimaschutz verhindert, schafft die grüne RAF.“ Das Hamburger Magazin wird sich überlegen müssen, ob es gut daran tut, sich als Sprachrohr jener Leute zu positionieren, die ihre eigene Zukunft so deutlich ankündigen.

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Kommentare ( 42 )

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Dr. Bomke
1 Monat her

Es ist verräterisch, wie der Staat, der eigentlich die Rechte seiner BürgerInnen schützen soll, jenen in den Rücken fällt, indem er Kriminelle gewähren lässt. Die Patex-Leute sind so ein Beispiel. Was de jure Freiheitsberaubung und gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr ist, bleibt ungeahndet. Und es geschieht eine propagandistische Täter-Opfer-Umkehr. Ein Staat, der so handelt, seine BürgerInnen schädigt, ihren Schutz de facto abschafft, hat jede Legitimation – ebenfalls de jure – verloren. Der Status ist eindeutig. Die BürgerInnen sind vom Grundgesetz aufgefordert, sich dagegen zu wehren. Dass sie bei Protesten eben von dieser Staatsgewalt niedergeknüppelt würden, ist der beste Beleg, dass… Mehr

Schweigender Gast
1 Monat her

Ein Teil der Medien verlangt den Krieg im Inneren durch Sabotage-Aktionen, der andere Teil der Medien verlangt den Kriegseintritt Deutschlands gegen Russland. Die Resultate für die Bürger sind ähnlich.

Biskaborn
1 Monat her

Es gibt nur eine Partei die diese Entwicklung kritisiert und die wird mundtot gemacht. Die Gesellschaft ansonsten interessiert das alles nicht, keine Oppositionspartei, keine Medien, von den wenigen alternativen Medien abgesehen, keine Gewerkschaften, keine Kirchen , keine Bevölkerung, insofern freie Bahn, ja sogar Billigung dieser Klimaterroristen!

Takeda
1 Monat her

Nun, der Spiegel hat bereits damals mit der Trumpchen-Kopf ab „Satire“ bewiesen, welch Geistes Kind der Spiegel mittlerweile ist. (Ironischerweise, als Charlie Hebdo bewiesen hat, wie geschmacklos die sogenannte Spiegel-Satire (Merkel schneidet Schulz den Kopf ab) war, war das Geschrei groß) Jedenfalls, nichts was der Spiegel noch macht, ist für mich groß überraschend. Der Merkelism in Deutschland, hat Deutschland massiv nach links geschwenkt. Mit Faeser, Schwesig, Habeck, Kretschmann und vielen mehr, sogar ins Extreme. Die Medien sind finanziell abhängig von unserer Regierung, ergo das Sprachrohr. Die grüne RAF wird kommen, das war den meisten wohl auch bereits vorher klar. Es… Mehr

Karl Schmidt
1 Monat her

Nun, das könnte strafrechtlich eine Anstiftung sein. Distanz zur Gewalt kann ich beim Spiegel jedenfalls nicht mehr erkennen. Ob der nun von Haldenwang beobachtet wird, wage ich zu bezweifeln, denn der Linksextremismus ist in Berlin ja schon etabliert und gehört zur (neuen) „Grundordnung“, die auf Freiheit und Demokratie – früher FDGO – pfeift.

Martin Mueller
1 Monat her

Kommt da die grüne RAF?

Diesmal aber vom Staat wahrscheinlich toleriert und hofiert, von den Mainstreammedien sowieso. Oder?

Rolling_Stone
1 Monat her

„Militante Klimakämpfer verlangen Eskalation“. Das können sie haben. Eskalation ist keine Einbahnstraße. Wenn diese Klima-Terroristen es überziehen treffen sie irgendwann auf militanten Widerstand von Normalmenschen. Wenn dann die Politik weiter auf dem Linken Auge blind bleibt dann zerreist es irgendwann dieses Land. Ist aber offenbar politisch gewollt, hat man den Eindruck.

Richy
1 Monat her
Antworten an  Rolling_Stone

Das ist wohl nur ein Wunschgedanke. Wenn sich tatsächlich der sogenannte „Otto Normalbürger“ gegen die Terroristen stellen würde, z. B. gewaltsam die Blockade beenden, dann dürfte man sehr gespannt darauf sein, wie Polizei und Justiz auf diese Art von „Selbstjustiz“ reagieren werden. Nicht der Ökonomie-Terrorist, sondern „Otto“ wird die volle Härte des Gesetzes zu spüren bekommen.

Endstadium0815
1 Monat her

Nicht dieses Schundblatt ist das Problem, sondern diejenigen, die diesen Müll kaufen und lesen. Man sollte diesen Typen mal genau unter die Lupe nehmen und schon wird man erkennen was für ein Pharisäer er ist. Wie wohnt er? Wie heizt er? Was isst er? Was trägt er für Kleidung? Wieviele Handys, Tablets und Computer hat er? Fliegt er? Macht er Urlaub?

h.milde
1 Monat her

Man stelle sich die freudigen Reaktionen vor, dieses Propanda-Interview wäre mit dem nationalen Sozialisten und Naturschützer, bzw. einem Parteinnachfolger, gemacht worden, der als erster Natur- und Tierschutz in´s Deutsche Gesetzbuch mitaufgenommen hat, Naturparks gegründet und ua. den Vorläufer des NABU?
Vom „Sturmgeschütz FÜR die Demokratie“zum „SSturmgeschütz GEGEN die Demokratie“, was für eine historische Transformation. Dieses Fischresteblatt hat fertig, so wie einige andere woken Druckerzegnisse die nur noch als Aborthygieneartikel geeignet sind.

Lotus
1 Monat her

Die Täter sind ‚gezwungen‘, aus ‚Notwehr‘ zu handeln.“

Da schrillen die Alarmglocken. Das Notwehr-Narrativ ist uralt und wird immer wieder missbraucht. Bekanntester Fall: „Seit 5 Uhr 45 wird jetzt zurückgeschossen!“ Auch Putins „Spezialaktion“ ist natürlich Notwehr gegen die aggressive NATO, die Antifa handelt stets in Notwehr gegen „Rechte“, wenn sie Veranstaltungen sprengt oder Andersdenkende ins Krankenhaus prügelt. Lauter arme Opfer, die keine andere Wahl hatten.

Der SPIEGEL zeigt mit seiner kaum verhehlten Kumpanei mit Öko-„Aktivisten“, wie heftig der dt. „Qualitätsjournalismus“ entgleist ist. Das bisschen Distanz, das man sich abringt, ist fast schon von außen erzwungen.

Kassandra
1 Monat her
Antworten an  Lotus

Das Narrativ, an das die Täter glauben, ist widerlegt.
Sie wollen es nur nicht wissen.
In 3 Minuten ausgehebelt und ad absurdum geführt bei einer Anhörung am 28.11.2018 im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit UBA im Paul-Löbe-Haus in Berlin gezeigt: https://www.youtube.com/watch?app=desktop&v=FVQjCLdnk3k
Aus Ignoranz alles zerstören.
Die haben mehr als einen an der Klatsche.